21.3977
Förderung von nichtfossilen Verkehrsträgern im öffentlichen Verkehr
Kälin Irène · P-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Antrag der Mehrheit
Annahme der Motion
Antrag der Minderheit
(Umbricht Pieren, Giezendanner, Hurter Thomas, Rutz Gregor, Wasserfallen Christian, Wobmann)
Ablehnung der Motion
Proposition de la majorité
Adopter la motion
Proposition de la minorité
(Umbricht Pieren, Giezendanner, Hurter Thomas, Rutz Gregor, Wasserfallen Christian, Wobmann)
Rejeter la motion
Candinas Martin · 1VP-M · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
(discurra sursilvan) Cun la moziun "Promoziun da meds da traffic betg fossils en il transport public" vul Vossa Cumissiun per traffic e telecommunicaziun incaricar il Cussegl federal da preschentar ina soluziun cumplessiva per la promoziun e finanziaziun da meds da traffic betg fossils en il transport public sin via. Quai duai succeder en collavuraziun cun ils chantuns, cun las vischnancas e cun la branscha dal traffic public. Il concept general per la promoziun da meds da traffic betg fossils, cunzunt en la sparta da l'electromobilitad, duai resguardar il traffic da persunas regiunal ed il traffic local. Ultra da quai duai la deliberaziun da la taglia sin il petroli vegnir limitada ed il surpli d'entradas vegnir impundì cumplettamain per la promoziun dals meds da traffic betg fossils. Quai era medemamain previs uschia en la Lescha da CO2 ch'è vegnida refusada. Questa mesira era dentant nundispitaivla.
Pertge dovri uss or da la vista da la cumissiun questa moziun?
Ils 12 da mars 2021 ha il Cussegl federal publitgà ses rapport sin fundament dal postulat 19.3000 "Promover l'implementaziun da meds da traffic betg fossils en il transport public sin via". Il rapport analisescha ils potenzials da la transfurmaziun dals bus da diesel actuals sin tecnologias da tracziun senza fossil a curta vista, a vista mesauna ed a lunga vista en trais scenaris. Tals mussan ils potenzials da reducziun da las emissiuns da CO2, da las substanzas nuschaivlas en l'aria e da la canera e valitescha ils custs supplementars persuenter.
Con la legge sul CO2 sarebbero state previste importanti misure di promozione come ad esempio sovvenzioni ricavate dal fondo per il clima, risorse derivanti dall'abolizione della restituzione dell'imposta sugli oli minerali o un maggiore finanziamento da parte della Fondazione Klik. Con la mancata approvazione della legge sul CO2, la promozione di vettori del traffico non fossili deve essere perseguita in un altro modo.
I trasporti pubblici sono già oggi particolarmente ecologici. Solo il 3,7 per cento delle emissioni causate dai trasporti è imputabile ai trasporti pubblici, e specialmente agli autobus a diesel. Affinché il trasporto pubblico possa continuare a svolgere il suo ruolo all'avanguardia nella tutela del clima e divenire completamente ecologico nel prossimo futuro, la conversione dei tremila autobus a diesel del traffico regionale viaggiatori e del traffico urbano deve essere accelerata e sostenuta.
Attualmente i veicoli che non utilizzano carburanti fossili sono decisamente più cari rispetto agli autobus a diesel, e proprio per questo motivo, nei prossimi anni si dovrebbe accelerare la conversione integrale dei trasporti pubblici su strada ad emissioni zero, con il supporto della Confederazione.
Le secteur des transports publics est prêt. L'évolution est rapide. De nombreuses entreprises de transport public routier ne veulent plus acheter de bus diesels; leur stratégie d'électrification de leur parc de véhicules est très claire. C'est une démarche progressiste. Le problème est souvent le financement. Le passage à des mesures respectueuses de l'environnement ne devrait toutefois pas échouer à cause du financement.
