2024.RRGR.206
I 150-2024 Hess (Nidau, FDP) Soziale Medien als Haupt-Nachrichtenquelle: Der Verbreitung von Fake-News und KI-BiIder mit Bildung begegnen! Antwort des Regierungsrates
Rubrum
I
Parlamentarischer Vorstoss Antwort des Regierungsrates
Vorstoss-Nr.: 150-2024 Vorstossart: Interpellation Richtlinienmotion: ☐ Geschäftsnummer: 2024.RRGR.206
Eingereicht am: 11.06.2024
Fraktionsvorstoss: Nein Kommissionsvorstoss: Nein Eingereicht von: Hess (Nidau, FDP) (Sprecher/in) Kohler (Spiegel b. Bern, FDP) Arn (Muri b. Bern, FDP) Weitere Unterschriften: 0
Dringlichkeit verlangt: Nein Dringlichkeit gewährt:
RRB-Nr.: 1247/2024 vom 04. Dezember 2024 Direktion: Bildungs- und Kulturdirektion Klassifizierung: Nicht klassifiziert
Soziale Medien als Haupt-Nachrichtenquelle: Der Verbreitung von Fake-News und KI-BiIder mit Bildung begegnen!
Laut dem Jahrbuch Qualität der Medien 2023 der Universität Zürich sind die Hauptinformationsquellen der 18- bis 24-Jährigen in der Schweiz zu 41 Prozent Social Media und zu 37 Prozent das Internet. Die traditionellen Informationsquellen TV, Radio und Print machen noch 20 Prozent aus. TV, Radio und Printmedien überprüfen Nachrichten auf deren Herkunft, Echtheit und Plausibilität, bevor sie verbreitet werden. Im Web und auf den Sozialen Medien hingegen gibt es keine «Gatekeeper». Fake News, künstlich generierte Bilder und Videos verbreiten sich ungefiltert und rasend schnell. Für Laien ist wahr von unwahr und echt von unecht oft nicht mehr zu unterscheiden. Verhindern kann man die Verbreitung von Fake News etc. nicht, aber man kann dafür sensibilisieren. Das einzige Mittel im Umgang mit Fake News und Kl ist Bildung und Aufklärung. Das Thema muss so früh wie möglich thematisiert werden. Neben dem Elternhaus kommt dabei auch der Volksschule, den Mittel- und Berufsbildungsschulen eine wichtige Rolle zu. Welchen Stellenwert hat das Thema bei der Bildungsdirektion des Kantons Bern?
Der Regierungsrat wird um Beantwortung folgender Fragen gebeten:
Erwägungen
1. Ist das Thema Fake-News, Kl-generierte Texte, Bilder und Videos im Lehrplan 21 altersgerecht berücksichtigt?
2. Wenn nicht, ist geplant, es in die Lehr- und Ausbildungspläne aufzunehmen?
3. Ist das Thema Fake-News, Kl-generierte Texte, Bilder und Videos im Lehrplan (Grundausbildung der Lehrfachpersonen) der Pädagogischen Hochschule (PH) bereits integriert?
Wenn nein, ist dies geplant?
Antwort des Regierungsrates
Der Regierungsrat teilt die Haltung der Interpellantin und der Interpellanten, dass die Sensibilisierung und die Aufklärung der Schülerinnen und Schüler im Umgang mit neuen Technologien und der künstlichen Intelligenz (KI) einen zentralen Stellenwert im Unterricht einnehmen muss.
Die Informationsflut und die Geschwindigkeit des technologischen und gesellschaftlichen Wandels erfordern grundlegende Orientierungsfähigkeit und lebenslanges Lernen. Solche Kompetenzen müssen bereits in der obligatorischen Schulzeit aufgebaut werden. Die gestiegene gesellschaftliche Bedeutung der Informations- und Kommunikationstechnologien erfordert damit Anpassungen in allen schulischen Fachbereichen, auch im Sinne einer Stärkung überfachlicher Kompetenzen.
1. Ist das Thema Fake-News, Kl-generierte Texte, Bilder und Videos im Lehrplan 21 altersgerecht berücksichtigt?
Eine zentrale Aufgabe der Volksschule besteht darin, die Schülerinnen und Schüler zu einer vertieften Reflexion des Mediengebrauchs zu befähigen. Ein Verständnis der zugrunde liegenden Technologien und Informatikkonzepte ist nicht nur Voraussetzung für diese Auseinandersetzung, sondern ermöglicht auch das Verstehen und Mitgestalten zukünftiger Entwicklungen. Dadurch werden die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zum mündigen Umgang mit Medien und zu einer eigenständigen Persönlichkeit unterstützt.
Obwohl der Begriff KI im Lehrplan 21 und im Plan d'études romand (PER) nicht ausdrücklich zu finden ist, halten die Lehrpläne fest, dass die Schülerinnen und Schüler lernen müssen, mit den Folgen der rasanten Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien kompetent und verantwortungsbewusst umzugehen. Dazu gehört auch, dass problematische Auswirkungen im Unterricht thematisiert und ein bewusster Umgang angestrebt werden. Um das Verständnis für die Funktionsweise der verwendeten Medien zu fördern, werden entsprechende Konzepte und Prinzipien mit den Schülerinnen und Schülern erarbeitet und insbesondere auch ethische Überlegungen miteinbezogen. Um dieser Entwicklung ein besonderes Gewicht zu verleihen, wird die gesellschaftliche Bedeutung der Medien und Informatik-Nutzung in allen Fachbereichen thematisiert. Zudem wurde das eigenständige Modul «Medien und Informatik» geschaffen. In der 5., 6., 7. und 9. Klasse ist im Kanton Bern eine Wochenlektion Medien und Informatik in der Lektionentafel festgelegt. Die Medienbildung nimmt dabei einen zentralen Stellenwert ein.
2. Wenn nicht, ist geplant, es in die Lehr- und Ausbildungspläne aufzunehmen?
Aus Sicht des Regierungsrates sind die Thematik und die Zielsetzungen in den Lehrplänen genügend verankert und werden in den Volksschulen altersgerecht umgesetzt. Der Regierungsrat will - wie die Interpellantin und die Interpellanten - die Bildung und Aufklärung in diesem Bereich zusätzlich stärken. Die Bildungs- und Kulturdirektion hat daher das Kompetenzzentrum für die Digitalisierung in der Bildung (BeLEARN) beauftragt, eine KI-Orientierung zu entwickeln, die Lehrpersonen der Sekundarstufe I bei Fragen zum Thema KI in der Schule unterstützt.
Folgende Punkte, werden in der KI-Orientierung für die Schulen enthalten sein: – Schulstufenspezifische Leitlinien zur Verwendung von KI-Systemen im Unterricht, – Definition von Handlungsmöglichkeiten, um den erfolgreichen Einsatz von KI-Systemen an Schulen zu ermöglichen, – Umgang mit Chancen und Risiken (Umgang mit Informationsquellen u.a. auch mit Fake News),
– Praxisbeispiele und FAQ
3. Ist das Thema Fake-News, Kl-generierte Texte, Bilder und Videos im Lehrplan (Grundausbildung der Lehrfachpersonen) der Pädagogischen Hochschule (PH) bereits integriert? Wenn nein, ist dies geplant?
In der Ausbildung am Institut Sekundarstufe I werden die Themen «Fake News» und «KI-Bilder» bzw. KI generierte Medien generell, explizit im Curriculum des Querschnittsthemas Digitalität angesprochen. Dies im Rahmen der Lehre zu Medienbildung und der Umsetzung des Moduls «Medien und Informatik» im Unterricht. Vermittelt werden sowohl aktuelles Wissen zu den Themen, wie auch Hinweise zur stufengerechten Umsetzung im Unterricht und zu Lehrmitteln und Lehrmaterialien. Weiter beschäftigen sich die Studierenden generell mit dem Thema «Informationskompetenz».
Dadurch, dass die Studierenden Kompetenzen zur Medienbildung und zum Unterricht im Modul Medien und Informatik in einem Leistungsnachweis nachweisen, ist gewährleistet, dass sich alle Studierenden mit diesen Themen beschäftigen.
Da Digitalität als Querschnittsthema angelegt ist und die genannten Themen für weitere Fächer von Bedeutung sind, beschäftigen sich die Studierenden aber auch in anderen Fächern und Lerngelegenheiten damit. Beispielsweise wird eine Veranstaltung zur Thematik Fake News und Forschung durchgeführt und Studierende haben Unterrichtsmaterialen zum Thema Fake News im Deutschunterricht erstellt.
Auch bei der Kantonspolizei Bern wurden die Herausforderungen von Fake-News und KI insbesondere auch in Bezug auf Kinder und Jugendliche erkannt. Die Kantonspolizei hat diesbezüglich bereits diverse Massnahmen umgesetzt: Sie führt seit 2021 im Rahmen des flächendeckenden Präventionsunterrichts an Schulen das Modul «Digitale Medien» in der 6. Klasse durch. Der Unterricht hat u.a. zum Ziel, die Schülerinnen und Schüler für mögliche Gefahren im Umgang mit digitalen bzw. sozialen Medien zu sensibilisieren und die Reflexion des eigenen Mediennutzungsverhaltens zu fördern. Im Zuge des Präventionsunterrichts der Kantonspolizei Bern werden auch die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten für die Thematik sensibilisiert.
Zudem sensibilisiert die Kantonspolizei Bern im Rahmen des Aus- und Weiterbildungsangebots der PHBern angehende und erfahrene Lehrpersonen in Bezug auf die Herausforderungen im Zusammenhang mit Digitalen Medien im Schulumfeld. Nicht zuletzt unterstützt die Kantonspolizei Bern regelmässig Sensibilisierungskampagnen im Zusammenhang mit Gefahren im digitalen Raum. Dazu gehört beispielsweise die aktuelle Kampagne von Kinderschutz Schweiz gegen Cybersexualdelikte an Kindern und Jugendlichen.
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