AS 2010 2617
Bundesgesetz über die technischen Handelshemmnisse
Bundesgesetz über die technischen Handelshemmnisse (THG)
Änderung vom 12. Juni 2009
Die Bundesversammlung der Schweizerischen Eidgenossenschaft, nach Einsicht in die Botschaft des Bundesrates vom 25. Juni 20081, beschliesst:
I Das Bundesgesetz vom 6. Oktober 19952 über die technischen Handelshemmnisse wird wie folgt geändert:
Art. 1 Abs. 2 Bst. bbis
2 Es enthält insbesondere:
bbis. Vorschriften für das Inverkehrbringen von Produkten, die nach ausländi- schen technischen Vorschriften hergestellt worden sind;
Art. 2 Abs. 2
2 Es ist anwendbar, soweit nicht andere Bundesgesetze oder internationale Abkom-
men abweichende oder weitergehende Bestimmungen enthalten. Das Inverkehrbrin- gen von Produkten, die nach ausländischen technischen Vorschriften hergestellt worden sind, richtet sich nach diesem Gesetz.
Art. 3 Bst. d, e, p und q Im Sinne dieses Gesetzes gelten als: d. Inverkehrbringen: das entgeltliche oder unentgeltliche Überlassen eines Produkts, unabhängig davon, ob dieses neu, gebraucht, wiederaufbereitet oder wesentlich verändert worden ist; dem Inverkehrbringen gleichgestellt sind:
2. die Verwendung oder Anwendung eines Produkts im Rahmen des
Erbringens einer Dienstleistung,
4. das Anbieten eines Produkts;
2008-1196 2617
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
e. Inbetriebnahme: die erstmalige Verwendung eines Produkts durch End- benutzerinnen und Endbenutzer; p. Marktüberwachung: die hoheitliche Tätigkeit von Vollzugsorganen, mit der durchgesetzt werden soll, dass angebotene, in Verkehr gebrachte oder in Betrieb genommene Produkte den technischen Vorschriften entsprechen; q. Produktinformation: rechtsverbindlich vorgeschriebene Angaben und Kenn- zeichnungen, die sich auf ein Produkt beziehen, namentlich Etikettierung, Packungsaufschriften, Beipackzettel, Gebrauchsanweisungen, Benutzer- handbücher und Sicherheitsdatenblätter.
Art. 4 Abs. 3, 4 Bst. e, 5 und 6
3 Abweichungen vom Grundsatz von Absatz 1 sind nur zulässig, soweit:
a. und b. Betrifft nur den französischen Text c. sie verhältnismässig sind.
4 Interessen nach Absatz 3 Buchstabe a sind der Schutz:
e. der Konsumentinnen und Konsumenten sowie der Lauterkeit des Handels- verkehrs;
5 Technische Vorschriften über Produkteanforderungen sind nach folgenden
Grundsätzen auszugestalten: a. Die technischen Vorschriften legen nur die grundlegenden Anforderungen fest; sie bestimmen insbesondere die zu erreichenden Ziele. b. Das zuständige Bundesamt bezeichnet im Einvernehmen mit dem Staatssek- retariat für Wirtschaft (SECO) die technischen Normen, die geeignet sind, die grundlegenden Anforderungen zu konkretisieren; soweit möglich bezeichnet es international harmonisierte Normen; es veröffentlicht die bezeichneten technischen Normen mit Titel sowie Fundstelle oder Bezugs- quelle im Bundesblatt. c. Wird das Produkt nach bezeichneten Normen hergestellt, so wird vermutet, dass es den grundlegenden Anforderungen entspricht. 6 Eine Zulassungspflicht für ein Produkt darf nur vorgesehen werden, wenn dies für die Wahrung überwiegender öffentlicher Interessen nach Absatz 4 unerlässlich ist.
2618
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
Art. 4a Ausgestaltung der technischen Vorschriften über die Produktinformation
1 Technische Vorschriften über die Produktinformation sind nach folgenden Grund-
sätzen auszugestalten: a. Die Produktinformation muss in mindestens einer schweizerischen Amts- sprache abgefasst sein; Symbole dürfen verwendet werden, wenn damit eine genügende Information sichergestellt ist. b. Für Warn- und Sicherheitshinweise in Textform einschliesslich der für die Sicherheit von Personen relevanten Anleitungen kann vorgesehen werden, dass sie in mehr als einer schweizerischen Amtssprache oder mindestens in der Amtssprache oder den Amtssprachen des Ortes, an dem das Produkt in Verkehr gebracht wird, abgefasst sein müssen.
2 Für bestimmte Produkte kann ausnahmsweise vorgesehen werden, dass die Pro-
duktinformation in einer anderen Sprache abgefasst sein darf, wenn damit genügend und unmissverständlich über das Produkt informiert wird. 3 Für folgende importierte Produkte kann vorgesehen werden, dass eine verantwort- liche Person mit Sitz oder Wohnsitz in der Schweiz angegeben wird: a. Produkte, die einer Zulassungspflicht unterliegen; b. anmeldepflichtige Stoffe oder meldepflichtige Stoffe und Zubereitungen nach der Chemikaliengesetzgebung; c. Produkte, die einer besonderen Verbrauchssteuer unterliegen.
Art. 5 Sachüberschrift und Abs. 3 Ausgestaltung der technischen Vorschriften über die Verfahren zum Inverkehrbringen von Produkten
3 Für Produkte, die einer Zulassungspflicht unterliegen und im Ausland nach
gleichwertigen Vorschriften zugelassen sind, sind Vereinfachungen, namentlich in Bezug auf die Begutachtung, und ermässigte Gebühren vorzusehen.
Art. 5a Ausgestaltung der technischen Vorschriften über Einbau, Inbetriebnahme und Verwendung Technische Vorschriften über Einbau, Inbetriebnahme und Verwendung eines Pro- dukts dürfen keine Anforderungen enthalten, die im Widerspruch zu den Anforde- rungen für das Inverkehrbringen des Produkts stehen oder dessen bauliche Änderung erfordern.
Art. 10 Abs. 3
3 Im Hinblick auf die Erarbeitung von Richtlinien und Empfehlungen zur Gewähr-
leistung eines international koordinierten Vollzugs im Bereich der Akkreditierung und Konformitätsbewertung kann der Bundesrat oder eine von ihm bezeichnete Behörde:
2619
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
a. beschliessen, dass sich die Schweiz finanziell oder auf andere Weise an Auf- trägen beteiligt, die internationalen Akkreditierungsgremien oder mit ihnen zusammenarbeitenden Gremien erteilt werden; b. die für die Erteilung von Akkreditierungen zuständige Stelle beauftragen, die schweizerischen Interessen in den internationalen Akkreditierungs- gremien wahrzunehmen.
Art. 11 Einleitungssatz und Bst. a Der Bundesrat oder eine von ihm bezeichnete Behörde kann im Hinblick auf die Erarbeitung technischer Normen, auf die in Vorschriften verwiesen wird oder ver- wiesen werden soll: a. beschliessen, dass sich die Schweiz finanziell oder auf andere Weise an Normungsaufträgen beteiligt, die internationalen Normungsorganisationen oder anderen am Normungsprozess beteiligten Gremien erteilt werden;
Art. 14 Abs. 1 Bst. e
1 Zur Vermeidung, zur Beseitigung oder zum Abbau von technischen Handels-
hemmnissen kann der Bundesrat internationale Abkommen schliessen, namentlich über: e. die Erteilung von Aufträgen an internationale Normungsorganisationen und Akkreditierungsgremien nach den Artikeln 10 Absatz 3 Buchstabe a und 11 Buchstabe a;
Art. 16 Abs. 2 zweiter Satz Aufgehoben
3a. Kapitel: Inverkehrbringen von nach ausländischen technischen Vorschriften hergestellten Produkten
1. Abschnitt: Allgemeine Bestimmungen
Art. 16a Grundsatz
1 Produkte dürfen in Verkehr gebracht werden, wenn sie:
a. den technischen Vorschriften der Europäischen Gemeinschaft (EG) und, bei unvollständiger oder fehlender Harmonisierung in der EG, den technischen Vorschriften eines Mitgliedstaats der EG oder des Europäischen Wirt- schaftsraums (EWR) entsprechen; und b. im EG- oder EWR-Mitgliedstaat nach Buchstabe a rechtmässig in Verkehr sind.