Même si les véhicules électriques sont au premier plan pour de nombreuses entreprises, la motion est formulée de manière technologiquement neutre. Tous les types de bus mus par des énergies non fossiles doivent être traités de la même façon.
Le 30 août dernier, la commission a décidé, par 14 voix contre 10, de déposer cette motion de commission. Le Conseil fédéral recommande l'adoption de la motion. C'est pourquoi je vous demande, au nom de la commission, d'adopter la motion.
Pult Jon · Mit-M · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion
La Commission des transports et des télécommunications de notre conseil est une commission quadrilingue e per questo il collega Candinas ha usato le tre lingue latine del nostro paese ed jau discur uss anc en la lingua da Goethe.
Mit dieser Kommissionsmotion wird der Bundesrat aufgefordert, zwei Dinge zu tun: Erstens soll er gemeinsam mit den Kantonen, den Gemeinden und der Branche des öffentlichen Verkehrs eine gesamtheitliche Lösung für die Förderung und Finanzierung nicht fossiler Verkehrsträger im öffentlichen Busverkehr erarbeiten. Zweitens soll der Bundesrat rasch die Mineralölsteuerbefreiung für den öffentlichen Verkehr befristen und die Mehreinnahmen zweckgebunden zur Förderung nicht fossiler Verkehrsträger einsetzen, wie dies im abgelehnten CO2-Gesetz mit der Änderung von Artikel 48 des Mineralölsteuergesetzes vorgesehen und auch kaum bestritten war.
Warum diese beiden Aufträge? Unternehmen des öffentlichen Verkehrs, die Dieselbusse statt Elektro-, Wasserstoff- oder Biogasbusse kaufen, fahren heute finanziell besser, denn der Staat erstattet ihnen die Mineralölsteuer zurück. Dieser eklatante Fehlanreiz, man könnte auch von einer Dieselsubvention sprechen, gehört aus klima- und ordnungspolitischen Gründen abgeschafft, und zwar schnell. Das abgelehnte CO2-Gesetz hatte genau das vorgesehen, wobei diese Bestimmung sowohl im Parlament als auch im Abstimmungskampf vor dem Volk praktisch unbestritten war. Darum muss diese Anpassung des Mineralölsteuergesetzes aus Sicht der Mehrheit Ihrer Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen wieder aufgelegt werden.
Zusätzlich, das hat Kollege Candinas auch gesagt, braucht es auch ein Gesamtkonzept des Bundes, um zusammen mit der Branche, mit den Kantonen und mit den Gemeinden die Dekarbonisierung des Schweizer Busverkehrs rasch voranzubringen. Dabei ist natürlich die Finanzierung das entscheidende Element. Denn heute sind die Unterschiede und die Möglichkeiten je nach Gemeinde, je nach Kanton und je nach Unternehmung sehr gross. Während einige Städte, Gemeinden und Kantone schon jetzt vorangehen und die Dekarbonisierung energisch voranbringen, können sich das andere Verkehrsbetriebe in anderen Kantonen und Gemeinden schlicht nicht leisten. Dieses Problem hat sich durch die Covid-19-Krise, die den öffentlichen Verkehr stark betroffen hat, noch verschärft. Wollen wir, dass die Dekarbonisierung des Busverkehrs in der ganzen Schweiz Fahrt aufnimmt, so braucht es eine Gesamtlösung unter Koordination des Bundes sowie eine rasche Abschaffung des Fehlanreizes im heutigen Mineralölsteuergesetz.
Ihre Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen beantragt Ihnen mit 14 zu 10 Stimmen und der Unterstützung des Bundesrates, die Motion anzunehmen.
Giezendanner Benjamin · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Es ist nach einer Volksabstimmung immer schön zu hören, dass gewisse Kommissionssprecher genau wissen, bei welchem Part es sich um einen unbestrittenen Part gehandelt hat, dies insbesondere auch nach der Abstimmung zum CO2-Gesetz. Ich weiss nicht, wie das evaluiert wurde. Ich jedenfalls war damals dagegen, zumindest gegen diesen Artikel.
