17.3164
Den Wert der Sprachenvielfalt schätzen
Bischofberger Ivo · P-M · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · CVP-Fraktion
Präsident (Bischofberger Ivo, Präsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Engler Stefan · Mit-M · Ständerat · Graubünden · CVP-Fraktion
Ich habe diesen Vorstoss aus der Besorgnis heraus eingereicht, dass die Mehrsprachigkeit und die Sprachenvielfalt in unserem Land zusehends an Wert verlieren, und ich würde das für einen grossen Verlust halten. Deshalb will ich mit diesem Vorstoss die Diskussion über Mehrsprachigkeit und Sprachenvielfalt ermöglichen.
Bekanntlich ist die offizielle Viersprachigkeit eines der bekanntesten Markenzeichen unseres Landes. Sie ist Teil unseres Selbstverständnisses und Basis der kulturellen Verständigung. Die zahlenmässige Dominanz der Deutschsprachigen, die Minderheitsposition der Französischsprachigen und der kleine Anteil der beiden anderen nationalen Sprachgemeinschaften sorgen jedoch zunehmend für Spannungen. Während die problematisierte Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften den Fokus fast ausschliesslich auf die Sprechenden der beiden grossen Landessprachen lenkt, drohen die beiden kleinen Sprachgruppen immer wieder vergessen zu gehen, insbesondere auch das halbe Prozent an Rätoromaninnen und Rätoromanen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass deren Sprechende in der Regel über sehr gute Kompetenzen in einer anderen Landessprache verfügen müssen und sich gewöhnlich anpassen. Der Sprachenalltag in der Schweiz ist somit geprägt durch die Dominanz der grossen Sprachgruppen und eine Einwegsolidarität, in welcher sich die kleinen Sprachgruppen nach den grossen ausrichten.
Dem Englischen wird in dieser Situation gerne die Rolle der neutralen Sprache zugeschrieben, die niemanden bevorzuge. Wohin das führt, hat Kollege Eder mit seiner Interpellation 17.3161, "Dominanz des Englischen in der Wissenschaft. Warum werden unsere Landessprachen vernachlässigt?", aufmerksam gemacht. Die Diskussion in unserem Rat darüber ist für übernächste Woche vorgesehen.
Bekennt man sich zu einer echten Mehrsprachenpolitik, die mehr erreichen will als bloss die angemessene Vertretung der Sprachgemeinschaften innerhalb des Bundespersonals und die Ausgewogenheit in der Verwendung unserer Landessprachen, heisst dies, sich für eine gegenseitig mehrsprachige Verständigung zu engagieren. Zentral in diesem Zusammenhang ist die Förderung der Verständigung und des Austausches zwischen den Sprachgemeinschaften, was in der Kulturbotschaft 2016-2020 ja auch Platz gefunden hat. Darin wurde die Bedeutung der Mehrsprachigkeit für den sozialen und kulturellen Zusammenhalt des Landes sogar herausgestrichen.
Was kann nun eine ausserparlamentarische, aus Vertreterinnen und Vertretern der Sprachgemeinschaften zusammengesetzte Kommission dazu beitragen? Sie könnte sich in Zeiten, in denen etwa über Frühfremdsprachen im Primarschulunterricht debattiert wird und neue Sprachbarrieren drohen, unter Beachtung der föderalen Zuständigkeiten für die Sprachpolitik prospektiv mit Fragen der Vielsprachigkeit unseres Landes auseinandersetzen und als Dialogplattform dienen: etwa indem eine solche Sprachenplattform die Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Mehrsprachigkeit frühzeitig erkennt, indem sie den Einfluss der Migration auf die vielsprachige Schweiz im Auge behält, indem sie die Rolle der Medien zur Erhaltung der Sprachenvielfalt ausleuchtet und indem auch die Relevanz der jeweiligen Dialekte innerhalb der Landessprachen für die Zugehörigkeit und Identität einer Volksgruppe erforscht und gefördert wird - ich spreche von Dialekten der deutschen, der italienischen, der französischen und selbstverständlich auch der romanischen Sprache, meiner Muttersprache. Eine solche Kommission könnte Grundlagen für die Förderung der Mehrsprachigkeit erarbeiten oder aber ganz generell das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für den Wert der Mehrsprachigkeit in unserem Land wachhalten. Was ich von dieser Kommission nicht erwarte, ist, dass sie sich etwa anstelle der Sprachorganisationen oder der Kantone in die Sprachenpolitik der Kantone einmischt oder sich sogar Kompetenzen anmassen würde.
