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20.3767 · Interpellation · 2020-06-18

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Ich bitte den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:

1. Beabsichtigt der Bund, die von den Forscherinnen und Forscher geforderte Intensivierung der Suche nach den Ursachen dieser Tumor-Erkrankungen bei Kindern zu unterstützen?

2. Kinder reagieren empfindlicher auf bestimmte Umwelteinflüsse als Erwachsene, was sich in einem erhöhten Krebsrisiko bei gleicher Exposition niederschlägt. Wie wird dies im Zulassungsverfahren für Pestizide berücksichtigt?

3. Gemäss Stellungnahme des Bundes (19.4549) führt das BAFU eine Untersuchung zur Luftverfrachtung von Pestiziden durch. Wie ist diese aufgebaut, welche Kantone sind beteiligt und liegen schon erste Resultate vor?

4. Gemäss Stellungnahme des Bundes (19.3101) ist kein systematisches Monitoring der Verbreitung von Pestiziden durch Volatilität, Abdrift und Winderosion von Bodenpartikeln geplant. Zieht er vor dem Hintergrund der aktuellen Forschungen nun ein Monitoring in der Umgebung von landwirtschaftlichen Nutzflächen in Betracht?

5. Was tut der Bundesrat konkret, um die Risiken der Luftverfrachtung von Pestiziden rasch und signifikant zu reduzieren, wie dies gemäss Vorsorgeprinzip nun angezeigt ist?

Begründung

Eine Forschungsgruppe der Universität Bern unter der Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin hat für den Zeitraum von 1985 bis 2015 die geografische Verteilung des Krebsrisikos bei Kindern untersucht. Der Studie zufolge besteht in zwei Regionen ein bis zu 23 Prozent höheres Risiko für Kinder, an einem Hirntumor zu erkranken. Als Ursache für diese Häufungen im Seeland und im nördlichen Kanton Zürich wurden verschiedene Faktoren wie die verkehrsbedingte Luftverschmutzung und die natürliche Hintergrundstrahlung untersucht. Diese haben zwar einen Einfluss auf das Krebsrisiko, vermögen aber die Häufungen an Hirntumoren nicht zu erklären.

Als Ursache werden nun Pestizide in Betracht gezogen, denn die betroffenen Regionen sind von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung geprägt. Die dabei eingesetzten Pestizide verbreiten sich über die Luft und können im Hausstaub nachgewiesen werden. Die Forscherinnen und Forscher vermuten deshalb die Pestizidbelastung als eine Ursache für das erhöhte Hirntumorrisiko bei Kindern. Sie untersuchen nun den Einfluss der Distanz zu verschiedenen landwirtschaftlichen Kulturen auf das Krebsrisiko von Kindern und fordern, dass die Forschung nach den Ursachen dieser Tumor-Erkrankungen intensiviert wird.

Stellungnahme des Bundesrates

Die genannte Studie hat die regionale Häufigkeit von Hirntumoren bei Kindern untersucht. Regionale Unterschiede im Auftreten der Tumore, konnten aber nur teilweise mit den in der Studie untersuchten Faktoren in Verbindung gebracht werden. Als weiterer möglicher Einflussfaktor für die regionalen Unterschiede wurden Pflanzenschutzmittel genannt, aber in der Studie nicht untersucht.

1. Mit dem Inkrafttreten des Krebsregistrierungsgesetzes (SR 818.33) und der Krebsregistrierungsverordnung (SR 818.331) investiert der Bund in eine flächendeckende und qualitativ gute epidemiologische Registrierung von Krebserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Epidemiologische Abklärungen auf Basis des Schweizer Kinderkrebsregisters sind von grossem Interesse für die öffentliche Gesundheit. Dies gilt auch für die angesprochene Studie unter Leitung des Instituts für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern. Was die Umweltfaktoren betrifft, so befindet sich die vom BAG in Zusammenarbeit mit der Forschung durchgeführte Schweizer Gesundheitsstudie in der Pilotphase. Diese Bevölkerungsstudie beinhaltet die Entnahme menschlicher Proben von Freiwilligen, um insbesondere die Stärke der Exposition gegenüber bestimmten Substanzen zu ermitteln. Diese wird dann mit Gesundheitsdaten verknüpft, um ihre Auswirkungen auf die Gesundheit zu evaluieren und deren Ursprung zu identifizieren.

2. Pflanzenschutzmittel unterliegen einem strengen Zulassungsverfahren. Dieses Verfahren beinhaltet eine umfassende Risikobewertung für den Menschen. Anhand zahlreicher Tierstudien werden mögliche gesundheitsschädliche Wirkungen untersucht. Die Beurteilung umfasst nicht nur mögliche akute und chronische toxische Wirkung auf adulte Tiere, sondern auch Effekte auf die gesamte Entwicklung und die Nachkommenschaft. Aus den Ergebnissen dieser Studien werden mittels Sicherheitsfaktoren Grenzwerte für den Menschen abgeleitet, welche sowohl für besonders empfindliche Bevölkerungsgruppen als auch für Kinder gelten. Bei einer Expositionsbeurteilung wird bei Kindern ausserdem, die durch das geringere Körpergewicht relativ höhere Belastung durch Pflanzenschutzmittel mitberücksichtigt.

3 und 4. Eine Pilotkampagne mit Messungen in der Luft und im Regenwasser begann im Mai 2020 an 9 Standorten und wird bis Herbst 2020 fortgesetzt. Es handelt sich dabei um eine Zusammenarbeit zwischen dem BAFU und den Kantonen Basel, Jura, Graubünden, Thurgau und Zürich. Es liegen noch keine Ergebnisse vor. Ein Monitoring ist nicht vorgesehen, aber im Sommer 2020 werden an bestimmten Ausbringungsorten experimentelle Messungen durchgeführt, um das Ausmass der Verfrachtung mit zunehmender Entfernung vom Ausbringungsort zu bestimmen.

5. Das Risiko der Verbreitung von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft wird als Teil des Zulassungsverfahrens bewertet, und wenn nötig werden Massnahmen zur Risikominderung angeordnet. In der Botschaft zur Weiterentwicklung der Agrarpolitik ab 2022 (AP22+) schlägt der Bundesrat vor, die Risiken der Abdrift von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft generell zu verringern, indem die Gewährung von Direktzahlungen an den Einsatz von Behandlungstechniken gekoppelt wird, die die Abdrift um 75 Prozent reduzieren.

Antwort des Bundesrates.