25.3946

Schuldangemessene Gesamtstrafen

Christ Katja · 1VP-F · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion

Antrag der Mehrheit

Annahme der Motion

Antrag der Minderheit

(Dandrès, Arslan, Funiciello, Gaillard Benoît, Jaccoud, Mahaim, Schmezer, Schneider Meret)

Ablehnung von Ziffer 2 der Motion

Proposition de la majorité

Adopter la motion

Proposition de la minorité

(Dandrès, Arslan, Funiciello, Gaillard Benoît, Jaccoud, Mahaim, Schmezer, Schneider Meret)

Rejeter le chiffre 2 de la motion

Präsidentin (Christ Katja, erste Vizepräsidentin): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.

Gianini Simone · Mit-M · Nationalrat · Tessin · FDP-Liberale Fraktion

La vostra Commissione degli affari giuridici (CAG-N) ha esaminato la mozione 25.3946, "Pene uniche commisurate alla colpa", della commissione omologa del Consiglio degli Stati. Il Consiglio degli Stati l'ha accolta senza opposizione, così come il Consiglio federale ne propone l'adozione. Anche la maggioranza della CAG-N vi invita ad accoglierla nel suo intero.

La mozione parte da una costatazione concreta. In due situazioni specifiche, il sistema attuale della pena unica può portare a risultati che non sono compatibili con una corretta commisurazione della pena. La mozione non mira a una riforma strutturale del diritto penale, bensì ad apportare due correttivi mirati che rispondono a problemi reali emersi nella pratica.

Il primo problema riguarda la pena unica in caso di recidiva durante il periodo di prova. Quando una persona beneficia di una sospensione condizionale della pena e, durante il periodo di prova, commette un nuovo reato, il giudice deve oggi combinare la pena precedente con quella nuova in una pena unica, sottoposta ai propri massimi di legge. Ciò può condurre a uno sgravio del condannato, indipendentemente dalla sua vera colpa per il primo e per il secondo reato. Il problema è chiaro. La nuova pena non si aggiunge integralmente alla precedente, ma viene assorbita nel calcolo complessivo. In determinate situazioni il risultato conduce a una sanzione più favorevole di quanto sarebbe giustificato, considerando separatamente i due comportamenti penalmente rilevanti. In altre parole, chi viola la fiducia accordata con la sospensione condizionale può ottenere, paradossalmente, per effetto di un automatismo tecnico, uno sconto di pena non giustificato.

Questo non è coerente con la logica del sistema ed è incomprensibile per le vittime, tanto da essere criticata non solo da parte del Tribunale federale e dalla dottrina, ma anche dal Consiglio federale nel suo rapporto del 6 dicembre 2024 in adempimento del postulato 20.3009, anch'esso della Commissione degli affari giuridici del Consiglio degli Stati.

La mozione propone quindi che in questi casi non si formi più una pena unica, ma si pronunci una pena separata per il nuovo reato, da aggiungere a quella già pronunciata per quello precedente.

Il secondo problema è quello del massimo della pena unica in caso di concorso di reati. Per le pene pecuniarie esiste un limite massimo di 180 aliquote giornaliere. Una volta raggiunto questo tetto, ulteriori reati non incidono più realmente sulla pena complessiva. Superata quella soglia, il sistema non riflette oggi più adeguatamente il numero e la gravità delle infrazioni commesse, che vengono assorbiti nella pena massima già raggiunta. Pure questo caso non è convincente dal punto di vista della proporzionalità e della risposta alle vittime dei reati continuati o in concorso tra di essi.

La mozione chiede quindi al Consiglio federale di proporre una soluzione che permetta di evitare anche questa distorsione. Ciò che una minoranza della commissione chiede invece di espungere dall'oggetto della mozione. A tal proposito, la maggioranza della commissione osserva che non è in discussione un aumento della severità delle pene, bensì il corretto funzionamento del sistema sanzionatorio, che deve rispecchiare l'effettiva colpa del reo e che la mozione chiede giustamente al Consiglio federale di correggere, presentando una proposta ponderata e tecnicamente fattibile relativamente ad entrambi i punti sopra descritti.

Per queste ragioni, a nome della maggioranza della vostra Commissione degli affari giuridici, vi invito ad accogliere la mozione seguendo il Consiglio degli Stati che l'ha già approvata.

Bregy Philipp Matthias · Mit-M · Nationalrat · Wallis · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Manchmal ist das Leben ungerecht. Auch wenn ich das Gleiche sage wie Kollege Gianini, wird es nur halb so gut tönen wie in seiner italienischen Sprache. Ich hoffe aber, dass Sie wenigstens auf Deutsch etwas verstehen. Mir ging es zumindest so, dass ich vom Italienischen nicht sehr viel verstanden habe.

