RRB Nr. 873/2021
Anfrage Hans Egli, Steinmaur, Peter Schick, Zürich, und Barbara Grüter, Rorbas, betreffend Suche nach Bäumen der Zukunft, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 189/2021
Sitzung vom 25. August 2021
873. Anfrage (Suche nach Bäumen der Zukunft) Die Kantonsräte Hans Egli, Steinmaur, Peter Schick, Zürich, sowie Kantonsrätin Barbara Grüter, Rorbas, haben am 17. Mai 2021 folgende Anfrage eingereicht: Es wird wärmer und im Sommer trockener. Dies hat Auswirkungen auf die klimatische Eignung der Baumarten an ihren heutigen Wuchsorten und damit auf zukünftige Waldleistungen. An vielen Waldstandorten werden unter den klimatischen Bedingungen, welche gegen Ende des 21. Jahrhunderts erwartet werden, andere Baumarten besser wachsen als diejenigen, welche heute dort gedeihen. Während ein Teil der zukunftsfähigen Baumarten bereits dort vorkommt, wo ihnen das Klima in Zukunft wahrscheinlich zusagt, fehlen andere ganz. Die klimatische Veränderung in der Schweiz und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Zusammensetzung und das Wachstum der Wälder erfordern neue klimaresistente Baumarten, z. B. Weisstannen aus Kalabrien oder Lärchen aus dem Wallis. Laut WSL gelten 18 Baumarten für die Schweizer Wälder als potenziell zukunftsfähig, da sie besser als die bisherigen Baumarten mit wärmeren, trockeneren und extremeren Klimabedingungen zurechtkommen und auch bei Hitze und Trockenheit gedeihen können. Vor diesem Hintergrund bitten wir den Regierungsrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Sieht die Regierung angesichts der grossen Borkenkäferschäden an den Fichten ebenfalls Handlungsbedarf für die Suche nach Bäumen mit Zukunft, um unseren Wäldern eine Zukunft zu ermöglichen? Wenn Nein, wieso nicht?
2. Werden in den kantonalen Forstpflanzgärten bereits Testplanzungen für klimaresistente Baumarten (Wald- und Strassenbäume) realisiert? Wenn Nein, ist die Regierung bereit, solche Testpflanzungen zu realisieren?
3. Besteht eine Zusammenarbeit mit der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft oder anderen Institutionen? Wenn Nein, wieso werden diese Synergien nicht genutzt?
Dispositiv
Auf Antrag der Baudirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Hans Egli, Steinmaur, Peter Schick, Zürich, und Barbara Grüter, Rorbas, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Der Regierungsrat sieht angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen hinsichtlich der Suche nach zukunftsfähigen Baumarten klaren Handlungsbedarf. Verschiedene Aktivitäten sind bereits im Gange, viele davon im interkantonalen bzw. nationalen Kontext. So beteiligt sich der Kanton Zürich z. B. aktiv am Programm «Testpflanzungen» der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL (vgl. Beantwortung der Frage 2) oder bei der Entwicklung und Anwendung der sogenannten TreeApp (tree-app.ch/info), die den Nutzerinnen und Nutzern auf übersichtliche Weise Empfehlungen zur Baumartenwahl in Abhängigkeit des geografischen Ortes bzw. des Waldstandortes macht. Der Kanton prüft zudem, ob und in welcher Art Bodendaten für die Entscheidfindung bezüglich Baumartenwahl verfügbar gemacht werden können. Das Amt für Landschaft und Natur der Baudirektion hat dazu ein Pilotprojekt lanciert. Zudem wird das Thema «Baumarten im Klimawandel» im Waldentwicklungsplan, der auf 2025 revidiert werden soll, von grosser Bedeutung sein. In diesem Zusammenhang werden in den nächsten Jahren Grundsätze und Leitlinien für den Waldbau der Zukunft, wozu auch die Baumartenzusammensetzung zählt, gemeinsam mit den betroffenen kantonalen Fachämtern entwickelt. Zu Frage 2: Unter der Leitung der WSL wird bereits heute eine Reihe aussichtsreicher Baumarten verschiedener Herkünfte schweizweit an verschiedenen Orten in Testpflanzungen eingebracht und deren Gedeihen über die nächsten 30 Jahre beobachtet. Auch der Kanton Zürich beteiligt sich an drei Orten (Oberrieden, Zürich, Aesch) an diesem Programm. Die Erkenntnisse werden helfen, fundierte Entscheidungen zum Umgang mit klimageeigneten Baumarten in der ganzen Schweiz – und somit auch im Kanton Zürich – zu treffen. Getestet werden dabei auch Baumarten, welche ein wärmeres und trockeneres Klima ertragen und zudem in der Lage sind, Ausfälle von ökonomisch wichtigen Baumarten infolge des Klimawandels (z. B. der Fichte) zu kompensieren. Hierbei wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt sowie dem Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft abzuwägen sein, ob durch ihren Einsatz nicht neue Probleme entstehen (Invasivität, Verdrängen einheimischer Baumarten).
Im Forstpflanzgarten Finsterloo werden sämtliche 18 von der WSL getesteten Baumarten entweder nachgezogen oder beschafft und können somit zum Kauf angeboten werden. Bei Strassenbäumen spielen neben der Klimaverträglichkeit noch viele weitere Faktoren bei der Baumartenwahl mit. Dies sind z. B. die Empfindlichkeit gegenüber Salz, die Wuchsform (z. B. aufgrund des Lichtraumprofils) und die Anfälligkeit oberflächlicher Wurzeln auf Schäden (Heben des Asphalts). Als Entscheidungshilfe zieht die Leitung des Forstpflanzgartens einschlägige Beratungsunterlagen zu Hilfe wie die Strassenbaumliste der deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (strassenbaumliste. galk.de). Das Thema wird auch in der Studie «Urban Green & Climate Bern – Die Rolle und Bewirtschaftung von Bäumen in einer klimaangepassten Stadtentwicklung» der Berner Fachhochschule von 2017 behandelt. Zu Frage 3: Die in den vorstehenden Antworten genannten Aktivitäten wären ohne eine intensive Zusammenarbeit des Kantons mit der WSL, weiteren wissenschaftlichen Institutionen und anderen Behörden auf Bundes- und Kantonsebene nicht möglich. Die Zusammenarbeit erfolgt sowohl auf strategischer Ebene (Führungsebene) als auch auf Stufe Sachbearbeitung (Beratung und Erfahrungsaustausch).
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Baudirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli