Lexipedia
StartseiteNewsErkundenVerzeichnis
NutzungsbedingungenDatenschutzHilfe
Anmelden

11 98 91

Kantonsgericht Luzern

Vom 3. Nov. 1998

https://lexipedia.io/de/docs/ch-lu/kantonsgericht/11-98-91/de/11-98-91

Abgerufen am 11. Sept. 2026

  1. Dokumente
  2. Luzern
  3. Kantonsgericht Luzern
Quelle

Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

11 98 91

11 98 91

Leitsatz

§§ 225, 227 und 258 ZPO; Art. 168 Abs. 1 OR. Gerichtliche Hinterlegung bei einem Prätendentenstreit: Zulässigkeit des Rekurses.

Ein Schuldner wurde von zwei Personen zur Bezahlung derselben Forderung aufgefordert. Der Amtsgerichtspräsident verneinte das Vorliegen eines Prätendentenstreits und wies das Gesuch um gerichtliche Hinterlegung des streitigen Geldbetrages ab. Vor Obergericht stellte sich unter anderem die Frage nach dem zulässigen Rechtsmittel.

Aus den Erwägungen

Ist die Frage streitig, wem eine Forderung zustehe (sog. Prätendentenstreit), kann der Schuldner die Zahlung verweigern und sich durch gerichtliche Hinterlegung befreien (Art. 168 Abs. 1 OR). Dieses Recht steht ihm indessen nur unter der Voraussetzung zu, dass die Frage unklar ist, wer Gläubiger der Forderung sei. Das Gesetz erlaubt dem Schuldner, bei jeder ernsthaften Ungewissheit über die Person des Gläubigers den Betrag der Forderung gerichtlich zu hinterlegen. Der Hinterlegungsgrund kann selbst dann gegeben sein, wenn es (allein) nach Ansicht des Schuldners klar ist, wem der Anspruch zusteht. Insofern stellt Art. 168 OR eine lex specialis zu Art. 96 OR dar (Girsberger, Basler Komm., 2. Aufl., N 1 f. zu Art. 168 Abs. 1 OR; zum Ganzen: Spirig, Zürcher Komm., N 1 ff. zu Art. 168 OR).

Der Grossratsbeschluss über die Anwendung des summarischen Verfahrens bei bundesrechtlichen Zivilstreitigkeiten (SRL 260c) sieht das Summarverfahren zwar nur für die gerichtliche Hinterlegung gemäss Art. 92 OR vor (Ziffer 39). Da aber Art. 96 OR als lex generalis zu Art. 168 OR auf diese Norm verweist, rechtfertigt es sich, auf das vorliegende Verfahren, das zur nichtstreitigen Gerichtsbarkeit gehört (Girsberger, a. a. O., N 4 zu Art. 168 OR), die Bestimmungen des summarischen Verfahrens analog anzuwenden. Daher ist der angefochtene Entscheid rekurrabel (Art. 258 lit. b ZPO). Der Rekurs wäre übrigens auch dann zulässig, wenn auf das gerichtliche Hinterlegungsverfahren die Regelung betreffend vorsorgliche Massnahmen nach § 227 ZPO anzuwenden wäre (vgl. Vogel, Grundriss des Zivilprozessrechts, 5. Aufl., Bern 1997, § 61 N 193). Bei diesem Verfahren handelt es sich ebenfalls um ein summarisches, in welchem der Rekurs gegeben ist (§ 258 lit. b ZPO).

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Bundesgesetz betreffend die Ergänzung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, Art. 92, Art. 96 und Art. 168 — der Erlass wurde am 1. Januar 2000, 1. Mai 2000, 1. Januar 2001, 1. Mai 2001, 1. Juni 2001, 1. Juni 2002, 1. Juli 2002, 1. Januar 2003, 1. April 2003, 1. Juni 2003, 1. Januar 2004, 1. Mai 2004, 1. Juli 2004, 1. Januar 2005, 1. Juni 2005, 1. Juli 2005, 1. Dezember 2005, 1. Januar 2006, 1. April 2006, 1. Januar 2007, 1. Mai 2007, 1. Januar 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2009, 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. März 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 28. Mai 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Juli 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Januar 2017, 1. April 2017, 1. November 2019, 1. Januar 2020, 1. April 2020, 1. Januar 2021, 1. Februar 2021, 1. Mai 2021, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Januar 2023, 9. Februar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2024, 1. Januar 2025, 8. Juli 2025, 1. Oktober 2025 und 1. Januar 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerische Zivilprozessordnung, Art. 225, Art. 227 und Art. 258 — der Erlass wurde am 1. Januar 2001, 1. Juli 2004, 1. Januar 2007, 1. Januar 2011, 1. Januar 2012, 1. Januar 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2014, 1. Januar 2016, 1. Januar 2017, 1. Januar 2018, 1. Januar 2020, 1. Juli 2020, 1. Januar 2021, 1. Januar 2022, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 1. September 2023, 1. Januar 2025 und 1. Juli 2026 erneut konsolidiert.