Worum geht es genau? Es geht darum, dass wir hier einen Fehlanreiz schaffen. Es geht vor allem darum, dass man elektrifiziert. Es ist nicht ganz so technologieneutral, wie man das vorhin sagte, es geht um die Elektrifizierung. Das Problem ist, dass wir genau zu den Zeiten, da diese Busse stehen, zu wenig Bandstrom haben. Nun versuchen wir hier, die Transportunternehmen mit Anreizen dazu zu bewegen, dass sie noch mehr in Richtung dieser Sparte gehen. Wir versuchen zudem, andere Technologien auszuschliessen.
Wenn Sie davon sprechen, dass heute dreckige Dieselbusse subventioniert werden, dann möchte ich Ihnen sagen, dass es ja durchaus auch sein könnte, dass die synthetischen Treibstoffe die Lösung sind. Persönlich bin ich überzeugt, dass wir uns dann, wenn wir zu wenig Bandstrom haben, mit synthetischen Treibstoffen behelfen müssen. Das heisst, wir könnten die heutigen Busse auch weiterhin betreiben. Wenn Sie die Hersteller fragen, vor allem im Ausland, sei es nun Italien oder Deutschland, dann ist dies immer noch eine Option. Aber hier in der Schweiz wollen Sie eine Kasse schaffen, die am Schluss nur die Elektrifizierung unterstützt.
Ich bitte Sie, diesen Vorstoss abzulehnen. Wir sind nicht dagegen, in diesem Bereich eine Dekarbonisierung vorzunehmen. Aber wenn Sie nur in Richtung Elektrifizierung gehen, ist das falsch.
In diesem Sinne bitte ich Sie, die Stromlücke nicht noch zu vergrössern. Geben Sie auch anderen Technologien wie Wasserstoff und synthetischen Treibstoffen eine Chance.
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Der Bundesrat empfiehlt Ihnen diese Motion zur Annahme. Es ist jetzt doch sehr breit akzeptiert und auch unbestritten, dass eine Mineralölsteuerbefreiung für Dieselbusse nicht mehr zeitgemäss ist. Das ist eigentlich so ziemlich das Gegenteil einer Dekarbonisierung. Mit einer Befreiung von der Mineralölsteuer unterstützen Sie vielmehr die Karbonisierung. Wenn Sie für den Klimaschutz sind, dann unterstützen Sie diese Motion.
Die Frage ist: Wie setzt man diese Mittel ein, die man hier einspart oder zusätzlich einnimmt, wenn man die Mineralölsteuerbefreiung für den öffentlichen Verkehr nicht mehr hat? Diese Motion schlägt vor, dass man diese Mittel zur Förderung und Finanzierung von nicht fossilen Verkehrsträgern im öffentlichen Busverkehr einsetzt. Ich denke, das ist sinnvoll; das ist übrigens auch das, was der Bundesrat im CO2-Gesetz, das er demnächst verabschiedet und in die Vernehmlassung schickt, vorgesehen hat.
Weshalb ich das Wort noch ergriffen habe: Diese Motion ist durchaus technologieneutral formuliert, indem sie einfach von nicht fossilen Verkehrsträgern im öffentlichen Busverkehr spricht. Es ist schon gut, Herr Nationalrat Giezendanner, wenn Sie darauf hinweisen, dass die Elektrifizierung des Verkehrs auch bedingt, dass der entsprechende Strom vorhanden ist. Genau deshalb haben wir das Stromversorgungsgesetz, das zurzeit in der ständerätlichen Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie beraten wird: um sicherzustellen, dass die Versorgungssicherheit auch für die nächsten Jahre gewährleistet ist. Etwas schwierig zu verstehen ist aber, wenn Sie sagen, Sie möchten nicht nur eine Elektrifizierung, sondern Sie möchten technologieneutral auch offen für Wasserstoff und synthetische Treibstoffe sein. Um Wasserstoff herzustellen, brauchen Sie Strom, und zwar ziemlich viel. Um synthetische Treibstoffe herzustellen, brauchen Sie ebenfalls sehr viel Strom. Von daher denke ich, dass die Technologieneutralität sinnvoll ist. Das ist noch nicht entschieden, man weiss im Moment noch nicht, welche Richtung sich am Schluss durchsetzt.
