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26.3097 · Interpellation · 2026-03-12

Departement des Innern

Erledigt

Wortlaut

Die digitale Transformation verändert die Museumsarbeit grundlegend. Von der Sammlungserschliessung über die Provenienzforschung bis zur Vermittlung und Barrierefreiheit eröffnen sich durch Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) bedeutende Chancen. Automatisierte Bilderkennung kann die Katalogisierung beschleunigen, mehrsprachige KI-Anwendungen ermöglichen neue Formen der Kulturvermittlung, und Algorithmen unterstützen die Provenienzforschung durch Mustererkennung in historischen Dokumenten.

Viele Schweizer Museen haben mit der Digitalisierung begonnen, doch grosse Teile der rund 77 Millionen Sammlungsobjekte sind noch nicht digital erschlossen. Fehlende finanzielle Mittel, mangelnde personelle Ressourcen und fehlendes technisches Know-how stellen erhebliche Hürden dar. Zugleich wächst mit der Digitalisierung die Verantwortung für die Langzeitarchivierung digitalen Kulturerbes – von Born-digital-Kunst über 3D-Scans bis hin zu digitalen Ausstellungsdokumentationen.

Dabei stellen sich im Hinblick auf die nächste Kulturbotschaft verschiedene Fragen.

Der Bundesrat wird daher gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Wie beurteilt der Bundesrat den aktuellen Stand der Digitalisierung in Schweizer Museen? Liegen Daten darüber vor, welcher Anteil der Sammlungsbestände bereits digital erschlossen ist und welche Mittel für die Grunddigitalisierung in der Periode 2029–2032 erforderlich wären?

  2. Ist der Bundesrat bereit zusätzliche Finanzmittel für KI-Infrastruktur und Pilotprojekte im Museumsbereich bereitzustellen, namentlich für KI-gestützte Sammlungserschliessung, Provenienzforschung mit KI-Unterstützung, KI-Ethik-Leitlinien sowie Weiterbildungsprogramme für Museumsschaffende?

  3. Sieht der Bundesrat vor, Museen und andere Kulturerbe-Institutionen bei Diskussionen über digitale Souveränität explizit einzubeziehen, um Abhängigkeiten von ausländischen Anbietern für Datenbanken und Speicherplatz zu reduzieren?

  4. Welche Massnahmen plant der Bundesrat, um eine nationale Infrastruktur für die Langzeitarchivierung digitalisiertes Kulturerbes aufzubauen? Ist er bereit, hierfür in der Kulturbotschaft 2029–2032 Mittel einzustellen?

  5. Ist der Bundesrat bereit, den Aufbau einer nationalen Koordinationsplattform für den Erfahrungsaustausch im Bereich Digitalisierung und KI für mobiles Kulturgut (Museen, Bibliotheken, Archive) zu unterstützen?

Stellungnahme des Bundesrates

Der Bundesrat misst der Digitalisierung der Museen auch unter dem Aspekt der kulturellen Vielfalt und Souveränität grosse Bedeutung bei, insbesondere im Hinblick auf die Verfügbarkeit und langfristige Nutzbarkeit digital auffindbarer Daten. Das Bundesamt für Kultur erarbeitet derzeit eine Kulturerbe-Strategie, gestützt auf das Kulturerbe-Konzept des Nationalen Kulturdialogs und der Faro-Konvention. Sie soll auch dazu beitragen, zentrale Herausforderungen im Umgang mit dem Kulturerbe, einschliesslich der digitalen Transformation und der Infrastrukturen, zu identifizieren und zu strukturieren. Der Bundesrat stellt fest, dass in den Museen Digitalisierungsvorhaben umgesetzt werden, insbesondere in der Sammlungserschliessung, Vermittlung und Provenienzforschung. Eine gesamtschweizerische Beurteilung des Stands der Digitalisierung ist derzeit nicht möglich. Im Rahmen der Museumsstatistik werden aber erste Daten erhoben. Sie sollen Ende Jahr vorliegen. Entsprechend lässt sich der Mittelbedarf derzeit noch nicht verlässlich beziffern. Der Bundesrat anerkennt das Potenzial von KI-Anwendungen für die Museumsarbeit, insbesondere in der Sammlungserschliessung, Vermittlung und Analyse grosser Datenbestände, aber auch für die Provenienzforschung. Der Einsatz hat im Rahmen der geltenden rechtlichen und fachlichen Standards zu erfolgen. Im laufenden «KI-Dialog Kultur: Branchenkonsultation», einem Austauschformat zwischen Bund und Akteurinnen und Akteuren der Kulturbranche, wird derzeit an ersten Grundlagen für KI-Ethik-Leitlinien gearbeitet. Der Bundesrat wird im Hinblick auf die nächste Kulturbotschaft prüfen, ob entsprechende Entwicklungen unterstützt werden können. Der Bundesrat teilt die Auffassung, dass Fragen der digitalen Souveränität auch für den Kulturerbe-Bereich relevant sind, insbesondere hinsichtlich der Auffindbarkeit, Interoperabilität, offener Standards, Datenportabilität und Informationssicherheit. Die Bedürfnisse von Museen und anderen Kulturerbe-Institutionen sollen in die entsprechenden Arbeiten des Bundes zur digitalen Souveränität einbezogen werden, auch in Abstimmung mit dem Kulturgüterschutz. Dabei geht es insbesondere um die Reduktion von Abhängigkeiten und die Sicherstellung von tragfähigen, langfristig nutzbaren Lösungen zum Erhalt der kulturellen Vielfalt und Souveränität. Eine eigenständige sektorielle Strategie für Museen ist nicht vorgesehen. Die Langzeitarchivierung digitaler Kulturgüter betrifft sowohl digitalisierte Bestände als auch genuin digitale Kulturgüter. Die Zuständigkeit liegt grundsätzlich bei den jeweiligen Trägerschaften. Der Bundesrat wird den Handlungsbedarf im Hinblick auf die nächste Kulturbotschaft prüfen, insbesondere bezüglich der Koordination und Nutzung bestehender Infrastrukturen und Kompetenzen sowie der damit verbundenen Kostenfolgen. Der Bundesrat misst dem Erfahrungsaustausch zwischen Museen, Bibliotheken und Archiven grosse Bedeutung bei. Im Bereich der Digitalisierung und der KI können der Austausch bewährter Praktiken sowie die nationale und internationale Zusammenarbeit zu Standards, Methoden und Tools wesentlich zur Effizienz beitragen. Der Bundesrat ist grundsätzlich offen für Vorhaben mit gesamtschweizerischem Mehrwert, die auf bestehenden Strukturen aufbauen. Ob dafür neue Plattformen geschaffen oder bestehende Netzwerke gestärkt werden sollen, wird im Einzelfall geprüft.