26.3058 · Interpellation · 2026-03-05
Departement des Innern
Erledigt
Wortlaut
Das 1898 in Zürich eröffnete Schweizerische Nationalmuseum (SNM) ist seit 2010 eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit. Administrativ ist das SNM dem Eidgenössischen Departement des Innern zugeordnet, das auch die Aufsicht wahrnimmt. Nach dem Museums- und Sammlungsgesetz vom 12. Juni 2009 (MSG) besteht sein Auftrag in der Darstellung der Geschichte der Schweiz, der Auseinandersetzung mit ihren vielfältigen Identitäten und der Beratung anderer Museen und Sammlungen im Land.
Wie der Kulturbotschaft 2025–2028 zu entnehmen ist, leistet das SNM ausserdem wichtige Vermittlungsarbeit im digitalen Raum. Unter anderem betreibt es einen «seit 2017 bestehenden Blog mit wachsender Teilnehmendenzahl», der es ermöglicht, «das Publikum auch dann zu erreichen, wenn es nicht im Museum ist, und die Schweizer Geschichte und Kultur ergänzend im digitalen Raum zu vermitteln».
Dieser Blog ist heute ausschliesslich auf Deutsch, Französisch und Englisch verfügbar. Der Entscheid, die Inhalte nicht auch in italienischer Sprache zu veröffentlichen, wird damit begründet, dass es an Ressourcen fehle.
Gemäss dem MSG untersteht das SNM der Aufsicht des Bundesrats. Dieser legt die strategischen Ziele des SNM für jeweils vier Jahre fest und überprüft deren Erreichung jährlich.
Daher frage ich den Bundesrat:
Ist ihm bekannt, dass ein digitales Kommunikationsinstrument mit grosser Reichweite wie der Blog des SNM, das der Verbreitung der Schweizer Geschichte und Kultur dient, die dritte Amtssprache aussen vor lässt?
Wie beurteilt er die fehlenden Inhalte in italienischer Sprache in Anbetracht von Artikel 3 des Sprachengesetzes, der die Gleichbehandlung der Landessprachen garantiert?
Wie beurteilt er die fehlenden Inhalte in italienischer Sprache angesichts der neuen Kulturbotschaft, die für die Vierjahresperiode 2025–2028 eine Stärkung der «digitalen Transformation und Innovation, der Nachhaltigkeit, des vielseitigen Umgangs mit dem Kulturerbe» sowie die «verstärkte Einbindung von Besucherinnen und Besuchern» vorsieht?
Wird er sich für eine zeitnahe Ergänzung der Inhalte in italienischer Sprache einsetzen?
Stellungnahme des Bundesrates
Das Schweizerische Nationalmuseum (SNM) nimmt im Rahmen des Bundesgesetzes über die Museen und Sammlungen des Bundes (Museums- und Sammlungsgesetz, MSG; SR 432.30) eine zentrale Rolle bei der Vermittlung der Geschichte und Kulturgeschichte der Schweiz ein. Dazu gehört auch die Nutzung digitaler Kanäle, um ein breites Publikum zu erreichen und den Zugang zum kulturellen Erbe zu erleichtern. Der Bundesrat misst der Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit sowie der digitalen Vermittlung grosse Bedeutung bei. Beide Aspekte sind zentrale Anliegen der Kulturpolitik des Bundes und finden ihren Ausdruck sowohl im Sprachengesetz (SpG; SR 441.1) als auch in der Kulturbotschaft 2025–2028 (BBl 2024 753). Der Bundesrat ist darüber informiert, dass der Blog des Schweizerischen Nationalmuseums derzeit in deutscher, französischer und englischer Sprache geführt wird. Er stellt fest, dass das SNM im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags verschiedene Massnahmen zur digitalen Vermittlung umsetzt und damit einen Beitrag zur Zugänglichkeit von Geschichte und Kultur leistet. Der Bundesrat anerkennt die Bedeutung der Gleichbehandlung der Landessprachen gemäss Art. 3 Abs. 1 lit. a SpG. Die Förderung der Verständigung und des Austauschs zwischen den Sprachgemeinschaften ist ein zentrales Anliegen des Bundes. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass die konkrete Ausgestaltung der Angebote im Rahmen der verfügbaren finanziellen und personellen Ressourcen erfolgt. Im Sinne der Kulturbotschaft 2025–2028 misst der Bundesrat der digitalen Transformation und der breiten Zugänglichkeit kultureller Inhalte grosse Bedeutung bei. Digitale Angebote wie der Blog des SNM tragen dazu bei, neue Zielgruppen zu erreichen und die orts- und zeitunabhängige Vermittlung kultureller Inhalte zu stärken. Die sprachliche Ausgestaltung solcher Angebote ist dabei ein relevanter Aspekt im Hinblick auf die kulturelle Vielfalt der Schweiz. Der Bundesrat erachtet es als zentral, dass Vermittlungsangebote von nationaler Bedeutung mehrsprachig zugänglich sind. Aus diesem Grund werden sämtliche Ausstellungen des Schweizerischen Nationalmuseums auch in italienischer Sprache angeboten. Zudem würdigt der Bundesrat das in den vergangenen fünf Jahren verstärkte Engagement des Museums für die Geschichte der Mehrsprachigkeit, insbesondere mit Blick auf die italienischsprachige Schweiz.Mit Projekten wie der Installation «Erfahrungen Schweiz – Italianità» sowie den Ausstellungen «Sprachenland Schweiz», «Rote Zora und Schwarze Brüder», «Aus der Not geboren – Arbeitende Kinder» und «Volksmusik» hat das Museum wiederholt gezielt historische Aspekte der italienischsprachigen Schweiz hervorgehoben. Darüber hinaus engagieren sich Mitarbeitende des Schweizerischen Nationalmuseums in zahlreichen Fachgremien der italienischen Schweiz. Kooperationen mit der SUPSI, dem Ufficio dei beni culturali sowie weiteren Institutionen aus den Bereichen Bildung und Museen finden regelmässig statt. Die enge Kooperation mit Lehrverbänden im Kanton Tessin wirkt sich positiv auf den Standort Forum Schweizer Geschichte Schwyz aus, wo in den letzten Jahren ein deutlicher Zuwachs an Schulklassen aus dem Tessin verzeichnet wird. Der Bundesrat wird im Rahmen der strategischen Ziele für das SNM sowie im Hinblick auf künftige Kulturbotschaften prüfen, inwiefern die Mehrsprachigkeit digitaler Angebote weiter gestärkt werden kann und welche Prioritäten dabei zu setzen sind.