Lexipedia

26.1004 · Anfrage · 2026-03-11

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Erledigt

Wortlaut

Viele kleine und mittlere Unternehmen erfassen ihre geschäftsrelevanten Daten bereits in Buchhaltungs- oder ERP-Systemen. Für zahlreiche administrative Prozesse müssen dieselben Informationen jedoch weiterhin manuell in staatliche Formulare von Bund, Kantonen oder Gemeinden übertragen werden. Dies führt zu Doppelspurigkeiten, erhöht die Fehleranfälligkeit und verursacht zusätzliche administrative Kosten, insbesondere für Kleinstunternehmen ohne eigene administrative Abteilungen.

Mit der Weiterentwicklung von EasyGov und dem geplanten Ausbau zu einer Plattform für Behördenleistungen von Bund und Kantonen stellt sich die Frage, inwiefern solche Prozesse künftig stärker standardisiert und technisch integrierbar gestaltet werden können.

Vor diesem Hintergrund bitte ich den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. In welchem Umfang existieren heute bereits maschinenlesbare Formulare oder technische Schnittstellen, über die Unternehmensdaten automatisiert aus Buchhaltungs- oder ERP-Systemen an Behörden von Bund oder Kantonen übermittelt werden können?

  2. Prüft der Bundesrat im Rahmen der Weiterentwicklung von EasyGov oder anderer Digitalisierungsprogramme die Einführung standardisierter digitaler Formulare mit offenen Schnittstellen (APIs), sodass Unternehmenssoftware staatliche Formulare automatisch befüllen kann?

  3. Welche Rolle könnten solche Schnittstellen bei der geplanten Integration von Behördenleistungen von Bund und Kantonen auf gemeinsamen Plattformen spielen?

  4. Wie stellt der Bundesrat sicher, dass bei der Digitalisierung von Behördenleistungen für Unternehmen gemeinsame technische Standards zwischen Bund und Kantonen entwickelt werden, um eine interoperable Nutzung von Unternehmensdaten zu ermöglichen?

  5. Sieht der Bundesrat in solchen standardisierten Schnittstellen ein Instrument, um das Once-Only-Prinzip umzusetzen und administrative Belastungen für KMU und Kleinstunternehmen zu reduzieren?

Stellungnahme des Bundesrates

Es bestehen bereits standardisierte, maschinenlesbare Schnittstellen, insbesondere über den Verein Swissdec, der die elektronische Übermittlung von Lohn-, Leistungs- und Finanzdaten via sichere Maschine-zu-Maschine-Infrastruktur ermöglicht. Swissdec-zertifizierte Lohnsoftware wird vor allem von mittleren und grossen Unternehmen genutzt. 2024 prüfte das SECO die Integration eines entsprechenden Moduls in EasyGov zur Vereinfachung für KMU; das Vorhaben wurde jedoch aus finanziellen Gründen sistiert. Der Bund ist Mitglied im Verein Swissdec, wird dort durch das Bundesamt für Statistik (BFS) vertreten und unterstützt derzeit den Verein durch die Übernahme eines Fünftel der Kosten.Ja. Mit der neuen IT-Architektur von EasyGov 2.0 (voraussichtlich ab Herbst 2027) sind APIs und das automatische Befüllen von Formularen vorgesehen. EasyGov soll gemäss Art. 13 des Bundegesetzes über den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben zu einer Plattform für digitale Behördenleistungen von Bund und Kantonen ausgebaut werden. Denkbar ist u. a. die Übermittlung von Lohn-, Statistik- und Steuerdaten. Der Nutzen steigt mit der Anzahl angeschlossener Unternehmen. Künftig können ERP-Systeme die API (Schnittstelle) von EasyGov nutzen, um Daten direkt zu übermitteln, was eine signifikante Steigerung der Benutzerfreundlichkeit gegenüber heute darstellt. Langfristig sind auch eigenständige Maschine-zu-Maschine-Lösungen sowie Kooperationen mit bestehenden Systemen, die z.B. Swissdec-zertifiziert sind, möglich.Die Interoperabilität im Datenaustausch mit EasyGov wird durch verbindliche Standards sichergestellt. Gemäss Unternehmensentlastungsgesetz (UEG; RS 930.31) legt die Bundeskanzlei diese in Zusammenarbeit mit dem SECO und der Organisation Digitale Verwaltung Schweiz fest. EasyGov stellt dafür eine standardisierte Core-API bereit, an die Fachmodule der Bundesverwaltung angebunden sind und über die auch Drittanbieter Daten austauschen können.Ja. Standardisierte Schnittstellen können je nach Konstellation ein zentraler Beitrag zur Umsetzung des Once-Only-Prinzips und Teil der EasyGov-Strategie sein. Bereits heute leisten Anbindungen an Register wie UID- und Handelsregister einen Beitrag dazu.