Anstatt zu sagen, Sie würden eine Elektrifizierung ablehnen und auf Wasserstoff und synthetische Treibstoffe setzen, sollten Sie lieber mithelfen, dass wir diesen Strombedarf decken können. Helfen Sie mit, dass wir in unserem Land mit dem Potenzial, das vorhanden ist - also mit Wasser-, mit Sonnen- und mit Windenergie -, eine Versorgungssicherheit erreichen. Deshalb ist die Begründung, Sie würden die Motion nicht mittragen, weil Sie wegen des Stromverbrauchs lieber Wasserstoff oder synthetische Treibstoffe hätten, nicht ganz kohärent.
Giezendanner Benjamin · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin, damit Sie mich noch vollends überzeugen: Diese Busse stehen nachts ja grossmehrheitlich im Depot. Können Sie mir sagen, mit welcher Energiequelle - Solar dürfte in der Nacht schwierig sein - und welchem Strom Sie diese Fahrzeuge in Zukunft laden werden?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Mit dem Strom, den wir in der Schweiz zusätzlich produzieren. Wir haben Ausbaumöglichkeiten. Der Bundesrat hat vorgesehen, dass wir bis 2035 den Wasserstrom um 2 Terawattstunden ausbauen. Wir sind daran aufzuzeigen, wie man das tut. Wir haben mit der Fotovoltaik eine gigantische Möglichkeit, in der Schweiz einheimische erneuerbare Energie zu produzieren. Fotovoltaik ist am besten geeignet, denn man hat in gewissen Zeiten Überschussstrom. Genau den kann man verwenden, um Wasserstoff oder synthetische Treibstoffe herzustellen. Die Lösungen liegen eigentlich auf dem Tablett. Wir müssen jetzt die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, und dann kommen Sie auch zu Ihren synthetischen Treibstoffen.
Egger Mike · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Geschätzte Frau Bundesrätin, Sie haben die Fotovoltaiktechnologie angesprochen. Wir haben ja vor allem im Winter eine Unterdeckung. Wie möchten Sie denn diese Fotovoltaikenergie speichern?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Ich habe Ihnen vorhin gesagt, dass man mit dem überschüssigen Fotovoltaikstrom auch Wasserstoff - diesen braucht man, sonst kann man den Wasserstoff gar nicht herstellen - oder allenfalls synthetische Treibstoffe herstellen kann. Was Ihre Bedenken in Bezug auf die Winterlücke angeht: Die Studie hat gezeigt, dass ab 2025 unter Worst-Case-Bedingungen während gewissen Stunden am Ende des Winters eine Strommangellage entstehen könnte. Dafür, genau für solche Situationen, hat der Bundesrat im Stromversorgungsgesetz, das jetzt im Ständerat beraten wird, ein Pflichtlager für Winterstrom vorgesehen. Es handelt sich dabei um Strom aus Wasserkraft. Die Elcom soll bestimmen, wie viel Strom spezifisch für den Zweck gespeichert werden muss, um diese Winterlücke zu schliessen oder diese Mangellage zu verhindern. Der Betreiber wird entsprechend entschädigt. Das ist eigentlich eine sehr einfache und kostengünstige Antwort auf dieses Problem, und es ist gleichzeitig der Ausbau, den wir vorantreiben müssen. Mit der Revision des Energiegesetzes haben Sie in der letzten Session bereits die Weichen gestellt.
