RRB Nr. 681/2022
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Geschäftsbericht und Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie für das Jahr 2021, Genehmigung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich Sitzung vom 4. Mai 2022
681. Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Geschäftsbericht und Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie für das Jahr 2021 (Genehmigung)
Erwägungen
A. Ausgangslage Die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich (PUK) ist seit dem 1. Januar 2018 eine selbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit und Sitz in Zürich. Sie untersteht dem Gesetz über die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich vom 11. September 2017 (PUKG, LS 813.17). Gemäss § 16 Abs. 3 lit. b PUKG erstellt die Geschäftsleitung die Rechenschaftsberichte und den Antrag zur Gewinnverwendung oder zur Deckung des Verlusts zuhanden des Spitalrates. Der Spitalrat verabschiedet die Rechenschaftsberichte und den Antrag zur Gewinnverwendung oder zur Deckung des Verlusts zuhanden des Regierungsrates (§ 15 PUKG), und dieser verabschiedet sie zuhanden des Kantonsrates (§ 8 lit. b PUKG). Dem Kantonsrat wiederum obliegt gemäss § 7 lit. e PUKG die Genehmigung, wobei die Genehmigung der Gewinnverwendung oder zur Deckung des Verlusts aufgrund des direkten Sachzusammenhangs zusammen mit der Genehmigung der Staatsrechnung erfolgt. Die vom Kantonsrat zu genehmigende Jahresrechnung der PUK entspricht im Saldo der Rechnung der Leistungsgruppe Nr. 9530 und ist damit Teil der Staatsrechnung. Der Spitalrat hat den umfassenden Geschäftsbericht der PUK für das Jahr 2021 mit Beschluss vom 28. März 2022 genehmigt. Darüber hinaus erstattet der Spitalrat der Gesundheitsdirektion Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie des Regierungsrates (§ 13 lit. a PUKG). Gestützt darauf erstellt die Gesundheitsdirektion einen Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie und legt ihn dem Regierungsrat zur Genehmigung vor. Dieser Bericht ist anschliessend ebenfalls vom Kantonsrat zu genehmigen (§§ 7 lit. d und 9 Abs. 1 und 2 PUKG). Die Gesundheitsdirektion hat den Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie erstellt (Bericht vom 27. April 2022).
B. Geschäftsbericht und Jahresrechnung 2021 Eine der grössten Herausforderungen für die PUK im zweiten Pandemiejahr war es, trotz der coronabedingten Restriktionen die für eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig wirtschaftliche Leistungserbringung zentralen Langfristprojekte voranzubringen: Ein Entwicklungsschwerpunkt lag dabei im weiteren Ausbau der aufsuchenden Versorgung in der Erwachsenen- und der Alterspsychiatrie. Der Geschäftsbericht 2021 der PUK widmet sich dem Thema «Aufsuchende Versorgung» bzw. «Home Treatment» in einem eigenen mehrseitigen Kapitel. Darin wird aufgezeigt, dass das Home Treatment ein wesentliches Element in der Umsetzung der vom Regierungsrat vorgegebenen Strategie «ambulant vor stationär» für eine fortschrittliche, patientennahe und ressourcenschonende Versorgung ist. Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt im Bereich der klinischen Versorgung war die Verbesserung des kinder- und jugendpsychiatrischen Angebotes und im Besonderen die Behandlung der Suizidalität bei Jugendlichen. Ferner hat die PUK, in enger Zusammenarbeit mit der Gesundheitsdirektion, zum Schutz von Kindern die erste Präventionsstelle Pädosexualität im Kanton Zürich geschaffen. Das kostenlose Beratungs- und Therapieangebot an der PUK richtet sich an Menschen, die noch nicht straffällig geworden sind, die aber ein gewisses Risiko aufweisen. Die Präventionsstelle wird durch den Kanton Zürich finanziell unterstützt und erfuhr in den ersten Monaten nach der Gründung im Juni 2021 bereits eine hohe Nachfrage. Weiter wurden wichtige Vorhaben im administrativen Bereich mit Nachdruck vorangetrieben, darunter das Programm «DigiT» für die digitale Transformation der Leistungserbringung. Am ressourcenintensivsten mit zeitweise über 100 involvierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern war hier das Projekt für den Ersatz der bestehenden separaten Klinikinformationssysteme durch eine einheitliche Lösung (Projekt «K4K»). Dessen Einführung – voraussichtlich Mitte 2022 – wird ein wesentlicher Meilenstein für die Etablierung einer zukunftsorientierten IT-Infrastruktur sein. Mit einem noch längeren Zeithorizont werden die Projekte für die bauliche Gesamterneuerung und -erweiterung der PUK und die stärkere Konzentration der stationären Versorgung in der Lengg verfolgt. Im Berichtsjahr wurden sowohl das Generationenprojekt für den Ausbau des
Standortes Burghölzli als Teil der institutionenübergreifenden Gesamtentwicklung Lengg als auch das Projekt für den Ausbau der Klinik für Forensische Psychiatrie in Rheinau einen wichtigen Schritt vorangebracht, indem bei beiden Projekten architektonische Wettbewerbsverfahren aufgegleist wurden.
Bei den Versorgungsleistungen zeigten sich im stationären Bereich nur geringe Unterschiede zum Vorjahr: Die Austritte nahmen um rund 2% von 5250 auf 5119 ab. Weil aber die Aufenthaltsdauer sowohl in der Erwachsenenpsychiatrie als auch in der Alterspsychiatrie zunahm, lagen die Pflegetage 2021 mit insgesamt 184 936 um gut 2% über dem Vorjahreswert von 180 813. Im nichtstationären Bereich ist die Leistungsentwicklung wie folgt: ambulante Konsultationen 2021: 162 327 (Vorjahr: 158 639; +2,3%); tagesklinische Behandlungstage 2021: 44 687 (Vorjahr: 41 195; +8,5%). Die Versichertenanteile werden im Geschäftsbericht nicht ausgewiesen. Der Personalbestand per 31. Dezember 2021 betrug 1 759 Vollzeitäquivalente und ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,9% leicht angestiegen (Vorjahr: 1726). Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Diversität, insbesondere im oberen Kader gelegt, wo der Frauenanteil in Zukunft noch stärker erhöht werden soll. Im mittleren Kader betrug der Frauenanteil Ende 2021 knapp über 50%. Der Frauenanteil am Gesamtpersonal ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen und beträgt 67,4% (Vorjahr: 66,5%). Auch in diesem Jahr ist das negative Betriebsergebnis von 2,5 Mio. Franken auf die coronabedingten Umstände zurückzuführen. Gemäss § 15 PUKG verabschiedet der Spitalrat den Antrag zur Deckung des Verlusts (bzw. Verwendung des Gewinns) zuhanden des Regierungsrates. Der Regierungsrat verabschiedet gemäss § 8 lit. b PUKG den Antrag zur Deckung des Verlusts (bzw. Verwendung des Gewinns) zuhanden des Kantonsrates. Die Jahresrechnung der PUK schliesst mit einem Verlust von Fr. 2 510 334.24 (Vorjahr: Fr. 2 721 890.58) ab. Gestützt auf § 15 PUKG und gemäss § 50 Abs. 3 der Finanzcontrollingverordnung (LS 611.2) stellt der Spitalrat den Antrag, den Verlust von Fr. 2 510 334.24 im Umfang von Fr. 417 015.99 über die unverteilten Gewinne und im Umfang von Fr. 2 093 318.25 über das übrige Eigenkapital zu decken.
