Kreisschreiben der Schweizerischen Steuerkonferenz Nr. 18 vom 27. November 2001
Schweizerische Steuerkonferenz KS 18
Die interkantonale Ausscheidung bei Änderungen der Steuerpflicht wäh- rend der Steuerperiode im System der einjährigen Postnumerandobe- steuerung mit Gegenwartsbemessung (Natürliche Personen)
Kreisschreiben vom 27. November 2001
1 Allgemeines
Das am 1. Januar 2001 in Kraft getretene Bundesgesetz zur Koordination und Vereinfachung der Veranlagungsverfahren für die direkten Steuern im interkantonalen Verhältnis vom 15. Dezember 2000 hat die Änderung von Artikel 68 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) zur Folge. Diese Bestimmung legt die Wirkungen einer Änderung der Steuerpflicht von natürlichen Personen zwischen Kantonen mit Postnumerandobe- steuerung fest. Sie hat folgenden Inhalt:
„1 Bei Wechsel des steuerpflichtigen Wohnsitzes innerhalb der Schweiz besteht die Steuer- pflicht auf Grund persönlicher Zugehörigkeit für die laufende Steuerperiode im Kanton, in welchem der Steuerpflichtige am Ende dieser Periode seinen Wohnsitz hat. Kapitalleistungen gemäss Artikel 11 Absatz 3 sind jedoch in dem Kanton steuerbar, in dem der Steuerpflichtige im Zeitpunkt der Fälligkeit seinen Wohnsitz hat. Artikel 38 Absatz 4 bleibt im Übrigen vorbe- halten.
2 Eine Steuerpflicht auf Grund wirtschaftlicher Zugehörigkeit in einem anderen Kanton als demjenigen des steuerrechtlichen Wohnsitzes besteht für die gesamte Steuerperiode, auch wenn sie im Laufe des Jahres begründet, verändert oder aufgehoben wird. In diesem Falle wird der Wert der Vermögensobjekte im Verhältnis zu Dauer dieser Zugehörigkeit vermindert. Im Übrigen werden das Einkommen und das Vermögen zwischen den beteiligten Kantonen in sinngemässer Anwendung der Grundsätze des Bundesrechts über das Verbot der interkanto- nalen Doppelbesteuerung ausgeschieden“.
In der Form eines allgemeinen Kommentars hat die Schweizerische Steuerkonferenz in einem Kreis- schreiben diese Bestimmung erläutert1. Neben einem kurzen Rückblick auf die anwendbaren Grund- sätze beschreibt das vorliegende Kreisschreiben die Anwendung dieser Bestimmung in Bezug auf die Einkommens- und Vermögenssteuern. Erörtert werden somit Fragen im Zusammenhang mit dem Wechsel der Steuerpflicht bei persönlicher Zugehörigkeit (Wohnsitzverlegung), Fragen im Zusam- menhang mit der Begründung, der Veränderung oder der Aufhebung der wirtschaftlichen Zugehörig-
1 Kreisschreiben der SSK Nr. 15 vom 31. August 2001
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keit in einem anderen Kanton als dem Wohnsitzkanton sowie Fragen bezüglich der Änderung der Natur der Zugehörigkeit während einer Steuerperiode.
Artikel 68 StHG findet Anwendung auf interkantonale Verhältnisse zwischen Kantonen mit einjähri- ger Postnumerandobesteuerung mit Gegenwartsbemessung. Nur diese werden im Rahmen dieses Kreisschreibens umschrieben.
Artikel 68 Absatz 1 StHG beinhaltet zwei verschiedene Besteuerungsarten vor: Die Besteuerung von Kapitalleistungen gemäss Art. 11 Abs. 3 StHG einerseits sowie die Besteuerung im ordentlichen Verfahren einer quellensteuerpflichtigen Person andererseits. Diese Punkte werden in anderen Pa- pieren der SSK kommentiert2.
Artikel 68 StHG bezieht sich einzig auf die periodischen Einkommens- und Vermögenssteuern. Die Grundstückgewinnsteuern, Erbschafts- und Schenkungssteuern oder Handänderungssteuern sind hingegen nicht betroffen. Die Befugnis, derartige Steuern im interkantonalen Verhältnis zu erheben, wird durch kantonales Recht geregelt. Dabei müssen immer auch die vom Bundesgericht in seiner Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze über das verfassungsmässige Verbot der Doppelbesteue- rung berücksichtigt werden.
2 Wohnsitzwechsel einer natürlichen Person
21 Grundsätze
Wechselt eine natürliche Person ihren Wohnsitz im Laufe einer Steuerperiode von einem Kanton in einen anderen, so ist sie auf Grund persönlicher Zugehörigkeit während der ganzen Periode in dem Kanton steuerpflichtig, in welchem sie am Ende der Steuerperiode ihren Wohnsitz hat. Die Ansässig- keit im Wegzugskanton vor dem Wohnsitzwechsel führt nicht zur persönlichen Zugehörigkeit. Es wird dadurch keine Steuerpflicht begründet.
Wechselt eine Person ihren Wohnsitz von einem Kanton in einen anderen und behält oder begründet sie im Wegzugskanton eine wirtschaftliche Zugehörigkeit, so besteht für die ganze Periode eine be- schränkte Steuerpflicht in diesem Kanton.
22 Beispiele
Beispiel 1 Wohnsitzwechsel
Herr X wohnt im Kanton A. Am 10. Oktober des Jahres N verlegt er seinen Wohnsitz vom Kanton A in den Kanton B. In der Steuerperiode N, welche dem Jahre N entspricht, ist Herr X im Kanton B steuerpflichtig.
2 Kreisschreiben der SSK Nr. 16 vom 31. August 2001
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Beispiel 2 Wohnsitzwechsel und Heirat
Herr X und Frau Y heiraten am 10. Juni des Jahres N. Herr X, der bis dahin im Kanton A gewohnt hat, wechselt seinen Wohnsitz per 1. Juni des Jahres N in den Kanton B. Frau Y wohnte bereits vorher im Kanton B. Das Ehepaar ist für die ganze Steuerperiode N im Kanton B steuerpflichtig.
Beispiel 3 Wohnsitzwechsel und Trennung des Ehepaares
Herr und Frau O haben im Kanton A Wohnsitz. Sie trennen sich. Frau O behält ihren Wohnsitz im Kanton A. Herr O hingegen zieht am 1. März des Jahres N in den Kanton B um.
In der Steuerperiode N ist Frau O als Alleinstehende im Kanton A, Herr O als Alleinstehender im Kanton B steuerpflichtig
Beispiel 4 Wohnsitzwechsel und Aufenthalt
Herr X wohnt im Kanton A. Im Februar des Jahres N zieht er in den Kanton B um, wo er sich bis Ende Herbst des Jahres N aufhält. Per 1. November des Jahres N verlegt er seinen Wohnsitz in den Kanton C.
Herr X ist für die ganze Steuerperiode N im Kanton C steuerpflichtig.
Beispiel 5 Tod des einen Ehegatten und Wohnsitzwechsel des Überlebenden
Herr und Frau Z haben im Kanton A Wohnsitz. Herr Z stirbt am 10. Mai des Jahres N. Am 1. September desselben Jahres wechselt Frau Z ihren Wohnsitz in den Kanton B.
Bis zum Todestag von Herr Z werden die Einkommens- und Vermögenssteuern durch den Kanton A erhoben. Ab dem Todestag bis zum Ende der Steuerperiode N ist Frau Z im Kanton B steuer- pflichtig.
3 Änderungen der wirtschaftlichen Zugehörigkeit ausserhalb des Wohnsitzkantons
31 Grundsätze
Artikel 68 Absatz 2 StHG regelt den Grundsatz der Einheit der Periode bei Begründung, Verände- rung oder Aufhebung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit ausserhalb des Wohnsitzkantons einer steu- erpflichtigen Person. Hat die wirtschaftliche Zugehörigkeit während der Steuerperiode bestanden, gilt die beschränkte Steuerpflicht für die ganze Periode.
Im interkantonalen Verhältnis entsteht eine wirtschaftliche Zugehörigkeit gemäss Art. 4 Abs. 1 StHG , insbesondere im Zusammenhang mit Grundeigentum, mit einem Geschäftsbetrieb oder mit einer Betriebsstätte.
3
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Die Begründung, Änderung oder Aufhebung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit kann aus vielerlei Gründen erfolgen. Bei beschränkter Steuerpflicht infolge Grundeigentum kann die Ursache für die Zugehörigkeit in einem entgeltlichen oder unentgeltlichen Grundstückerwerb liegen. Die Zugehörigkeit kann mit der Eröffnung eines Geschäftsbetriebes, einer Betriebsstätte oder Änderung der Rechtsform eines Unternehmens entstehen oder auf Grund einer Schliessung erlöschen. Diese verschiedenen Möglichkeiten werden an Hand von Beispielen erläutert.
