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StP 2 Nr. 19
Steuerausscheidung bei natürlichen Personen: Kauf oder Verkauf eines Geschäftsgrundstückes
1. Allgemeines
Bei Begründung oder Aufhebung eines Nebensteuerdomizils infolge Kauf oder Ver- kauf eines Grundstücks gilt die Einheit der Steuerperiode. In allen Kantonen mit Ge- genwartsbesteuerung dauert die Steuerpflicht vom 1.1. - 31.12. der Steuerperiode. Für die Steuerausscheidung erfolgt bei Kauf oder Verkauf eines Grundstückes im interkantonalen Verhältnis eine Gewichtung aufgrund der tatsächlichen Besitzesdau- er während der Steuerperiode. Bei der Ausscheidung wird unterschieden einerseits zwischen Kapitalanlageliegen- schaften ausserhalb des Sitzkantons und andererseits Betriebsliegenschaften und im Sitzkanton gelegene Kapitalanlageliegenschaften (vgl. StP 2 Nr. 17). Für Liegen- schaftenhändler und Generalbauunternehmer gelten besondere Zuteilungsnormen.
2. Kapitalanlageliegenschaft ausserhalb Sitzkanton
Die Steuerausscheidung beim Kauf oder Verkauf einer Kapitalanlageliegenschaft ausserhalb des Sitzkantons erfolgt grundsätzlich gleich, wie beim Kauf oder Verkauf eines Privatgrundstückes (vgl. auch Beispiele in StP 2 Nr. 8).
2.1. Kauf
Der Repartitionswert (vgl. StP 2 Nr. 7) des gekauften Grundstücks wird mit der Besit- zesdauer gewichtet. Der gewichtete Vermögenswert wird sodann dem Belegenheits- kanton zugeteilt. Der in der Steuerperiode erzielte Ertrag und die Gewinnungskosten (Unterhalts- und Verwaltungskosten) des betreffenden Grundstückes werden objektmässig dem Bele- genheitskanton zugeteilt. Die Zuteilung der Schulden und Schuldzinsen erfolgt dage- gen im Verhältnis der den Kantonen zugeteilten Aktiven am Ende der Steuerperiode.
2.2. Verkauf
Beim Verkauf eines Grundstückes wird der betreffende Repartitionswert (vgl. StP 2 Nr. 7) dem Belegenheitskanton zugeteilt. Für die Zuteilung der Vermögenswerte wird sodann der Repartitionswert mit der Besitzesdauer gewichtet. Der Repartitionswert abzüglich den gewichteten Vermögenswert ergibt den Korrekturwert für die Steuer- ausscheidung. Der dem Spezialsteuerdomizil zugeteilte Bruttovermögensanteil kann in bestimmten Fällen der Höhe des Vermögens am Ende der Steuerperiode entsprechen oder grös- ser sein. In diesem Fall wird dem Spezialsteuerdomizil maximal die Höhe des Brutto- vermögens am Ende der Steuerperiode zugeteilt; das Hauptsteuerdomizil erhält da- gegen keinen Vermögensanteil zugewiesen.
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StP 2 Nr. 19
Existieren mehrere Spezialsteuerdomizile, übernimmt der Kanton, in dem | sich die | ||
verkaufte Liegenschaft befunden hat, den Teil, der zu Lasten des Hauptsteuerdomi-
zils geht und dessen Bruttovermögensanteil übersteigt.
Der in der Steuerperiode erzielte Ertrag (inkl. Buchgewinn und Wertzuwachsgewinn) und die Gewinnungskosten (Unterhalts- und Verwaltungskosten) des betreffenden
Grundstückes werden objektmässig | dem Belegenheitskanton zugeteilt. | ||
Auf dem Grundstückgewinn geschuldete AHV-Beiträge (vgl. StP 133 Nr. 2) | werden | ||
ebenfalls objektmässig dem Belegenheitskanton zugeteilt. | |||
Die Zuteilung der Schulden und Schuldzinsen erfolgt dagegen im Verhältnis der den
Kantonen zugeteilten Aktiven am Ende der Steuerperiode.
