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Komplementärmedizin. Stand der Umsetzung von Artikel 118a der Bundesverfassung und Ausblick
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Präsident (Germann Hannes, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Eder Joachim · Mit-M · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion
Ich danke dem Bundesrat bzw. dem zuständigen Vorsteher des EDI, Bundesrat Alain Berset, dass er die Annahme des Postulates beantragt. Wieweit er gemäss Wortwahl des Bundesrates "im Rahmen eines Kurzberichtes detailliert über den Stand der Arbeiten berichten" kann, bleibt sein Geheimnis. Ich erwarte, dass der Schwerpunkt auf dem Begriff "detailliert" liegt.
Man kann zur Komplementärmedizin stehen, wie man will. Tatsache ist, dass die Schweizer Bevölkerung am 17. Mai 2009 die Vorlage "Zukunft mit Komplementärmedizin", also den direkten Gegenentwurf zur zurückgezogenen Volksinitiative "Ja zur Komplementärmedizin", mit 67 Prozent und unter Zustimmung aller Stände überaus deutlich angenommen hat. Damit gibt es kein Wenn und Aber, denn der Verfassungsartikel 118a verlangt: "Bund und Kantone sorgen im Rahmen ihrer Zuständigkeiten für die Berücksichtigung der Komplementärmedizin." Mit dem direkten Gegenentwurf waren folgende fünf Kernforderungen verbunden:
1. die Förderung der integrativen Medizin, darunter versteht man die Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin, und zwar im ambulanten und stationären Bereich;
2. die Aufnahme ärztlicher Richtungen der Komplementärmedizin in die Grundversicherung und in die weiteren Sozialversicherungen Suva, Militär- und Invalidenversicherung;
3. die Förderung von Lehre und Forschung;
4. die Schaffung nationaler Diplome und kantonaler Berufszulassungen für nichtärztliche Therapeuten;
5. die Sicherstellung der Heilmittelvielfalt.
Dieser kurze Blick zurück war nötig, denn die 1,28 Millionen Schweizerinnen und Schweizer, die der Vorlage zugestimmt haben, zeigten klar auf, wie breit die Komplementärmedizin in der Bevölkerung abgestützt ist. Das EDI hat vor mehr als einem Monat, nämlich am 2. Mai 2014, verlauten lassen: "Die Leistungen der anthroposophischen Medizin, der traditionellen chinesischen Medizin, der Homöopathie und der Phytotherapie sollen grundsätzlich von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung übernommen werden."
Dies ist, Herr Bundesrat, und dafür danke ich Ihnen, ein erstes positives Signal. Seit 2012 und bis 2017 übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die erwähnten Leistungen, allerdings provisorisch und wie gesagt befristet, weil der Nachweis, dass die Leistungen der vier komplementärmedizinischen Fachrichtungen wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich sind, aussteht. Nach zwei Jahren zeichnet sich nun ab, dass die Erbringung dieses Nachweises für die Fachrichtungen als Ganzes nicht möglich sein wird. Deshalb schlägt das EDI vor, diese Fachrichtungen den anderen medizinischen Fachrichtungen, deren Leistungen von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vergütet werden, gleichzustellen. Damit gälte auch für sie das Vertrauensprinzip, und die Leistungen würden grundsätzlich von der obligatorischen Krankenpflegeversicherung vergütet. Analog zu den anderen medizinischen Fachrichtungen sollen lediglich einzelne umstrittene Leistungen überprüft werden.
Um dem Verfassungsauftrag auf diese Weise nachzukommen, muss die Verordnung über die Krankenversicherung sowie die Verordnung des EDI über Leistungen in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung angepasst werden. Das kann der Bundesrat beziehungsweise das EDI in eigener Kompetenz beschliessen.
Abschliessend halte ich fest, dass in der von Thomas Christen, dem persönlichen Mitarbeiter von Herrn Bundesrat Berset, geleiteten Begleitgruppe die Zusammenarbeit gemäss meinen Informationen konstruktiv ist. Sie ist eine gute Basis für die Fortführung des Umsetzungsprozesses. Wünschenswert ist allerdings ein rascheres Vorgehen. Immerhin sind seit der Volksabstimmung jetzt schon fünf Jahre vergangen. Nötig ist auch, dass alle Amtsstellen am selben Strick und in dieselbe Richtung ziehen, denn auch hier gilt: Der Volksauftrag ist ernst zu nehmen und umzusetzen. In diesem Sinne danke ich Ihnen, wenn Sie das Postulat annehmen.
