RRB Nr. 37/2022
Kulturförderung, Goldene Ehrenmedaille des Regierungsrates 2022, Verleihung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 12. Januar 2022
37. Kulturförderung (Verleihung der Goldenen Ehrenmedaille
Erwägungen
des Regierungsrates 2022) Mit der Goldenen Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste zeichnet der Regierungsrat Persönlichkeiten aus, die sich im besonderen Masse für das kulturelle Leben im Kanton Zürich verdient gemacht haben und dieses mit ihrer Arbeit und ihrem Engagement dauerhaft geprägt haben (RRB Nr. 854/2016). Die Kulturförderungskommission schlägt vor, die Goldene Ehrenmedaille 2022 an die Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Beatrice von Matt zu verleihen. Beatrice von Matt (geboren 1936) studierte Germanistik und Anglistik in Zürich, Paris und Cambridge und promovierte bei Emil Staiger. Von 1984 bis 1995 war sie als Feuilleton-Redaktorin der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) zuständig für die deutschsprachige Literatur aus der Schweiz und Deutschland sowie für die niederländische Literatur. Zudem arbeitet sie bis heute als Publizistin und war von 1998 bis 2005 Stiftungsrätin der Schweizerischen Kulturstiftung Pro Helvetia. Sie verfasste Monografien unter anderem zu Werner Düggelin, Max Frisch und Albin Zollinger. Als Herausgeberin verantwortete sie die Werkausgabe von Meinrad Inglin und edierte beispielsweise Schriften von E.Y. Meyer. 2010 erhielt sie die Johann-Jakob-Bodmer-Medaille der Stadt Zürich. Beatrice von Matt hat beharrlich und eher im Hintergrund wirkend eine immense Leistung vollbracht: Sie hat die Gesamtausgabe von Meinrad Inglin bewerkstelligt und über Jahrzehnte in der NZZ die unterschiedlichsten poetischen Positionen lückenlos mitverfolgt, darunter bekannte Namen, aber auch solche, die es verdient hätten, im Gespräch zu sein. Und sie hat dieses Schaffen in die Öffentlichkeit getragen. Dabei bewies sie ein sicheres Urteil und ein oft zukunftsweisendes Gespür. Auf der Redaktion der NZZ hat sie zu einer Zeit, als die Werke von Max Frisch als verdächtig galten, seine Literatur immer wieder mit ruhiger Insistenz vertreten. Sie hat ganzen Generationen die Tür zur deutschsprachigen Literatur geöffnet und über Jahrzehnte offen gehalten. Viele ihrer Texte waren für das vergängliche Medium der Tageszeitung geschrieben; hebt man einen dieser Texte aus dem Archiv, zeigen sie jedoch durchwegs Substanz, Kenntnisreichtum, Leidenschaft und Tiefgang. Beatrice von Matt verstand es stets, die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Schriftstellerinnen und Schriftstellern sichtbar zu machen. Die
Liste der von ihr publizistisch begleiteten Autorinnen und Autoren ent- hält viele wichtige Namen der Schweizer Literatur von 1955 bis 2015. Sie verfügt über einen Wissensschatz und Lesehorizont, den man bei heutigen Rezensentinnen und Rezensenten oft vergebens sucht. Wer immer Bücher aufschlägt, Rezensionen sucht, begegnet ihrem Namen auf Schritt und Tritt. Es ist an der Zeit, dieses Werk gebührend zu würdigen. Für ihre langjährige herausragende literaturwissenschaftliche und publizistische Tätigkeit soll Beatrice von Matt mit der Goldenen Ehrenmedaille des Regierungsrates 2022 ausgezeichnet werden. Für die Verleihung von Auszeichnungen gemäss § 4 des Kulturförderungsgesetzes (LS 440.1) ist der Regierungsrat zuständig, während die Ausgabenbewilligung durch die Fachstelle Kultur erfolgt (§§ 2 Abs. 2 und 3 Abs. 2 lit. e Kulturförderungsverordnung [LS 440.11]). Der Betrag für die Herstellung der Goldenen Ehrenmedaille ist im Budget 2022 der Fachstelle Kultur enthalten.
Dispositiv
Auf Antrag der Direktion der Justiz und des Innern beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Goldene Ehrenmedaille für kulturelle Verdienste des Regierungsrates wird 2022 der Literaturwissenschaftlerin und Publizistin Beatrice von Matt verliehen.
II. Dieser Beschluss ist bis zur Veröffentlichung der Medienmitteilung nicht öffentlich.
III. Mitteilung an Beatrice von Matt und die Mitglieder der Kulturförderungskommission (durch Zuschrift der Direktion der Justiz und des Innern) sowie an die Finanzdirektion, die Staatskanzlei und die Direktion der Justiz und des Innern.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli