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Chancengleichheit bei Aufnahme in Ingenieurschulen HTL/FH (Technische Fachhochschulen)
Imhof Rudolf · Nationalrat · Basel-Landschaft · Christlichdemokratische Fraktion
Die KMU sind darauf angewiesen, dass Ingenieure und Ingenieurinnen mit Fachhochschulabschluss sehr rasch aktiv im Betrieb eingesetzt werden können. Die KMU brauchen in den meisten Fällen keine reinen wissenschaftlichen Mitarbeiter, sondern Techniker, die mit sehr gutem wissenschaftlichem Hintergrund praktische Probleme angehen und einer Lösung zuführen können. Dazu haben wir Fachhochschulen geschaffen, und darin liegt die Stärke der Absolventen von Fachhochschulen.
Die Berufslehre schafft die ideale Voraussetzung, um diese praktische Begabung zu entwickeln. Der Königsweg - ich nenne ihn bewusst so - zur Fachhochschule, Departement Technik, führt nach wie vor über eine abgeschlossene Berufslehre. Um in die Fachhochschule eintreten zu können, müssen Kandidatinnen und Kandidaten mit abgeschlossener Berufslehre, aber ohne Berufsmaturität, die Aufnahmeprüfung bestehen. Anders ist es bei den Kandidatinnen und Kandidaten mit gymnasialer Matur respektive kaufmännischer Berufsmatura: Ihr Eintritt in die Fachhochschule erfolgt ohne technische Prüfung, wenn sie eine minimale Praxiserfahrung von zwölf Monaten vorweisen können.
Wir wissen doch, dass die Absolvierung eines Praktikums noch keine Gewähr dafür bietet, dass eine Absolventin oder ein Absolvent einer solchen "Schnupperlehre" die gleichen Voraussetzungen mitbringt wie der Absolvent einer Berufslehre. So kommt es vor, dass Kandidatinnen und Kandidaten mit abgeschlossener Berufslehre die technische Prüfung nicht bestehen, während gymnasiale Maturandinnen und Maturanden mit einem ungleich kleineren technischen Verständnis und Wissen prüfungsfrei eintreten können.
Die KMU müssen heute rasch, flexibel und kundengerecht agieren. Sie benötigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachhochschulen, die fachlich kompetent sind, aber vor allem auch aufgrund der betrieblichen Praxis Lösungen anbieten können. Zudem wird nach meiner Meinung der innere Wert des Fachhochschulabschlusses mittel- und langfristig durch Absolventen ohne technisches Know-how und ohne die vertieften Kenntnisse eines Berufsabschlusses grundlegend infrage gestellt.
Der Bundesrat schreibt das auch in seiner Antwort und gibt mir Recht. Er schreibt: "Der Bundesrat teilt die Auffassung des Motionärs, wonach der Wert des Fachhochschulabschlusses wesentlich von soliden beruflichen Kenntnissen abhängt. Der Praxisbezug der Absolvierenden stellt denn auch eines der wesentlichen Unterscheidungsmerkmale der Fachhochschulen gegenüber den universitären Hochschulen dar."
In der Botschaft zum Fachhochschulgesetz hat der Bundesrat auch darauf hingewiesen, dass Verhältnisse, wie sie beispielsweise an deutschen Fachhochschulen bestehen, wo über 50 Prozent der Studierenden vom Gymnasium herkommen, in der Schweiz nicht wünschbar sind.
Damit Sie mich richtig verstehen: Ich bin dafür, dass gymnasiale Maturandinnen und Maturanden an die Fachhochschulen gehen können. Sie sollen aber unbedingt einer fachtechnischen Prüfung unterzogen werden, wie das auch bei den Lehrabgängern der Fall ist. Ich kenne die Prozentzahlen nicht, aber ich denke, dass es sehr viel einfacher ist, zuerst eine Matur zu machen und an eine Fachhochschule zu gehen, als zuerst die Berufslehre zu absolvieren.
Ich denke, dass das jetzige Verhältnis nicht das richtige ist. Ich bitte Sie deshalb, diese Motion zu überweisen.
Kofmel Peter · Nationalrat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion
Herr Imhof, wenn ich die Antwort des Bundesrates lese und jetzt Ihre Begründung höre, scheint es mir, als würden Ihre Begründung und die Antwort des Bundesrates aneinander vorbeizielen. Der Bundesrat geht offenbar davon aus, dass Sie die geregelte einjährige Berufspraxis nicht mehr wollen, und lehnt deshalb die Motion ab.
Meine Frage lautet: Wollen Sie diese einjährige Berufslehre mit einer zusätzlichen praktischen Prüfung nach wie vor, oder was genau war Ihre Absicht? Ich brauche diese Antwort, um zur Motion wirklich Ja oder Nein sagen zu können.
Imhof Rudolf · Nationalrat · Basel-Landschaft · Christlichdemokratische Fraktion
Herr Kollege Kofmel, ich bin sehr froh, dass Sie mir diese Frage stellen. Ich habe auch das Gefühl gehabt, dass der Bundesrat in seiner Antwort eigentlich nicht dasselbe wie ich will. Ich meine tatsächlich, dass vom Gymnasium kommende Maturanden und Maturandinnen selbstverständlich eine mindestens einjährige Lehre machen und praxisbezogen arbeiten müssen, dass sie dann aber, genau wie die Berufslehrabgänger, eine praktische Prüfung ablegen müssen. Das ist das Einzige, was ich verlange.
Ich denke, dass das unseren Fachhochschulen sehr gut tun würde.
Strahm Rudolf · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion
Ich hätte diese Klärung von Herrn Imhof auch verlangt, und unter diesem Licht ist mir nicht ganz klar, weshalb der Bundesrat die Motion ablehnt. Warum ist er derart rigide? Es geht hier um eine zentrale Frage, nämlich um das Überleben des dualen Berufsbildungssystems. Wenn Sie jetzt den Gymnasiasten die Möglichkeit geben, ohne berufspraktischen Nachweis an die Fachhochschule zu gehen - sei das mit einer Prüfung, sei das ein anderes Modell -, dann haben Sie den Charakter der Fachhochschule verändert, dann haben Sie dem Dualsystem zumindest bei den hochschwelligen Berufen der Berufslehre den Todesstoss gegeben.
Weiter machen Sie noch etwas anderes - da haben natürlich die Universitätsprofessoren unter uns Freude -: Sie machen die Fachhochschule zum Überlaufmodell der Hochschulen. Man kann dann bei den Hochschulen den Numerus clausus einführen und sagen, die vom Numerus clausus betroffenen Gymnasiasten könnten dann auf die zweite Stufe, an die Fachhochschule gehen. Aber die Qualität der schweizerischen Fachhochschule ist - im Unterschied zur Fachhochschule in Deutschland oder in anderen Ländern -, dass die Leute von der Picke auf eine berufspraktische Ausbildung mitbringen und die mit theoretischem Wissen im Applikationsbereich verbinden können. Das ist die Qualität des schweizerischen Fachhochschul-Ingenieurs.
Passen Sie auf, dass Sie dieses System jetzt nicht abwerten. Ich finde - und das geht wahrscheinlich in Richtung von Herrn Imhof - das Modell "Swissmem" der Maschinenindustrie vorbildlich: Sie bietet den Gymnasiasten ein 2-jähriges - nicht ein 1-jähriges - Berufsbildungspraktikum mit einer Fachausbildung auch theoretischer Art an. Das finde ich den richtigen Weg.
Zum Schluss möchte ich Herrn Bundesrat Couchepin noch etwas zur Motion Beerli sagen: Das gleiche Problem wird ja morgen im Ständerat behandelt; deshalb habe ich mich auch gemeldet. Sie sehen: Das Problem ist zwar technisch, aber sehr bedeutsam. Ich höre mit Konsternation, dass der Bundesrat die Motion Beerli entgegennehmen will - wenn Sie das widerlegen, bin ich froh. Ich bin übrigens erstaunt über die Eile, mit der die Motion Beerli behandelt wird. Hängt das damit zusammen, dass sie Fraktionspräsidentin und deshalb in der Lage ist, das einfach so durch das Parlament zu drücken? Letzte Woche gab es noch keinen Entscheid des Bundesrates betreffend diese Motion.
Frau Beerli möchte im Informatikbereich den Zugang zur Fachhochschule für Gymnasiasten erleichtern; eine vorherige berufspraktische Ausbildung soll nicht mehr vorgeschrieben sein. Sie will dann während der Ausbildung an der Fachhochschule ein Jahr Praktikum einbauen. Aber ich sage Ihnen: Wenn das Schule macht, ist das der Tod des Dualsystems. Dies darf nicht unser Weg sein; unser Weg muss sein, dass wir die Zahl der Lehrstellen erhöhen und halt, wie das der Lehrstellenbeschluss II vorsieht, das erste Jahr der Lehre in der Schule machen lassen; damit bezahlen wir das so genannte Basisjahr in einer staatlichen Schule. Dann erfolgen das zweite, dritte und vierte Lehrjahr in einem Betrieb. Damit können wir den Betrieben auch Kosten für die Berufslehre abnehmen.
Aber wenn Sie jetzt den Weg für Gymnasiasten in die Fachhochschule öffnen, dann wird die Berufslehre einfach abgewertet. Davor möchte ich sehr warnen.
Ich bin auch - das sind wir alle - für eine Durchlässigkeit der beiden Systeme. Aber bitte, die Fachhochschule braucht als Voraussetzung eine berufspraktische Ausbildung.
Frau Beerli hat natürlich ein Interesse, sie ist Fachhochschuldirektorin. Sie hat jetzt mit grossem Prestigegewinn in Biel die Informatik ausgebaut, und jetzt fehlen die Lehrabgänger. Weil man bei der Berufslehre zu wenig getan hat, holt man nun Absolventen beim Gymnasium. Ich warne vor dieser Tendenz. Das ist letztlich - da bin ich mit Herrn Imhof einverstanden - eine Abwertung der Berufslehre und der Fachhochschule.
Kofmel Peter · Nationalrat · Solothurn · Freisinnig-demokratische Fraktion
Ich möchte Sie, nachdem die kurze Zwischenfrage einiges geklärt hat, ebenfalls bitten, diese Motion zu überweisen.
Ich bin sogar der Meinung, dass der Bundesrat sagen kann, es liege ein Missverständnis vor. Denn die ganze Antwort des Bundesrates auf die Motion Imhof zeigt eigentlich, dass man sie überweisen kann. Das Einzige, was da offenbar nicht stimmt, ist die Interpretation der Motion auf die Frage hin, ob die einjährige Berufslehre vor der Praxisprüfung durchgeführt werden müsse. Herr Imhof will, das haben Sie von ihm gehört, eine zusätzliche Prüfung einführen, aber die einjährige Praxislehre bestehen lassen.
Warum ist diese so wichtig? Herr Strahm hat es erklärt. Ich möchte es noch an der Idee der Chancengleichheit aufzeigen: Wir müssen aufpassen, dass wir die Chancengleichheit nicht nur beim Eintritt in die Schule beibehalten, sondern dass wir diese auch beim Austritt aus der Schule im Auge behalten. Wenn wir nun die falschen Schülerinnen und Schüler in die Fachhochschulen aufnehmen, nämlich jene, die nur "kopfgebildet" sind und wenig mit den Händen gemacht haben, werden die Fachhochschulen nicht zu dem, was sie sein sollten - nämlich den Universitäten gleichwertig, aber anders als diese, eben praxisorientierter -, sondern sie würden zu zweitklassigen Universitäten. Dafür pumpen wir aber nicht dermassen viel Geld in diese Fachhochschulen. Wir müssen das duale System ernst nehmen, sonst wird die Qualifikation der Fachhochschulen in wenigen Jahren nicht mehr stimmen. Wir werden dann die gleichen "Trauergesänge" anstimmen müssen wie unsere deutschen Kollegen.
Ich bitte Sie, die Motion Imhof zu überweisen.
Couchepin Pascal · BR-M · Bundesrat · Wallis
La situation est difficile, quoique pas désespérée. En effet, après les explications données par M. Imhof, nous sommes pratiquement sur la même longueur d'onde. Faut-il alors désavouer son administration? Je vous propose - je ne sais pas si M. Imhof est d'accord - de transformer sa motion en postulat. Le texte même de sa motion ne dit pas exactement ce qu'il vient de nous dire. Dans ce sens, un postulat serait approprié. Si vous transmettez la motion, je n'en ferai pas un drame dans la mesure où elle doit être interprétée en fonction de ce qui a été dit à la tribune par M. Imhof à la suite de la question de M. Kofmel.
Seiler Hanspeter · P-M · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Abstimmung - Vote
Für Überweisung der Motion .... 133 Stimmen
Dagegen .... 8 Stimmen