19.3327 · Motion · 2019-03-22
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird aufgefordert, dahingehend auf die Stiftung Swiss Skills Einfluss zu nehmen, dass künftig die Swiss Skills als Grossanlass "nur" alle vier Jahre stattfinden.
Begründung
Die Stiftung Swiss Skills leistete in den vergangenen Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Förderung von Image und Ansehen der Schweizer Berufslehre. Berufsmeisterschaften sind für alle Beteiligten Motivation und Wertschätzung zugleich. Das OK von Bern 2018 und der Stiftungsrat wollen diese "Erfolgsgeschichte" nun professionalisieren und ausbauen. Statt alle vier soll Swiss Skills alle zwei Jahre durchgeführt werden.
Die dezentralen Schweizer Berufsmessen in den Kantonen sehen in dieser Entwicklung jedoch eine grosse Bedrohung für ihre Existenz. Da sich Swiss Skills nicht auf die Austragung der Berufsmeisterschaften beschränkt, sondern der Anlass auch für Berufsinformationen und Nachwuchswerbung von Grossunternehmen genutzt wird, werden die regionalen Berufsschauen im Durchführungsjahr durch die Swiss Skills in ihrer Kernkompetenz konkurrenziert. Zudem können viele Schulen pro Jahr nur an einem Berufsbildungsanlass teilnehmen. Berufsverbände und OdA sind finanziell und personell so stark gefordert, dass sie auf die regionalen Berufsschauen verzichten müssten.
Swiss Skills ist mit einer Stiftung als Dachorganisation, dem Verein Swiss Skills Marketing und Events sowie dem Verein Swiss Skills Bern zur Organisation der nationalen Berufsmeisterschaften grundsätzlich in der Organisation und Durchführung ihrer Veranstaltungen frei. Alle drei Organisationen sind juristisch voneinander unabhängig und haben ihre eigene Rechnungslegung. Der Bund hat sich deshalb bisher in der Diskussion um die Swiss Skills zurückgehalten. Doch als Geldgeber, der bei den Swiss Skills 2014 9 Millionen Franken und 2018 10 Millionen Franken beigesteuert hat, was mehr als der Hälfte der Ausgaben entspricht, spielt der Bund eine gewichtige Rolle. Somit steht der Bund in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass möglichst alle Beteiligten von der Veranstaltung Swiss Skills profitieren und nicht die regionalen Berufsmessen gefährdet werden, die der Jugend, den Schulen und den Eltern seit Jahren in allen Regionen der Schweiz wertvollen Zugang zu Informationen über Berufe, Berufswahl und Ausbildungsmöglichkeiten auch vor Ort ermöglichen.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Die Entscheidung, ob und in welcher Form zentrale Berufsmeisterschaften auch in Zukunft durchgeführt werden können, obliegt der Stiftung Swiss Skills, welche durch den Bund, die Kantone, Schulen und Organisationen der Arbeitswelt gemeinsam getragen wird. Auf Grundlage des Berufsbildungsgesetzes unterstützt der Bund die Aktivitäten der Stiftung Swiss Skills seit 2002, seit 2008 mit einem Subventionsvertrag, der die Aufgaben und Leistungen der Stiftung regelt. Der Bund ist aber nicht im Stiftungsrat vertreten und hat damit auch keinen direkten Einfluss auf den Entscheid über den Durchführungsrhythmus.
Der Bundesrat erachtet sowohl die zentralen Berufsmeisterschaften als auch die regionalen Berufsmessen als wichtige Pfeiler einer erfolgreichen und nachhaltigen Förderung des dualen Berufsbildungssystems. Sie bieten wertvolle Plattformen, um Jugendlichen, ihren Eltern sowie weiteren Anspruchsgruppen einen breiten Zugang zu Informationen über Berufswahl und Ausbildungsmöglichkeiten zu ermöglichen. Die zentralen Berufsmeisterschaften positionieren sich primär als emotionalisierendes Medium für die Berufslehre, das zu einem guten Image für die Berufslehre beitragen soll und bei Jugendlichen schon vor oder in einem sehr frühen Stadium des Berufswahlprozesses ansetzt. Die Berufsmessen hingegen nehmen eine wichtige Rolle im konkreten Berufswahlprozess ein, in welchem die gezielte Berufsinformation und der persönliche Austausch mit Lernenden, Lehrbetrieben und Fachleuten im Vordergrund stehen. Der Bundesrat teilt deshalb die Ansicht, dass die zentralen Berufsmeisterschaften und die Berufsmessen komplementär zueinander sind und sich gegenseitig nicht konkurrieren sollen. Daher werden die Zusammenarbeit und Aufgabenteilung im Bereich Berufsmarketing, Berufsinformation und Berufswahl am nächsten Spitzentreffen der Verbundpartner in der Berufsbildung, das unter der Leitung des WBF-Vorstehers Ende Juni 2019 geplant ist, traktandiert.
Im Rahmen der bereits beschlossenen Durchführung von Swiss Skills 2020 sollen eine Auslegeordnung vorgenommen und die Vor- und Nachteile sowie das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Hinblick auf den künftigen Durchführungsrhythmus untersucht werden. Unabhängig vom künftigen Durchführungsrhythmus der zentralen Berufsmeisterschaften sollen Berufsmessen weiterhin vom Bund gefördert und in der Stärkung ihrer Rolle und Positionierung auf regionaler Ebene unterstützt werden.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.