Gutzwiller Felix · Mit-M · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion
Ich bestreite nicht, dass es sinnvoll ist, hier einmal zu analysieren, wo wir in der Umsetzung dieser Volksinitiative und des klaren Volkswillens stehen. Ich möchte den Departementsvorsteher nur bitten, bei der Erarbeitung des Berichtes doch auf die unglaubliche Diskrepanz einzugehen, die wir mit dem angekündigten Entscheid des Bundesrates, diese Leistungen nun definitiv zu übernehmen, innerhalb des KVG schaffen. Wir müssen es einfach sehen - wir haben eine absolut paradoxe Situation: Einerseits kämpfen wir im Gesundheitswesen täglich - täglich - dafür, dass die Leistungen gemäss Artikel 32 des KVG "wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich" sind. Das ist ein tägliches Thema, es wird gerungen um jeden Rappen für Leistungen, die vielleicht nicht zweckmässig sind. Andererseits fügen wir nun definitiv Leistungen ein, die alles andere als "wirksam, zweckmässig und wirtschaftlich" sind, die also dem Grundkriterium der Krankenversicherung nicht entsprechen.
Ich bitte den Bundesrat, im Bericht auf dieses Paradox einzugehen, vielleicht auch einmal innovativ zu überlegen, wie er damit umgehen will, denn wir haben eine rechtsungleiche Situation: Einerseits verlangen wir ausführliche Dossiers, Tausende von Seiten, für die wir unglaublich viele Ressourcen benötigen, für die Anerkennung von operativen, medikamentösen und bildgebenden Verfahren; andererseits verlangen wir nichts von den Verfahren, die hier eingeführt werden. Ich schlage zwei Kategorien von Leistungen vor - das ist, Herr Bundesrat, ein bisschen sarkastisch gemeint -: "Leistungen, die gemäss Artikel 32 KVG, d. h. gemäss den WZW-Kriterien, erwiesenermassen etwas bringen", und "Leistungen per Volkswillen". (Heiterkeit) So ist klar, dass wir hier ganz verschiedene Dinge haben. Anders lässt sich dieses Paradox nicht auflösen und diese Rechtsungleichheit nicht erklären.
Deshalb bitte ich sehr darum, dass man im entsprechenden Bericht diese Frage etwas vertieft.
Recordon Luc · Mit-M · Ständerat · Waadt · Grüne Fraktion
Puisque, même si ce n'est pas l'époque, il semble que nous ayons entamé la rédaction de la liste de voeux au Père Noël, je vais aussi me permettre d'en émettre un.
A mon sens, ce rapport devrait aussi traiter de manière assez approfondie un aspect paradoxal. En effet, nous avons maintenant fait des efforts assez importants, notamment sur le plan de la formation dans le domaine des médecines complémentaires. Cependant, il y a passablement à faire dans celui des produits à disposition. Evidemment, le projet de révision de la loi sur les produits thérapeutiques qui vient d'être adopté par le Conseil national représente un pas en avant important, qu'il faut saluer; j'espère d'ailleurs que notre commission, puis notre conseil feront bon usage du projet issu de l'autre chambre et qui me semble de bonne qualité. Dans le rapport demandé par Monsieur Eder, et que le Conseil fédéral est d'accord de rédiger, il faudra qu'il y ait un chapitre développé sur la question des produits thérapeutiques. Parce que, paradoxalement, ce thème est peu traité, alors que les médecines complémentaires se développent et que plusieurs d'entre elles, mais pas toutes, dépendent de l'utilisation de produits thérapeutiques adaptés.