2620
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
2 Absatz 1 gilt nicht für:
a. Produkte, die einer Zulassungspflicht unterliegen; b. anmeldepflichtige Stoffe nach der Chemikaliengesetzgebung; c. Produkte, die einer vorgängigen Einfuhrbewilligung bedürfen; d. Produkte, die einem Einfuhrverbot unterliegen; e. Produkte, für die der Bundesrat nach Artikel 4 Absätze 3 und 4 eine Aus- nahme beschliesst.
3 Behindert die EG oder ein EG- oder EWR-Mitgliedstaat das Inverkehrbringen
schweizerischer Produkte, die den technischen Vorschriften des Bestimmungslan- des entsprechen, so kann der Bundesrat verordnen, dass Absatz 1 auf alle oder bestimmte Produkte dieses Handelspartners nicht anwendbar ist.
Art. 16b Massnahmen zur Verhinderung einer Diskriminierung inländischer Hersteller Hersteller in der Schweiz, die nur für den inländischen Markt produzieren, können ihre Produkte nach den technischen Vorschriften gemäss Artikel 16a Absatz 1 Buchstabe a in Verkehr bringen.
2. Abschnitt: Lebensmittel
Art. 16c Bewilligungspflicht Das Inverkehrbringen von Lebensmitteln, für die Artikel 16a Absatz 1 gilt und die den schweizerischen technischen Vorschriften nicht entsprechen, bedarf einer Bewilligung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG).
Art. 16d Voraussetzungen und Form der Bewilligung
1 Das BAG erteilt die Bewilligung, wenn:
a. der Gesuchsteller:
1. nachweist, dass das Lebensmittel den technischen Vorschriften nach
Artikel 16a Absatz 1 Buchstabe a entspricht, und
2. glaubhaft macht, dass das Lebensmittel in einem EG- oder EWR-
Mitgliedstaat rechtmässig in Verkehr ist; und b. keine überwiegenden öffentlichen Interessen nach Artikel 4 Absatz 4 Buch- staben a–e gefährdet sind.
2 DieBewilligung wird als Allgemeinverfügung erteilt und gilt für gleichartige
Lebensmittel.
4 Das BAG entscheidet innert zweier Monate nach Gesuchseingang über die Bewil-
ligung.
2621
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
3. Abschnitt: Produktinformation
Art. 16e3 1 Für ein Produkt, das nach diesem Kapitel in Verkehr gebracht wird, richtet sich die Produktinformation: a. nach den technischen Vorschriften, nach denen das Produkt hergestellt wor- den ist; b. nach der Verpflichtung zur Angabe des Produktionslandes für Lebensmittel und Rohstoffe nach dem Lebensmittelgesetz vom 9. Oktober 19924; c. nach Artikel 4a.
2 Abweichend von Artikel 4a Absatz 1 Buchstabe b ist es zulässig, die Warn- und
Sicherheitshinweise einschliesslich der für die Sicherheit von Personen relevanten Anleitungen nur in der Amtssprache oder den Amtssprachen des Ortes abzufassen, an dem das Produkt in Verkehr gebracht wird.
3 Die Produktinformation sowie die Aufmachung des Produkts dürfen nicht den
Eindruck erwecken, dass das Produkt schweizerischen technischen Vorschriften entspricht.
Art. 17 Abs. 2 Bst. c und 3 2 Diejenige Person, welche das Produkt anbietet, in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt, ist aber vom Nachweis der Konformität entlastet, soweit: c. ein Importeur glaubhaft machen kann, dass er gleiche Produkte vom selben Hersteller in Verkehr bringt, die in der Schweiz bereits rechtmässig auf dem Markt sind. 3 Der Nachweis ist in einer schweizerischen Amtssprache oder in englischer Sprache abzufassen.
