24.4057
Schlafstörungen als neuer Bestandteil der nationalen NCD-Strategie
Riniker Maja · P-F · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion
Antrag der Mehrheit
Ablehnung der Motion
Antrag der Minderheit
(Weichelt, Porchet)
Annahme der Motion
Proposition de la majorité
Rejeter la motion
Proposition de la minorité
(Weichelt, Porchet)
Adopter la motion
Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.
de Courten Thomas · Mit-M · Nationalrat · Basel-Landschaft · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Besten Dank, dass ich kurz für Kollege Graber einspringen darf.
Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates hat die Motion Müller Damian am 3. Juli vorberaten. Die Motion wurde ursprünglich am 26. September 2024 eingereicht und vom Ständerat am 6. März angenommen. Die Motion beauftragt den Bundesrat, Schlafstörungen schnellstmöglich in die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) aufzunehmen und dabei die aktuellen nationalen und internationalen Erkenntnisse zu berücksichtigen.
Ihre Kommission beantragt mit 14 zu 3 Stimmen bei 6 Enthaltungen, die Motion abzulehnen. Eine Minderheit Weichelt beantragt die Annahme der Motion.
Die Begründung der Motion ist die folgende: Schlaf ist neben Bewegung und Ernährung eine der drei Säulen unserer Gesundheit. Im alltäglichen Diskurs ist das Thema Schlafstörungen allgegenwärtig. Man wird sich seiner Bedeutung und der weitreichenden Folgen inklusive einhergehender Kosten immer mehr bewusst. Schlafstörungen sind assoziiert mit physischen und psychischen Folgekrankheiten, sozialen Belastungen sowie Beeinträchtigungen im Berufsalltag. Aus diesem Grund ist der Motionär der Ansicht, dass das auch in die NCD-Strategie des Bundesrates gehört.
Die Kommissionsmehrheit sieht keine Notwendigkeit, Schlafstörungen schnellstmöglich in die NCD-Strategie aufzunehmen. Sie anerkennt zwar die negativen Folgen dieser Störungen, ist jedoch der Ansicht, dass diese bei der künftigen Aktualisierung der Strategie berücksichtigt werden können. Sie hält zudem fest, dass sich die Motion neben der Prävention auch mit der Diagnose und der Behandlung von Schlafstörungen befasst, was über die Kompetenzen des Bundes und den Umfang der NCD-Strategie hinausgeht. Aus diesen Gründen beantragt die Kommission, die Motion abzulehnen.
Die Kommissionsminderheit beantragt die Annahme der Motion. Da Schlafstörungen sowohl zu den häufigsten nichtübertragbaren Krankheiten als auch zu den wichtigsten Risikofaktoren für das Auftreten weiterer nichtübertragbarer Krankheiten gehören, müssen sie in den Augen der Minderheit auch schnellstmöglich in die NCD-Strategie aufgenommen werden.
Ein Teil der Kommission hat sich enthalten. Dieser ist, ohne die Motion inhaltlich infrage zu stellen, der Auffassung, dass es derzeit nicht sinnvoll wäre, dem Bundesamt für Gesundheit, das bereits mit erheblichen Budgetkürzungen zu kämpfen hat, einen weiteren Auftrag zu erteilen.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion. Er sagt, dass der Dialog Nationale Gesundheitspolitik, der im Mai verabschiedet worden ist, wirksame Aktivitäten zur Reduzierung von Schlafstörungen und der Verbesserung der Schlafqualität enthält, selbst wenn der Schlaf darin nicht explizit erwähnt wird.
Ich bitte Sie, der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen.
Weichelt Manuela · Mit-F · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion
Die Motion Müller Damian fordert, die Nationale Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCD-Strategie) mit den Schlafstörungen zu ergänzen. Warum dies? Ein guter Schlaf ist zusammen mit Bewegung, Ernährung und sozialer Eingebundenheit eine der wichtigsten Säulen für unsere Gesundheit. Was sind die wirtschaftlichen Kosten von Schlafstörungen? Bei Schlafstörungen ist mit 11 bis 18 Tagen Abwesenheit vom Arbeitsplatz zu rechnen. Weiter ist mit 39 bis 45 Tagen "Präsentismus" zu rechnen, das heisst: Die Betroffenen sind zwar am Arbeitsplatz präsent, dies aber mit verminderter Produktivität. Zusammen kann, gemäss den Studien, mit etwa 44 bis 54 Arbeitstagen Produktivitätsverlust gerechnet werden. Dies wiederum entspricht einem geschätzten Verlust im jährlichen BIP der Schweiz von ungefähr 10,1 Milliarden Franken.
Das ist viel. Kein Wunder, kommt der Antrag von der angeblichen Wirtschaftspartei, die sich um den Produktivitätsverlust und hoffentlich auch um die betroffenen Menschen sorgt. Ein gesunder Schlaf verbessert unsere Erholung, Regeneration und Resilienz, unterstützt das Immun- und Verdauungssystem und garantiert eine optimale geistige und körperliche Fitness. Jede dritte Person in der Schweiz hat einen gestörten Schlaf und damit ein erhöhtes Risiko für eine Vielzahl von Erkrankungen, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Übergewicht, Adipositas, Demenz und Alzheimer, Schlaganfall, Diabetes, Depressionen, Ängste und Erschöpfung.
Während Bewegung und Ernährung unseren Schlaf verbessern können, betonen aktuelle Studien zusätzlich die ursächliche Rolle des Schlafs. So können Schlafverlängerungen die Aufnahme von und den Appetit auf Zucker reduzieren sowie die Leistung bei Sportlerinnen und Sportlern verbessern, während eine verbesserte Schlafqualität Depressionen und Ängste signifikant reduziert. Jugendliche zeigen aktuell einen besonderen Anstieg an Schlafstörungen, der mit einem Anstieg an mentaler Belastung einhergeht. In der vulnerablen Phase des Jugendalters wird das individuelle Schlafbedürfnis meist nicht erfüllt. Gründe dafür sind vielseitig, auf sie gehe ich nicht ein. Konkrete Ansatzpunkte für die Schlafverbesserung sind daher Aufklärung und Sensibilisierung der Jugendlichen und Eltern für die gesundheits- und leistungssteigernde Funktion des Schlafs, das Aufzeigen der Zusammenhänge zwischen Ernährung, Bewegung und psychischer Gesundheit, aber auch systemische Ansätze wie ein späterer Schulstart, die Sensibilisierung von Lehrkräften und die Schaffung von passenden schlafförderlichen Freizeitaktivitäten.
Eine bessere Früherkennung und Behandlung von Schlafstörungen ist essenziell. Gut ist, dass wir in der Schweiz eine NCD-Strategie haben. Schlecht ist, dass der Schlaf nicht Bestandteil dieser Strategie ist. In der Schweiz leiden 2,2 Millionen Menschen an nichtübertragbaren Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch gut ist, dass das Parlament die Problematik erkannt hat. Es gibt eine parlamentarische Gruppe NCD mit einem Copräsidium bestehend aus Bettina Balmer, Johanna Gapany, Christian Lohr, Flavia Wasserfallen und mir sowie zahlreichen Mitgliedern aus dem Ständerat und dem Nationalrat.
Besten Dank für die Unterstützung der Motion Müller Damian. Der Schlaf gehört neben Ernährung, Bewegung und Sozialleben zu den vier grossen Säulen der Gesundheit und soll in die NCD-Strategie aufgenommen werden. Im Ständerat wurde die Motion mit 23 zu 13 Stimmen bei 2 Enthaltungen angenommen.
Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura
Die Motion Müller Damian bringt ein wichtiges Thema auf den Tisch. So zeigen die Zahlen aus der letzten schweizerischen Gesundheitsbefragung, dass jede dritte Person an Schlafstörungen leidet. Diese Zahl ist besorgniserregend, denn Schlaf spielt eine zentrale Rolle für unsere psychische und physische Gesundheit. Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf reduziert insbesondere das Risiko für zahlreiche nichtübertragbare Krankheiten wie Adipositas, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz.
Les troubles chroniques du sommeil ont toutefois plusieurs causes, dont les plus fréquentes sont le stress, les maladies physiques ou psychiques, une activité physique insuffisante ou une mauvaise alimentation ainsi qu'une consommation excessive d'alcool. Les mesures préventives constituent donc un facteur important pour améliorer la qualité du sommeil. Cette motion ne vise toutefois pas seulement à intégrer les troubles du sommeil à la stratégie nationale Prévention des maladies non transmissibles (MNT), mais aussi à y intégrer des recommandations et des directives médicales. Il convient de rappeler que l'objectif de la stratégie MNT est de créer un cadre de référence pour la prévention des MNT en prévenant les facteurs de risque et en renforçant les facteurs de protection. Ces facteurs sont identiques pour de nombreuses MNT. Ainsi, il est avéré qu'une alimentation saine, une activité physique suffisante ou une consommation d'alcool réduite contribuent à prévenir des MNT en général, donc y compris les troubles du sommeil. Le plan de mesures 2025-2028 de la stratégie MNT contient donc des mesures préventives qui ont également un effet sur les troubles du sommeil et peuvent contribuer à améliorer sa qualité. Il est considéré que la publication de recommandations ou de directives médicales dépasserait les objectifs d'une stratégie de prévention. Cette tâche ne relève pas de la Confédération en priorité, mais bien des sociétés médicales spécialisées.
Un autre point important est à relever : la stratégie nationale MNT n'est pas portée uniquement par la Confédération, mais elle l'est en étroite concertation avec la Conférence des directrices et directeurs cantonaux de la santé et la fondation Promotion santé Suisse. La décision de modifier le contenu de la stratégie ou du plan d'action n'appartient donc pas exclusivement au Conseil fédéral, mais doit être discutée avec les deux autres partenaires de la stratégie. Le plan d'action actuel a été adopté par le Conseil fédéral il y a un an à peine, en août 2024, et il n'est donc pas prévu de modifier la stratégie durant sa durée de validité.
Le Conseil fédéral admet toutefois l'importance de la problématique des troubles du sommeil. C'est pourquoi il propose d'examiner si certaines demandes contenues dans la motion peuvent être prises en considération de manière plus explicite, plus concrète dans la solution stratégique subséquente à la stratégie MNT dès 2029.
Laissez-moi encore ajouter que les partenaires de la stratégie MNT mettent déjà en oeuvre diverses activités sur le thème du sommeil. La fondation Promotion santé Suisse en particulier renforce continuellement son engagement dans le domaine du sommeil, notamment avec le réseau Sommeil ou encore avec le lancement de son cycle annuel de soutien sur le thème des troubles chroniques du sommeil.
En conclusion, dans l'optique de la stratégie subséquente, le Conseil fédéral est prêt à examiner, avec les cantons et la fondation Promotion santé Suisse, l'intégration de la thématique du sommeil en tant que facteur de protection contre les MNT. D'ici là, une adaptation anticipée des plans de mesures adoptés récemment n'est pas indiquée.
Vu ce qui précède, le Conseil fédéral vous recommande donc de rejeter la motion conformément à la majorité de votre commission et d'attendre les résultats des travaux sur la stratégie subséquente.
Lohr Christian · Mit-M · Nationalrat · Thurgau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.
Geschätzte Frau Bundesrätin, habe ich Sie richtig verstanden, dass der Schlaf als eigenständiges Thema zwar nicht jetzt in die NCD-Strategie aufgenommen werden soll, aber das Thema Ihrer Meinung nach doch so wichtig ist, dass es anlässlich der nächsten Überarbeitung integriert werden soll?
Baume-Schneider Elisabeth · BR-F · Bundesrat · Jura
Merci beaucoup, Monsieur le conseiller national, pour votre question. Oui, vous m'avez comprise correctement, et je peux préciser : actuellement, le sommeil en tant que thématique n'est pas pris en considération dans la stratégie, mais, comme je l'ai dit, il résulte de différents troubles, et, dans les projets et programmes de prévention, on a déjà des éléments qui sont également pertinents pour améliorer la stratégie de lutte contre les troubles du sommeil. La fondation Promotion santé Suisse a aussi mis sur pied le réseau Sommeil. Cette question est donc déjà prise en considération. Il faut qu'on décide avec les cantons et avec la fondation Promotion Santé Suisse de l'intégration concrète de la thématique sommeil dans la stratégie subséquente ; donc, oui, on va la proposer et je peux imaginer qu'elle sera acceptée.
Abstimmung
Präsidentin (Riniker Maja, Präsidentin): Die Mehrheit der Kommission und der Bundesrat beantragen die Ablehnung der Motion. Eine Minderheit Weichelt beantragt die Annahme der Motion.
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 63 Stimmen
Dagegen ... 119 Stimmen
(10 Enthaltungen)