Berset Alain · BR-M · Bundesrat · Freiburg
Je dois vous dire tout d'abord que j'ai relu le texte de l'avis du Conseil fédéral du 14 mai dernier. J'ai constaté - il faut toujours se méfier de cela - une différence entre la version allemande et la version française. Dans les deux versions, il est question d'un "Kurzbericht", d'un "rapport succinct". En allemand, on ajoute "detailliert", alors que ce mot n'est pas traduit dans la version française. Je prétendrai, Monsieur Eder, que c'est la version française qui fait foi. (Hilarité) Mais j'ai compris aussi dans les interventions que vous avez faites qu'en réalité, vous nous incitez à traduire le mot "detailliert" en français parce que plusieurs questions ont déjà été posées par Messieurs Gutzwiller et Recordon, qui nous incitent à approfondir l'un ou l'autre point.
Les travaux relatifs à la mise en oeuvre de l'article 118a de la Constitution sont en cours. Ils avancent bien. C'est déjà au printemps 2011 que le Département fédéral de l'intérieur a institué un groupe de suivi pour accompagner ce projet. Je voudrais vous dire que nous avons déjà mis en place un certain nombre d'éléments assez importants.
1. Monsieur Recordon l'a mentionné en relation avec le projet de révision de la loi sur les produits thérapeutiques: dans ce cadre-là, le Conseil fédéral a proposé une manière de garantir la diversité des médicaments. L'admission de médicaments de la médecine complémentaire devrait notamment être possible sans mention de l'indication de la procédure d'autorisation fondée sur une déclaration.
2. Dans le domaine de la loi sur les professions médicales: vous savez qu'un projet de révision partielle de la loi précitée est en cours. Ce projet prévoit la transmission de connaissances sur la médecine complémentaire dans le cadre de la formation des professions médicales universitaires. C'est aussi un élément important à mentionner.
3. Pour promouvoir l'enseignement et la recherche: un groupe de travail élabore une proposition de concept pour la recherche et une stratégie de financement. Je rappelle que ce domaine relève des universités et des instituts compétents. Il y a encore la question des thérapeutes non médecins: un projet est en cours dans le cadre du Secrétariat d'Etat à la formation, à la recherche et à l'innovation.
4. Pour ce qui concerne l'assurance obligatoire des soins, Monsieur Gutzwiller a mentionné les critères précis - WZW: Wirksamkeit, Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit; EAE: efficacité, adéquation et économicité - qui figurent dans la loi sur l'assurance-maladie. Que faire lorsqu'une décision très claire a été prise par le peuple et les cantons d'accepter un contre-projet, après un débat sur une initiative populaire retirée en faveur du contre-projet? Il ne nous appartient pas de dire ce qui doit l'emporter. Il faut essayer de tenir compte de cette situation et de voir comment nous avançons dans ce dossier. Il paraît difficile, considérant la clarté avec laquelle la décision a été prise et la volonté exprimée à l'époque, d'agir comme si cette volonté n'existait pas; il paraît difficile de ne pas mettre les disciplines de la médecine complémentaire au même niveau que les autres disciplines médicales remboursées par l'assurance obligatoire des soins.
Il convient encore de préciser la manière dont les critères de l'efficacité, de l'adéquation et de l'économie précédemment cités seraient appliqués à la médecine complémentaire. C'est la quadrature du cercle, c'est une question que nous devons encore régler. Monsieur Gutzwiller, je vous remercie pour la proposition très créative que vous avez formulée. (Hilarité) Je ne sais pas si on peut simplement s'en satisfaire. On pourra peut-être fonder nos réflexions sur votre apport. C'est le travail que nous devons faire maintenant avec les milieux concernés, qui ont été informés, qui ont été invités à participer à la définition des critères et des processus.
J'ai bien entendu, Monsieur Eder, votre souhait d'aller plus vite, de travailler de manière plus approfondie. Nous faisons le maximum pour essayer d'avancer dans le bon ordre dans cette question. Un pas important a été franchi, et nous devons - ce sera aussi l'occasion dans le cadre de ce rapport - préciser toute une série de points d'application. Je vous remercie d'ailleurs de votre collaboration à cet égard, des échanges ayant également eu lieu à ce sujet.
Avec cette argumentation, je vous invite donc, dans le sens d'un "Kurzbericht, detailliert", à accepter le postulat tel qu'il a été présenté.
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Angenommen - Adopté