Bei Begründung, Änderung oder Aufhebung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit im Laufe der Steuer- periode muss berücksichtigt werden , dass die Dauer der Zugehörigkeit kürzer ist als die Steuer- pflicht (Art. 68 Abs. 2 StHG). In Bezug auf das Vermögen erlaubt diese Regelung eine indirekte der Dauer der wirtschaftlichen Anknüpfung entsprechende Besteuerung im Sinne von Art. 66 Abs. 4 StHG (sogenannte Gewichtungsmethode). Der Grundsatz, wonach sich das Vermögen nach dem Stand am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht bemisst, wird dabei nicht verletzt (Art. 66 Abs.1 StHG).
Die Berücksichtigung der verkürzten Dauer der wirtschaftlichen Zugehörigkeit durch die Verminde- rung des entsprechenden Vermögenswertes hat zur Folge, dass eine Korrektur vorgenommen wer- den muss. Nur so entspricht die Summe der zu besteuernden Vermögenswerte dem Vermögen am Ende der Steuerperiode. Um das Ganze zu vereinfachen, betrifft diese Korrektur den Wohnsitzkan- ton bzw. den Kanton des Geschäftsbetriebes, wenn die wirtschaftliche Zugehörigkeit durch die Er- öffnung oder Schliessung eine Betriebsstätte begründet oder aufgehoben wird. Bei Begründung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit im Laufe der Steuerperiode wirkt sie sich dies zu Gunsten, bei Aufhe- bung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit innerhalb der Steuerperiode zu Lasten des Wohnsitzkantons oder des Kantons des Geschäftsbetriebes aus.
32 Beispiele zur entgeltlichen Übertragung eines Grundstücks
Beispiel 6 Kauf einer Liegenschaft ausserhalb des Wohnsitzkantons im Laufe der Steuerperiode
Die steuerpflichtige Person mit Wohnsitz im Kanton A erwirbt per 1. April 2002 eine Liegenschaft im Kanton B (Steuerwert: Fr. 300'000). Der Kaufpreis in der Höhe von Fr. 400'000 wird wie folgt finanziert:
Verkauf von Wertschriften: 100’000 Eigenkapital: 40’000 Hypothekarschuld auf der neuen Liegenschaft: 160’000 Erhöhung der Hypothek auf einer anderen Liegenschaft: 100’000
Die steuerpflichtige Person ist ebenfalls Eigentümerin einer Liegenschaft im Kanton C.
Vermögen der steuerpflichtigen Person am 31. Dezember 2002:
Wertschriften: 100’000 Liegenschaft im Kanton C (Steuerwert): 1’000’000 Liegenschaft im Kanton B (Steuerwert): 300’000 Schulden: (460'000) Nettovermögen: 940’000 4
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Im Jahr 2002 erzieltes Einkommen:
Wertschriftenertrag: | 5’000 | |
Nettoliegenschaftsertrag Kanton C: | 64’000 | |
Nettoliegenschaftsertrag Kanton B: | 22’500 | |
Nettolohn: | 140’000 | |
Schuldzinsen: | (22'000) | |
Nettoeinkommen: | 209’500 |
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen
Vermögen am 31.12.2002 | Total Kanton A Kanton B Kanton C | |
Wertschriften | 100’000 100’000 | |
Liegenschaft C*: Steuerwert 1'000’000 x 110% | 1’100’000 1’100’000 | |
Liegenschaft B**: Steuerwert 300’000 x 120% | 360’000 360’000 | |
Korrektur zu Gunsten von A | ||
(360'000 / 360 x 90) | 90’000 (90’000) | |
Total der Vermögenswerte | 1’560’000 190’000 270’000 1’100’000 | |
Anwendbare Prozente für die Ausscheidung des | 100% 12.18% 17.31% 70.51% | |
Nettovermögens und der Schuldzinsen | ||
* Repartitionswert für den Kanton C : 110% | ||
**Repartitionswert für den Kanton B: 120% |
Steuerbares Vermögen3 in den Kantonen A und C*
Total Kanton A Kanton B Kanton C | ||
Vermögen | 1’560’000 190’000 270’000 1’100’000 | |
Schulden | 460’000 56’028 79’626 324’346 | |
Nettovermögen | 1'100’000 133’972 190’374 775’654 | |
Differenz auf den Liegenschaftssteuerwerten** | ||
Kanton C (1'100'000 / 110 x 10) | (100'000) (100'000) | |
Kanton B***(360'000 / 110 x10) | 32’727 (32'727) | |
Kanton A***(32'727 / 360 x 90) | ( 8'182) 8’182 | |
Steuerbares Vermögen A und C** | 967’273 125’790 165’829 675’654 |
*Zwecks Vereinfachung entsprechen die Beispiele den jeweiligen kantonalen Gesetzgebungen. **Die Korrektur der Liegenschaftswerte im Hinblick auf die Ausscheidung erfolgt aus der Sicht der Kantone A
(Hauptsteuerdomizil) und C. Die Repartitionswerte | für die | Kantone A und C betragen 110%, für den Kanton B |
120%. | ||
***Zur Bestimmung des steuerbaren Vermögens der Kantone A | und C muss der Steuerwert der Liegenschaft C | |
(100/110 von 360'000 Franken) um Fr. 32'727 vermindert werden. Ein Teil dieser Verminderung (Fr. 8'182)
geht zu Lasten des Kantons A.
3
In allen Beispielen entspricht „steuerbares Vermögen“ dem Nettovermögen gemäss kantonalem Recht. Dieses berechnet sich nach dem Bruttovermögen abzüglich der Schulden. Ebenfalls berücksichtigt sind die Repartitions- werte, welche der Bestimmung der Liegenschaftswerte für die Ausscheidungen dienen.
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Nettoeinkommen
Einkommen 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C | |
Wertschriftenertrag | 5’000 | 5’000 | |||
Nettoliegenschaftsertrag C | 64’000 | 64’000 | |||
Nettoliegenschaftsertrag B | 22’500 | 22’500 | |||
Bruttovermögensertrag | 91’500 | 5’000 | 22’500 | 64’000 | |
Schuldzinsen | (22'000) 100% | (2'680) 12.18% | (3'808) 17.31% | (15'512) 70.51% | |
Nettovermögensertrag | 69’500 | 2’320 | 18’692 | 48’488 | |
Lohn | 140’000 | 140’000 | |||
Nettoeinkommen | 209’500 | 142’320 | 18’692 | 48’488 |
Beispiel 7 Verkauf einer Liegenschaft ausserhalb des Wohnsitzkantons
Eine im Kanton A wohnhafte Person verkauft am 31. März 2002 eine Liegenschaft. Die Liegen- | |||||
schaft liegt im Kanton C und hat einen Steuerwert von Fr. 300'000. Der Verkaufspreis beläuft sich | |||||
auf Fr. 500'000. Nach der Tilgung einer | Hypothekarschuld in der Höhe von Fr. 100'000 investiert | ||||
die Person den restlichen Verkaufserlös | in Wertschriften. Die | steuerpflichtige Person ist gleichzeitig | |||
Eigentümerin einer Liegenschaft im Kanton B (Steuerwert: Fr. 500'000). Ende 2002 beträgt der | |||||
Wert der Wertschriften Fr. 600'000. Die | privaten Schulden belaufen sich insgesamt auf Fr. 300'000. | ||||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | |||||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung | der Schuldzinsen | ||||
Vermögenswerte am | Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C | |
31.12.2002 | |||||
Wertschriften | 600’000 | 600’000 | |||
Liegenschaften*: | |||||
Kanton B: Steuerwert 500'000 | 600’000 | 600’000 | |||
x 120% | |||||
Kanton C*: Steuerwert | |||||
300'000 x 110% zu Lasten | (330'000) | 330’000 | |||
von A | |||||
Korrektur zu Gunsten von A | 247’500 | (247'500) | |||
Total Aktiven | 1'200’000 | 517’500 | 600’000 | 82’500 | |
Anwendbare Prozente für die | (100%) | 43.12% | 50% | 6.88% | |
Ausscheidung des Nettover- | |||||
mögens und der Schuldzinsen | |||||
* Die Berücksichtigung der begrenzten Dauer der Zugehörigkeit | zu einem Kanton erfolgt in zwei Etappen: a) Hinzufügen des | ||||
Elementes Liegenschaft beim Kanton C, zu Lasten des Wohnsitzkantons, dann b) die Korrektur dieses Elementes C gemäss der
begrenzten Dauer der Zugehörigkeit, mit | entsprechender Korrektur beim Kanton A. Das Vorgehen kann verkürzt werden, indem | ||||
beim Kanton C der Liegenschaftswert direkt proportional im Verhältnis zur Dauer der Zugehörigkeit (in unserem Beispiel: 300'000
x 110% / 360 x 90 = 82'500, Summe zu Lasten des Wohnsitzkantons) gekürzt wird.
