21.1087 · Anfrage · 2021-12-16
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation
Erledigt
Wortlaut
In der Umgebung des Col du Marchairuz ist ein Wolfsrudel heimisch geworden.
Diese Gegend ist in der Bevölkerung sehr beliebt, um zu Fuss, mit Schneeschuhen oder mit den Langlaufskis lange, ruhige Wanderungen zu machen. Im Winter lockt eine schöne Schlittelbahn, die einen Kilometer lang ist, die Kinder an; teilweise unternehmen sie, beispielsweise anlässlich eines Kindergeburtstags, nächtliche Abfahrten mit Stirnlampen.
Die Wölfe um den Col du Marchairuz sind nicht die einzigen Wölfe, die in der Schweiz leben.
Ich stelle dem Bundesrat die folgenden Fragen:
1. Wie gefährlich kann ein Wolfsrudel, beispielsweise dasjenige vom Marchairuz, einer einzelnen Wandererin oder einem einzelnen Wanderer werden? Wie ist die Situation nach Einbruch der Dunkelheit?
2. Wie müssen sich Wandernde verhalten, wenn sie einem Wolfsrudel begegnen?
3. Wie ist die Situation, wenn die Wandererin oder der Wanderer in Begleitung eines Hundes ist?
4. Sind nächtliche Schlittelfahrten von Kindern auf der Schlittelbahn des Marchairuz gefährlich, weil sich in der Gegend ein Wolfsrudel aufhält?
5. Wie gedenkt der Bundesrat die Schweizer Bevölkerung darüber zu informieren, wie sie sich verhalten muss, um jegliche Gefährdung zu vermeiden, wenn sie einem Wolfrsudel begegnet?
Stellungnahme des Bundesrates
1) Die Gefahr eines Angriffs von Wölfen auf Menschen besteht kaum; weder am Tag, noch in der Dämmerung oder bei Nacht. Die Wölfe haben eine natürliche Scheu vor dem Menschen, und der Mensch steht nicht auf der Beuteliste des Wolfes. So wurden in den letzten 30 Jahren in der Schweiz, in Italien, in Frankreich und in Deutschland keine Situationen beobachtet, wo Wölfe oder Wolfsrudel für Menschen gefährlich geworden wären. Allerdings können sich Wolfsrudel an die Präsenz von Menschen in ihrem Revier gewöhnen und so mit der Zeit ihre natürliche Scheu verlieren. Wenn sie am Tag in Siedlungen auftauchen, sich Menschen oder Haushunden annähern und nur schwer vertrieben werden können, sieht das Konzept Wolf Schweiz Abschüsse im Rudel vor.
2 und 3) Falls die Wölfe den Menschen nicht wahrgenommen haben, soll sich dieser bemerkbar machen, z.B. durch Rufen oder in die Hände klatschen. Hunde soll man in dieser Situation an die Leine nehmen oder unter Kontrolle halten.
4) Nächtliche Kindergeburtstage auf Schlittelpisten sind auch bei Anwesenheit von Wölfen in einer Region nicht gefährlich. Da solche Anlässe mit Lärm und Trubel verbunden sind, werden Wildtiere und auch Wölfe dieses Gebiet meiden.
5) Die für den Umgang mit Wildtieren zuständigen Ämter bei den Kantonen informieren die Bevölkerung über den Wolf und dessen Verhalten. Die von den Kantonen strategisch geführte Stiftung für Raubtierökologie KORA stellt ebenfalls Informationen und Verhaltensregeln bei Begegnungen mit dem Wolf bereit.
Antwort des Bundesrates.