Gliederungstitel vor Art. 19
2. Abschnitt: Marktüberwachung
Art. 19 Befugnisse der Vollzugsorgane
1 Die aufgrund der jeweiligen gesetzlichen Bestimmungen für die Marktüberwa-
chung zuständigen Vollzugsorgane können die erforderlichen Nachweise und In- formationen verlangen, Muster erheben oder anfordern, Prüfungen veranlassen und während der üblichen Arbeitszeit die Betriebs- und Geschäftsräume auskunftspflich- tiger Personen betreten und besichtigen sowie die einschlägigen Unterlagen einse- hen.
3 Berichtigt von der Redaktionskommission der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG; SR 171.10). 4 SR 817.0
2622
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
2 Besteht begründeter Verdacht, dass überwiegende öffentliche Interessen nach
Artikel 4 Absatz 4 Buchstaben a–e unmittelbar und ernsthaft gefährdet sind, so können die Vollzugsorgane vorsorgliche Massnahmen treffen. 3 Ist es zum Schutz überwiegender öffentlicher Interessen nach Artikel 4 Absatz 4 Buchstaben a–e erforderlich, so können sie die geeigneten Massnahmen treffen, wenn: a. die verlangten Nachweise, Informationen oder Muster nicht innert angemes- sener Frist zur Verfügung gestellt werden; oder b. ein Produkt den technischen Vorschriften nicht entspricht.
4 Sie können insbesondere:
a. das weitere Inverkehrbringen eines Produkts verbieten; b. die Warnung vor den Gefahren eines Produkts, seine Rücknahme oder sei- nen Rückruf anordnen und nötigenfalls selbst vollziehen; c. die Ausfuhr eines Produkts, dessen weiteres Inverkehrbringen nach Buch- stabe a verboten worden ist, verbieten; d. ein Produkt, von dem eine unmittelbare und ernste Gefahr ausgeht, einzie- hen und vernichten oder unbrauchbar machen.
5 Sie dürfen keine Massnahmen anordnen, die eine nachträgliche bauliche Änderung
rechtmässig in Verkehr gebrachter Produkte erfordern würden.
6 Sie warnen die Bevölkerung vor gefährlichen Produkten, wenn der Inverkehrbrin-
ger nicht oder nicht rechtzeitig wirksame Massnahmen trifft. Sie machen ihre Infor- mationen über die Gefährlichkeit bestimmter Produkte und über die getroffenen Massnahmen öffentlich zugänglich.
7 Massnahmen nach Absatz 4 werden, sofern dies zum Schutz überwiegender öffent-
licher Interessen nach Artikel 4 Absatz 4 Buchstaben a–e erforderlich ist, als Allge- meinverfügung erlassen. Sie werden nach Eintritt der Rechtskraft veröffentlicht.
8 Das Bundesgesetz vom 20. Dezember 19685 über das Verwaltungsverfahren ist
anwendbar.
Art. 19a Mitwirkungs- und Auskunftspflicht Die Inverkehrbringer und allfällige weitere betroffene Personen sind beim Vollzug, soweit notwendig, zur Mitwirkung verpflichtet. Sie haben insbesondere unentgelt- lich den Vollzugsorganen alle erforderlichen Auskünfte zu erteilen sowie die erfor- derlichen Nachweise und Unterlagen herauszugeben.
5 SR 172.021
2623
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
Art. 20 Marktüberwachung von nach ausländischen technischen Vorschriften hergestellten Produkten
1 Für die Marktüberwachung eines Produkts, das nach Artikel 16a Absatz 1 in
Verkehr gebracht wurde, ist: a. nachzuweisen, dass es den technischen Vorschriften nach Artikel 16a Absatz 1 Buchstabe a entspricht; und b. glaubhaft zu machen, dass es im betreffenden EG- oder EWR-Mitgliedstaat rechtmässig in Verkehr ist.