6
Schweizerische Steuerkonferenz | 7 | KS 18 |
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Nettovermögen in den Kantonen A, B | und C |
Total Kanton A Kanton B Kanton C | ||||
Total der Vermögenswerte | 1'200’000 | 517’500 | 600’000 82’500 | |
Anwendbare Prozente für die | 100% | 43.12% | 50% 6.88% | |
Ausscheidung des Nettover- | ||||
mögens und der Schuldzinsen | ||||
Schulden | (300'000) | (129'360) | (150'000) | (20'640) |
Nettovermögen | 900’000 | 388’140 | 450’000 | 61’860 |
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A, B und C*
Steurbares Vermögen in den | ||||
Kantonen A und C | ||||
Nettovermögen | 900’000 | 388’140 | 61’860 | |
Differenz auf der Liegenschaft | ||||
im Kanton B : 600'000 /110 x | (54'545) | (54'545) | ||
10 | ||||
Differenz auf der Liegenschaft | ||||
im Kanton C: (82'500 | ||||
/ 110 x 10) zu Gunsten von | ||||
Kanton A | 7’500 | (7’500) | ||
Steuerbares Vermögen | 845’455 | 395’640 | 395’435 | 54’360 |
Steuerbares Vermögen im | 900’000 450’000 | |
Kanton B | ||
Differenz auf Liegenschaft B | ||
(600'000 / 120 x 20) | (100'000) (100'000) | |
Steuerbares Vermögen | 800’000 350’000 | |
* Repartitionswerte: A und C: 110%; B: 120% | ||
Beispiel 8 Verkauf einer Liegenschaft4
Eine Person verkauft am 1. Juli 2002 eine im Kanton B gelegene Liegenschaft für Fr. 1'000'000 | ||
(Steuerwert: 850’000). Der Käufer übernimmt dabei eine Hypothekarschuld in der Höhe von Fr. | ||
800'000. Am Ende des Steuerjahres besitzt die steuerpflichtige Person Wertschriften in der Höhe | ||
von Fr. 400'000. Die Schulden betragen Fr. 50'000. | ||
4
In den Beispielen 8 bis 13 wird angenommen, der Repartitionswert für die Liegenschaften in den verschiedenen
Kantonen betrage 100%.
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Schweizerische Steuerkonferenz | 8 | KS 18 |
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Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren | Vermögensanteile in | ||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung | der Schuldzinsen | ||
Vermögen am 31.12.2002 | Total | Kanton A | Kanton B |
Wertschriften | 400’000 | 400’000 (400'000) | 400’000 |
Liegenschaft B:(850'000 / 360 x | |||
180), max. 400’000 | |||
Aktiven | 400’000 | 0 | 400’000 |
Anwendbare Prozente für die | 100% | 0% | 100% |
Ausscheidung des Nettovermö- | |||
gens und der Schuldzinsen | |||
Bemerkung: Wie dieses Beispiel zeigt, kann der Bruttovermögensanteil des Spezialsteuerdomi- zils, welcher im Verhältnis zur Dauer der Zugehörigkeit vermindert wird, dem Vermögen am
Ende der Steuerperiode entsprechen oder | grösser sein kann als dieses. In diesem Fall | muss der | |
Bruttovermögensanteil des Spezialsteuerdomizils der Höhe des Vermögens am Ende der Steu- erperiode angepasst werden. Existieren mehrere Spezialsteuerdomizile und erweist sich der Bruttovermögensanteil des Kantons, in dem die wirtschaftliche Zugehörigkeit beendet wurde,
höher als das Bruttovermögen des Hauptsteuerdomizils, so müssen die anderen Domizile | den | ||
Teil nicht übernehmen, der zu Lasten des Hauptsteuerdomizil geht und dessen Bruttovermö- gen übersteigt (siehe Beispiel 9). Dieser Teil wird durch den Liegenschaftskanton übernom-
men.
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B
Das steuerbare Vermögen am 31.12.2002 beträgt Fr. 350'000. Es wird zwischen den beiden Kan-
tonen wie folgt aufgeteilt:
Total 100% | Kanton A | Kanton B 100% | |
Aktiven | 400’000 | 400’000 | |
Schulden | (50'000) | (50'000) | |
Steuerbares Vermögen | 350’000 | 350’000 |
Beispiel 9 Verkauf einer Liegenschaft
Eine Person verkauft am 1. Juli 2002 eine im Kanton B gelegene | Liegenschaft im Wert von Fr. |
1'000'000 (Steuerwert: 1'000'000). Der Käufer übernimmt eine Hypothek in der Höhe von Fr.
800'000. Am Ende des Jahres besitzt die | steuerpflichtige Person Wertschriften in der | Höhe von Fr. | |
400'000. Gleichzeitig ist sie Eigentümerin zweier Grundstücke, | die in den Kantonen C | (Fr. 100'000) | |
und D (200'000) liegen. Ihre Schulden betragen am 31.12.2002 Fr. 250'000. | |||
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Schweizerische Steuerkonferenz | 9 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | |||||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | |||||
Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C | Kanton D | |
Vermögen am 31.12 | |||||
2002 | |||||
Wertschriften | 400’000 | 400’000 | |||
Liegenschaften | 300’000 | 100’000 | 200’000 | ||
Liegenschaft B : | |||||
Korrektur zu Lasten | |||||
von A: | |||||
(1'000'000 / 360 x 180) | (500'000) | 500'000 | |||
Korrektur zu Lasten | |||||
von B | |||||
(500’000-400'000) | 100'000 | (100'000) | |||
Total | 700’000 | 0 | 400’000 | 100’000 | 200’000 |
In % | 100% | 0% | 57.14% | 14.29% | 28.57% |
Der Vermögenswert, der dem Kanton B zugeteilt wird und zu Lasten des Wohnsitzkantons A geht,
ist höher als dessen Bruttovermögensanteil. Der Überschuss muss von dem | Kanton B getragen wer- | ||||
den. | |||||
Wenn die Korrekturen mehrerer Spezialsteuerdomizile betreffen und die Summe dieser Kor- | |||||
rekturen zu Lasten des Wohnsitzkantons höher ist als das | diesem Ort zuzurechnende Brutto- | ||||
vermögen, dann muss der Überschuss zwischen den Spezialsteuerdomizilen proportional auf- geteilt werden. Wie das nachfolgende Beispiel zeigt, dürfen die aufgeteilten Aktiven insgesamt
nicht höher sein als die Aktiven, die am Ende der Steuerperiode steuerbar sind.
