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Medienplatz Schweiz

20257 · Amtliches Bulletin

Vom 15. März 2012

https://lexipedia.io/de/docs/ch/ab-bo-bu/20257/de/medienplatz-schweiz

Abgerufen am 10. Sept. 2026

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Geschäft: Medienplatz Schweiz (11.4211)

11.4211

Medienplatz Schweiz

Altherr Hans · P-M · Ständerat · Appenzell A.-Rh. · FDP-Liberale Fraktion

Präsident (Altherr Hans, Präsident): Herr Bieri hat mitgeteilt, er sei von der schriftlichen Antwort des Bundesrates eigentlich schon befriedigt, würde aber doch gerne einige ergänzende Bemerkungen anbringen. - Dem Gesuch um Diskussion wird nicht opponiert.

Bieri Peter · Mit-M · Ständerat · Zug · Fraktion CVP-EVP

Ich glaube, man muss nicht immer unzufrieden sein, um etwas besprechen zu können.

Zu meiner Interpellation: Es sind jetzt bald zehn Jahre her, seit der Bundesrat die Botschaft zum neuen Radio- und Fernsehgesetz verabschiedet hat. Wir haben damals im Parlament intensive und auch lange Beratungen durchgeführt. Das Gesetz ist seit 2007 in Kraft. Infolge der grossen technischen Entwicklungen der neuen Medien und der Internationalisierung im Medienmarkt blieben damals in den Kommissionen, aber auch im Rat, verschiedene Fragen offen. Wiederholt ist damals die Bemerkung gefallen, es sei nicht möglich, im Gesetz die zukünftigen Entwicklungen zu regeln. Die Gesetzgebung hinke im Medienbereich per se den technischen Entwicklungen hintennach. Insbesondere im Bereich der Digitalisierung und des Internets seien die Neuerungen und die Umsetzungsgeschwindigkeit kaum abschätzbar.

Eine nicht in der gleichen Art gelagerte Thematik hatten wir bei der Presseförderung im Rahmen der Totalrevision der Postgesetzgebung vor vier Jahren. Dort ging es um die Förderung der Printmedien im Bereich der postalischen Zustellung, um ein Instrumentarium, das der Bundesrat, seit ich hier tätig bin, wiederholt abschaffen, zeitlich limitieren oder zumindest bezüglich der zur Verfügung gestellten Mittel einschränken wollte. Auch bei der Totalrevision des Postgesetzes blieb diese Bestimmung bis zuletzt umstritten.

Die Entwicklungen im Medienbereich schreiten an mehreren Fronten voran. Nebst den technischen Entwicklungen bei den elektronischen Medien findet im Bereich der Printmedien ein Konzentrationsprozess statt, der unter anderem in der schweizerischen Zeitungslandschaft zu einer spürbaren Verringerung der Meinungsvielfalt führt. Uns mag das auffallen, wenn wir am Morgen hier in mehreren Zeitungen den gleichen Artikel lesen können. Der Verfasser ist jeweils der gleiche, der Artikel wird in mehreren Zeitungen einfach tel quel übernommen.

Zeitungen kämpfen um Auflagenzahlen, aber auch um Werbemittel, die teilweise heute in den Kanal der Gratiszeitungen abfliessen.

Bei den elektronischen Medien - so erinnere ich mich an die Totalrevision des RTVG - haben wir sehr lange darüber diskutiert, in welcher Form ausländische Sender mit Schweizer Werbefenster tätig sein dürften. Heute führen diese Sender rund zwei Millionen Franken Werbeeinnahmen ins Ausland weg, und dies ohne Konzessionsauflagen, ohne einen Leistungsauftrag, mit einem geringeren - um es einmal so zu sagen - volkswirtschaftlichen Gegenwert für unser Land. Herr Kollege Berberat hat diesbezüglich auch schon mal beim Bundesrat nachgefragt, ob diese Regelung nicht eine Art Flop - wie er gesagt hat - gewesen sei.

Mit dem Media-Abkommen haben wir vor drei Jahren zudem unsere Werbevorschriften bei nichtgebrannten Alkoholgetränken lockern müssen, damit wir bei der EU-Filmförderung vollumfänglich mitmachen können. Zwar kann damit nebst den bis anhin in dieser Sache privilegierten lokalen Sendern auch die SRG für Bier und Wein werben. Im Sinne der Nichtdiskriminierung musste dieser Werbebereich auch den ausländischen Sendern mit einem Schweizer Werbefenster zugestanden werden. Generell stellt sich für mich hier die Frage, inwieweit diese ausländischen Sender herangezogen werden könnten, um einen gewissen Rückfluss der Gelder in das nationale Mediengeschehen zu garantieren.

Nun zu einem anderen Thema: Bekannt ist ja die Auseinandersetzung zwischen der SRG und den privaten Medien zur Frage, inwieweit die SRG in ihren Internetdiensten Werbung machen darf. Wir haben in dieser Sache in der vergangenen Session die parlamentarische Initiative Reimann Maximilian, 11.465, behandelt, die nach einer intensiven Debatte hier im Rat zurückgezogen wurde, nicht zuletzt weil wir der Überzeugung waren, dass ein generelles Verbot der Internetwerbung der SRG nicht zweckmässig und zielführend ist. Wir waren aber ebenso überzeugt, dass es sinnvoll sei, wenn die privaten schweizerischen Medienanbieter und die SRG sich in dieser Frage zu einer Absprache oder gar Zusammenarbeit finden würden, zumal die eigentliche Konkurrenz primär bei den grossen ausländischen Anbietern zu finden sei.

Wir haben damals beschlossen, in dieser Frage am Ball zu bleiben. Insofern wäre es für uns interessant zu wissen, wie der jetzige Stand dieser Verhandlungen ist, selbstverständlich nur in der Form, in der eine offene Information dazu im Moment möglich und auch opportun ist. So weit einige ergänzende Bemerkungen zu meiner Interpellation.

Die Thematik Medien wird uns in der Politik auch künftig begleiten. Ich danke dem Bundesrat, wenn er sich diesem staatspolitisch bedeutenden Thema mit der notwendigen Sorgfalt und Aufmerksamkeit widmet. Der Pfad zwischen einem freiheitlich ausgerichteten Markt in dieser Branche und staatlicher Intervention zum Zweck der Medien- und Meinungsvielfalt wird auch künftig nicht leicht zu finden sein. Im Übrigen danke ich dem Bundesrat für die Antwort.

Savary Géraldine · Mit-F · Ständerat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion

Je remercie Monsieur Bieri pour son interpellation, qui nous permet aussi de faire un peu le point de la situation avec Madame la conseillère fédérale Leuthard. Je me permettrai de faire quelques remarques et de lui poser une question.

Monsieur Bieri a déjà évoqué les quelques remarques que je souhaitais faire. Il est vrai que le monde politique, comme la population, se trouve face à un bouleversement brutal des pratiques pour accéder à l'information et, du coup, des moyens de financer l'information, que ce soient les recettes publicitaires ou la redevance. Auparavant, on avait une situation assez simple - enfin, il n'était pas toujours facile d'élaborer les lois concernant les médias, mais quand même c'était relativement clair -, les acteurs privés faisaient de l'écrit et les acteurs publics s'occupaient de la radio et de la télévision. Les rôles étaient assez clairement répartis.

Aujourd'hui, effectivement, on a une multiplication des acteurs qui interviennent dans le secteur de l'information, cela a été dit par Monsieur Bieri: Google, Facebook, mais aussi Swisscom. Swisscom est parfois concurrent dans la négociation de retransmissions de rencontres sportives, que ce soit pour le hockey ou le football. Donc, cette multiplication des acteurs fait qu'au fond la répartition des rôles devient assez compliquée à gérer aussi pour le monde politique. Il y a des médias écrits qui font de l'image et des médias publics qui proposent des offres, qui ont parfois des prestations qui touchent au secteur libre de l'économie de marché. Enfin, le gâteau publicitaire reste forcément identique mais il est réparti sur de plus en plus d'acteurs.

Ce que l'on peut attendre de cette situation, cela a déjà été évoqué, c'est que la branche se mette d'accord. Ce sont les travaux que vous suivez attentivement, Madame la conseillère fédérale. Je pense que c'est une bonne attitude, on l'a d'ailleurs confirmé à la dernière session parlementaire. Il est aussi important pour le monde politique d'avoir un accord de branche parce que nous pourrons ainsi, nous aussi, nous préoccuper d'une défense de l'information diversifiée du point de vue politique, et c'est aux acteurs de ce secteur de se mettre d'accord. Ce que l'on peut attendre du point de vue politique, et c'est là que j'ai quelques questions à poser à Madame la conseillère fédérale, c'est d'avoir un soutien confirmé auprès d'agences suisses, je pense en particulier à l'Agence Télégraphique Suisse, qui s'est retrouvée très régulièrement dans des difficultés financières. La Confédération est cliente de l'Agence Télégraphique Suisse; si on veut garder une plate-forme d'information commune en Suisse où toutes les régions sont représentées, il est quand même important de vérifier régulièrement que la situation économique de l'Agence Télégraphique Suisse soit supportable, qu'elle passe en tout cas la rampe du point de vue financier.

Je pense qu'il y a quand même un chantier à ouvrir - et il est en train de s'ouvrir - sur les radios et télévisions privées, pour faciliter l'accès à leur public. Pour le moment, les conditions qu'on leur impose sont trop strictes en termes de périmètre et de structure financière, mais ce sont des dossiers qui sont en cours de discussion.

Autre point, est-il possible de rediscuter de l'accord Media signé par la Suisse? Si oui, sous quelle forme? Si non, ne serait-il quand même pas possible à terme d'imposer aux chaînes étrangères privées qui diffusent de la publicité sur le territoire suisse une sorte de participation qui permettrait de financer certaines prestations en Suisse? Je pense en particulier à l'aide au cinéma, puisqu'on sait que le service public le finance partiellement. Ne pourrait-on pas attendre de la part des chaînes étrangères qu'elles apportent au moins une certaine contrepartie à cet accès à notre marché national de la publicité?

Leuthard Doris · BR-F · Bundesrat · Aargau

Ich danke für diese Interpellation; sie wirft ein paar Fragen auf, die auch den Bundesrat beschäftigen.

Die Medien haben eine Funktion, die für die Demokratie von grosser Bedeutung ist. Wenn die Konkurrenz abnimmt, wenn wir - wie einige sagen - in der Berichterstattung eine sich verschlechternde Qualität feststellen, dann darf uns das nicht gleichgültig sein.

Der Strukturwandel, der die Medienlandschaft seit ein paar Jahren prägt, ist natürlich ein heftiger. Den kann die Politik nicht eindämmen, und es ist auch nicht unsere Aufgabe, das zu tun. Die Branche muss sich dieser Herausforderung stellen. Daher besteht das berechtigte Anliegen aller Medienteilnehmer, im Internet präsent zu sein. Ich gehe davon aus, dass die Bedeutung des Internets eher noch zunehmen wird, wenn ich sehe, wie sich die jungen Menschen in unserem Land informieren, welche Bedeutung die Social Media bereits bekommen haben. Es gilt hier, irgendwann auch zu definieren, was die Rolle des Staates ist und wo wir es den Medienunternehmen überlassen, sich selber zu organisieren.

Bisher haben wir, was die Berichterstattung, den Informationsfluss betrifft, eine Abgeltung über das Gebührensplitting; bei Radio und Fernsehen hat man gesagt, dass auch private Radio- und Fernsehunternehmen einen Teil der öffentlich-rechtlichen Informationstätigkeit wahrnehmen, an der der Staat ein Interesse hat. Das Gebührensplitting wurde entsprechend ausgestaltet, wir haben kürzlich Retuschen vorgenommen. Was das Gebührensplitting betrifft, ist es ein ständiges Anpassen an veränderte Kriterien und an die sich verändernde Medienlandschaft.

In diesem Kontext gibt es die Diskussion über die Online-Aktivitäten der SRG. Aus SRG-Sicht - und ich glaube, das hat auch der Ständerat bei der Diskussion der parlamentarischen Initiative Reimann Maximilian 11.465 zum Ausdruck gebracht - ist das legitim. Aber es geht um die Frage, wie viel an staatlichen Gebühreneinnahmen hier verwendet werden darf und wo die Linie ist, ab der die Erzielung von Werbeeinnahmen für die SRG in diesem Bereich ausgeschlossen sein soll.

Ich kann Sie informieren, dass die Diskussionen zwischen den Verlegern und der SRG seit letztem Herbst intensiviert worden sind. Wir haben immer noch die Frist von Ende März, die ich gestellt habe, weil ich meine, dass auch hier irgendwann eine Entscheidung fallen muss - man kann nicht immer nur den Termin aufschieben. Wir müssen uns Fristen setzen, und ich erwarte auch von den Verlegern und der SRG, dass sie nach monatelangen Diskussionen zumindest im Kern eine Entscheidung zur Frage treffen, ob sie sich nicht einigen können oder ob es Ansätze von Kooperationsmodellen gibt, bei denen man eine Branchenlösung findet. Ich meine immer noch, die Privatwirtschaft habe generell ein Interesse daran, sich selber zu regulieren und sich zu einigen. Dies ist besser, als wenn der Staat ihr sagen muss, was für sie gut ist. Aber ich kann nicht ausschliessen, dass wir das dann dennoch mit einer Anpassung der Verordnung tun müssen.

Es sollte doch auch unter dem Aspekt, dass das Internet primär eine technische Plattform ist, die zahlreiche publizistische und wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet, einleuchtend und gar nicht so schwierig sein, diese Plattform miteinander zu nutzen und hier eine zukunftsfähige Lösung zu erreichen. Die Schweiz riskiert, in diesem Bereich marginalisiert zu werden. Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber die meisten von uns öffnen schon heute sehr viel mehr Internetseiten wie Google, auf denen selbstverständlich Werbung platziert ist. Solange die Schweiz hier sehr heterogen organisiert ist, wird sich das auch auf die Werbegelder auswirken. Insofern bin ich auch gespannt auf die Resultate.

Ihre Fragen zum Media-Abkommen sind sehr berechtigt. Dieses Abkommen wird Ende 2013 auslaufen. Herr Ständerat Bieri hat zu Recht die seinerzeitige Diskussion erwähnt, bei der man nachträglich die Werbevorschriften im Bereich Alkohol anpassen musste. Das Media-Abkommen sagt, dass sich die Werbefenster nur an das Recht desjenigen Landes halten müssen, aus dem das entsprechende Programm stammt. Das ist gegenüber dem Europaratsübereinkommen, das auch noch gültig ist, aber demgemäss zumindest das Werberecht des Zielstaates, also hier der Schweiz, eingehalten werden müsste, eine Verschlechterung der Schweizer Position.

Ich gehe nicht davon aus, Frau Ständerätin Savary, dass das neue Media-Abkommen an diesem Grundsatz etwas ändern wird. Somit wird es nach wie vor so sein, dass die ausländischen Werbefenster eine viel günstigere Kostenstruktur haben als die Schweizer Veranstalter; das beschäftigt auch den Bundesrat. Es besteht also die Gefahr, dass weiterhin jeder dritte Fernsehwerbefranken in die Werbefenster der ausländischen Veranstalter fliesst und damit das schweizerische Werberecht nicht anwendbar ist.

Der Bundesrat wird in Kürze eine Diskussion führen, ob wir uns dem neuen Media-Abkommen auch wieder als Mitglied anhängen wollen oder ob das aus medienpolitischer Sicht nicht mehr im Interesse der Schweiz liegt. Sie haben es zu Recht erwähnt: Bei der Beurteilung des jetzigen Media-Abkommens war vor allem die Filmbranche aktiv; sie hat ihre Möglichkeiten besser gewahrt gesehen. Wir evaluieren derzeit, ob die Interessen der Filmbranche ein Mitmachen der Schweiz beim neuen Media-Abkommen rechtfertigen oder ob es sogar bessere Möglichkeiten gäbe, der Filmbranche die Gelder, die wir für dieses europäische Abkommen aufwenden, zukommen zu lassen.

Es ist also so, dass wir mit Sicherheit in Bälde auf Ebene Bundesrat den Entscheid fällen werden, ob wir verhandeln oder nicht. Somit hätten Sie die Möglichkeit, sich in den Kommissionen über die Entscheidfindung des Bundesrates auszusprechen. Wir müssten diese ja konsultieren, wenn wir beim neuen Abkommen dabei sein wollten. Die entsprechende Frage ist selbstverständlich berechtigt.

Mit der Idee der Zahlung stellen sich natürlich auch wieder komplexe Fragen: Es gibt ein europäisches Übereinkommen, das wahrscheinlich Swissness nicht zulässt; das betrifft dann die Einnahmen. Wir werden aber auch diesen Hinweis gerne prüfen, weil das neue Abkommen erst in den Grundstrukturen feststeht und somit auch auf Ebene der EU noch einige offene Fragen bestehen.

Ein Wort zu Ihrem Hinweis betreffend die Schweizerische Depeschenagentur, die Agence Télégraphique Suisse: Sie macht eine sehr wichtige Arbeit, vor allem eine Arbeit, welche die Sprachenvielfalt hochhält und immer auch das ausländische Engagement beinhaltet. Es ist für den Bundesrat sehr wichtig, dass wir weiterhin eine verlässliche Agentur haben. Es ist deshalb die Absicht des Bundesrates, weiterhin auch in finanzieller Hinsicht engagiert zu bleiben, damit die Qualität, die Mehrsprachigkeit und damit die Dienste für die Print- und die anderen Medien aufrechterhalten werden können.