RRB Nr. 280/2024
Anfrage Edith Häusler, Kilchberg, und Tobias Mani, Wädenswil, betreffend Mehrverkehr und Schoggi-Schiff zum Zweiten, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 8/2024
Sitzung vom 20. März 2024
280. Anfrage (Mehrverkehr und Schoggi-Schiff zum Zweiten) Kantonsrätin Edith Häusler, Kilchberg, und Kantonsrat Tobias Mani, Wädenswil, haben am 8. Januar 2024 folgende Anfrage eingereicht: Seit November 2020 ist das Lindt & Sprüngli Museum für Besucher geöffnet und mittlerweile ein fester Bestandteil von Zürich Tourismus. Gemäss neusten Zahlen zu den Fahrgastzahlen Bus Linie 165 von Zürich Bürkliplatz nach Kilchberg, Lindt & Sprüngli, zeigt sich nun, dass die angenommen Passagierzahlen von 2018 nicht der Wirklichkeit entsprechen. Seit Eröffnung sind rund eine Million Besucher:innen nach Kilchberg gepilgert. Die Ortsbuslinie 162 weist eine Mehrauslastung von 93% und die Linie 163 von 78% aus. Die ZVV hat zwar endlich reagiert und an den Samstagen den Busfahrplan vom Bürkliplatz nach Kilchberg angepasst. Diese Massnahme reicht aber nicht aus. Mit der Anfrage 163/2018 von Tobias Mani wurde gefordert, dass der entsprechende Mehrverkehr qualitativ hochstehend gelöst und vor allem die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr möglichst attraktiv ausgestaltet wird. Auch wurden vermehrte (attraktive) Schiffsverbindungen («Schoggi-Schiff») angeregt. Die Antworten der Regierung waren nicht befriedigend, und wie sich nun zeigt, sind die Bedenken mehr als berechtigt. Gemäss Antwort der Regierung von 2018 könnten geeignete Massnahmen diskutiert werden, falls die Besucherströme und insbesondere deren Tages- und Wochenverlauf zu Engpässen beim Angebot führen. In diesem Zusammenhang bitten wir den Regierungsrat nun um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Erwägungen
1. Die Regierung führt aus, dass der Anteil des öffentlichen Verkehrs (öV) am Modal Split wie folgt aussehen soll: 30% bei den Mitarbeitenden, 25% bei den Besucherinnen und Besuchern der Läden und 30% bei den Besucherinnen und Besuchern des Museums. Wie sieht der Modalsplit 2023 aus?
2. Welche der damals in Aussicht gestellten Massnahmen wurden umgesetzt, welche nicht? Wurden Kombitickets eingeführt? Welche Massennahmen sollen in Bezug auf die hohen Besucherströme in Zukunft umgesetzt werden?
3. Die Veloverbindung auf der Seestrasse ist im regionalen Richtplan zwar eingetragen, aber unter der Woche im dichten Verkehrsaufkommen für velobegeisterte Touristen nicht attraktiv. Welche schnellen Massnahmen könnten hier zur erhöhten Sicherheit beitragen?
4. Welche Möglichkeiten sehen Sie für eine Einführung eines Schiffskurses mit erhöhter Fahrfrequenz und ganzjährigem Fahrplan? Sieht der Regierungsrat ein touristisches Potential mit einer verbesserten Schiffsanbindung inkl. Vermarktung?