3. Betriebsliegenschaften und Kapitalanlageliegenschaften im Sitzkanton
Beim Kauf einer Betriebsliegenschaft oder einer im Sitzkanton (nicht aber am Haupt-
sitz) gelegenen Kapitalanlageliegenschaft wird am Belegenheitsort kein | Spezialsteu- | ||
erdomizil begründet, wohl aber eine Besteuerungsbefugnis. Beim Verkauf | einer sol- | ||
chen Liegenschaft endet die Besteuerungsbefugnis des Belegenheitsortes. Die
Steuerpflicht am Belegenheitsort | dauert beim Kauf und Verkauf vom 1.1. | bis 31.12. | |
der entsprechenden Steuerperiode | (Einheit der Steuerperiode). | ||
Das Geschäftsvermögen und -einkommen (inkl. wiedereingebrachte Abschreibun- gen) werden ausschliesslich quotenmässig (vgl. StP 2 Nr. 22) zugeteilt, wobei die Zuteilung zum Belegenheitsort nach Massgabe der tatsächlichen Besitzesdauer er- folgt. Davon ausgenommen sind Wertzuwachsgewinn und verkaufsbedingte Aufwen-
dungen inkl. AHV-Beitrag auf dem | Grundstückgewinn (vgl. StP 133 Nr. 2), welche | ||
objektmässig zugeteilt werden. | |||
3.1. Ausscheidung bei Kauf einer | Betriebsliegenschaft | ||
Einzelfirma im Kanton TG: | |||
Kauf einer Betriebsliegenschaft im Kanton St. Gallen per 1. Juli 2004 | |||
Vermögensverhältnis per 31.12.2004 Vermögen | Repartitionswert | ||
Geschäftsliegenschaft TG | Fr. 600 000 | Fr. 420 000 | 70 % |
Geschäftsliegenschaft SG | Fr. 350 000 | Fr. 280 000 | 80 % |
Übriges Geschäftsvermögen | Fr. 200 000 | ||
Bewegliches Privatvermögen | Fr. 300 000 | ||
Geschäftsschulden | Fr. 400 000 | ||
Privatschulden | Fr. 100 000 | ||
ersetzt 30.06.2003 | - 2/5 - | 30.06.2003 | |
StP 2 Nr. 19
Steuerausscheidung Vermögen 2004
Vermögen Total | TG | in % | SG | in % |
Repartitionswert TG 420 000 | 420 000 | |||
Repartitionswert SG 280 000 | 280 000 | |||
Gewichtung Liegenschaft SG 1) | 140 000 | -140 000 | ||
übriges Geschäftsvermögen 200 000 | 160 000 | 40 000 | ||
bewegliches Privatvermögen 300 000 | 300 000 | |||
Total der Aktiven 1 200 000 | 1 020 000 | 85.00 | 180 000 | 15.00 |
Schulden -500 000 | -425 000 | 85.00 | -75 000 | 15.00 |
2) | ||||
Anpassung auf Niveau TG 300 000 | 240 000 | 60 000 | ||
Reinvermögen 1'000 000 | 835 000 | 83.50 | 165 000 | 16.50 |
Steuerfreibetrag -50 000 | -41 750 | 83.50 | -8 250 | 16.50 |
Steuerbares Vermögen 935 000 | 793 300 | 156 700 | ||
1) | ||||
Gewichtung Liegenschaft: Fr. 280 000 : 360 x 180 = Fr. 140 | 000 | |||
2) | ||||
Angleichung auf Niveau TG/Zuteilung auf beteiligte Kantone | nach Besitzdauer: | |||
Repartitionszuschlag = Fr. 280 000 : 70 - Fr. 280 000 = Fr. 120 000
Zuteilung Fr. 120 000 : 360 x 180 = Fr. 60 000 je auf TG und SG
Einkommen vom 1.1. - 31.12.2004 Total SG Erwerbseinkommen Fr. 80 000 Fr. 16 000 gem. Quote! Wertschriftenertrag (Privatvermögen) Fr. 6 000 Schuldzinsen Fr. 15 000 Säule 3a Fr. 16 000 Freiwillige Zuwendungen Fr. 1 000 Sozial-/Versicherungsabzug Fr. 6 300
Steuerausscheidung Einkommen 2004
Einkommen | Total | TG | in % | SG | in % |
Wertschriftenerträge | 6 000 | 6 000 | |||
Zins Eigenkapital 1) | 17 500 | 14 000 | 80.00 | 3 500 | 20.00 |
Vermögensertrag | 23 500 | 20 000 | 3 500 | ||
Schuldzinsen | -15 000 | -12 750 | 85.00 | -2 250 | 15.00 |
Erwerbseinkommen 1) | 62 500 | 50 000 | 80.00 | 12 500 | 20.00 |
Säule 3a | -16 000 | -12 800 | 80.00 | -3 200 | 20.00 |
Reineinkommen | 55 000 | 44 450 | 80.82 | 10 550 | 19.18 |
Freiwillige Zuwendungen | -1 000 | -808 | 80.82 | -192 | 19.18 |
Sozial-/Versicherungsabzug | -6 300 | -5 092 | 80.82 | -1 208 | 19.18 |
Steuerbares Einkommen | 47 700 | 38 600 | 9 100 | ||
1) |
Ein Anteil des Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird beim Vermö- gensertrag als Ertrag für das im Geschäft investierte Eigenkapital berücksichtigt:
Eigenkapitalzins 3.5 % von Fr. 500 000 (Die Liegenschaften werden für die Be- rechnung des Eigenkapitalzinses zum interkantonalen Repartitionswert bewertet).
