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Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Landsäugetiere, im Speziellen auf Huftiere
Regazzi Fabio · Mit-M · Nationalrat · Tessin · CVP-Fraktion
Zu den grössten Kritikpunkten bezüglich der Nutzung von Windenergieanlagen gehören die Kollisionen von Vögeln mit diesen Anlagen. Entsprechend müssen bei der Beurteilung von Windenergieanlagen sowohl die Anzahl der insgesamt an einer Anlage vorbeiziehenden Vögel als auch die Anzahl der dabei verunglückten Vögel bekannt sein. Entsprechend wurde im Jahr 2015 die Vogelwarte Sempach mit einer Studie bei der Anlage in Le Peuchapatte/JU beauftragt. Die Bedeutung bezüglich Auswirkung von Windenergieanlagen auf Tiere ist somit erkannt und gegeben.
Wieso allerdings in der Schweiz keine entsprechenden Studien zu den Auswirkungen auf Landsäugetiere und im Speziellen auf Huftiere gemacht werden, ist unverständlich. Nicht nur der Betrieb von solchen Anlagen, der sich logischerweise primär auf die Vogelwelt auswirkt, ist problematisch, sondern eben insbesondere auch der Bau. Der Lebensraum für wilde Landsäuger wird in der Schweiz immer knapper. Der Platzbedarf einer Windenergieanlage beschränkt sich eben nicht nur auf den eigentlichen Standort, sondern insbesondere auch auf deren Versorgungswege. Somit sind die Lebensräume der Wildsäuger auch schon bei kleinen Anlagen massiv betroffen.
Wie im Postulat erwähnt, wird in der Schweiz eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) erst ab einer installierten Leistung von 5 Megawatt vorgeschrieben, was aktuell nur auf zwei Windpärke zutrifft. Es gilt aber insbesondere zu prüfen, welchen Einfluss kleine und mittlere Windenergieanlagen auf die lokale und die grossräumige Fauna haben.
Wenn der Bundesrat in seiner Stellungnahme darauf hinweist, dass entsprechende kleinere Projekte nicht von der UVP-Pflicht ausgenommen sind, so fehlt eben genau hier die Grundlage respektive die Studie darüber, was für Landsäugetiere und im Speziellen für wildlebende Huftiere verträglich ist und was nicht. Selbst Wildkorridore von nationaler Bedeutung oder Wildruhezonen müssen heute nicht unter den relevanten Biotop- oder Landschaftsinventaren aufgeführt werden. Somit werden die Auswirkungen auf Flora und Fauna nicht genügend berücksichtigt. Um die Auswirkungen solcher Anlagen, insbesondere auch von Kleinanlagen, zu prüfen, ist die geforderte Studie unabdingbar.
Entsprechend bitte ich Sie, das Postulat anzunehmen.
Leuthard Doris · BPR-F · Bundesrat · Aargau
Man kann schon viele Berichte und Statistiken einfordern, und wir können nach vielen Vogelarten auch noch die Wildhuftiere begutachten. Sie sind immer für weniger Bürokratie und weniger Ressourcen und verlangen jetzt erneut einen Bericht - ich weiss auch nicht.
Wir haben uns trotzdem einmal erkundigt, Herr Nationalrat: Es gibt weltweit eigentlich keine wissenschaftlichen Studien, weil das offenbar weltweit nicht ein Problem ist. Ich weiss, dass Sie Jäger sind und deshalb natürlich wissen wollen, ob irgendeine Windanlage im Tessin einen Hirsch vertreiben oder beeinträchtigen könnte - okay.
Ich habe meine Leute angewiesen nachzuprüfen, ob die Deutschen, die ja viele Windanlagen haben, irgendeine Erfahrungszahl haben, und siehe da: Im deutschen Bundesland Baden-Württemberg, nicht weit entfernt von der Schweizer Grenze, hat man einfach die Anzahl Windanlagen gezählt, von denen sie ja wirklich viele haben; ihr im Tessin habt keine, aber vielleicht kommt einmal eine. Diese Zahl wurde dann mit der Jagdstatistik verglichen. Ich kann Ihnen sagen, dass im Zeitraum, in dem die Zahl der Windmühlen um das Vierfache angestiegen ist, die Jagdstatistik in diesem Bundesland eine Zunahme bei allen jagdbaren Grosswildarten wie Rotwild, Damwild, Rehwild und was es da noch gibt, ergeben hat. Daraus kann man wohl schliessen, dass es keine Beeinträchtigung gegeben hat.
Wir haben auf dem Mont Crosin sogar einen Landwirt gefunden, der auch Pferdezüchter ist: Er hat gesagt, er habe wegen der Windparks dort oben weder bei den Kühen noch bei den Pferden irgendeine Beeinträchtigung festgestellt. Das scheint mir ein kluger Bauer zu sein, und deshalb würde ich empfehlen, von einem mit sehr viel Steuergeld finanzierten wissenschaftlichen Bericht abzusehen.
Abstimmung
Präsident (Stahl Jürg, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 54 Stimmen
Dagegen ... 128 Stimmen
(11 Enthaltungen)