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26.3035 · Interpellation · 2026-03-02

Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung

Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor

Wortlaut

1. Wie beurteilt der Bundesrat die aktuelle internationale Evidenz zu möglichen Unterschieden zwischen Papier- und Bildschirmlesen im Hinblick auf Textverständnis, Konzentration und nachhaltige Wissensverarbeitung?
2. Welche Entwicklungen der Lesekompetenz in der Schweiz lassen sich in den vergangenen Jahren feststellen, insbesondere im internationalen Vergleich?
3. Liegen dem Bundesrat Erkenntnisse vor, inwiefern die zunehmende Digitalisierung des Unterrichts negative Auswirkungen auf die Lesekompetenz hat?
4. Wie beurteilt der Bundesrat die Bedeutung der Handschrift im schulischen Kontext aus lernpsychologischer und bildungswissenschaftlicher Sicht?
5. Bestehen auf Bundesebene in Zusammenarbeit mit den Kantonen Strategien oder Empfehlungen, welche eine ausgewogene Berücksichtigung digitaler Lernmittel und analoger Kulturtechniken sicherstellen?
6. Sieht der Bundesrat Anlass, weitere Abklärungen oder Studien zur langfristigen Entwicklung der Lesekompetenz im digitalen Lernumfeld zu prüfen?

Begründung

Internationale Forschungsarbeiten, unter anderem aus dem Umfeld der Universität Stavanger, befassen sich mit möglichen Unterschieden zwischen dem Lesen auf Papier und dem Lesen am Bildschirm. In der Stavanger Declaration werden Befunde zusammengefasst, wonach sich insbesondere bei längeren, linearen Texten Unterschiede im Textverständnis zeigen können. Zudem wird die Rolle der Handschrift im Zusammenhang mit kognitiven Prozessen des Lernens thematisiert.
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Digitalisierung des Unterrichts sowie der Entwicklung der Lesekompetenzen im internationalen Vergleich stellt sich die Frage, wie diese Erkenntnisse im schweizerischen Bildungskontext eingeordnet werden.

Stellungnahme des Bundesrates

1. + 4. Der Bundesrat nimmt die erwähnten Studien und Daten zur Kenntnis. Im Bereich der obligatorischen Schule liegen die Wahl der Lehrmittel, die pädagogische und didaktische Ausrichtung sowie die Ausbildung der Lehrkräfte in der Zuständigkeit der Kantone. Sie sind demnach dafür verantwortlich, die genannten Erkenntnisse zum Lesen und zur Handschrift sowie deren Stellenwert im schulischen Kontext zu bewerten und geeignete Massnahmen festzulegen.2. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2022 (Programme for International Student Assessment) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), welche die Kompetenzen von 15-jährigen Schülerinnen und Schülern Ende der obligatorischen Schulzeit in Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften untersucht, zeigen, dass die Schweiz über dem OECD-Durchschnitt liegt (www.pisa-schweiz.ch > PISA 2022 > Ergebnisse und Berichterstattung > Nationaler Bericht der Schweiz). Verglichen mit den Ergebnissen der Studien von 2015, 2018 und 2022 ist die durchschnittliche Lesekompetenz relativ stabil geblieben; die festgestellten Unterschiede sind statistisch nicht signifikant. Die PISA-Studie ordnet die Leistungen der Schülerinnen und Schüler in sechs Kompetenzstufen ein. Die Stufen I und II umfassen die leistungsschwächsten, die Stufen V und VI die leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler. Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler erreicht im Lesen nicht die Mindestkompetenz. Ein Vergleich mit früheren Ergebnissen zeigt, dass dieser Anteil mit den Jahren steigt. Der Anteil der leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler liegt in der Schweiz bei 9 Prozent.
Die Überprüfung des Erreichens der Grundkompetenzen (ÜGK) ist eine landesweit von den Kantonen durchgeführte Leistungsuntersuchung in der obligatorischen Schule. Im Jahr 2023 umfasste sie auch die Schul- und Fremdsprachen am Ende der obligatorischen Schulzeit (www.uegk-schweiz.ch > ÜGK 2023 > Nationaler Erstbericht der ÜGK 2023). Gemäss der Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und -direktoren (EDK) erreicht ein relativ hoher Anteil von 82 Prozent der Schülerinnen und Schüler die Grundkompetenzen beim Lesen in der Schulsprache, wobei der Anteil je nach Kanton zwischen 69 und 87 Prozent variiert.3. + 5. Für Informationen betreffend die Zuständigkeiten von Bund und Kantonen für Bildungsstrategien und -empfehlungen sowie das Bildungsmonitoring und Beispiele von Berichten und Untersuchungen zur Digitalisierung im Bildungswesen verweist der Bundesrat auf seine Antwort zur Interpellation 25.3086. Darin erläutert er auch, wie der Bund und die EDK die Entwicklungen im Bildungswesen anhand internationaler Daten zur Digitalisierung verfolgen. Er weist zudem darauf hin, dass aktuelle Studien die Bedeutung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen analogem und digitalem Lernen unterstreichen. Den Ergebnissen der PISA-Studie 2022 zufolge werden in der Schweiz etwas mehr als 1,5 von 4,5 Unterrichtsstunden für die Nutzung digitaler Lernmittel aufgewendet, was leicht unter dem OECD-Durchschnitt von 2 Stunden pro 4,5 Unterrichtsstunden liegt (www.oecd.org > Publications > Reports and research papers > PISA 2022 Results Volume II).6. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass weitere Arbeiten zur langfristigen Entwicklung der Lesekompetenz in der digitalen Lernumgebung derzeit nicht angezeigt sind. Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die im Herbst 2026 veröffentlicht werden, sollten abgewartet werden. Anschliessend wird es Aufgabe der Kantone sein zu prüfen, ob Handlungsbedarf besteht. Darüber hinaus ist anzumerken, dass bei PISA 2029 das Lesen wieder die Hauptdomäne bilden wird, mit einem besonderen Fokus auf digitale Medien.