Ich kann, Herr Bundesrat, in der Sprachenpolitik des Bundes niemanden identifizieren, der heute diese Klammerfunktion zwischen den Sprachgemeinschaften wirklich erfüllen könnte. Der Bundesrat meint, es brauche keine ausserparlamentarische Kommission, die sich mit solchen Fragen der Mehrsprachigkeit befasst. Man verfüge innerhalb der Verwaltung schon über genügend Wissen, und falls nötig, ziehe man themenspezifisch Experten bei. Ich habe meine Zweifel, ob eine solche Verwaltungssichtweise der Tragweite und dem Wert einer mehrsprachigen Schweiz wirklich Rechnung trägt. Insofern steht auch das Argument des Bundesrates, nach dem Willen des Parlamentes nicht neue ausserparlamentarische Gremien ins Leben rufen zu wollen, ziemlich hilflos da, vor allem wenn man sieht, wofür der Bundesrat selber in der Vergangenheit solche Kommissionen und Plattformen gebildet hat.
(discurra surmiran) I vala da s'engaschar per la plurilinguitad da nossa terra. Sia valita paisa grev per la solidaritad, convivenza ed appartegnientscha.
Ich bitte Sie also, diesem Vorstoss zuzustimmen und damit einen kleinen Beitrag zu leisten, damit die Mehrsprachigkeit, die Sprachenvielfalt in unserem Land eine Plattform erhält, auf der sich die verschiedenen Sprachgemeinschaften einbringen sollen.
Bischofberger Ivo · P-M · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · CVP-Fraktion
Präsident (Bischofberger Ivo, Präsident): Grazia fitg, Herr Engler.
Hefti Thomas · Mit-M · Ständerat · Glarus · FDP-Liberale Fraktion
Ich stehe der Motion Engler mit grosser Sympathie gegenüber. "Einheit in der Vielfalt" ist eine alte, aber weise Maxime unseres Bundesstaates. Aber diese Vielfalt bewegt sich in sprachlicher Hinsicht immer mehr in Richtung Deutsch/Englisch oder gar Englisch/Deutsch. Für den längerfristigen Zusammenhalt der Eidgenossenschaft scheint mir das nun etwa so beängstigend zu sein wie die Klimaveränderung für die Umwelt. Die Mehrsprachigkeit im Bund ist ernst zu nehmen. Dabei ist es gut, wenn in Reden in einigen Sätzen andere Landessprachen eingestreut werden. Aber das genügt nicht.
Es braucht den festen Willen, die sich im Alltag bietenden Gelegenheiten zum Verwenden der verschiedenen Landessprachen zu nützen. Daran scheint es, bewusst oder unbewusst, allenfalls auch aus Bequemlichkeit, immer mehr zu fehlen. Es darf doch zum Beispiel nicht sein, dass es in der Schweiz dazu kommt, dass Gesuche in Englisch eingereicht werden müssen. Es liegt dazu ein Vorstoss von Kollege Eder vor. Ebenfalls muss es in Arbeitsgruppen, die von Bundesämtern eingesetzt werden, möglich sein, dass der Austausch in einer Landessprache stattfindet. Schliesslich eine Lanze für die Sprache Dantes: Sie wird bei uns zu oft geringgeschätzt, so etwa, wenn Verhandlungen mit Italien über ein Doppelbesteuerungsabkommen auf Englisch geführt werden. Auch das ist nicht einmal klug.
Daher hat die Motion für mich sehr wohl Berechtigung. Ich werde deshalb nicht dagegen stimmen, sondern mich der Stimme enthalten, weil mich ein Teil, der Einbezug von anderen Sprachen als den Landessprachen, nicht überzeugt. Ich bin der Auffassung, dass wir damit den Landessprachen keinen Dienst tun. Im Gegenteil: Sie laufen Gefahr, dadurch an Gewicht zu verlieren. Das scheint mir übrigens auch nicht im Sinn der Integrationsbestrebungen zu sein.
Stöckli Hans · Mit-M · Ständerat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion
Selbstverständlich sind Kommissionen nicht das Ei des Kolumbus. Aber wir haben in unserem Staat für viele andere Eier Kommissionen. Ich denke, es ist ein tauglicher Versuch, Ihnen, Herr Bundesrat, über eine Kommission für Sprachenfragen zusätzliche Kompetenzen zu geben. Die Motion Bigler 16.3967, "Ausserparlamentarische Kommissionen auf das Notwendige reduzieren", wurde in der SPK-SR noch nicht behandelt, entsprechend haben wir noch keine Beschränkung der Zahl der Kommissionen. Die Bedeutung der Mehrsprachigkeit in unserem Land ist so gross, dass wir den Versuch starten sollten.
