RRB Nr. 368/2018
Dringliches Postulat Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, betreffend Rettungsplan für die landwirtschaftliche Forschung im Kanton Zürich, Stellungnahme
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 77/2018
Sitzung vom 18. April 2018
368. Dringliches Postulat (Rettungsplan für die landwirtschaftliche
Erwägungen
Forschung im Kanton Zürich) Die Kantonsräte Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, haben am 19. März 2018 folgendes dringliche Postulat eingereicht: Der Regierungsrat wird eingeladen, sich umgehend beim Bund dafür einzusetzen, dass die landwirtschaftlichen Forschungsanlagen Zürich Reckenholz und Wädenswil und deren Arbeitsplätze im Kanton Zürich erhalten bleiben. Zu prüfen sind auch Kooperationsmodelle mit anderen Zürcher Bildungs- und Forschungsinstitutionen, z. B. der ETH Zürich, der Universität Zürich, der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und dem AgroVet-Strickhof. Begründung: Der Bund hat am 9. März 2018 bekannt gegeben, dass die Forschungsanstalt Agroscope restrukturiert und in Posieux (FR) zentralisiert werden soll. Gemäss Medienberichten ist ein Abbau von Standorten und von bis zu 600 Stellen angekündigt. Das ist alarmierend für den Kanton Zürich, der von der Zentralisierung in Posieux gleich doppelt betroffen ist mit den Standorten Zürich Reckenholz und Wädenswil. Es droht ein gewaltiger Verlust für den Kanton Zürich, immerhin der fünftgrösste Agrarkanton der Schweiz. In seiner Antwort auf die Anfrage KR-Nr. 182/2016 bekennt sich der Regierungsrat zur produzierenden Zürcher Landwirtschaft und schreibt: «Eine wettbewerbsfähige multifunktionale Landwirtschaft braucht lokale, breitangelegte, interdisziplinäre Forschung und das Zusammenspiel verschiedener Partner». Er verweist auf die positive Wirkung auf die Bildung am Strickhof und auf die schweizweite Ausstrahlung des Clusters Wädenswil-Reckenholz-Strickhof. Dieser schaffe Synergien im Wissenstransfer in den Bereichen Praxis, Forschung, Beratung und Bildung. In den vergangenen Jahren wurde in die beiden Zürcher Standorte viel Geld investiert, um eine moderne und zielgerichtete Forschung zu ermöglichen. Dies alles ist in akuter Gefahr. Wir ersuchen daher den Regierungsrat, sich für den Erhalt der Infrastrukturen und der Arbeitsplätze im Kanton Zürich einzusetzen. Landwirtschaft ist eine standortgebundene Branche, deshalb ist eine dezentrale Infrastruktur unerlässlich. Böden, Klima, Siedlungsraum, Bevölke- rungsdichte und die Bedürfnisse der Konsumentinnen und Konsumenten sind je nach Region unterschiedlich. Zürich als städtischem Kanton
mit grosser Agglomeration droht der Totalverlust von Wissen und Netzwerk. Dies ist umso unverständlicher, als mit dem Departement Umweltsystemwissenschaften der ETH Zürich in der Schweiz der einzige Hochschullehrgang in Agrarwissenschaften angeboten wird und auch von einer Clusterbildung profitieren kann. Darunter werden letztlich die Produzenten und Konsumenten leiden. Die Zielkonflikte zwischen Produktion und Ökologie innerhalb der Landwirtschaft werden zunehmend öffentlich diskutiert. Eine klare Ausrichtung der landwirtschaftlichen Forschung kann Transparenz und Aufklärung schaffen. Pflanzenzüchtung und Saatgutprüfung, Anbautechnik, ergänzt durch die Digitalisierung und Umweltanalytik, sind Kernaufgaben an diesen Standorten, die dazu beitragen, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren und die landwirtschaftliche Produktion zu unterstützen. Im Kanton Zürich sind weitere hervorragende Wissenschaftsinstitutionen ansässig, z. B. die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ), die Universität Zürich (UZH) und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Der Regierungsrat wird ersucht, dem Bund neue Kooperationen oder die Übernahme von Infrastrukturen und Forschungsbereichen anzubieten. Gemäss Mitteilung will der Bund die Auslagerung von Aufträgen an Dritte prüfen.
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Zum dringlichen Postulat Philipp Kutter, Wädenswil, Martin Hübscher, Wiesendangen, und Robert Brunner, Steinmaur, wird wie folgt Stellung genommen: Die Universität Zürich (UZH) und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) pflegen wie die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETHZ) vielfältige Beziehungen in Forschung und Lehre mit der Forschungsanstalt Agroscope. Die UZH und die ETHZ gehören im Bereich Agrar- und Pflanzenwissenschaften zu den führenden Hochschulen und verfügen diesbezüglich über einen international hervorragenden Ruf. Verschiedenste Forschungsthemen können an der UZH nur dank der Zusammenarbeit mit Agroscope und damit der Nutzung ihrer Infrastruktur und ihres wissenschaftlich qualifizierten Personals bearbeitet werden. Gleiches gilt im Grundsatz auch für die ZHAW. Hinzu kommt, dass landwirtschaftliche Forschung immer auch standortgebunden ist, was Agroscope insgesamt für die UZH wie für die ZHAW zu einer unverzichtbaren Partnerin in Forschung und
Lehre macht. Ebenfalls wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen der Agroscope und der kantonalen Fachberatung am Strickhof. So werden am Strickhof Versuche der Agroscope durchgeführt. Durch Inputs der Agroscope an Weiterbildungsanlässen sowie in den Lehrgängen des Strickhofs findet ein wertvoller direkter Transfer von Forschungserkenntnissen in die Lehrgänge und das Kursangebot des Strickhofs und damit in die Praxis statt. So kann auch Versuchsinfrastruktur wie Maschinen und Bewässerungsanlagen von Forschung und Beratung genutzt werden. Der Verbleib der Forschungsanstalt Agroscope im Kanton Zürich und damit der Erhalt der Forschungsanlagen Zürich Reckenholz und Wädenswil ist für die landwirtschaftliche und insbesondere pflanzenwissenschaftliche Forschung von UZH und ZHAW sowie für die Fachberatung von zentraler Bedeutung. Durch einen Wegzug der Fachleute der Agroscope von den Standorten Reckenholz und Wädenswil würden wertvolle Netzwerke und Zusammenarbeiten verloren gehen. Gerade in der Pflanzenbauwissenschaft müssen lokale Gegebenheiten aufgrund von Klima- und Bodenunterschieden berücksichtigt werden. Die dezentralen Versuchsstandorte sind daher aus wissenschaftlicher Sicht notwendig. Der Kanton Zürich wird in dieser Sache das Gespräch mit dem Bund führen. In diesem Rahmen sollen auch die verschiedenen Kooperationsmöglichkeiten näher geprüft werden. In Betracht kommen namentlich der gemeinsame Betrieb von Forschungsplattformen und Kompetenzzentren, die Nutzung von Synergien bei teurer Infrastruktur sowie die Zusammenarbeit in der Lehre (Bachelor- und Masterarbeiten sowie Projekte von Doktorierenden). Die Übernahme ganzer Organisationseinheiten der Forschungsanstalt Agroscope durch den Kanton bzw. die Hochschulen wird dagegen abgelehnt, weil dies zu einer erheblichen finanziellen Belastung des Kantons führen würde. Der Regierungsrat ist bereit, das dringliche Postulat KR-Nr. 77/2018 im Sinne der Erwägungen entgegenzunehmen.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Volkswirtschaftsdirektion, die Bildungsdirektion und die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli