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326.1

Einführungsgesetz zum Bundesgesetz über die Hilfe an Opfer von Straftaten

(EG OHG)

vom 02.09.2009 (Stand 01.03.2021)

Präambel

Der Grosse Rat des Kantons Bern,

gestützt auf Artikel 9, 15 und 29 des Bundesgesetzes vom 23. März 2007 über die Hilfe an Opfer von Straftaten (Opferhilfegesetz, OHG[1]),

auf Antrag des Regierungsrates,

beschliesst:

1 Beratungsstellen

Art. 1 Angebot

Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion sorgt für ein Angebot an Beratungsstellen im Sinne von Artikel 9 OHG. *

Sie koordiniert das Angebot und kann den Beratungsstellen die dazu notwendigen Weisungen erteilen.

Die zuständige Stelle der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion schliesst Leistungsverträge mit den Beratungsstellen ab. *

Sie kann zur Erfüllung besonderer Aufgaben andere Verträge mit Dritten abschliessen.

Art. 2 Information über die Opferhilfe

Die Beratungsstellen machen ihr Angebot in der Öffentlichkeit und bei Institutionen bekannt.

Art. 3 Leistungsverträge 1 Voraussetzungen

Für den Abschluss von Leistungsverträgen gelten die folgenden Voraussetzungen:

  1. ein ausgewiesener Bedarf gemäss Planung der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion,
  2. eine genügende fachliche Ausbildung der in der Beratung tätigen Personen,
  3. eine der Aufgabe entsprechende Organisation der Beratungsstellen.

Beim Abschluss von Leistungsverträgen ist auf die Einhaltung der orts- und branchenüblichen Arbeitsbedingungen zu achten.

Art. 5 2 Verletzung der Verträge *

Verletzt eine Beratungsstelle vertragliche Pflichten, kann die zuständige Stelle der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion die Abgeltungen nach erfolgloser Mahnung durch Verfügung kürzen, einstellen oder sie samt Zins seit der Auszahlung zurückfordern. *

Bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen können die Verträge fristlos gekündigt werden.

Art. 6 Aufsicht

Die Beratungsstellen unterstehen der Aufsicht der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion. *

Sie stellen der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion fristgerecht alle Daten zur Verfügung, die für die Planung und die Aufsichtstätigkeit erforderlich sind. *

2. Beratung, Soforthilfe und längerfristige Hilfe der Beratungsstellen

Art. 7 Angebot

Die Beratungsstellen beraten das Opfer sowie seine Angehörigen und leisten Soforthilfe und längerfristige Hilfe rasch und formlos.

Auf Begehren des Opfers oder seiner Angehörigen erlässt die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion eine Verfügung. *

Der Regierungsrat regelt den Umfang der Soforthilfe und der längerfristigen Hilfe der Beratungsstellen durch Verordnung.

3. Kostenbeiträge für längerfristige Hilfe Dritter

Art. 8 Angebot

Die zuständige Stelle der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion legt den Kostenbeitrag an die längerfristige Hilfe Dritter auf Gesuch des Opfers oder seiner Angehörigen in Briefform fest. *

Auf Begehren des Opfers oder seiner Angehörigen erlässt die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion eine Verfügung. *

Der Regierungsrat regelt den Umfang der längerfristigen Hilfe Dritter durch Verordnung.

4. Entschädigung und Genugtuung

Art. 9

Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion setzt die Höhe der Entschädigung und der Genugtuung auf Gesuch des Opfers oder seiner Angehörigen fest. *

5. Gemeinsame Bestimmungen

Art. 10 Akteneinsicht

Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion ist befugt, die gerichtlichen Akten einzusehen. *

Art. 11 * Befreiung von der Mitteilungspflicht

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion, welche Gesuche um Leistungen gemäss Opferhilfegesetz bearbeiten, sind von der Mitteilungspflicht gemäss Artikel 48 Absatz 1 des Einführungsgesetzes vom 11. Juni 2009 zur Zivilprozessordnung, zur Strafprozessordnung und zur Jugendstrafprozessordnung (EG ZSJ [2]) ausgenommen. *

Art. 12 Geltendmachung von auf den Kanton übergegangenen Ansprüchen

Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion ist zuständig für die Geltendmachung von auf den Kanton übergegangenen Ansprüchen. *

Art. 13 Lastenausgleich

Die Aufwendungen des Kantons für die Opferhilfe unterliegen der Lastenverteilung gemäss der Sozialhilfegesetzgebung.

Art. 14 Vertretung gegenüber Bund und Kantonen

Die Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion vertritt den Kanton gegenüber dem Bund und den anderen Kantonen. *

Art. 15 Rechtspflege

Die Verfügungen der Gesundheits-, Sozial- und Integrationsdirektion können mit Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern angefochten werden. *

6 Schlussbestimmungen

Art. 16 Änderung von Erlassen

Folgende Erlasse werden geändert:

1. Gesetz vom 20. Juni 1995 über die Organisation des Regierungsrates und der Verwaltung (Organisationsgesetz, OrG[3])
2. Gesetz vom 6. Oktober 1940 betreffend die Einführung des Schweizerischen Strafgesetzbuches (EG StGB[4] )
3. Gesetz vom 15. März 1995 über das Strafverfahren (StrV[5] )

Art. 17 Inkrafttreten

Der Regierungsrat bestimmt den Zeitpunkt des Inkrafttretens.

Egress

Bern, 2. September 2009

Im Namen des Grossen Rates

Die Präsidentin: Bornoz Flück

Der Vizestaatsschreiber: Schwob

RRB Nr. 0613 vom 28. April 2010:

Inkraftsetzung auf den 1. Juli 2010

10-43

Änderungstabelle - nach Beschluss

Beschluss Inkrafttreten Element Änderung BAG-Fundstelle
02.09.2009 01.07.2010 Erlass Erstfassung 10-43
27.10.2010 01.01.2011 Art. 11 geändert 10-109
09.09.2015 01.01.2017 Art. 4 aufgehoben 16-079
09.09.2015 01.01.2017 Art. 5 Titel geändert 16-079
16.12.2020 01.03.2021 Art. 1 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 1 Abs. 3 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 3 Abs. 1, a geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 5 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 6 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 6 Abs. 2 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 7 Abs. 2 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 8 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 8 Abs. 2 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 9 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 10 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 11 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 12 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 14 Abs. 1 geändert 21-001
16.12.2020 01.03.2021 Art. 15 Abs. 1 geändert 21-001

Änderungstabelle - nach Artikel

Element Beschluss Inkrafttreten Änderung BAG-Fundstelle
Erlass 02.09.2009 01.07.2010 Erstfassung 10-43
Art. 1 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 1 Abs. 3 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 3 Abs. 1, a 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 4 09.09.2015 01.01.2017 aufgehoben 16-079
Art. 5 09.09.2015 01.01.2017 Titel geändert 16-079
Art. 5 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 6 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 6 Abs. 2 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 7 Abs. 2 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 8 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 8 Abs. 2 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 9 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 10 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 11 27.10.2010 01.01.2011 geändert 10-109
Art. 11 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 12 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 14 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001
Art. 15 Abs. 1 16.12.2020 01.03.2021 geändert 21-001