Spass beiseite. Wir sind hier beim Thema der schuldangemessenen Gesamtstrafen. Auch wenn es nicht so gut tönt wie auf Italienisch, der Inhalt ist der gleiche. Am 8. Januar 2026 hat Ihre Kommission für Rechtsfragen diese Motion der Schwesterkommission geprüft. Es geht darum, dass man im Strafrecht schuldangemessene Gesamtstrafen verankern will. Ihre Kommission ist mit 16 zu 7 Stimmen zur Überzeugung gelangt, dass man Ziffer 2 der Motion annehmen soll. Ziffer 1 wurde sogar ohne Gegenantrag angenommen.

Zum Gegenantrag bezüglich Ziffer 2: Die Minderheit wird von Herrn Dandrès angeführt. Ich überlasse es gerne ihm, hier detaillierte Ausführungen zu machen. Einfach, damit Sie die Relationen sehen: Der Bundesrat beantragt Annahme der Motion, und der Ständerat hat ihr einstimmig zugestimmt.

Es geht um die Gesamtstrafe, wenn man wegen mehrerer Taten, einer sogenannten Tatmehrheit, verurteilt wird. Es geht grundsätzlich um das Asperationsprinzip gemäss Artikel 49 StGB. Was heisst das? Das heisst, dass das Gericht nicht einfach die Strafen für alle begangenen Straftaten zusammenzählt, sondern das Strafmass für die höchste Strafe nimmt und es für jede weitere Straftat angemessen erhöht. Diese Erhöhung darf aber nicht um mehr als die Hälfte über das gesetzliche Höchstmass der angedrohten Strafe hinausgehen. Sie darf insbesondere bei einer Geldstrafe nicht über die 180 Tagessätze hinausgehen. Das klingt ziemlich technisch, aber kurz zusammengefasst ist es ganz einfach: Sie fahren, wenn Sie mehrere Straftaten begangen haben, im Schnitt besser, wenn diese vom Gericht gleichzeitig beurteilt werden, als wenn Sie für jede Straftat einzeln verurteilt worden wären.

Was hat jetzt der Ständerat gemacht? Er hat zwei Dinge gemacht. Er hat gesagt, wenn sich jemand während der Probezeit nicht bewährt, dann soll man anschliessend keine Gesamtstrafe mehr bilden, also nicht nach diesem Prinzip vorgehen. Sie wissen, was eine Probezeit ist. Wer verurteilt worden ist, muss sich während einer gewissen Zeit bewähren, sonst wird die Strafe, insbesondere wenn sie bedingt ist, umgesetzt - respektive, wenn während dieser Zeit eine neue Straftat begangen wird, kann diese mit einer Gesamtstrafe, wie ich es oben erklärt habe, geahndet werden.

Das führt dazu, dass gerade Wiederholungstäter in der Probezeit oftmals besser fahren, als wenn die Sanktionierung beider Straftaten einzeln beantragt würde. Es kann aber nicht sein, dass jemand, der während der Probezeit schon wieder delinquiert, quasi einen Rabatt für rückfällige Täter erhält. Das hat der Ständerat richtig erkannt, und Ihre Kommission hat einstimmig beschlossen, dass es bei Nichtbewährung während der Probezeit keine Gesamtstrafe mehr geben soll.

Aber - das ist entscheidend, und diesbezüglich gibt es die Minderheit Dandrès und keine Einigkeit in unserer Kommission - auch für das Zusammentreffen mehrerer Straftaten sollen im folgenden Prozess Lösungen unterbreitet werden, damit die Gesamtstrafe nicht schuldunangemessen ist; zukünftig soll sie schuldangemessen sein. Ich habe hier insbesondere das Beispiel mit den 180 Tagessätzen genannt. Es kann nicht sein, dass das Strafmass, wenn jemand mehrere Straftaten begeht, auf 180 Tagessätze begrenzt ist und dieser Person so quasi ein Rabatt für vielfältiges gleichzeitiges, wenn auch kleinkriminelles Delinquieren gewährt wird.

Die Mehrheit Ihrer Kommission für Rechtsfragen ist klar der Meinung, dass in der Probezeit rückfällige Straftäter und solche, die mehrere Straftaten begangen haben, die nicht angemessen bestraft werden, zukünftig nicht mehr von diesem Umstand profitieren, sondern schuldangemessen bestraft werden sollen. Der Ständerat ist in die richtige Richtung gegangen, die Mehrheit Ihrer Kommission tut es auch und der Bundesrat ebenso.

In diesem Sinne danke ich Ihnen, wenn Sie die Motion ebenfalls annehmen und den Antrag der Minderheit Dandrès ablehnen.