2 Für die Marktüberwachung eines Produktes, das nach Artikel 16b in Verkehr
gebracht wurde, ist der Nachweis gemäss Absatz 1 Buchstabe a zu erbringen. 3 Das zuständige Vollzugsorgan hat die Befugnisse nach Artikel 19 Absätze 1 und 2. Es kann verlangen, dass die benannten ausländischen Vorschriften und eine allfäl- lige Konformitätserklärung oder -bescheinigung in einer schweizerischen Amts- sprache oder in englischer Sprache vorgelegt werden. 4 Ergibt die Kontrolle, dass die Nachweispflichten nach Absatz 1 oder 2 nicht erfüllt sind oder das Produkt ein Risiko für überwiegende öffentliche Interessen im Sinne von Artikel 4 Absatz 46 Buchstaben a–e darstellt, so trifft das Vollzugsorgan die geeigneten Massnahmen nach Artikel 19.
5 Hat ein kantonales Vollzugsorgan das Produkt überprüft, so kann es dem zustän-
digen Vollzugsorgan des Bundes Antrag auf Erlass einer Allgemeinverfügung nach Artikel 19 Absatz 7 stellen. 6 Betrifft die Kontrolle nach Absatz 3 ein Lebensmittel und ist es zum Schutz der Bevölkerung erforderlich, eine Bewilligung zu widerrufen, so stellt das kantonale Vollzugsorgan dem BAG entsprechend Antrag.
Art. 20a Rechtspflege
1 Der Rechtsschutz richtet sich nach den allgemeinen Bestimmungen über die Bun-
desrechtspflege.
2 GegenVerfügungen der Vollzugsorgane kann beim Bundesverwaltungsgericht
Beschwerde geführt werden.
3 Der Wettbewerbskommission steht das Beschwerderecht gegen Allgemeinver-
fügungen nach den Artikeln 19 Absatz 7 und 20 zu.
Art. 20b Datenschutz
1 Die Vollzugsorgane sind berechtigt, Personendaten einschliesslich Daten über
administrative und strafrechtliche Verfolgungen und Sanktionen zu bearbeiten. Dabei gelten die Bestimmungen über die Beschaffung von Personendaten nach Artikel 18 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 19927 über den Datenschutz.
6 Berichtigt von der Redaktionskommission der BVers (Art. 58 Abs. 1 ParlG; SR 171.10). 7 SR 235.1
2624
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
2 Die Vollzugsorgane können die Daten elektronisch aufbewahren und, soweit für
den einheitlichen Vollzug dieses Gesetzes erforderlich, untereinander austauschen.
Gliederungstitel vor Art. 21 Betrifft nur den französischen Text.
Art. 21 Amtshilfe in der Schweiz Die zuständigen Behörden des Bundes und der Kantone übermitteln einander Aus- künfte und Unterlagen, soweit dies für den Vollzug dieses Gesetzes oder technischer Vorschriften notwendig ist.
Art. 22 Sachüberschrift sowie Abs. 1 und 2 Einleitungssatz Sachüberschrift: Betrifft nur den französischen Text. 1 Die für den Vollzug oder die Aufsicht über den Vollzug technischer Vorschriften zuständige Behörde kann ausländische Behörden sowie ausländische oder interna- tionale Institutionen, die für den Vollzug technischer Vorschriften zuständig sind, um Auskünfte und Unterlagen ersuchen. 2 Sie darf ausländischen Behörden oder ausländischen oder internationalen Instituti- onen, die für den Vollzug technischer Vorschriften zuständig sind, Auskünfte und Unterlagen, welche nicht öffentlich zugänglich sind, übermitteln, sofern sicherge- stellt ist, dass:
Art. 27 Ausländische Urkunden Die Artikel 23–26 und 28 gelten auch für ausländische Urkunden.
Art. 28 Bst. c Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird bestraft, wer zur Täu- schung im Rechtsverkehr: c. Erklärungen über die Konformität von Produkten mit ausländischen techni- schen Vorschriften ausstellt, ohne dass diese Produkte den technischen Vor- schriften des betreffenden Staates entsprechen.
Art. 28a Nichteinholen einer Bewilligung nach Artikel 16c Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich: a. ohne eine Bewilligung nach Artikel 16c Lebensmittel, die den schweizeri- schen technischen Vorschriften nicht entsprechen, in der Schweiz in Verkehr bringt; b. an eine Bewilligung nach Artikel 16c geknüpfte Bedingungen und Auflagen nicht einhält;
2625
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
c. eine Bewilligung nach Artikel 16c durch falsche Angaben erschleicht, wel- che für die zuständige Behörde schwierig zu überprüfen sind.
