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Entscheid

RBOG 2015 Nr. 13

RBOG 2015 Nr. 13

31. Dezember 2015Deutsch6 min

Source tg.ch

Sachverhalt

3. a) Die Rüge der Berufungsklägerin, die Vorinstanz habe die Fragepflicht zu Unrecht nicht wahrgenommen, geht fehl. Fehlt es wie hier in den materiell-rechtlich wesentlichen Punkten an jeglicher Schlüssigkeit der Parteibehauptungen, so kann auch die gerichtliche Fragepflicht nicht eingreifen, zumal das Gericht (auch im Rahmen seiner Objektivitäts- und Neutralitätsverpflichtung) nicht Sachverhalts­elemente erheben darf, für die sich in den Parteidarstellungen keine Anhaltspunkte finden. Dementsprechend verzichtete die Vorinstanz zu Recht darauf, im Rahmen der gerichtlichen Fragepflicht die wesentlichen, nicht ausreichend substantiiert und insgesamt nicht schlüssig vorgetragenen Sachverhaltsbehauptungen von Amtes wegen zu erheben. Dies gilt umso mehr, als die Berufungsklägerin bereits im vorin­stanzlichen Verfahren anwaltlich vertreten war.

b) Entgegen den Ausführungen der Berufungsklägerin hätte es in diesem Zusammenhang denn auch bei weitem nicht nur darum gehen können, dass sich die Fragepflicht "an den Projektstudien/Modellbauten" beziehungsweise "an den Besprechungen mit den Behörden etc." hätte orientieren können. Abgesehen davon, dass auch diesbezüglich im vorinstanzlichen Verfahren keine entsprechenden Hinweise durch die Berufungsklägerin erfolgten, ist nicht ersichtlich und nachvollziehbar, dass eine auf diese Punkte beschränkte Befragung in irgendeiner Hinsicht die massgeblichen Aufschlüsse hätte erbringen können. Weder brachte die Berufungsklägerin im erstinstanzlichen Verfahren (substantiiert) vor, inwiefern diese behaupteten Bemühungen jeweils im Einzelnen auf eine Auftragserteilung durch die Berufungsbeklagte zurückgegangen und für diese erbracht worden seien, noch zeigte sie insbesondere auf, welcher spezifische Zeitaufwand jeweils mit den behaupteten Verrichtungen und Leistungen verbunden gewesen sei. Auch wenn berücksichtigt wird, dass lediglich eine Teilklage erhoben wurde, ist der Verzicht der Vorinstanz auf Tatsachenerhebungen im Rahmen der gerichtlichen Fragepflicht gemäss Art. 247 Abs. 1 ZPO nicht zu beanstanden.

Obergericht, 2. Abteilung, 23. Oktober 2014, ZBR.2014.37

[1] Art. 243 Abs. 1 ZPO

[2] Mazan, Basler Kommentar, Art. 247 ZPO N 1; Hauck, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (Hrsg.: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger), 2.A., Vorbemerkungen zum Art. 243 N 3

[3] Mazan, Art. 247 ZPO N 1; Hauck, Art. 247 ZPO N 2; Killias, Berner Kommentar, Art. 247 ZPO N 3

[4] Mazan, Art. 247 ZPO N 9; Hauck, Art. 247 ZPO N 2; Killias, Art. 247 ZPO N 8

Erwägungen

[5] Sutter-Somm/Von Arx, in: Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung (Hrsg.: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger), 2.A., Art. 56 ZPO N 19; Gehri, Basler Kommentar, Art. 56 ZPO N 8; Hurni, Berner Kommentar, Art. 56 ZPO N 10

[6] Mazan, Art. 247 ZPO N 11; Hauck, Art. 247 ZPO N 15; Killias, Art. 247 ZPO N 9; BGE vom 2. Dezember 2013,4D_57/2013, Erw. 3.2

[7] Killias, Art. 247 ZPO N 17

[8] Mazan, Art. 247 ZPO N 12

[9] BGE vom 2. September 2014,5A_209/2014, Erw. 3.2.3; BGE vom 5. Februar 2014,4A_444/2013, Erw. 6.3.3; BGE vom 2. Dezember 2013,4D_57/2013, Erw. 3.2; BGE vom 20. April 2012,5A_115/2012, Erw. 4.5.2

[10] BGE vom 19. April 2013,4A_701/2012, Erw. 1.2

[11] Sutter-Somm/Von Arx, Art. 56 ZPO N 15; Gehri, Art. 56 ZPO N 15; Glasl, in: ZPO Kommentar (Hrsg.: Brunner/Gasser/Schwander), Zürich/St. Gallen 2011, Art. 56 N 26; Hurni, Art. 56 ZPO N 49 f.

[12] Mazan, Art. 247 ZPO N 16; BGE vom 2. Dezember 2013,4D_57/2013, Erw. 3.2

[13] Mazan, Art. 247 ZPO N 19; Hauck, Art. 247 ZPO N 17; Killias, Art. 247 ZPO N 11, 17; Hurni, Art. 56 ZPO N 31 ff.; BGE vom 2. Dezember 2013,4D_57/2013, Erw. 3.2

[14] Sutter-Somm/Von Arx, Art. 56 ZPO N 40