Berechnung restliches selbständiges Erwerbseinkommen Fr. 80 000 - Fr. 17 500
30.06.2003 - 3/5 - ersetzt 30.06.2003
StP 2 Nr. 19
3.2. Ausscheidung Verkauf einer Betriebsliegenschaft
Einzelfirma im Kanton TG: Verkauf einer Betriebsliegenschaft im Kanton St. Gallen
per 30. September 2004: | ||
Vermögensverhältnis per 31.12.2004 | Vermögen | Repartitionswert |
Geschäftsliegenschaft SG (bis 30.09.2004) | Fr. 350 000 | Fr. 280 000 80 % |
Geschäftsliegenschaft TG | Fr. 600 000 | Fr. 420 000 70 % |
Übriges Geschäftsvermögen | Fr. 330 000 | |
Bewegliches Privatvermögen | Fr. 300 000 | |
Geschäftsschulden | Fr. 350 000 | |
Privatschulden | Fr. 150 000 |
Steuerausscheidung Vermögen 2004 | ||||
Vermögen Total | TG | in % | SG | in % |
Repartitionswert TG 600 000 | 600 000 | |||
Repartitionswert SG | -280 000 | 280 000 | ||
Gewichtung Liegenschaft SG 1) | 70 000 | -70 000 | ||
übriges Geschäftsvermögen 330 000 | 220 000 | 110 000 | ||
Bewegliches Vermögen 250 000 | 250 000 | |||
Total der Aktiven 1 000 000 | 680 000 | 68.00 | 320 000 | 32.00 |
Schulden -500 000 | -340 000 | 68.00 | -160 000 | 32.00 |
2) | ||||
Anpassung auf Niveau TG 180 000 | 90 000 | 90 000 | ||
Reinvermögen 680 000 | 400 000 | 58.82 | 280 000 | 41.18 |
Steuerfreibetrag -50 000 | -29 410 | 58.82 | -20 590 | 41.18 |
Steuerbares Vermögen 630 000 | 370 600 | 259 400 | ||
1) | ||||
Gewichtung Liegenschaft: (Fr. 350 000 x 80%) : 360 x 270 = | Fr. 210 000 | |||
Korrekturwert: Fr. 280 000 - Fr. 210 000 = Fr. 70 000
2) | ||||
Angleichung auf Niveau TG/Zuteilung auf beteiligte Kantone | nach Besitzdauer: | |||
Repartitionszuschlag TG = Fr. 420 000 : 70 % - Fr. 420 000 = Fr. 180 000
Repartitionszuschlag SG = Fr. 280 000 : 70 % - Fr. 280 000 = Fr. 120 000
Zuteilung SG nach Besitzdauer: Fr. 120 000 : 360 x 270 = Fr. 90 000
Zuteilung TG: Fr. 180 000 Kanton TG - Fr. 90 000 Kanton SG = Fr. 90 000
Einkommen vom 1.1. - 31.12.2004 Total SG Erwerbseinkommen Fr. 80 000 Fr. 26 667 gem. Quote! Wertschriftenertrag (Privatvermögen) Fr. 6 000 Schuldzinsen Fr. 14 500 Säule 3a Fr. 16 000 Freiwillige Zuwendungen Fr. 1 200 Sozial-/Versicherungsabzug Fr. 6 300
ersetzt 30.06.2003 - 4/5 - 30.06.2003
StP 2 Nr. 19
Steuerausscheidung Einkommen 2004
Einkommen | Total | TG | in % | SG | in % |
Wertschriftenerträge | 6 000 | 6 000 | |||
Zins Eigenkapital 1) | 14 000 | 9 333 | 66.67 | 4 667 | 33.33 |
Vermögensertrag | 20 000 | 15 333 | 4 667 | ||
Schuldzinsen | -14 500 | -9 860 | 68.00 | -4 640 | 32.00 |
Erwerbseinkommen 1) | 66 000 | 44 000 | 66.67 | 22 000 | 33.33 |
Säule 3a | -16 000 | -10 667 | 66.67 | -5 333 | 33.33 |
Reineinkommen | 55 500 | 38 806 | 69.92 | 16 694 | 30.08 |
Freiwillige Zuwendungen | -1 200 | -839 | 69.92 | -361 | 30.08 |
Sozial-/Versicherungsabzug | -6 300 | -4 405 | 69.92 | -1 895 | 30.08 |
Steuerbares Einkommen | 48 000 | 33 600 | 14 400 | ||
1) |
Ein Anteil des Einkommens aus selbständiger Erwerbstätigkeit wird beim Vermö- gensertrag als Ertrag für das im Geschäft investierte Eigenkapital berücksichtigt:
Eigenkapitalzins 3.5 % von Fr. 400 000 (Die Liegenschaften werden für die Be- rechnung des Eigenkapitalzinses zum interkantonalen Repartitionswert bewertet).
Berechnung restliches selbständiges Erwerbseinkommen Fr. 80 000 - Fr. 14 000
30.06.2003 | - 5/5 - | ersetzt 30.06.2003 |