Wir sind hier unterwegs, aber wir müssen das jetzt wirklich anpacken und vorwärtsmachen. Dann können Sie auch mit gutem Gewissen die Elektrifizierung des Verkehrs anpacken.
Martullo-Blocher Magdalena · Mit-F · Nationalrat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin Sommaruga, glauben Sie also, dass wir kein Gaskraftwerk brauchen, um die Stromlücke zu schliessen, sondern dass wir immer stärker auf Strom setzen können, ohne in der Schweiz je ein Gaskraftwerk betreiben zu müssen?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Frau Nationalrätin Martullo, das ist nicht eine Glaubensfrage. Wir stützen uns auf die Fakten, auf die bestehenden Berechnungen, die wir zusammen mit der Branche immer wieder neu überprüfen. Der Bundesrat hat im Stromversorgungsgesetz klar gesagt: Wir bauen jetzt für den Zubau, vor allem für die Winterlücke, in erster Linie auf die Wasserkraft. Wenn aber absehbar ist, dass das nicht genügen sollte, ist nicht ausgeschlossen, dass für spezielle Situationen und Mangellagen auch Gaskraft infrage kommen könnte. Daher ist die Elcom daran, dazu ein Konzept auszuarbeiten.
Darüber, wie das funktionieren könnte und wie viel das kostet, gibt es sehr unterschiedliche Vorstellungen. Für den Bundesrat ist klar, dass es bei dieser Gaskraft eine Kompensation brauchen würde, weil wir klimapolitisch eigentlich genau in der entgegengesetzten Richtung unterwegs sind.
Hurter Thomas · Mit-M · Nationalrat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin, wir durften ja zusammen eine interessante Start-up-Firma in der Ostschweiz besuchen. Glauben Sie tatsächlich, dass wir mit der Fotovoltaik in der Schweiz genügend Möglichkeiten haben, synthetische Treibstoffe herzustellen?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Danke, Herr Nationalrat Hurter. Ich sage es noch einmal: Es ist nicht eine Glaubensfrage. Wir haben die Fakten auf dem Tisch. Wir wissen, dass wir in gewissen Zeiten Überschussstrom haben werden, wenn wir genügend Fotovoltaikstrom haben. Den Überschussstrom können wir zum Beispiel für die Produktion von synthetischen Treibstoffen einsetzen. Sie wissen, dass die Produktion von synthetischen Treibstoffen, auch von Wasserstoff, relativ ineffizient ist. Es braucht viel Strom. Deshalb ist es am sinnvollsten, wenn man für die Produktion den Überschussstrom der Fotovoltaik verwendet. In der Schweiz haben wir mit der Wasserkraft und der Fotovoltaik eigentlich zwei sich ideal ergänzende Produktionsformen. Die Windkraft kommt noch dazu. Wenn wir diese Produktionsformen richtig einsetzen, können wir zum Beispiel die interessante Entwicklung von synthetischen Treibstoffen voranbringen. Es wäre mein Ziel, dass wir hier wirklich auch führend werden. Dazu brauchen wir aber Überschussstrom, und den bekommen wir nur mit der Fotovoltaik.
Wasserfallen Christian · Mit-M · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion
Frau Bundesrätin, Sie sprechen ja immer die Faktenlage an. Momentan - nach der Swissgrid-Statistik - importieren wir eine Leistung von 3000 Megawatt aus Deutschland und von etwa 1000 Megawatt aus Frankreich. Wenn wir das nicht haben - das ist heute so -: Wie viele Wasserkraftwerke und Windräder müssen wir erstellen, um das zu kompensieren?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Vielen Dank für diese Informationen, Herr Nationalrat Wasserfallen.