Beispiel:
Ein Steuerpflichtige mit Wohnsitz im Kanton A hat am Ende der Steuerperiode ein bewegli-
ches Vermögen von Fr. 300'000. Am 1. Juli dieser Periode | hat er zwei Liegenschaften ver- | ||||
kauft. Die eine Liegenschaft (Steuerwert: Fr. 400'000) war im Kanton B, | die andere Liegen- | ||||
schaft (Steuerwert: Fr. 500'000) | im Kanton | C gelegen. | |||
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Schweizerische Steuerkonferenz | 10 | KS 18 |
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Vermögen am Ende der | Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C |
Steuerperiode | ||||
Wertschriften | 300’000 | 300’000 | ||
Liegenschaft im Kanton | ||||
B: | ||||
Korrektur zu Lasten des | ||||
Kantons A: | ||||
(400'000 / 360 x 180) | (200'000) | 200'000 | ||
Liegenschaft im Kanton | ||||
C: | ||||
Korrektur zu Lasten des | ||||
Kantons A: | ||||
(500'000 / 360 x 180) | (250'000) | 250’000 | ||
Verteilung des Überschus- | 150’000 | (66’666) | (83'334) | |
ses zu Lasten der Kantone | ||||
B und C | ||||
Total der Vermögenswerte | 300’000 | 0 | 133’334 | 166’666 |
Beispiel 10 Kauf und Verkauf einer Liegenschaft im Verlauf einer Steuerperiode
Eine im Kanton A wohnhafte Person erwirbt am 1. | Mai 2002 eine Liegenschaft im Kanton B zum | |||
Preis von Fr. 450'000 . Die Liegenschaft wird Ende Oktober zum Preis von Fr. 420'000 weiterver- kauft. Zu diesem Zeitpunkt beträgt der Steuerwert Fr. 390'000. Am Ende der Steuerperiode besitzt
die steuerpflichtige Person ein Vermögen in der | Höhe von Fr. 270'000 (Wertschriften und Spar- | |||
buch). | ||||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur | Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | |||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | ||||
Vermögen | Total | Kanton A | Kanton B | |
Wertschriften und anderes beweg- | 270’000 | 270’000 | ||
liches Vermögen | ||||
Liegenschaft im Kanton B : | (195’000) | 195’000 | ||
(390'000 / 360x 180) | ||||
Vermögen für die Ausscheidung | 270’000 | 75’000 | 195’000 | |
Anwendbare Prozente für die | ||||
Ausscheidung des Nettovermö- | ||||
gens und der Schuldzinsen | 100% | 27.78% | 72.22% | |
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Schweizerische Steuerkonferenz | 11 | KS 18 |
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Steuerbares Vermögen in den Kantonen A | und B |
Am 31.12.2002 beträgt das steuerbare Vermögen der steuerpflichtigen Person Fr. 270'000. Es wird
wie folgt unter den Kantonen ausgeschieden:
Total 100% | Kanton A 27.78% | Kanton B 72.22% | |
Steuerbares Vermögen | 270’000 | 75’000 | 195’000 |
Beispiel 11 Unterbruch der wirtschaftlichen Zugehörigkeit: Verkauf einer Liegenschaft,
kurz danach Kauf einer anderen Liegenschaft
Eine Person wohnt im Kanton A und ist Eigentümerin einer Liegenschaft im Kanton B (Steuerwert Liegenschaft 1: Fr. 300'000). Am 1. Mai 2002 verkauft sie diese zum Preis von Fr. 500'000. Der Erlös wird nach Bezahlung der Grundstückgewinnsteuer reinvestiert. Am 1. Oktober 2002 kauft
diese Person ein Mietshaus im Kanton B | (Liegenschaft 2). Der Kaufpreis beträgt Fr. 1'000'000. Der | ||
Kauf wird durch Eigenkapital (in der Höhe von Fr. 300'000) sowie durch eine Hypothek | von Fr. | ||
700'000 finanziert. | |||
Nettovermögen am 31.12.2002:
Wertschriften: | 100’000 | ||
Liegenschaft 2 (Steuerwert: | |||
1'000'000): | 1'000’000 | ||
Schulden: | (700'000) | ||
Nettovermögen: | 400’000 | ||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren | Vermögensanteile in | ||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | |||
Vermögen am 31.12.2002 | Total | Kanton A | Kanton B |
Wertschriften | 100’000 | 100’000 | |
Liegenschaft 2: | 1'000’000 | 1'000’000 | |
Korrektur zu Gunsten von A | |||
(1'000'000 / 360 x 270) | 750'000 | (750'000) | |
Liegenschaft 1, Steuerwert am | |||
1.5.2002 : 300’000 | |||
Korrektur zu Lasten von A : | |||
(300'000 / 360 x 120) | (100'000) | 100'000 | |
Total Aktiven | 1'100’000 | 750’000 | 350’000 |
In % | 100% | 68.18% | 31.82% |
11
Schweizerische Steuerkonferenz | 12 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B
Das Nettovermögen am 31.12.2002 beträgt Fr. 400'000. Es wird zwischen den Kantonen wie folgt
ausgeschieden:
Total 100% | Kanton A 68.18% | Kanton B 31.82% | ||
Steuerbares Vermögen | 400’000 | 272’720 | 127’280 |
33 Beispiele zur unentgeltlichen Übertragung eines Grundstücks
Beispiel 12 Liegenschaftsabtretung durch Erbschaft
Vorbemerkung:
Der Tod einer Person beendigt ihre Steuerpflicht. Gemäss Art. 66 Abs. 1 StHG wird das Vermögen
nach dem Stand am Ende der Steuerperiode oder der Steuerpflicht | bemessen. Erbt der Steuerpflich- | |||
tige während der Steuerperiode Vermögen, so wird dieses erst von dem Zeitpunkt an besteuert, in
dem es anfällt (Art. 66 Abs. 3 StHG).
Beispiel:
Herr X, wohnhaft im Kanton A, ist | Eigentümer | einer Liegenschaft | im Kanton B. Er stirbt am 30. 9. | |
2002. Einzige Erbin ist seine Tochter, Frau Y, die im Kanton C in einer selbstgenutzten Liegenschaft
wohnt. In den Kantonen A und B wird bei Erbschaften an Nachkommen der ersten Linie keine Erb-
schaftssteuer erhoben.
Beim Tod liegt folgendes Inventar | vor: | |||
Wertschriften: | 100’000 | |||
Liegenschaft B: | 300'000 | (Steuerwert) | ||
Schulden: (100'000) | ||||
Am Ende des Jahres 2002 setzt sich das Vermögen von Frau Y, das | Erbe ihres Vaters miteinbezo- | |||
gen, aus folgenden Elementen zusammen: | ||||
Wertschriften: | 150’000 | |||
Liegenschaft C: | 400'000 | (Steuerwert) | ||
Liegenschaft B: | 300’000 | |||
Schulden: (340'000) | ||||
Nettovermögen: | 510’000 | |||
Veranlagung von Herrn X (vom 1.1.2002 bis 30.9.2002)
Die Besteuerung von Herrn X endet | sowohl im Wohnsitzkanton als im Liegenschaftskanton an sei- | |||
nem Todestag, dem 30.9.2002. | ||||
12
Schweizerische Steuerkonferenz | 13 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Vermögen am 30.9. 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | |
Wertschriften | 100’000 | 100’000 | ||
Liegenschaft | 300’000 | 300’000 | ||
Total Bruttovermögen | 400’000 | 100’000 | 300’000 | |
In % | 100% | 25% | 75% | |
Schulden | (100’000) | (25’000) | (75’000) | |
Steuerbares Vermögen für 270 Tage | 300’000 | 75’000 | 225’000 | |
Die Vermögenssteuer 2002 wird von den Kantonen A | und B pro | rata temporis (für 270 Tage) er- | ||
hoben. | ||||
Veranlagung von Frau Y (vom 1.1 bis 30.12.2002)
Für die Veranlagung und sowie für die Steuerausscheidung wird der Wert des geerbten Vermögens | ||||
(Aktiven und Passiven) proportional zur Zeitspanne zwischen dem Todeszeitpunkt und dem Ende | ||||
der Steuerperiode im Verhältnis zur ganzen Periode gekürzt. | ||||
Vermögen au 31.12. 2002 | Total | Kanton C | Kanton B | |
Wertschriften | 150’000 | 150’000 | ||
Liegenschaften | 700’000 | 400’000 | 300’000 | |
Korrektur Erbschaft per 1.10. | ||||
Wertschriften: (100'000 / 360 x 270*) | (75’000) | (75’000) | ||
Liegenschaft: (300'000 / 360 x 270) | (225'000) | (225'000) | ||
Total Aktiven | 550’000 | 475’000 | 75’000 | |
In % | 100% | 86.36% | 13.64% | |
Schulden: 340’000 | (340’000) | (293’624) | (46’376) | |
Korrektur Erbschaft per 1.10. | ||||
Schulden (100'000 / 360 x 270)* | 75’000 | 64’770 | 10’230 | |
Steuerbares Vermögen | 285’000 | 246’146 | 38’854 | |
