Verwendung des Bundesbeitrags an Schweiz Tourismus ausschliesslich zur Förderung des Schweizer Tourismus auf dem Heimmarkt und auf Nahmärkten
22.3788 · Motion · 2022-06-16
Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung
Erledigt
Wortlaut
Der Bundesrat wird beauftragt dafür zu sorgen, dass der Bundesbeitrag an Schweiz Tourismus (ST) ausschliesslich zur Förderung des Tourismus auf dem Heimmarkt und auf Nahmärkten verwendet wird. Er schlägt bei Bedarf eine Gesetzesänderung vor.
Begründung
Das Gesamtbudget von ST setzt sich aus Geldern von Bund und anderen Partnern zusammen. Der Bundesbeitrag (ohne die zusätzlichen Mittel des Bundes im Rahmen des Recovery-Programms) beträgt 2022 rund 60 Prozent des Gesamtbudgets, das heisst 57 Millionen Schweizer Franken. In den vergangenen zehn Jahren (2012-2021), also einschliesslich der beiden Pandemiejahre, gab ST 53 Prozent seiner Mittel in der Schweiz aus, 28 Prozent in den europäischen Nahmärkten und 19 Prozent in den Fernmärkten.
Seit 2021 ist Roger Federer als Markenbotschafter Teil des ST-Teams mit dem Ziel, Anreize für Gäste aus aller Welt in schaffen, die Schweiz zu besuchen. Gleichzeitig lancierte ST das Programm "Swisstainable", das die Schweiz zum nachhaltigsten Reiseziel weltweit machen will. Dieses Programm passt perfekt zur neuen Tourismusstrategie des Bundes, die stärker auf Nachhaltigkeit ausgerichtet ist.
Es ist jedoch widersprüchlich, nachhaltigen Tourismus zu fördern und gleichzeitig die Anreise von Touristinnen und Touristen von weither mit dem Flugzeug zu unterstützen. Gemäss der Website myclimate.ch generieren die Reisen Peking-Zürich-Peking 3,0 und Los Angeles-Genf-Los Angeles 3,1 Tonnen CO2. Sowohl China als auch die USA gehören zu den wichtigsten Märkten für Schweiz Tourismus.
Diese Zahlen sind im Verhältnis zu den 5,8 Tonnen Pro-Kopf-Emissionen in der Schweiz zu betrachten (12 Tonnen, wenn man die Emissionen unserer Importe einrechnet). Ein einziger solcher Flug entspricht also mehr als der Hälfte des durchschnittlichen jährlichen CO2-Fussabdrucks einer Person, die in der Schweiz lebt.
Im Flugverkehr wird es im nächsten Jahrzehnt keine Lösung geben, mit der fossile Brennstoffe im grossen Umfang durch kohlenstofffreie Energie ersetzt werden können. Werbung für die Schweiz auf Fernmärkten trägt also zur Emission erheblicher Treibhausgasmengen bei. Dies ist mit den Klimazielen der Schweiz nicht zu vereinbaren und schwächt den Schweizer Tourismus, da die Erwärmung und ihre Folgen (Schneemangel und Zunahme von Naturgefahren) beschleunigt werden.
Die vorliegende Motion verlangt, dass die vom Bund für ST bereitgestellten Mittel ausschliesslich zur Förderung des Schweizer Tourismus auf dem Heimmarkt und den Nahmärkten eingesetzt werden.
Antrag des Bundesrates
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.
Stellungnahme des Bundesrates
Schweiz Tourismus (ST) fördert auf der Basis des Bundesgesetzes über Schweiz Tourismus (SR 935.21) die Nachfrage für die Schweiz als Reise- und Tourismusland. Die Aufgaben von ST sind im Gesetz abschliessend aufgezählt. Sie umfassen in erster Linie das Basismarketing für das Tourismusland Schweiz wie etwa die Pflege der Marke, die Bearbeitung der Märkte und die Kundeninformation. Bei der Bearbeitung der Märkte strebt ST einen ausgewogenen Gästemix an: 45 Prozent Schweiz, 35 Prozent Europa und 20 Prozent Fernmärkte. Mit Bezug auf die Bewerbung der Fernmärkte ist festzuhalten, dass ST den touristischen Leistungsträgern in der Schweiz Plattformen und Sichtbarkeit bietet, welche diese aus eigener Kraft kaum erreichen könnten.
Zusammen mit touristischen Partnern treibt ST zudem die Angebotsentwicklung und Produktinnovation voran. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Aktivitäten von ST zur Stärkung der nachhaltigen Entwicklung im Schweizer Tourismus erwähnenswert. So hat ST beispielsweise die Initiative "Swisstainable" erfolgreich lanciert. Mit Swisstainable wird eine nachhaltigkeitsorientierte Tourismusentwicklung in der Schweiz gezielt gefördert und die Schweiz international in möglichst vielen Bereichen als Nachhaltigkeitsleader positioniert. Daneben setzt ST weitere nachhaltigkeitsorientierte Massnahmen um. So versucht ST mit ihrer Werbung die Gästeströme über die ganze Schweiz zu verteilen und fördert gezielt den Ganzjahrestourismus. Zudem fördert ST die Verlängerung der Aufenthaltsdauer der Gäste, um insbesondere bei Gästen aus Fernmärkten die CO2-Bilanz pro Übernachtung zu verbessern.
Gäste aus den Fernmärkten sind für den Schweizer Tourismus von entscheidender Bedeutung. Gäste aus den Fernmärkten buchen mit erheblichem zeitlichen Vorlauf, was den Leistungsträgern Planungssicherheit gibt, und sie reisen während des ganzen Jahres, d.h. auch in den Nebensaisons, und ermöglichen den Leistungsträgern dadurch oft einen Ganzjahresbetrieb und sichern so wertvolle Ganzjahresarbeitsplätze. Zudem sind die durchschnittlichen Tagesausgaben der Gäste aus den Fernmärkten im Vergleich zu denjenigen der übrigen Gäste deutlich höher - die Hotel-Gäste aus den Fernmärkten (18 Prozent des Totals) sorgen so für 28,6 Prozent des touristischen Gesamtumsatzes. Auch der Geschäftstourismus basiert stark auf den Gästen aus den Fernmärkten, weshalb dieses Gästesegment besonders für den Städtetourismus bedeutend ist.
Die Erarbeitung und Umsetzung der strategischen Grundlagen für die Bearbeitung der Märkte liegt in der Verantwortung von ST. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die entsprechenden strategischen Grundlagen von ST zielführend sind und im Einklang stehen mit der Tourismusstrategie des Bundes, welche Schwerpunkte bei der nachhaltigen Entwicklung des Tourismus sowie bei der Stärkung der Attraktivität des Angebots und des Marktauftritts setzt.
Mit Blick auf die zentrale Bedeutung der Gäste aus den Fernmärkten für den Schweizer Tourismus sowie der erwähnten Schlüsselrolle von ST bei der Bewerbung der Fernmärkte lehnt der Bundesrat die Motion ab.
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.