Ich war letzte Woche selber bei Swissgrid und habe mit eigenen Augen gesehen, wie sensibel das schweizerische Übertragungsnetzwerk funktioniert. Insgesamt sind wir nach wie vor eine Nettoexporteurin von Strom. In bestimmten Situationen aber, die ich vorhin erwähnt habe, verfügen wir über weniger Strom und sind auf Importe aus dem Ausland angewiesen. In den letzten zehn Jahren sind wir auch davon ausgegangen, dass wir ohne Weiteres auf diese Importe zählen können. Ich denke aber, in den letzten zwei Jahren hat sich Gott sei Dank das Bewusstsein verstärkt, dass wir mehr einheimischen erneuerbaren Strom produzieren müssen. Das ist mit ein Grund dafür, warum der Bundesrat das Energie- und das Stromversorgungsgesetz vorgeschlagen hat. Auf der Grundlage dieser beiden Gesetze, die Sie hoffentlich rasch auch in Ihren Räten beraten werden, werden wir, wie gesagt, 2025 ein Pflichtlager für Winterstrom haben. Das ist günstig und rasch umsetzbar. Somit verfügen wir in diesen möglichen Strommangellagen über genügend Strom.
In diesem Zusammenhang möchte ich eine Bitte an Sie richten: Beraten Sie rasch auch das Stromversorgungsgesetz, sodass wir 2025 die Bestimmungen für das Pflichtlager für Winterstrom in Kraft setzen können.
Imark Christian · Mit-M · Nationalrat · Solothurn · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin, vorhin haben Sie ausgeführt, dass Sie in der Schweiz neue Gaskraftwerke bauen wollen. Gas ist aber meines Wissens auch ein fossiler Energieträger. Wie steht denn das im Einklang mit diesem Vorstoss?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Wenn Sie mir zugehört haben, Herr Nationalrat Imark, dann haben Sie mitbekommen, dass ich das nicht gesagt habe. Ich habe gesagt, der Bundesrat sehe im Stromversorgungsgesetz vor, dass wir jetzt die Wasserkraft ausbauen, und zwar um 2 Terawattstunden bis 2035. Das ist das Ziel, das möchten wir erreichen. Wir sind der Überzeugung, dass das auch machbar ist. Natürlich ist es notwendig, dass alle mitmachen. Dann brauchen wir keine Gaskraftwerke. Wenn aber absehbar ist, dass dieser Ausbau nicht möglich ist, schliessen wir andere Energieträgerformen nicht aus.
Ich habe vorhin aber auch deutlich gesagt, dass der Einsatz von Gas dem Ziel der Dekarbonisierung widerspricht. Deshalb können wir Gas nur einsetzen, wenn wir es vollständig kompensieren. Daher wäre das eine relativ teure Angelegenheit.
Der Bundesrat hat die entsprechenden Mittel vorgesehen. Wir haben eine Winterzulage von zusätzlich 0,2 Rappen pro Kilowattstunde im Stromversorgungsgesetz verankert. Damit soll genau dieser mit der Fotovoltaik kombinierte Ausbau der Wasserkraft erfolgen können. Dann brauchen wir kein Gas.
Glarner Andreas · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Frau Bundesrätin, Sie sagen, bis 2035 gebe es einen Ausbau um 2 Terawattstunden. Gemäss Bericht der Elcom fehlen uns bis 2035 10 Terawattstunden. Ist Ihnen dieser Bericht bekannt?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Selbstverständlich sind mir alle diese Berichte bekannt, Herr Nationalrat Glarner. Ich habe vorhin auch nur von der Wasserkraft gesprochen. Ich habe gesagt: 2 Terawattstunden Strom aus Wasserkraft. Dann haben wir ja noch viele andere Energiemöglichkeiten. Bitte unterschätzen Sie die Schweizer Fotovoltaik nicht.