* Tage ohne Erbschaft | ||||
Beispiel 13 Abtretung einer Liegenschaft durch Schenkung
Vorbemerkung: Art. 66 Abs. 3 StHG findet bei Schenkungen keine Anwendung5. Trotzdem muss | ||||
beachtet werden, dass bei der Schenkung einer Liegenschaft | eine interkantonale Doppelbesteuerung | |||
auftreten kann, wenn Schenker und Beschenkter in | verschiedenen Kantonen wohnen. Die Ausschei- | |||
dung wird vorgenommen wie wenn eine Veräusserung | stattgefunden hätte. | |||
Beispiel: | ||||
Herr X wohnt im Kanton A und ist Eigentümer einer Liegenschaft im Kanton B (Steuerwert: | ||||
300’000). Am 30. 9. 2002 schenkt er seiner Tochter Frau Y, | die im Kanton C wohnt, diese Liegen- | |||
5 | ||||
Vergleiche auch BGE vom 23.7.1999, K. Locher, Doppelbesteuerungspraxis, § 10, II, Nr. 27; siehe | Walter Jakob/ | |||
Dieter Weber, in Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht | I/1, Art. 66 StHG N. 2 und 6 | |||
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Schweizerische Steuerkonferenz | 14 | KS 18 |
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schaft. Sie ist mit einer Hypothekarschuld | in der Höhe von Fr. 100'000 belastet. Die Kantone A und | |||
B erheben keine Schenkungssteuern bei Zuwendungen an | direkte Nachkommen. | |||
Am 31.12.2002 hat Herr X das folgende Vermögen: | ||||
Wertschriften: 600’000 | ||||
Das Vermögen von Frau Y setzt sich am 31.12.2002 wie | folgt zusammen (die geschenkten Vermö- | |||
genswerte miteinbezogen): | ||||
Wertschriften: 150’000 | ||||
Liegenschaft C: 400’000 | ||||
Liegenschaft B: 300’000 | ||||
Schulden: (340'000) | ||||
Besteuerung von Herrn X in der Steuerperiode 2002 in | den Kantonen A und B: | |||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in jedem
beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen
Vermögen | Total | Kanton A | Kanton B | |
Wertschriften | 600’000 | 600’000 | ||
Liegenschaft: (300'000 / 360 x 270) | (225’000) | 225’000 | ||
Korrektur zu Lasten von A | ||||
Steuerbares Vermögen | 600’000 | 375’000 | 225’000 | |
In % | 100% | 62.50% | 37.50% |
Besteuerung von Frau Y in der Steuerperiode 2002:
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in jedem
beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen
Vermögen am 31.12. 2002 | Total | Kanton C | Kanton B | |
Wertschriften | 150’000 | 150’000 | ||
Liegenschaft C | 400’000 | 400’000 | ||
Liegenschaft B: 300'000 | 300'000 | 300'000 | ||
Korrektur zu Gunsten von C | ||||
(300'000 / 360 x 270) | ||||
225’000 | (225'000) | |||
Total Vermögenswerte | 850’000 | 775’000 | 75’000 | |
In % | 100% | 91.18% | 8.82% | |
Schulden (C: 91.18% und B: 8.82%) | (340'000) | (310'012) | (29’998) | |
Steuerbares Vermögen | 510’000 | 464’988 | 45’012 |
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Schweizerische Steuerkonferenz 15 KS 18 ____________________________________________________________________________________________________
34 Eröffnung, Verlegung und Schliessung eines Geschäftsbetriebes oder einer Be- triebsstätte
341 Grundsätze
Artikel 68 Absatz 2 StHG findet Anwendung bei einer wirtschaftlichen Zugehörigkeit auf Grund des Betreibens eines Geschäftes oder einer Betriebsstätte. Die Verlegung eines Geschäftsbetriebes in einen anderen Kanton sowie die Begründung oder Aufgabe einer Betriebsstätte machen es nicht mehr nötig, eine Zwischenbilanz zu erstellen. Hingegen ist bei Begründung oder Aufgabe eines Ge- schätsbetriebes eine Eröffnungs- bzw. Liquidationsbilanz zu erstellen. In diesem Zusammenhang muss Art. 66 Abs. 2 StHG erwähnt werden. Er sieht vor, dass „sich für Steuerpflichtige mit selbständiger Erwerbstätigkeit und Geschäftsjahren, die nicht mit dem Kalenderjahr übereinstimmen, das steuer- bare Geschäftsvermögen nach dem Eigenkapital am Ende des in der Steuerperiode abgeschlossenen Geschäftsjahres bestimmt“.
Im Falle einer Eröffnung oder Schliessung einer Betriebsstätte können Aktiven oder Passiven von dieser Betriebsstätte in andere Steuerdomizile des Unternehmens (Sitz oder weitere Betriebsstätten) überführt werden. Zur Vereinfachung werden diese Überführungen im Allgemeinen bei der Korrektur auf Grund der kürzeren Dauer der Zugehörigkeit zum Domizil einer Betriebsstätte, die im Laufe der Steuerperiode begründet oder aufgehoben wird, nicht berücksichtigt. Die Korrektur wird zu Gunsten oder zu Lasten des Sitzkantons des Geschäftsbetriebes (bei Eröffnung oder Schliessung einer Be- triebsstätte) oder des Wohnsitzkantons (bei Eröffnung oder Schliessung eines Geschäftsbetriebes) vorgenommen.
342 Beispiele
Beispiel 14 Eröffnung eines Geschäftsbetriebes
Eine im Kanton A wohnhafte Person eröffnet am 1.10.2002 ein Geschäft im Kanton B. Das erste Geschäftsjahr wird am 30.9.2003 abgeschlossen.
Elemente des Privat- sowie des Geschäftsvermögens :
Privatvermögen 31.12.2002 Steuerwert der Liegenschaft (Kanton A): 250’000 Wertschriften: 100’000 Schulden: (200’000)
Geschäftsvermögen: Eröffnungsbilanz des Geschäftes am 1.10.2002 Banken: 20’000 Geschäftsinventar am 1.10.2002: 60’000 Kassa: 20’000 Bankkredit: (40'000)
15
Schweizerische Steuerkonferenz | 16 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Geschäftsbilanz am 30.9.2003 (Ende des ersten Geschäftsjahres)
Banken: | 15’000 | |||
Debitoren: | 10’000 | |||
Geschäftsinventar: | 65’000 | |||
Geschäftskredit: | (30'000) | |||
Nettogewinn vom1.10.2002 bis 30.9.2003: | 120’000 |
Einkünfte des Jahres 2002
Nettolohn vom 1.1. bis 30.9.2002: | 90’000 | |||
Eigenmietwert: | 15’000 | |||
Wertschriftenertrag: | 3’500 | |||
Hypothekarzinsen: | (8'500) | |||
Liegenschaftsunterhalt: | (3'000) | |||
Berufsauslagen: | (6'000) | |||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der | steuerbaren Vermögensanteile in | |||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | ||||
Vermögen am 31.12. 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | |
Liegenschaft, Steuerwert 250'000, Repartiti- | 300’000 | 300’000 | ||
onswert des Kantons A : 120% | ||||
Wertschriften | 100’000 | 100’000 | ||
Geschäftsvermögen (1.10.2002) | 100’000 | 100'000 | ||
Korrektur zu Gunsten von A : | ||||
(100'000 / 360 x 270) | 75’000 | (75'000) | ||
Total Vermögenswerte | 500’000 | 475’000 | 25’000 | |
In % | 100% | 95% | 5% | |
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B am 31.12. 2002*
Total | Kanton A | Kanton B | ||
Total Vermögenswerte | 500’000 | 475’000 | 25’000 | |
In % | 100% | 95% | 5% | |
Schulden | (240'000) | (228'000) | (12'000) | |
Nettovermögen | 260’000 | 247’000 | 13’000 | |
Differenz auf der Liegenschaftssteurwert: | (50'000) | (50'000) | ||
(300'000 / 120 x 20) | ||||
Steuerbares Vermögen | 210’000 | 197’000 | 13’000 | |
* Repartitionswert e für die Kantone A und B: 120%. | ||||
16
Schweizerische Steuerkonferenz | 17 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Nettoeinkommen in den Kantonen A und B
Einkommen 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | |
Nettoliegenschaftsertrag | 12’000 | 12’000 | ||
Nettowertschriftenertrag | 3’500 | 3’500 | ||
Nettovermögensertrag | 15’500 | 15’500 | ||
Schuldzinsen, 1. Ausscheidung | (8'500) | (8'075) | (425) | |
Schuldzinsen, 2. Ausscheidung | (425) | 425 | ||
Nettolohn | 90’000 | 90’000 | ||
Berufsauslagen | (6'000) | (6'000) | ||
