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19.3948 · Postulat · 2019-06-21

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Der Bundesrat wird beauftragt, die Wirkung des Projekts "Schule auf dem Bauernhof" und seine Finanzierung durch die Kantone und den Bund zu überprüfen. In seinem Bericht soll er die folgenden Fragen beantworten:

- Wäre eine Finanzierung aus dem Kreditposten "Bildungsbeiträge" des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) möglich? Und wäre es nicht angemessener, dass das Projekt "Schule auf dem Bauernhof" vom neuen PER (Plan d'études romand), zu dem es ja in Zusammenhang steht, profitieren könnte?

- Strebt der Bundesrat für die "Schule auf dem Bauernhof" eine gesamtschweizerische Harmonisierung an?

Begründung

Der Bund finanziert die "Schule auf dem Bauernhof" teilweise über die Landwirtschaftspolitik und ihren Bereich "Qualitäts- und Absatzförderung". Da der Schulunterricht Sache der Kantone ist, gibt es zwischen den Kantonen grosse Unterschiede, was die finanziellen Mittel, die personellen Ressourcen und die Programmgestaltung betrifft. Die Finanzierung der Weiterbildung der Lehrkräfte sollte gefördert und harmonisiert werden.

Die "Schule auf dem Bauernhof" eröffnet als pädagogisches und didaktisches Instrument einen privilegierten Freiraum für einen kreativen und praxisorientierten Unterricht. Das Konzept hat einen direkten Zusammenhang mit dem neuen PER (Plan d'études romand) und ist gesamtschweizerisch anerkannt. Dank motivierter und engagierter Bauernfamilien ist die "Schule auf dem Bauernhof" in allen Kantonen aktiv, jedoch auf unterschiedlichen Stufen.

Ziel dieses Unterrichts ist es, den Kindern und Jugendlichen zu vermitteln, wie wichtig die Zusammenhänge zwischen Mensch, Tier, Natur und Umwelt sind. Die Schülerinnen und Schüler werden mit all ihren Sinnen angesprochen: Berühren, Riechen, Schauen, Hören, Schmecken. Es ist Unterricht für Kopf, Herz und Hand.

Immer mehr Kinder wachsen heute in einer Welt auf, wo Bauten und Beton dominieren, wo Fernseher und Computer König sind und die Kinder mit Informationen zudecken, die - man muss es leider sagen - nur virtuell sind. Da ist es unbedingt nötig, dass der Zusammenhang zwischen Mensch und Natur für alle Kinder wieder den Wert bekommt, den er verdient.

Zwar hat die Zahl der Kinder, die am Projekt "Schule auf dem Bauernhof" teilnehmen, in den letzten Jahren stark zugenommen. Es sind aber weiterhin grosse Anstrengungen nötig, einerseits was die Harmonisierung zwischen den Kantonen und andererseits was eine künftige Finanzierung über Kredite des SBFI betrifft. Die nachhaltige Entwicklung, die uns so am Herzen liegt, sollte auch Teil der Ausbildung sein, die wir unseren Kindern angedeihen lassen.

Antrag des Bundesrates

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat begrüsst das grosse Engagement allen voran von Bauernfamilien und Lehrpersonen im Projekt "Schule auf dem Bauernhof". Es hilft, auch im Sinne der nachhaltigen Entwicklung, Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit der Landwirtschaft zu bringen.

Das Projekt "Schule auf dem Bauernhof" richtet sich vor allem an Schulklassen der obligatorischen Schule. Gemäss Artikel 62 der Bundesverfassung sind die Kantone für das Schulwesen verantwortlich. Sie sind zur gesamtschweizerischen Harmonisierung wichtiger Eckwerte im Bereich der obligatorischen Schule verpflichtet. Sie legen die Lehrpläne für die obligatorische Schule fest und sorgen dafür, dass mit lehrplankonformen sowie fachlich und didaktisch zeitgemässen Lehrmitteln unterrichtet wird. Die Harmonisierung der Lehrpläne und die Koordination der Lehrmittel erfolgt dabei auf sprachregionaler Ebene. Die übergeordneten Bildungsziele sind in den Naturwissenschaften bereits angeglichen worden. Hinter diesen Bildungszielen steht ein umfassendes Konzept von naturwissenschaftlicher Grundbildung, mit dem beispielsweise auch das Verständnis für und die Orientierung zu gesellschaftlich relevanten Fragen und Themen aus Bereichen wie Ökologie, Technik, Gesundheit oder Nachhaltigkeit unterstützt wird, inklusive des Bezugs zur Natur, der Produktion von Lebensmitteln usw. Der Bundesrat respektiert die Kompetenz der Kantone und sieht deshalb davon ab, sich zu einer Harmonisierung des Projekts "Schule auf dem Bauernhof" zu äussern.

Im Aufgabenbereich des Staatssekretariates für Bildung, Forschung und Innovation besteht keine gesetzliche Grundlage, um sich im Bereich der Volksschule am Projekt "Schule auf dem Bauernhof" finanziell zu beteiligen. Finanziell wird das Projekt "Schule auf dem Bauernhof" aber im Rahmen der Absatzförderung als Massnahme zur Kommunikation der gemeinwirtschaftlichen Leistungen der Landwirtschaft bereits vom Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt. Wie in der Stellungnahme zum Postulat Jans 17.3539, "Das Projekt 'Schule auf dem Bauernhof' stärken", dargelegt, hat sich der Bundesrat bereiterklärt, weiter gehende Unterstützungsmassnahmen zu prüfen und umzusetzen. Aus diesem Grund wird im Rahmen der Verordnung über die Förderung von Qualität und Nachhaltigkeit in der Land- und Ernährungswirtschaft ein Projekt zur Weiterentwicklung von "Schule auf dem Bauernhof" mitfinanziert. Ziel des Projektes ist es, auf gesamtschweizerischer Ebene die Beteiligten auf Erziehungs- und Landwirtschaftsseite an einen Tisch zu bringen, um "Schule auf dem Bauernhof" so weiterzuentwickeln, dass möglichst allen Schülerinnen und Schülern in unserem Land ein Einblick in die Landwirtschaft ermöglicht werden kann.

Nach Ansicht des Bundesrates wird durch die Berücksichtigung der kantonalen Hoheit im Schulwesen, die in der Bundesverfassung festgehaltenen Verpflichtungen sowie die Zielsetzungen des Projekts "Schule auf dem Bauernhof" den Anliegen des Postulates bereits Rechnung getragen.

Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.