20.3231
Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen. Nationales Programm
Feri Yvonne · Mit-F · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion
Gefährdete Kinder erhalten oft erst zu spät professionelle Hilfe. Fachpersonen aus dem freiwilligen oder zivilrechtlichen Kindesschutz beklagen dies, und Studien belegen es ebenso. Die Gefährdung des Kindeswohls kann einschneidende Auswirkungen auf die weitere Entwicklung sowie auf das ganze Leben eines Menschen haben. Kindeswohlgefährdungen müssen deshalb möglichst früh erkannt werden.
Es ist entscheidend, dass alle Personen, die mit und für Kinder arbeiten - beispielsweise Kita-Betreuende, Kinderärztinnen, Pflegefachpersonal, Schulsozialarbeiter, Kindergärtnerinnen, Lehrer und Lehrerinnen -, zur Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen beitragen. Dazu müssen diese Personen entsprechend ausgebildet sein. Leider ist das Thema der Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen in der Ausbildung von besagten Fachpersonen noch nicht ausreichend systematisch verankert. Mit dem geforderten nationalen Programm müssten Bund und Kantone endlich gemeinsam mit den Bildungsanbietern über die verstärkte Integration von Themen des Kindesschutzes in die Grundausbildungen und Studiengänge sprechen.
Bei einer qualitativen Stärkung der Früherkennung von gefährdeten Kindern geht es aber nicht nur um Fachpersonen, sondern auch um die eingesetzten Hilfsmittel und Prozesse in der Praxis. Es gibt grosse Lücken, was die wissenschaftliche Evaluation der Instrumente und Prozesse sowie die Erforschung ihrer Anwendung im beruflichen Alltag angeht. Im Rahmen eines nationalen Programms zur Früherkennung von Kindeswohlgefährdungen sollten die Kantone wichtige Hinweise zur Verbesserung ihrer Instrumente und Prozesse erhalten.
Vorangegangene nationale Programme wie "Jugend und Gewalt" oder "Jugend und Medien" erzielten sehr gute Resultate beim Ziel, eine qualitativ hochwertige Wissensplattform zu guter Praxis aufzubauen. Die Plattformen wurden von den Verantwortlichen und von Fachpersonen in den Kantonen, Städten und Gemeinden genutzt und als nützlich beurteilt. Im Bereich Kindesschutz braucht es dies auch. Bereits bestehende Angebote würden damit breiter bekannt gemacht werden. Mit einer verstärkten Vernetzung und einem verstärkten Wissensaustausch würde die Qualität im Kindesschutz insgesamt erhöht, was den gefährdeten Kindern und der gesamten Gesellschaft zugutekommen würde.
In der bekannten Studie Optimus 3 zu Kindeswohlgefährdungen in der Schweiz wurde 2018 klar aufgezeigt, dass je nach Region eine ganz unterschiedliche Zahl von Kindern pro Einwohner bzw. Einwohnerin an Kindesschutzorganisationen gelangt. Das ist ein klarer Hinweis dafür, dass die Früherkennung nicht überall gleich gut funktioniert. In anderen Worten: Ein gefährdetes Kind hat je nach Wohnort viel schlechtere Chancen, dass diese Gefährdung wahrgenommen und behoben wird. Es gibt hier klar Handlungsbedarf.
Im Bereich Kindesschutz sind und bleiben die Kantone federführend, doch mit einer stärkeren Vernetzung auf nationaler Ebene, mit einem durch den Bund geführten Programm, könnten neue Synergien geschaffen werden. Ein nationales Programm gibt viele Impulse, die auf allen Ebenen und in der Praxis Wirkung entfalten und zu einem besseren Schutz der Kinder beitragen.
Ich bitte Sie, die Motion anzunehmen.
Berset Alain · VPBR-M · Bundesrat · Freiburg
Il faut le reconnaître, la motion aborde un problème très important, notamment pour ce qui concerne les mesures de prévention et de détection précoce des situations dans lesquelles le bien de l'enfant peut être mis en danger. L'auteure de la motion l'a rappelé, il s'agit essentiellement ici de compétences cantonales et communales, ainsi que des compétences de prestataires de formation. Il faut rappeler que pour la détection précoce de la mise en danger du bien-être de l'enfant, il faut tenir compte du contexte régional, du contexte cantonal et articuler concrètement la collaboration entre les institutions, entre les disciplines, avec les acteurs impliqués directement sur le terrain. En outre, je rappelle que, pour les années 2022 à 2026, un plan d'action national pour la mise en oeuvre de la Convention d'Istanbul est en cours d'élaboration sur mandat du Parlement. Ce plan d'action, qui sera adopté par le Conseil fédéral d'ici cet été, comprendra des mesures pour la formation des professionnels sur la thématique de la violence domestique, qui concerne aussi très fortement les enfants. J'aimerais également rappeler que le Conseil fédéral est chargé par un postulat Feri Yvonne 19.3119, "Mieux protéger les enfants en optimisant la collecte des données disponibles sur les atteintes à leur bien-être", d'examiner les modalités d'une collecte nationale de données sur la prévalence et la gravité des violences faites aux enfants.
Le Conseil fédéral estime donc que des travaux sont en cours, par exemple au travers de la Convention d'Istanbul. Nous rappelons l'importance du travail que mènent les cantons, les communes et les institutions concernées et que nous sommes en train d'examiner les modalités d'une collecte nationale de données sur la prévalence et la gravité de ces cas. Il n'est pas aujourd'hui nécessaire d'instituer un programme supplémentaire. On pourra toutefois, évidemment, reparler de cette question une fois que nous aurons vu ce qu'on peut faire avec la Convention d'Istanbul et avec ce programme, et voir également la suite qui sera donnée au postulat de Mme Yvonne Feri que je viens d'évoquer.
C'est par cette argumentation que je vous invite à rejeter la motion.
Abstimmung
Präsident (Nussbaumer Eric, zweiter Vizepräsident): Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 79 Stimmen
Dagegen ... 107 Stimmen
(1 Enthaltung)