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätig- | 0 | 0 | ||
keit | ||||
Nettoeinkommen | 91’000 | 91’000 | 0 |
Beispiel 15 Überführung eines Geschäftsbetriebes in einen anderen Kanton
Eine im Kanton A wohnhafte Person betreibt ein Geschäft im Kanton B. | Am 1. Juli 2002 überführt | |||
sie dieses Geschäft vom Kanton B in den Kanton C. Im Jahr 2002 beträgt das Einkommen aus selb-
ständiger Erwerbstätigkeit Fr. 120'000 (unter | Berücksichtigung von geschäftlichen Schuldzinsen in | |||
der Höhe von Fr. 2'000). | ||||
Elemente des Privat- sowie des Geschäftsvermögens
Privatvermögen | 31.12.2002 | |||
Steuerwert der Liegenschaft: | 250’000 | |||
Wertschriften: | 100’000 | |||
Schulden: | (200'000) | |||
Geschäftsvermögen:
Geschäftsbilanz im Kanton C | 31.12.2002 | |||
Bank | 15’000 | |||
Debitoren | 10’000 | |||
Inventar Geschäftsaktiven | 65’000 | |||
Geschäftskredit | (30'000) | |||
Einkünfte 2002
Nettoeinkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit: | 120’000 | |||
Eigenmietwert: | 15’000 | |||
Wertschriftenertrag: | 3’500 | |||
Private Schuldzinsen: | (8'500) | |||
Privater Liegenschaftsunterhalt: | (3'000) | |||
17
Schweizerische Steuerkonferenz | 18 | KS 18 | ||
____________________________________________________________________________________________________ | ||||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | ||||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | ||||
Vermögen am 31.12.2002 | Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C |
Liegenschaft, Steuerwert 250'000, Repartiti- | 300’000 | 300’000 | ||
onswert Kanton A : 120% | ||||
Wertschriften | 100’000 | 100’000 | ||
Geschäftsaktiven (31.12.2002) | 90’000 | 90’000 | ||
Korrektur zu Gunsten des Kantons A | ||||
(90'000 / 360 x 180)* | 45’000 | (45'000) | ||
Korrektur zu Lasten des Kantons A und zu | ||||
Gunsten des Kantons B | (45'000) | 45’000 | ||
(90'000 / 360 x 180)* | ||||
Total Vermögen | 490’000 | 400’000 | 45’000 | 45’000 |
In % | 100% | 81.64% | 9.18% | 9.18% |
*Die Geschäftaktiven können auch nach Massgabe der Dauer der Anknüpfung direkt | den Kantonen B und C zugeschieden werden. | |||
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A, B und C*
Total | Kanton A | Kanton B | Kanton C | |
Total Aktiven | 490’000 | 400’000 | 45’000 | 45’000 |
In % | 100% | 81.64% | 9.18% | 9.18% |
Schulden | (230'000) | (187'772) | (21'114) | (21'114) |
Differenz auf der Liegenschaft | ||||
(300’000/120x20) | (50'000) | (50'000) | ||
Steuerbares Vermögen | 210’000 | 162’228 | 23’886 | 23’886 |
*Repartitionswert für die Kantone A,B und C : 120% |
Nettoeinkommen in den Kantonen A, B und C
Einkommen 2002 | Total Kanton A Kanton B | Kanton C | ||
Nettoliegenschaftsertrag | 12’000 | 12’000 | ||
Nettowertschriftenertrag | 3’500 | 3’500 | ||
Zinsen auf investiertem Kapital in der Höhe von | 3’000 | 1’500 | 1’500 | |
60'000, (Zinsfuss 5%)* | ||||
Netto Vermögensertrag | 18’500 | 15’500 | 1’500 | 1’500 |
Private und geschäftliche Schuldzinsen: | (10'500) | 8’572 | 964 | 964 |
8'500 + 2000 | ||||
In % | 100% | 81.64% | 9.18% | 9.18% |
Nettovermögensertrag nach Abzug der Schuldzin- | 8’000 | 6’928 | 536 | 536 |
sen | ||||
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit: | ||||
120'000 – 3000 + 2000 | 119’000 | 59’500 | 59’500 | |
Nettoeinkommen | 127’000 | 6’928 | 60’036 | 60’036 |
* In diesem Beispiel und auch in den anderen folgenden Beispielen wird der Zins zum Satz von 5% | des investierten Eigenkapitals | |||
berechnet. Dies entspricht der Praxis des Bundesgerichts (cf. P. Locher, Einführung in das interkantonale Steuerrecht, S.102,
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Schweizerische Steuerkonferenz | 19 | KS 18 | ||
____________________________________________________________________________________________________ | ||||
§ 10.III.3.b und S. 114, § 11.III.2). Einige Kantone | verfolgen eine andere Praxis, die sich auf einen Teil der Doktrin stützt | |||
(Höhn/Mäusli, Interkantonales Steuerrecht, 4. Auflage., S. 309, § 22, Nr. 12 und f.). | ||||
Beispiel 16 Schliessung eines Geschäftsbetriebes
Eine natürliche Person mit Wohnsitz im Kanton A betreibt ein Geschäft im Kanton B. Sie übergibt | ||||
dieses am 31. Oktober 2002 ihrem Nachfolger. | ||||
Elemente des Privat- sowie des Geschäftsvermögens
Privatvermögen | 31.12.2002 | |||
Steuerwert der Liegenschaft (Kanton A) | 250’000 | |||
Wertschriften | 400’000 | |||
Private Schulden | (200'000) |
Geschäftsvermögen:
Übergabebilanz des Geschäftes vom 31.10.2002
Bank: | 15’000 | |||
Debitoren: | 10’000 | |||
Geschäftsinventar: | 200’000 | |||
Geschäftskredit: | (30'000) |
Einkünfte 2002
Renten: | 30’000 | |||
Eigenmietwert: | 15’000 | |||
Wertschriftenertrag: | 3’500 | |||
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit gemäss | Ge- | |||
schäftsabschluss 2002 (vom 1.1. bis 31.10), beinhaltet auch | ||||
den Liquidationsgewinn, nach Abzug der geschäftlichen | 250’000 | |||
Schuldzinsen von 4’200 | ||||
Private Schuldzinsen: | (8'500) | |||
Liegenschaftsunterhalt: | (3'000) | |||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | ||||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | ||||
Vermögen am 31.12. 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | |
Liegenschaft Steuerwert 250'000, Repartiti- | 300’000 | 300’000 | ||
onswert des Kantons A : 120% | ||||
Wertschriften | 400’000 | 400’000 | ||
Geschäftsvermögen : | ||||
Korrektur zu Lasten von A : | ||||
(225'000 / 360 x 300) | (187’500) | 187’500 | ||
Total Vermögen | 700’000 | 512’500 | 187’500 | |
In % | 100% | 73.21% | 26.79% 19 | |
Schweizerische Steuerkonferenz | 20 | KS 18 |
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Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B
Total | Kanton A | Kanton B | ||
Bruttovermögen | 700’000 | 512’500 | 187’500 | |
Schulden | (200'000) | (146'420) | (53'580) | |
Nettovermögen | 500’000 | 366’080 | 133’920 | |
Differenz auf der Liegenschaft* | (50'000) | (50'000) | ||
Steuerbares Vermögen | 450’000 | 316’080 | 133’920 | |
* Der Repartitionswert für die Kantone A und B beträgt 120%. | ||||
Nettoeinkünfte in den Kantonen A und B
Einkommen 2002 | Total | Kanton A | Kanton B | |
Nettoliegenschaftsertrag | 12’000 | 12’000 | ||
Nettowertschriftenertrag | 3’500 | 3’500 | ||
Zinsen auf investiertem Kapital von 195'000 | 8’125 | 8’125 | ||
(Zinsfuss 5%)* | ||||
Vermögensertrag | 23’625 | 15’500 | 8’125 | |
Private und geschäftliche Schuldzinsen : 8500 | (12’700) | (9'297) | (3'403) | |
+ 4'200 = 12’700 | ||||
Nettovermögensertrag | 10’925 | 6’203 | 4’722 | |
Renten | 30’000 | 30’000 | ||
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätig- | 246’075 | 246’075 | ||
keit: 250'000 – 8’125 + 4’200 | ||||
Nettoeinkommen | 287’000 | 36’203 | 250’797 | |
*entsprechend der Dauer des Betriebes: 9'750 / 360 x 300 = 8’125 | ||||
Beispiel 17 Überführung einer Einzelfirma in eine GmbH
Eine Person mit Wohnsitz im Kanton A betreibt eine Einzelfirma im Kanton B. Am 1. Juli 2002 | ||||
überführt sie diese Einzelfirma in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH). | ||||
Elemente des Privat- und Geschäftsvermögens
Privatvermögen | 31.12.2002 | |||
Private Liegenschaft, Steuerwert: | 250’000 | |||
Wertschriften: | 120’000 | |||
Beteiligung an der GmbH: | 60’000 | |||
Private Schulden: | (200’000) | |||
Geschäftsvermögen | ||||
Bilanz der Einzelfirma | 30.6.2001 | 30.6.2002 | ||
Banken: | 5’000 | 15’000 | ||
Debitoren: | 25’000 | 10’000 | ||
Inventar des Geschäftsvermögens: | 60’000 | 85’000 | ||
Geschäftskredit: | (40'000) | (50'000) |
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Schweizerische Steuerkonferenz | 21 | KS 18 |
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Einkünfte des Jahres 2002
Nettogewinn 1.7.2001-30.6.2002, nach Abzug | der geschäftlichen Schuldzinsen | ||
von 3’500: | 120’000 | ||
Lohn 1.7.2002-31.12.2002: | 60’000 | ||
Eigenmietwert: | 15’000 | ||
Wertschriftenertrag: | 3’500 | ||
Private Schuldzinsen: | (8'500) | ||
Liegenschaftsunterhalt: | (3'000) | ||
Berufsauslagen: | (4'000) | ||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren | Vermögensanteile in | ||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | |||
Total | Kanton A | Kanton B | |
Private Liegenschaft | 250’000 | 250’000 | |
Wertschriften | 120’000 | 120’000 | |
Beteiligung an der GmbH | 60’000 | 60’000 | |
Geschäftsaktiven der Einzelfirma. | |||
Korrektur zu Gunsten von B: | |||
(110'000 / 360 x 180) | (55’000) | 55’000 | |
Total | 430’000 | 375’000 | 55’000 |
In % | 100% | 87.21% | 12.79% |
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und | B | ||
Steuerbares Vermögen am | Total | Kanton A | Kanton B |
31.12.2002 | 87.21% | 12.79% | |
Liegenschaft | 250’000 | 250’000 | |
Wertschriften | 120’000 | 120’000 | |
Beteiligung an der GmbH | 60’000 | 60’000 | |
Einzelfirma B | (55'000) | 55’000 | |
Total | 430’000 | 375’000 | 55’000 |
Schulden | (200'000) | (174'420) | (25'580) |
Steuerbares Vermögen | 230’000 | 200’580 | 29’420 |
Nettoeinkünfte in den Kantonen A und B
Total | Kanton A | Kanton B | |
Eigenmietwert | 15’000 | 15’000 | |
Wertschriftenertrag | 3’500 | 3’500 | |
Zinsen auf investiertem Kapital: | 3’000 | 3’000 | |
60'000 x 5% | |||
Liegenschaftsunterhalt | (3'000) | (3'000) | |
Zinsen auf privaten und geschäftlichen | (12'000) | (10’465) | (1'535) |
Schulden: 8500 + 3'500 = 12’000 |
21
Schweizerische Steuerkonferenz | 22 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Einkommen aus selbständiger Er- | 120’500 | 120’500 | |
werbstätigkeit: | |||
120'000 – 3'000 + 3’500 | |||
Lohn | 60’000 | 60’000 | |
Berufsauslagen | (4'000) | (4'000) | |
Nettoeinkommen | 183’000 | 61’035 | 121’965 |
35 Änderung des Grundes der Zugehörigkeit im gleichen Kanton
351 Grundsätze
Eine natürliche Person, die innerhalb der Schweiz ihren Wohnsitz verlegt, kann im Verlaufe der sel-
ben Steuerperiode im Wegzugskanton die wirtschaftliche Zugehörigkeit beibehalten oder | begründen. | ||
Diesfalls ist sie in diesem Kanton für die ganze Periode beschränkt steuerpflichtig. | |||
Eine Person, die ihren Wohnsitz in einem | Kanton verlegt, in dem sie bis anhin kraft wirtschaftlicher | ||
Zugehörigkeit beschränkt steuerpflichtig | war, wird für die ganze Periode im Zuzugskanton unbe- | ||
schränkt steuerpflichtig. | |||
Zudem kann die Natur der wirtschaftlichen Zugehörigkeit zu einem Kanton im Verlauf der Steuerpe- riode wechseln. Auch können der Umfang sowie die Natur der Ursache der wirtschaftlichen Zuge-
hörigkeit im selben Kanton ändern. Diese | verschiedenartigen Mutationen werden durch Art. 68 | ||
Abs. 2 StHG berücksichtigt. | |||
352 Beispiele
Beispiel 18 Wechsel des Wohnsitzes unter Beibehaltung der wirtschaftlichen Zugehörig-
keit
Herr und Frau T wohnen im Kanton A in einer Liegenschaft, deren Eigentümer sie sind. Am 30. April des Jahres N wechseln sie ihren Wohnsitz in den Kanton B. Sie behalten ihre Liegenschaft im
Kanton A.
In der Steuerperiode N wird das Ehepaar T durch den Kanton B besteuert (Wohnsitz am Ende der Steuerperiode). Dieser muss eine interkantonale Steuerausscheidung zu Gunsten von A (Liegen- schaftskanton) vornehmen. Der Kanton A besteuert das Ehepaar T als Grundeigentümer (be-
schränkte Steuerpflicht auf Grund der Liegenschaft).
Beispiel 19 Wechsel des Wohnsitzes unter Beibehaltung der wirtschaftlichen Zugehörig-
keit
Frau V ist Ärztin und wohnt im Kanton A. | Sie betreibt ihre Praxis | im selben Kanton. |
Am 30. Juni 2002 wechselt sie ihren Wohnsitz in den Kanton B, behält jedoch ihre Praxis im Kanton
A.
22
Schweizerische Steuerkonferenz | 23 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Der Kanton B veranlagt die Einkommens- und Vermögenssteuern der Steuerperiode 2002. Er nimmt eine interkantonale Ausscheidung zu Gunsten des Kantons A, dem Geschäftsort der selbstän- digen Erwerbstätigkeit, vor. Der Kanton A kann Frau V für die Steuerperiode 2002 als beschränkt
Steuerpflichtige besteuern.
Vermögen am 31.12. 2002:
Wertschriften: | 50’000 | ||
Geschäftsaktiven: | 250’000 | ||
Geschäftsschulden: | (180'000) | ||
Einkünfte 2002:
Wertschriftenertrag: | 2’000 | ||
Einkünfte aus selbständiger Erwerbstätigkeit, nach Abzug der geschäftli- | |||
chen Schuldzinsen von 9'000: | 120’000 | ||
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile | in | ||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung der Schuldzinsen | |||
Total | Kanton B | Kanton A | |
Wertschriften | 50’000 | 50’000 | |
Geschäftsaktiven | 250’000 | 250’000 | |
Total | 300’000 | 50’000 | 250’000 |
In % | 100% | 16.67% | 83.33% |
Schulden | (180'000) | (30'000) | (150'000) |
Steuerbares Vermögen | 120’000 | 20’000 | 100’000 |
Nettoeinkommen in den Kantonen A und B
Total | Kanton B | Kanton A | |
Wertschriftenertrag | 2’000 | 2’000 | |
Zinsen auf investiertem | |||
Kapital : 5% von | 3’500 | 3’500 | |
70’000 | |||
Schuldzinsen: 9’000 | |||
1. Ausscheidung | (9’000) | (1'500) | (7'500) |
2. Ausscheidung | (500) | 500 | |
Netto Vermögensertrag | (3’500) | 0 | (3'500) |
Einkommen aus selb- | 125’500 | 125’500 | |
ständiger Erwerbstätig- | |||
keit: | |||
120'000 –3'500 + 9000 | |||
Nettoeinkommen | 122’000 | 0 | 122’000 |
23
Schweizerische Steuerkonferenz | 24 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Beispiel 20 Wechsel des Wohnsitzes und Aufgabe einer wirtschaftlichen Zugehörigkeit
Herr und Frau T wohnen im Kanton A in einer Liegenschaft, | deren Eigentümer sie sind (Steuerwert |
Fr. 300'000). Am 30. April des Jahres N wechseln sie ihren Wohnsitz in den Kanton B. Sie ver-
kaufen per Wegzugsdatum ihre Liegenschaft im Kanton A.
In der Steuerperiode N begründet das Ehepaar T im Kanton B eine unbeschränkte Steuerpflicht. Gleichzeitig begründen sie im Kanton A für das Wegzugsjahr auf Grund ihres Liegenschaftsbesitzes bis Ende Jahr eine beschränkte Steuerpflicht, obwohl die Liegenschaft verkauft wurde.
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B
Vermögen am 31.12.N | Total | Kanton B | Kanton A |
Wertschriften | 400’000 | 400’000 | |
Liegenschaft A: | |||
Korrektur zu Lasten B | |||
(300'000 / 360 x 120) | (100'000) | 100’000 | |
Total | 400’000 | 300’000 | 100’000 |
In % | 100% | 75% | 25% |
Beispiel 21 Wechsel des Wohnsitzes in einen Kanton, in dem bereits eine wirtschaftliche
Zugehörigkeit besteht
Herr X wohnt im Kanton A und betreibt eine Einzelfirma, einen Kolonialwarenladen, im Kanton B.
Am 31. März des Jahres N wechselt er seinen Wohnsitz vom Kanton A in den Kanton B.
In der Steuerperiode N wird Herr X ausschliesslich durch den Kanton B besteuert.