C. Bericht über die Umsetzung der Eigentümerstrategie und Gesamtbeurteilung Die PUK hat im Berichtsjahr unter schwierigen Rahmenbedingungen erneut Beachtliches geleistet. Sie hat trotz Erschwernissen in der Folge der Coronapandemie eine umfassende Versorgung gewährleistet und den Vollbetrieb weitgehend aufrechterhalten. Damit hat die PUK wichtige Beiträge zur psychiatrischen Versorgung von Patientinnen und Patienten des Kantons Zürich und darüber hinaus geleistet. Zudem hat die Klinik bemerkenswerte Erfolge in der Lehre und Forschung sowie in der Entwicklung und Erprobung von innovativen Behandlungsformen erzielt, zur Ausbildung von Fachkräften beigetragen und zahlreiche Pro- jekte und Entwicklungsthemen vorangetrieben. Besonders wichtig war der PUK die Positionierung als attraktive Arbeitgeberin, die digitale Transformation, die bedarfsgerechte und patientenorientierte Ausgestaltung der Angebote in allen Settings sowie die Verbesserung von Qualität und Rentabilität. Der Eigentümer anerkennt, dass die PUK vor allem in den Bereichen Unternehmensstrategie, Führung und Risikomanagement zweckmässige Strukturen und Prozesse aufgebaut hat, die eine gute Basis für das Unternehmen bilden. Hinsichtlich der Strategiearbeit und des Führungsverhaltens ist der Eigentümer positiv gestimmt, dass der PUK für die nächsten Berichtsjahre eine grössere Agilität insbesondere bezüglich der drängenden Aufgaben der Steigerung der Wirtschaftlichkeit, der Rekrutierung von ausreichendem Fachpersonal und der Erneuerung der Infrastruktur gelingen wird. Der Nachfragerückgang bei einigen Angeboten der PUK sowie die Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal, die im Berichtsjahr sogar eine temporäre Angebotseinschränkung zur Folge hatten, ist aus Eigentümersicht unerfreulich. Von der PUK werden Massnahmen durch Angebotsanpassung und -erneuerung erwartet. Diese Handlungen müssen sich auch auf die wirtschaftliche Lage der PUK auswirken und eine Annäherung an die Ziele der Eigentümerstrategie bewirken. Die PUK hat die Finanzvorgaben der Eigentümerstrategie im Berichtsjahr erneut unterschritten. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund von Quervergleichen mit anderen Kliniken, die trotz Pandemie positive Jahresergebnisse aufweisen konnten, relevant. Der Eigentümer erwartet von der PUK diesbezüglich sorgfältige Analysen und Benchmarks,
welche die Bedarfssituation einschliessen und die Einhaltung der Ziele aus der Eigentümerstrategie sichern. Die Erneuerung der Infrastruktur an den Standorten Lengg und Rheinau stellt für die PUK – insbesondere vor dem Hintergrund des Denkmalschutzes und des zum zweiten Mal konstatierten betriebswirtschaftlichen Verlusts – eine grosse Herausforderung dar. Die Fortschritte im Bereich der Infrastruktur werden für den langfristigen Erfolg der PUK entscheidend sein. Der Eigentümer erwartet, unter Berücksichtigung der Abhängigkeiten von anderen Institutionen, dass die PUK die entsprechenden Anstrengungen weiterverfolgt. Abschliessend ist festzuhalten, dass das Berichtsjahr das Personal der PUK erneut besonders gefordert hat. Die guten Leistungen aller Mitarbeitenden sind aus Eigentümersicht ausdrücklich anzuerkennen.
Dispositiv
Auf Antrag der Gesundheitsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Der Geschäftsbericht der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich für das Jahr 2021 wird zuhanden des Kantonsrates verabschiedet.
II. Der Bericht der Gesundheitsdirektion über die Umsetzung der Eigentümerstrategie wird genehmigt und zuhanden des Kantonsrates verabschiedet.
III. Mitteilung an die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Lenggstrasse 31, Postfach, 8032 Zürich, sowie an die Finanzdirektion und die Gesundheitsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin:
Kathrin Arioli