Art. 31 Vollzug
2 Die zuständigen Behörden des Bundes führen Listen:
a. der Produktegruppen und Produkte, die keinen Zugang zum schweizerischen Markt im Sinne der Artikel 16a Absatz 2 und 20 haben; b. der rechtskräftigen Allgemeinverfügungen nach Artikel 16d Absatz 2.
II Die Änderung bisherigen Rechts wird im Anhang geregelt.
III
2 Der Bundesrat bestimmt das Inkrafttreten.
Ständerat, 12. Juni 2009 Nationalrat, 12. Juni 2009 Der Präsident: Alain Berset Die Präsidentin: Chiara Simoneschi-Cortesi Der Sekretär: Philippe Schwab Der Sekretär: Pierre-Hervé Freléchoz
Ablauf der Referendumsfrist und Inkraftsetzung
1 Die Referendumsfrist für dieses Gesetz ist am 1. Oktober 2009 unbenützt abge-
laufen.8
19. Mai 2010 Im Namen des Schweizerischen Bundesrates
Die Bundespräsident: Doris Leuthard Die Bundeskanzlerin: Corina Casanova
8 BBl 2009 4463
2626
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
Anhang (Ziff. II)
Änderung bisherigen Rechts
Die nachstehenden Bundesgesetze werden wie folgt geändert:
1. Alkoholgesetz vom 21. Juni 19329
Art. 2 Abs. 2
2 Die ausschliesslich durch Vergärung gewonnenen alkoholischen
Erzeugnisse sind, unter Vorbehalt der Vorschrift in Absatz 3, den Bestimmungen dieses Gesetzes nicht unterworfen, sofern ihr Alkohol- gehalt 15 Volumenprozente, bei Naturweinen aus frischen Wein- trauben 18 Volumenprozente nicht übersteigt.
Art. 23bis Abs. 1 Bst. b und 2 Bst. a
1 Der Besteuerung für Spezialitätenbrand unterliegen:
b. Naturweine aus frischen Weintrauben mit einem Alkoholge- halt von mehr als 18 Volumenprozenten und Weine aus Früch- ten, Beeren oder anderen Rohstoffen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 15 Volumenprozenten sowie Weinspezialitäten, Süssweine und Mistellen;
2 Die Steuer wird um 50 Prozent ermässigt für:
a. Naturweine aus frischen Weintrauben mit einem Alkohol- gehalt von mehr als 18, aber höchstens 22 Volumenprozenten und Weine aus Früchten, Beeren oder anderen Rohstoffen mit einem Alkoholgehalt von mehr als 15, aber höchstens
2. Fernmeldegesetz vom 30. April 199710
Art. 34 Abs. 1bis 1bis Das Bundesamt kann das Anbieten und das Inverkehrbringen von Funkanlagen einschränken oder verbieten, wenn diese Störungen von Anwendungen des Fre- quenzspektrums, die einen erhöhten Schutz erfordern, verursachen oder verursachen können. Dies gilt auch dann, wenn die Funkanlagen den Vorschriften über das Anbieten und das Inverkehrbringen entsprechen.
9 SR 680 10 SR 784.10
2627
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
3. Landwirtschaftsgesetz vom 29. April 199811
Art. 159a Vorschriften über Einfuhr, Inverkehrbringen und Verwendung Der Bundesrat kann Vorschriften über die Einfuhr, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Produktionsmitteln erlassen. Er kann insbesondere die Einfuhr, das Inverkehrbringen und die Verwendung von Produktionsmitteln beschränken oder verbieten.
Art. 173 Abs. 1 Bst. kquater 1 Sofern die Tat nicht nach einer anderen Bestimmung mit höherer Strafe bedroht ist, wird mit Busse bis zu 40 000 Franken bestraft, wer vorsätzlich: kquater. verbotene Produktionsmittel einführt, lagert, befördert, in Verkehr bringt, anbietet oder anpreist (Art. 159a);
4. Bauproduktegesetz vom 8. Oktober 199912
Gliederungstitel vor Art. 11
5. Abschnitt: Marktüberwachung
Art. 11 Kontrollorgane Der Bundesrat bezeichnet die für die Marktüberwachung zuständigen Kontroll- organe. Er kann die Kantone sowie öffentlich-rechtliche und privatrechtliche Fach- organisationen mit Kontrollaufgaben betrauen.
Art. 12 Abs. 1
1 Wer Bauprodukte herstellt oder in Verkehr bringt, darf die Kontrollorgane bei
der Marktüberwachung nicht behindern und ist verpflichtet, die erforderlichen Auskünfte unentgeltlich zu erteilen.
11 SR 910.1 12 SR 933.0
2628
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
5. Sprengstoffgesetz vom 25. März 197713
Einfügen einer Abkürzung (SprstG)
Art. 2a Polizei und Feuerwehr 1 Der Bundesrat kann die Polizei und die Feuerwehr ganz oder teilweise von diesem Gesetz ausnehmen.
2 Er kann für diese Stellen besondere Bestimmungen erlassen.
Art. 12 Abs. 5 erster Satz
5 Der Bundesrat erlässt Vorschriften über den Bezug von pyrotechnischen Gegen-
ständen, für die ein Ausweis nach Artikel 14 Absatz 2 erforderlich ist. …
Art. 14 Sachüberschrift sowie Abs. 1, 2 zweiter Satz, 3bis und 6 Ausweis
1 Sprengladungen dürfen nur von Personen oder unter der Aufsicht von Personen
vorbereitet und gezündet werden, die einen Ausweis besitzen.
2 … Der Bundesrat kann dieses Erfordernis auf bestimmte Arten beschränken oder
es auf pyrotechnische Gegenstände, die zu Vergnügungszwecken dienen, ausdehnen. 3bis Er kann den Erlass von Anforderungen nach Absatz 3 Buchstabe b Berufsver- bänden übertragen, soweit er dafür die Aufsicht einer Bundesstelle vorsieht.
6 Die mit dem Vollzug dieses Artikels beauftragten Behörden sind zur Erfüllung
ihrer gesetzlichen Aufgaben berechtigt, die AHV-Versichertennummer nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 20. Dezember 194614 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung systematisch zu verwenden.
Art. 15 Abs. 4
4 Sprengmittel oder pyrotechnische Gegenstände, die zur eigenen Verwendung
erworben wurden und für die ein Ausweis nach Artikel 14 Absatz 2 erforderlich ist, dürfen nicht an Dritte weitergegeben werden.
Art. 20 Abs. 1
1 Sprengstoffe und Sprengschnüre sind von den übrigen detonierenden Zündmitteln
getrennt zu lagern.
13 SR 941.41 14 SR 831.10
2629
Technische Handelshemmnisse. BG AS 2010
Art. 28 Abs. 1 zweiter Satz und 2
2 Die Zollverwaltung überwacht die Einfuhr von Sprengmitteln und pyrotechnischen
Gegenständen.
Art. 29 Abs. 4 zweiter Satz
4 … Der Bundesrat kann eine längere Aufbewahrungsfrist vorsehen.
Art. 33 Abs. 3 3 Die Zentralstelle kontrolliert in Zusammenarbeit mit den zuständigen kantonalen Stellen stichprobeweise die in Verkehr gebrachten Sprengmittel und pyrotechni- schen Gegenstände bezüglich ihrer Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vor- schriften.
Art. 36 Rechtsschutz Verfügungen über Ausweise im Sinne von Artikel 14 unterliegen der Beschwerde an das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie.
Art. 43 Abs. 5 und 6
1 Kleinverbraucher, die Sprengungen ohne Aufsicht ausführen wollen, haben innert
drei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes einen Ausweis zu erwerben. 2 Für Grossverbraucher beträgt diese Frist fünf Jahre. Nachher muss ihr Bestand an Arbeitern mit Ausweisen ihren Aufträgen entsprechen.
2630