Dispositiv
Auf Antrag der Volkswirtschaftsdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Edith Häusler, Kilchberg, und Tobias Mani, Wädenswil, wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: 2023 reisten gemäss Angaben der Gemeinde Kilchberg rund 30% der Besuchenden sowie der Mitarbeitenden mit dem Auto und rund 70% mit dem öffentlichen Verkehr an. Dies ist auch aus der Mehrauslastung der verschiedenen Verbindungen des öffentlichen Verkehrs ersichtlich. Der angestrebte Modalsplit wurde somit weit übertroffen. Eine darüber hinausgehende Statistik wird vom Regierungsrat nicht erhoben. Zu Frage 2: Unter den in Aussicht gestellten Massnahmen sind die Massnahmen des Mobilitätskonzepts der «Lindt Chocolate Competence Foundation» von September 2016 zu verstehen, wie sie in der Beantwortung der Anfrage KR-Nr. 163/2018 betreffend Freie Fahrt für den Schoggibus und das Schoggischiff (RRB Nr. 821/2018, Seite 3) erwähnt werden. Grundsätzlich gilt das «Lindt Home of Chocolate» mit einer Distanz von rund 600 m Luftlinie bis zum Bahnhof Kilchberg im Sinne von § 4 der Verordnung über das Angebot in öffentlichen Personenverkehr (LS 740.3) als durch den öffentlichen Verkehr erschlossen. Am Bahnhof Kilchberg verkehren die S-Bahn-Linien S8 und S24 im Halbstundentakt, wobei sie sich dank der optimalen Fahrplanlage jeweils im Viertelstundentakt abwechseln. Zusätzlich halten die Buslinien 163 und 165 in unmittelbarer Nähe zum Areal des «Lindt Home of Chocolate». Die Ortsbuslinie 163 (Kilchberg, Bahnhof – Lindt & Sprüngli – Schlimbergstrasse) wurde bereits mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2022 zu einem durchgehenden Halbstundentakt verdichtet und mit dem ebenfalls halbstündlich verkehrenden Sonntagsbetrieb ergänzt. Die Nachfrage auf der Linie 165 (Zürich, Bürkliplatz – Rüschlikon, Park im Grüene) ist 2023 gegenüber 2022 um rund 30% gestiegen, wobei ein Teil der Nachfrageentwicklung auf die steigende Zahl der Besuchenden des «Lindt Home of Chocolate», insbesondere an den Wochenenden, zurückzuführen ist. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, wurde mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 die Linie 165 auf dem Abschnitt Zürich, Bürkliplatz, bis Kilchberg, Lindt & Sprüngli, jeweils an den Wochenenden zwi schen 10 Uhr und 19 Uhr auf vier Fahrten pro Stunde verdichtet, was einer Verdopplung des Angebots entspricht. Im Rahmen des laufenden Fahrplanverfahrens 2025/2026 werden sodann weitere Taktverdichtungen auf der Linie 165 geprüft.
RailAway bietet zudem ein Kombiticket mit 10% Rabatt auf den Museumseintritt und 20% Rabatt auf die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr an. Seitens öffentlichen Verkehrs ist geplant, die Kombitickets preislich noch attraktiver zu gestalten. Entsprechende Vereinbarungen werden zurzeit verhandelt. Der in RRB Nr. 821/2018 (S. 3) erwähnte Multifunktionsstreifen auf der Seestrasse zwecks einer verkehrssicheren Erschliessung wurde umgesetzt. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Standort des «Lindt Home of Chocolate» durch den öffentlichen Verkehr sehr gut erschlossen ist und die erforderlichen, in der Zuständigkeit des Kantons liegenden, Massnahmen umgesetzt wurden. Zudem kann das Angebot des öffentlichen Verkehrs im Rahmen der bestehenden Abläufe und Verantwortlichkeiten bei Bedarf adäquat an die Entwicklung des Besucheraufkommens des «Lindt Home of Chocolate» angepasst werden. Die weiteren Massnahmen gemäss dem Mobilitätskonzept von September 2016 liegen nicht in der Zuständigkeit des Kantons, weshalb der Regierungsrat zum Umsetzungstand keine Angaben machen kann. Zu Frage 3: Auf der Seestrasse verläuft eine kantonale Velo-Nebenverbindung, die im regionalen Richtplan enthalten ist. Die bestehenden Radstreifen sind gemäss heutiger Beurteilung zu schmal (1,25 m) und die Querungs- und Abbiegehilfen für den Veloverkehr in das Areal der Lindt & Sprüngli AG nicht vorhanden. Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit auf dem Strassenabschnitt beträgt 50 km/h. Die Erreichbarkeit des Museums ist für Velofahrende durch diese Umstände momentan in der Tat erschwert. Verbesserungen, namentlich die Verbreiterung der Radstreifen auf der Seestrasse und die Vereinfachung des Abbiegens, sind vorgesehen. Das Tiefbauamt trifft derzeit entsprechende Abklärungen. Zu Frage 4: Im Rahmen des nächsten Fahrplanverfahrens wird das Angebot der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft grundsätzlich geprüft. Eine Anpassung hat in jedem Fall in Übereinstimmung mit der geltenden Strategie des ZVV zu erfolgen, unabhängig davon, ob es sich um eine Änderung an der Linienführung bestehender Schiffskurse, um die Einführung von neuen Schiffskursen oder – wie vorliegend angefragt, – um die Lancierung eines «Schoggi-Schiffes» handelt. Es besteht sodann immer die Möglichkeit, dass Dritte auf eigene Kosten eine Angebotserweiterung gemäss § 20 des Gesetzes über den öffentlichen Personenverkehr (LS 740.1)
bestellen.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Volkswirtschaftsdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli