13.4002
Mehrsprachigkeit. Stellenausschreibung
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Präsident (Germann Hannes, Präsident): Der Interpellant ist von der schriftlichen Antwort des Bundesrates nicht befriedigt und beantragt eine Diskussion. - Sie sind damit einverstanden.
Abate Fabio · Mit-M · Ständerat · Tessin · FDP-Liberale Fraktion
Wir haben noch fast eineinhalb Stunden Zeit, aber keine Angst, in ein paar Minuten wird das Geschäft erledigt sein. Ich bin mit der Antwort des Bundesrates nicht zufrieden. Ich lese: "In dieser Funktion steht er bzw. sie in regelmässigem Kontakt sowohl mit Vertretern der Europäischen Union als auch mit Vertretern von Regierungsbehörden mittel- und osteuropäischer Staaten. Hieraus ergibt sich das in der Stellenausschreibung enthaltene funktionale Sprachprofil: Während für eine reibungslose Kommunikation mit den EU-Behörden insbesondere gute Englisch-, Französisch- und Deutschkenntnisse erforderlich sind, da diese Sprachen von der EU-Kommission in der Regel als Verfahrenssprachen verwendet werden ..."
Zuerst frage ich mich, warum nicht Russisch als Voraussetzung gefordert worden ist, da es hier um eine sogenannte funktionale Voraussetzung geht, wenn wir mit den Behörden der osteuropäischen Staaten sprechen müssen. Dann muss ich betonen, dass die Mitglieder der EU-Kommission und der EU-Behörden nicht alle aus Deutschland oder aus Frankreich stammen. Es gibt Leute, die aus Spanien, aus Italien, Portugal, Dänemark usw. stammen. Aufgrund der Argumente in der Antwort auf die Interpellation hätten diese Leute gar keine Chance, in diese Arbeitsgremien einzutreten, weil sie nicht in der Lage sind, Deutsch wie die Deutschen und Französisch wie die Franzosen zu sprechen.
Für mich hat das Seco, Herr Bundesrat, immer auf vorbildliche Art und Weise viele Massnahmen zur Förderung der Mehrsprachigkeit angeordnet; das ist zuzugeben. Aber dieses Mal bitte ich Sie, Ihren Mitarbeitern ein paar Dinge zu sagen. Zuerst wäre es manchmal besser, sich einfach zu entschuldigen und den Fehler zuzugeben. Zweitens ist es so, dass in diesem Land die italienischsprachigen Leute immer in einer anderen Sprache kommunizieren müssen, um sich mit den Miteidgenossen verständigen zu können. Wenn es uns in diesem Land gelingt, uns auf Deutsch zu äussern, dann sehe ich nicht, warum das nicht auch mit Leuten der EU-Gremien, die nicht die deutsche Sprache als Muttersprache haben, möglich sein sollte. Nur darum geht es mir.
Ich hoffe, dass in Zukunft solche Stellenausschreibungen - und auch solche Begründungen und Antworten - vermieden werden können.
Schneider-Ammann Johann N. · BR-M · Bundesrat · Bern
Ich bedauere, wenn die Erwähnung "Italienischkenntnisse von Vorteil" quasi als Provokation aufgefasst wurde. Das war nie so zu verstehen. Vielmehr ist darin der ehrliche Versuch zu sehen, ans Italienische zu erinnern und der italienischen Sprache den nötigen Raum zu geben. Offensichtlich sind wir dabei etwas falsch verstanden worden.
Zwei, drei Fakten: Die sprachenpolitischen Vorgaben werden wirklich ernst genommen. Wir sind auch immer bemüht, diese einzuhalten. Das besagte Stelleninserat des Seco entspricht allen geltenden Regeln. Der Stelleninhaber, es ist so, braucht für die Erledigung seiner Aufgaben in erster Linie - dies aus funktionalen Gründen - Kenntnisse in einer der drei europäischen Verfahrenssprachen, die da sind: Deutsch, Französisch und Englisch. Die EU hat 24 Amtssprachen, das wissen wir. Die Verfahrenssprachen sind, wie ich es schon gesagt habe, Deutsch, Englisch und Französisch. Das ist auch der Grund, weshalb wir im Inserat nicht auf zentral- oder osteuropäische Sprachen abgezielt haben, nicht auf Polnisch, Rumänisch; da wären die Kandidaten in unseren Breitengraden nicht zu finden gewesen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich bedauere, dass in diesem Inserat Italienischkenntnisse nicht vollwertig Aufnahme gefunden haben. Es war aber der ehrliche Versuch, auch in diesem Inserat daran zu erinnern, dass wir eine dritte Landessprache haben, welche von Kandidaten gesprochen werden könnte, die solche Projekte übernehmen würden. Selbstverständlich haben wir Ihre Botschaft aufgenommen.
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Präsident (Germann Hannes, Präsident): Das Geschäft ist damit erledigt.
Wir sind am Ende der Tagesordnung angelangt, und ich möchte Herrn Bundesrat Schneider-Ammann einladen, anschliessend im Vorzimmer des Ständerates mit uns das Glas zu erheben - dies auf Einladung des Kantons Schaffhausen und des Präsidenten!
Schluss der Sitzung um 18.40 Uhr
La séance est levée à 18 h 40