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21 07 51

Kantonsgericht Luzern

Vom 5. Juni 2007

https://lexipedia.io/de/docs/ch-lu/kantonsgericht/21-07-51/de/21-07-51

Abgerufen am 10. Sept. 2026

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Geltung: Wie spätere Gerichte diesen Entscheid behandelt haben, wurde nicht ausgewertet.

21 07 51

21 07 51

Leitsatz

§§ 60 Abs. 1, 78 und 261 Abs. 1 Ziff. 1 StPO. Die Edition von Steuerunterlagen kann zur Klärung der finanziellen Situation des Täters für die Bussenbemessung eine zweckmässige und angemessene Massnahme sein.

§§ 60 Abs. 1, 78 und 261 Abs. 1 Ziff. 1 StPO. Die Edition von Steuerunterlagen kann zur Klärung der finanziellen Situation des Täters für die Bussenbemessung eine zweckmässige und angemessene Massnahme sein.

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Für die Bemessung der Busse gelangte der Amtsstatthalter an das Steueramt der Gemeinde X. und die kantonale Steuerverwaltung und verlangte zwecks Abklärung der finanziellen Situation die Edition der Steuererklärungen 2005 sowie die Steuerveranlagungen 2005 der Beschwerdeführer. Diese rügten mit Beschwerde vom 29. Januar 2007 bei der Staatsanwaltschaft den Beizug der Steuerakten als ungebührliche Behandlung durch den Amtsstatthalter. Mit Entscheid vom 15. März 2007 wies die Staatsanwaltschaft die Beschwerde ab. Die dagegen wegen offenbarer Gesetzesverletzung nach § 261 Abs. 1 Ziff. 1 StPO eingereichte Beschwerde wies das Obergericht ebenfalls ab.

Aus den Erwägungen

5.3

Der Amtsstatthalter erforscht gemäss § 60 Abs. 1 StPO die Tat, das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters. Nach Art. 106 Abs. 3 StGB bemisst der Richter die Busse nach den Verhältnissen des Täters. Soweit der Amtsstatthalter sich an den Rahmen des Gesetzes hält, hat er grundsätzlich ein weites Ermessen, mit welchen Mitteln zu welchem Zeitpunkt er die Strafuntersuchung voranbringen will (sog. Auswahlermessen). Er kann grundsätzlich alle Massnahmen anordnen, welche die Untersuchung erfordert (§ 78 StPO), so auch die Aktenedition. Eine Rechtsgrundlage für die Aktenherausgabe findet sich in § 114 Abs. 1 StPO. Dies gilt auch für die Abklärung der finanziellen Situation (als Bestandteil der persönlichen Verhältnisse) eines Angeschuldigten im Hinblick auf die Bemessung einer Busse nach Art. 106 Abs. 3 StGB. Das Einholen einer Steuererklärung und Steuerveranlagung ist zweifellos verlässlicher und präziser als eine blosse Parteibefragung; insofern kann eine solche Aktenedition zweckmässig und angemessen sein. Der Luzerner Strafprozessordnung ist demgegenüber keine Norm zu entnehmen, die eine vorgängige Befragung des Angeschuldigten vor der Wahl eines anderen Beweismittels zwingend vorschreiben würde. Gleichermassen verhält es sich mit der Verwendung des in der Praxis eingeführten Formulars zur Tagessatzbemessung. Der Amtsstatthalter hat im Rahmen des Gesetzes sein Ermessen daher korrekt ausgeübt.

5.4

Der Amtsstatthalter stützte sein Vorgehen auf Art. 34 Abs. 3 StGB ab, wonach er zur Auskunftseinholung insbesondere bei den Steuerbehörden berechtigt war (Günter Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, Bern 2006, 2. Aufl., § 2 N 14). Es trifft zwar zu, dass sich diese Bestimmung nach dem Wortlaut nur auf die Bemessung des Tagessatzes bei Geldstrafen bezieht, nicht aber auf die Bussenbemessung. Allerdings wird Art. 34 Abs. 3 StGB über Art. 104 StGB sinngemäss anwendbar erklärt, zumal Art. 106 Abs. 3 StGB keine von Art. 34 Abs. 3 StGB abweichende Norm im Sinne von Art. 104 StGB darstellt.

5.5

Nach Max. XI Nr. 439 stellt die Abklärung der Täterpersönlichkeit - sofern sie mit zweckmässigen und angemessenen Mitteln erfolgt - keine ungebührliche Behandlung dar. Dass Abklärungen - so weiter die Maxime - durchaus eine "unangenehme Betroffenheit" bewirken können, bedeutet noch nicht, dass das Beweismittel unangemessen oder unzweckmässig wäre und damit eine ungebührliche Behandlung darstellen würde. Ob ein Abklärungsmittel ungebührlich ist, misst sich vielmehr am typischen Haupttatbestand einer ungebührlichen Behandlung, nämlich der derartig groben Anstandspflichtverletzung, welche ein disziplinarisches Eingreifen erfordert. Das amtliche Gesuch um Edition einer Steuerveranlagung und Steuererklärung stellt keine Ungebührlichkeit in diesem Sinne dar. Wenn die Steuerbehörden überdies unaufgefordert mehr als die verlangten Unterlagen zustellen, ist dies nicht dem Amtsstatthalter anzulasten.

II. Kammer, 5. Juni 2007 (21 07 51)

Seither geänderte Bestimmungen

Dieser Entscheid legt Bestimmungen aus, deren Erlass seither erneut konsolidiert wurde. Ob der Artikel selbst geändert hat, ist nicht erfasst.

  • Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 34, Art. 104 und Art. 106 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2007; der Erlass wurde am 1. Januar 2008, 1. Juni 2008, 1. August 2008, 1. Oktober 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Februar 2009, 1. April 2009, 1. Januar 2010, 1. Dezember 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Oktober 2011, 1. Januar 2012, 1. Juli 2012, 16. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Januar 2013, 19. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 1. Juli 2013, 1. Januar 2014, 1. Juli 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 11. Juli 2017, 1. September 2017, 12. Dezember 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. März 2019, 1. Juli 2019, 1. November 2019, 1. Februar 2020, 3. März 2020, 1. Juli 2020, 1. Juli 2021, 1. Januar 2022, 1. Juni 2022, 22. November 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. September 2023, 6. Dezember 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024, 1. Januar 2025, 1. August 2025, 1. Januar 2026 und 12. Juni 2026 erneut konsolidiert.
  • Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 60, Art. 78, Art. 114 und Art. 261 — gelesen in der Fassung vom 1. Januar 2007; der Erlass wurde am 1. Januar 2008, 5. Dezember 2008, 1. Januar 2009, 1. Januar 2010, 1. Januar 2011, 1. Juli 2011, 1. Juli 2012, 1. Oktober 2012, 1. Februar 2013, 12. März 2013, 1. April 2013, 1. Mai 2013, 21. Januar 2014, 1. Juli 2014, 25. November 2014, 1. Januar 2015, 1. Januar 2016, 1. Juli 2016, 1. Oktober 2016, 1. Januar 2017, 1. September 2017, 1. Januar 2018, 1. März 2018, 1. Januar 2019, 1. März 2019, 1. Februar 2020, 1. März 2021, 1. Juli 2021, 1. Juli 2022, 1. Januar 2023, 23. Januar 2023, 1. Juli 2023, 1. August 2023, 1. Januar 2024, 1. Juli 2024 und 1. April 2025 erneut konsolidiert.