Schilliger Peter · Mit-M · Nationalrat · Luzern · FDP-Liberale Fraktion
Frau Bundesrätin, Sie haben jetzt verschiedene neue oder alternative Energien angesprochen, Wasserkraft und vor allem auch Windräder. Planen Sie, die Einsprachemöglichkeiten bei Windkraftanlagen zu reduzieren, damit wir überhaupt fähig sind, neue Anlagen zu bauen?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Danke für die Frage, Herr Schilliger. Der Bundesrat wird Anfang nächsten Jahres eine Vorlage in die Vernehmlassung schicken, um die Bewilligungsverfahren für Wasserkraft und Windanlagen zu beschleunigen. Wir haben heute die Situation, dass es bei den verschiedenen Bewilligungsschritten jedes Mal Einsprachemöglichkeiten gibt, die bis nach Lausanne ans Bundesgericht weitergezogen werden können. Das ist sehr zeitaufwendig, und das ist auch nicht sehr effizient. Deshalb möchten wir mit dem erwähnten Gesetz eine Art Plangenehmigungsverfahren vorsehen. Wir möchten ein Bewilligungsverfahren aus einer Hand. Es soll weiterhin möglich sein, Einsprachen zu machen, aber man soll sie nur einmal machen können, damit man alles gleichzeitig anschauen und dann auch gleich die Abwägung vorsehen kann. Damit können wir enorm Zeit sparen. Wir ändern aber nichts an den Kompetenzen. Das ist den Kantonen sehr wichtig.
Wir werden diese Vorlage sehr schnell in die Vernehmlassung schicken. Ich denke, mit der Beschleunigung der Bewilligungsverfahren können wir vieles gewinnen.
Schlatter Marionna · Mit-F · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion
Sehr geehrte Frau Bundesrätin, Sie haben an der Weltklimakonferenz teilgenommen und dort die neusten Erkenntnisse der Wissenschaft zur Klimakrise gehört. Meine Frage ist: Wie ordnen Sie vor diesem Hintergrund die Ambitionen der Schweiz zum Umbau des Energiesystems ein?
Sommaruga Simonetta · BR-F · Bundesrat · Bern
Danke, Frau Nationalrätin Schlatter. Das ist ein weites Feld, das Sie gerade ansprechen. Ich gehe davon aus, dass wir hier jetzt vorwiegend über Energiepolitik und Energieversorgung sprechen.
Was ist die Voraussetzung für die Dekarbonisierung? Es muss eben genügend Energie, verfügbare Energie, günstige Energie vorhanden sein. Das ist ja auch die Aufgabe. Wir müssen auf der einen Seite die Dekarbonisierung voranbringen und auf der anderen Seite dafür sorgen, dass die Energie in genügendem Ausmass vorhanden ist. Was die Energieversorgung anbelangt, ist die Schweiz hervorragend aufgestellt. Unsere Infrastrukturen, gerade unsere Netzinfrastrukturen, funktionieren gut. Wir haben ein enormes Potenzial. Wir brauchen jetzt vielleicht aber etwas mehr Tempo, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen.
Wie gesagt, man hat zu lange gedacht, wir könnten den Strom ja importieren. Unsere Stromunternehmen haben deshalb auch vor allem in anderen Staaten investiert und gedacht, irgendwann komme der Strom dann zu uns. Von diesem Gedanken muss man sich verabschieden. Wir werden keine Strominsel werden, aber wir werden natürlich weiterhin viel stärker den Strom bzw. die Energie im eigenen Land herstellen müssen. Dann haben wir auch eine glaubwürdige Klimapolitik. Diese beiden Themen gehören zusammen. Beide Vorlagen werden demnächst im Parlament beraten. Sie haben die Möglichkeit, unser Land so gut aufzustellen, wie es dies verdient. Die Möglichkeiten und das Potenzial bei uns sind enorm. Wir sind sehr gut aufgestellt.
Kälin Irène · P-F · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion
Präsidentin (Kälin Irène, Präsidentin): Die Kommission und der Bundesrat beantragen die Annahme der Motion. Eine Minderheit Umbricht Pieren beantragt, die Motion abzulehnen.
Abstimmung
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 119 Stimmen
Dagegen ... 55 Stimmen
(1 Enthaltung)