Beispiel 22 Zuteilung einer Anlageliegenschaft zum Betrieb einer Einzelfirma
Herr X wohnt im Kanton A, wo er ein | Geschäft betreibt. Er | ist Eigentümer eines Mietshauses im | |
Kanton B. Am 1. Juli 2002 eröffnet er in dieser Liegenschaft eine Betriebsstätte. | |||
Elemente des Privat- sowie des Geschäftsvermögen
Privatvermögen: | am 31.12.2002 | ||
Wertschriften: | 200’000 | ||
Villa im Kanton A, Steuerwert : | 500’000 | ||
Private Schulden: | (350’000) | ||
Geschäftsvermögen | am 31.12.2002 | ||
Geschäftsaktiven: | 300’000 | ||
Liegenschaft B, Steuerwert: | 700’000 | ||
Geschäftsschulden: | (500’000) | ||
24
Schweizerische Steuerkonferenz | 25 | KS 18 |
____________________________________________________________________________________________________
Einkünfte 2002
Nettoeinkommen aus selbständiger Erwerbstätig- | ||||
keit*: | 165’000 | |||
Wertschriftenertrag | 8’000 | |||
Private Schuldzinsen | (17'500) | |||
*Das Nettoeinkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit beinhaltet den Liegenschaftsertrag im Kanton B, vom 1.1. bis 30.6. 2002, in der Höhe von Fr. 25'000. In den Aufwendungen befinden sich ebenfalls Fr. 4'000 als Liegenschaftsunterhalt und - verwaltungskosten für die Zeitspanne vom 1.1. bis 30. 6. Die geschäftlichen Schuldzinsen betragen Fr. 25'000 und werden dem
Geschäftsergebnis angelastet.
Ausscheidung der Vermögenswerte zur Bestimmung der steuerbaren Vermögensanteile in | ||||
jedem beteiligten Kanton und Verteilung | der Schuldzinsen | |||
Total | Kanton A | Kanton B | ||
Wertschriften | 200’000 | 200’000 | ||
Villa (Kanton A) | 500’000 | 500’000 | ||
Geschäftsaktiven | ||||
Nach Standort | ||||
Mobilien: | ||||
Kanton A | 200’000 | 200'000 | ||
Kanton B : | 100’000 | 100’000 | ||
Korrektur zu Gunsten | ||||
von A: | 50’000 | (50'000) | ||
(100’000 / 360 x 180) | ||||
Immobilien | 700’000 | 700’000 | ||
Total | 1'700’000 | 950’000 | 750’000 | |
In % | 100% | 55.88% | 44.12% | |
Steuerbares Vermögen in den Kantonen A und B
Total | Kanton A : 55.88% | Kanton B : 44.12% | ||
Brutto Privatvermögen | 700’000 | 700’000 | ||
Geschäftsvermögen | 1'000'000 | 250'000 | 750'000 | |
Total | 1'700’000 | 950’000 | 750’000 | |
Private und Geschäfts- | (850’000) | (474’980) | (375’020) | |
schulden | ||||
Steuerbares Vermögen | 850’000 | 475’020 | 374’980 |
25
Schweizerische Steuerkonferenz | 26 | KS 18 | ||
____________________________________________________________________________________________________ | ||||
Nettoeinkommen in den Kantonen A und B
Total | Kanton A | Kanton B | ||
Wertschriftenertrag | 8’000 | 8’000 | ||
Ertrag Immobilien | 25’000 | 25’000 | ||
Zins auf investiertem Ka- | 25’000* | 6’250 | 18’750 | |
pital * | ||||
Liegenschafts- | (4’000) | (4'000) | ||
unterhalt | ||||
Schuldzinsen | (42’500) | (23'749) | (18'751) | |
1. Ausscheidung | ||||
Schuldzinsen | 9’499 | (9’499) | ||
2. Ausscheidung | ||||
Nettovermögensertrag | 11’500 | 0 | 11’500 | |
Einkommen aus selbstän- | 144’000 | 108’500 | 36’000 | |
diger Erwerbstätigkeit** : | ||||
Nettoeinkommen | 155’500 | 108’500 | 47’500 |
* Der Zins auf dem investierten Kapital entspricht 5% des Eigenkapitals von Fr. 500'000 am Ende der Steuerperiode. Dieser Zins wird zwischen den Kantonen A und B im Verhältnis der Geschäftsaktiven aufgeteilt. Dabei wird vernachlässigt, dass die Liegen- schaft während eines Teils des Jahres eine Anlageliegenschaft war. Eine andere Lösung wäre denkbar. Mit der hier vorgeschlage-
nen Lösung wird dem Anliegen nach Vereinfachung Rechnung getragen. | ||||
**Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit setzt sich wie folgt zusammen: | ||||
Gewinn gemäss Geschäftsergebnis | 165'000 | |||
./. Liegenschaftsertrag B (vom 1.1. bis 30.6) | (25'000) | |||
+ Liegenschaftsunterhalt B (vom 1.1. bis | 30. 6) | 4'000 | ||
./. Ertrag aus investiertem Kapital | (25’000) | |||
+ Schuldzinsen des Geschäfts | 25’000 | |||
Einkommen aus selbständiger. Erwerbstätigkeit auszuscheiden zwischen | 144’000 | |||
A und B | ||||
**Annahme: Das Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird zu 75% dem Sitzkanton, zu 25% dem Betriebsstättenkanton
zugewiesen.
4 Inkraftsetzung
Das vorliegende Kreisschreiben ist ab der Steuerperiode 2001 | im Rahmen des Systems der Post- | |||
numerandobesteuerung anzuwenden. | ||||
26
Schweizerische Steuerkonferenz 27 | KS 18 | |
____________________________________________________________________________________________________ | ||
1 ALLGEMEINES | 1 | |
2 WOHNSITZWECHSEL EINER NATÜRLICHEN PERSON | 2 | |
21 Grundsätze | 2 | |
22 Beispiele | 2 | |
Beispiel 1 Wohnsitzwechsel | 2 | |
Beispiel 2 Wohnsitzwechsel und Heirat | 3 | |
Beispiel 3 Wohnsitzwechsel und Trennung des Ehepaares | 3 | |
Beispiel 4 Wohnsitzwechsel und Aufenthalt | 3 | |
Beispiel 5 Tod des einen Ehegatten und Wohnsitzwechsel des Überlebenden | 3 | |
3 ÄNDERUNGEN DER WIRTSCHAFTLICHEN ZUGEHÖRIGKEIT | ||
AUSSERHALB DES WOHNSITZKANTONS | 3 | |
31 Grundsätze | 3 | |
32 Beispiele zur entgeltlichen Übertragung eines Grundstücks | 4 | |
Beispiel 6 Kauf einer Liegenschaft ausserhalb des Wohnsitzkantons | ||
im Laufe der Steuerperiode | 4 | |
Beispiel 7 Verkauf einer Liegenschaft ausserhalb des Wohnsitzkantons | 6 | |
Beispiel 8 Verkauf einer Liegenschaft | 7 | |
Beispiel 9 Verkauf einer Liegenschaft | 8 | |
Beispiel 10 Kauf und Verkauf einer Liegenschaft im Verlauf einer Steuerperiode | 10 | |
Beispiel 11 Unterbruch der wirtschaftlichen Zugehörigkeit: Verkauf einer Liegenschaft, | ||
kurz danach Kauf einer anderen Liegenschaft | 11 | |
33 Beispiele zur unentgeltlichen Übertragung eines Grundstücks | 12 | |
Beispiel 12 Liegenschaftsabtretung durch Erbschaft | 12 | |
Beispiel 13 Abtretung einer Liegenschaft durch Schenkung | 13 | |
34 Eröffnung, Verlegung und Schliessung eines Geschäftsbetriebes oder einer | ||
Betriebsstätte | 15 | |
341 Grundsätze | 15 | |
342 Beispiele | 15 | |
Beispiel 14 Eröffnung eines Geschäftsbetriebes | 15 | |
Beispiel 15 Überführung eines Geschäftsbetriebes in einen anderen Kanton | 17 | |
Beispiel 16 Schliessung eines Geschäftsbetriebes | 19 | |
Beispiel 17 Überführung einer Einzelfirma in eine GmbH | 20 | |
35 Änderung des Grundes der Zugehörigkeit im gleichen Kanton | 22 | |
351 Grundsätze | 22 | |
352 Beispiele | 22 | |
Beispiel 18 Wechsel des Wohnsitzes unter Beibehaltung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit | 22 | |
Beispiel 19 Wechsel des Wohnsitzes unter Beibehaltung der wirtschaftlichen Zugehörigkeit | 22 | |
Beispiel 20 Wechsel des Wohnsitzes und Aufgabe einer wirtschaftlichen Zugehörigkeit | 24 | |
Beispiel 21 Wechsel des Wohnsitzes in einen Kanton, in dem bereits eine | ||
wirtschaftliche Zugehörigkeit besteht | 24 | |
Beispiel 22 Zuteilung einer Anlageliegenschaft zum Betrieb einer Einzelfirma | 24 | |
4 INKRAFTSETZUNG | 26 | |
27