Es ist erfreulich festzustellen, in welchen Bereichen Sie, Herr Bundesrat, mit Ihren Kolleginnen und Kollegen dieser Kohäsion, der Mehrsprachigkeit Beachtung schenken. Es freut mich, dass Sie Massnahmen für die Verbesserung der Sprachkompetenz als Rahmenkonzept in die Kulturbotschaft mit einbeziehen werden. Es reicht aber nicht, wenn man sich auf die Verwaltung beschränkt. Es reicht nicht, wenn man mit den Kantonen zusammenarbeitet. Die gesamte zivile Gesellschaft muss einbezogen werden. Ich denke vor allem an die Wirtschaft, ich denke auch an die sportlichen Betätigungen. Ich denke, dass mit einer solchen Kommission der wichtigen Frage nach der Förderung der Mehrsprachigkeit und dem Erhalt der Sprachenvielfalt die richtige Bedeutung zukommen würde.
Ich kann vielleicht noch erwähnen, dass der Kanton Bern mich zum Präsidenten einer Expertenkommission ernannt hat, welche genau diese Problematik aufnehmen soll. Ich bin überzeugt, dass die Arbeit sehr gross sein wird, weil noch sehr viel zu tun ist. Ich unterstütze die Motion.
Berset Alain · VPBR-M · Bundesrat · Freiburg
Vous me permettrez, au début de mon intervention, de féliciter Monsieur Stöckli pour sa nomination à la présidence de la commission d'experts chargée de promouvoir le bilinguisme dans le canton de Berne. Nous suivrons vos travaux avec intérêt parce qu'il s'agit effectivement d'une question d'une grande importance. J'aimerais aussi remercier Monsieur Engler de souligner l'importance des langues nationales dans notre pays et de rappeler qu'elles sont un des éléments qui fondent notre identité, on le sait, en Suisse. On vit cette "Mehrsprachigkeit" ici même. A chaque fois qu'on se rend à l'étranger, on tombe toujours sur quelqu'un qui va nous dire, dans une conversation: "Ah oui, c'est vrai, en Suisse, vous parlez quatre langues, c'est fantastique!" Et nous en sommes fiers, nous le considérons vraiment comme un élément identitaire fort.
Le Conseil fédéral accorde une grande importance à la promotion des langues nationales et à la diversité culturelle. Nous avons actuellement les instruments qui nous permettent de soutenir des échanges linguistiques entre les régions du pays, même si des efforts sont encore à faire dans ce domaine. Nous pouvons soutenir des projets innovants dans l'enseignement des langues, nous pouvons soutenir les cantons plurilingues - c'est notamment un des effets de la loi sur les langues qui permet de soutenir les cantons plurilingues et les mesures destinées à sauvegarder et à promouvoir les langues et les cultures romanche et italienne -, la recherche scientifique sur le plurilinguisme ou encore les organisations actives dans le domaine de la compréhension. Il faut se souvenir que la loi sur les langues, qui a permis, je crois, des avancées extrêmement importantes dans ce domaine, est due au Parlement, qui a le mérite d'avoir mené ce projet à son terme, à la suite d'une initiative parlementaire de Christian Levrat, alors conseiller national. Le Conseil fédéral n'avait pas tout de suite adhéré à ce projet, mais il avait fini par l'approuver et soutenir l'idée qu'il fallait faire des efforts particuliers dans ce domaine.
Dans le cadre du message culture 2016-2020, nous avons adopté des mesures supplémentaires pour renforcer les échanges ainsi que la présence de l'italien et du romanche en Suisse. Nous intensifierons ces efforts dans le prochain message culture.
La motion demande de prévoir, dans le prochain message culture, la création d'une commission extraparlementaire compétente en matière de langues. Dans son avis, le Conseil fédéral a expliqué comment nous intégrons aujourd'hui les différents points de vue: nous collaborons notamment avec des experts et nous avons des spécialistes au sein de l'administration fédérale. Vous le dites vous-même, Monsieur Engler, dans le texte de votre motion: c'est une question éminemment cantonale. La Confédération agit de concert avec les cantons au niveau de la Conférence suisse des directeurs cantonaux de l'instruction publique.
Pour ce qui concerne la création d'une commission extraparlementaire, je ne veux pas doucher le bel enthousiasme qui a dominé ce débat jusqu'ici, mais je dois vous rappeler quelques éléments, ce qui va modifier quelque peu le cours de la discussion. Il y a actuellement beaucoup de commissions extraparlementaires. Elles ont été instituées par le Parlement, ou le Conseil fédéral, et s'occupent de questions politiques ou techniques, comme l'enregistrement des professions dans certains domaines spécifiques.
Je ne connais pas le dernier chiffre concernant le Département fédéral de l'intérieur, car cela fluctue, mais il y a une quarantaine de commissions extraparlementaires. Or, le Conseil fédéral cherche à réduire leur nombre, le Parlement aussi. Le Parlement nous a également demandé d'être attentifs à l'évolution des coûts. De plus, la motion Bigler 16.3967, "Commissions extraparlementaires. Réduire leur nombre à l'essentiel", demande une réduction d'un tiers du nombre de commissions extraparlementaires. Le Conseil fédéral s'y est opposé, mais cette motion a été adoptée par le Conseil national et vous aurez bientôt l'occasion de vous prononcer sur cet objet.
J'aimerais attirer votre attention sur la problématique des ressources. L'Office fédéral de la culture, qui est compétent dans ce domaine, n'est pas d'une immense taille en termes de ressources et de personnel. Depuis des années - je ne les compte plus -, les programmes d'allègement budgétaire se succèdent et ils touchent tous les départements. Le Parlement envoie des signaux très clairs au sujet des ressources, notamment dans le domaine du personnel. Cela agit comme un frein puissant qui empêche le lancement de nouvelles activités. En parallèle, on demande la création d'une nouvelle commission extraparlementaire.
Je vous invite à ne pas nous demander de créer cette nouvelle commission. Nous devons utiliser d'autres moyens pour relever les défis que vous énumérez dans votre motion, Monsieur Engler.
J'aimerais surtout demander au conseil, s'il devait, contre toute attente, soutenir cette motion, de se préparer à nous allouer aussi les ressources nécessaires pour faire fonctionner la nouvelle commission extraparlementaire. N'allez pas imaginer qu'on créera une commission extraparlementaire et qu'ensuite il ne se passera rien. Elle se composera d'une quinzaine de membres. Il faudra les choisir, les nommer, les inviter. Puis, ils se réuniront quatre ou cinq fois par année. Il faudra chaque fois préparer la séance, les documents, l'ordre du jour, contacter la présidente ou le président, assurer un suivi. Cela ne se fait pas tout seul.
Je dois vous dire clairement que ce n'est pas une activité qu'on peut ajouter aux tâches de l'Office fédéral de la culture, qui devra s'en occuper. Nous ne pouvons pas réaliser les tâches précitées sans ressources supplémentaires. J'aimerais attirer votre attention sur le fait que si, contre l'avis du Conseil fédéral, vous deviez adopter cette motion, vous devriez vous préparer à allouer les ressources supplémentaires pour gérer cette commission, ce que nous vous proposerions dans le cadre du message sur la culture 2021-2024.
Cette question des ressources n'est pas à sous-estimer, d'autant moins que le Parlement nous demande généralement d'être très attentifs aux ressources, de diminuer le nombre de commissions extraparlementaires. Cependant, à différentes reprises, j'ai remarqué des propositions d'en créer de nouvelles. Cela a été le cas lors du débat sur la loi sur les produits thérapeutiques. En définitive, elle n'a pas été créée. Mais on n'est pas passé loin d'une commission permanente qui aurait exigé beaucoup de temps et d'énergie. Le Parlement a aussi la volonté de nous demander de créer une commission des aînés, et maintenant une commission sur les langues.
Je fais une grande différence entre la valeur et l'importance du thème, Monsieur Engler, sur lequel nous nous rejoignons à 100 pour cent - et je pense que nous n'avons aucune divergence sur ce point -, mais c'est sur la méthode employée, la nécessité de mettre en place une commission sur les langues, que nous ne vous suivons pas.
J'aimerais donc vous inviter, sans que ce soit à considérer comme un signal négatif à l'égard des langues, à rejeter cette motion et à nous permettre de travailler dans le cadre dont nous disposons actuellement pour traiter ces questions.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 17 Stimmen
Dagegen ... 16 Stimmen
(5 Enthaltungen)