Dandrès Christian · Mit-M · Nationalrat · Genf · Sozialdemokratische Fraktion

Si vous ne l'avez pas constaté, je dois vous prévenir que la thématique est assez indigeste. En fait, la question concerne la peine qui est encourue lorsqu'un délinquant commet plusieurs infractions. Aujourd'hui, selon le droit en vigueur, la loi prévoit un mécanisme de peines d'ensemble. Avec la proposition du Conseil des États, deux cas de figure sont visés. Dans le premier, un délinquant commet plusieurs infractions. Dans ce cas, le juge n'additionnera pas les peines, mais fixera une peine d'ensemble adaptée à la faute, mais il sera limité par le plafond du type de peine. Si c'est une infraction dont la peine pécuniaire est de 180 jours-amende au plus, il ne pourra pas aller au-delà du plafond de 180 jours-amende. Dans le deuxième cas de figure - qui est problématique pour le groupe socialiste comme pour la majorité de la commission -, le délinquant est condamné à une peine avec sursis. Il a un délai d'épreuve, mais durant le délai d'épreuve, il commet une nouvelle infraction, qui est sanctionnée par le même type de sanction. Selon le droit en vigueur, le juge doit lever le sursis et fixer une peine d'ensemble, mais il est lié par le maximum du type de la peine ; si c'est une peine pécuniaire, il ne peut pas aller au-delà des 180 jours-amende.

Le Conseil des États note que si l'on sanctionnait ces infractions indépendamment les unes des autres, on pourrait dépasser le plafond de 180 jours. Il serait problématique, avec la peine d'ensemble, de ne pas pouvoir le faire, et on serait dans une situation où la peine ne serait pas adaptée à la culpabilité, à la faute du délinquant.

Le groupe socialiste n'est pas favorable à la suppression de la peine d'ensemble, mais il doit constater, avec le Conseil des États, que la solution qui existe aujourd'hui selon le droit en vigueur, en cas de récidive durant le délai d'épreuve, n'est pas cohérente avec le régime des peines. Très objectivement, la faute du délinquant qui récidive durant le temps d'épreuve est beaucoup plus lourde que s'il le faisait avant la condamnation. De même, le droit en vigueur introduit une différence de traitement entre celui qui récidive pendant le délai d'épreuve et celui qui récidive après la fin du délai d'épreuve. Le premier serait traité plus favorablement alors même qu'il agit mal pendant le délai d'épreuve, puisqu'il va bénéficier d'une peine d'ensemble alors que la faute est plus lourde. Objectivement, c'est un problème.

Sur le fond, le Conseil des États n'a pas raison lorsqu'il postule que le délinquant adoptera un comportement rationnel fondé sur une connaissance très approfondie de la partie générale du code pénal et que, lorsqu'il s'apprêtera à commettre une infraction, il se dira qu'elle sera sanctionnée par une peine maximale de 180 jours-amende et que du coup, avec le mécanisme de la peine d'ensemble, il pourra "gratuitement" en commettre une deuxième sans risquer une peine plus lourde. Ce n'est pas comme cela que réfléchit un délinquant. Toutefois, on doit, en tant que législateur, assurer une cohérence au système des peines. C'est pour cela que le groupe socialiste est d'accord d'accepter de revoir l'article 46 du code pénal. C'est le chiffre 1 de la proposition qui est sur la table. En revanche, il refuse de revoir les peines d'ensemble en cas de récidive. En effet, on doit garder toujours une certaine cohérence, et sortir du maximum de la peine prévue pour l'infraction type mettrait à mal cette cohérence.

C'est la raison pour laquelle, avec ma minorité, je propose de rejeter le chiffre 2 et une révision générale.

On a besoin d'une certaine stabilité. Le premier chiffre concerne quelque chose que le législateur de 2015 n'avait probablement pas vu. Le Tribunal fédéral l'a dit, le Conseil fédéral l'a dit et la doctrine l'a dit, il est donc justifié de ne pas laisser la situation en plan. Le deuxième chiffre vise une révision beaucoup plus profonde du système des peines pour alourdir des peines dans des situations de concours d'infraction. Cela n'est évidemment pas souhaitable à ce stade.

Jans Beat · BR-M · Bundesrat · Basel-Stadt

Der Bundesrat beantragt die Annahme der Motion, weil er im bereits vorliegenden Bericht in Erfüllung des Postulates 20.3009 genau darauf hingewiesen hat, dass wir bei der Gerechtigkeit der Strafen ein Problem haben.

Der Kommissionssprecher hat den Begriff "Rabatt" gebraucht. Ich finde das sehr treffend. Wenn jemand während der Probezeit rückfällig wird, wird er im Zusammenhang mit einer Gesamtstrafe in bestimmten Fällen bevorzugt behandelt; es sind wahrscheinlich weniger Fälle als jene, die eine Gesamtstrafe vollständig verbüssen müssen. Die ständerätliche Kommission hat tatsächlich noch ein weiteres Problem gefunden: In Fällen, in denen eine Gesamtgeldstrafe höher ist als 180 Tagessätze, kann eine Bevorzugung auch durch diese Limite bestehen.

Deshalb besteht hier aus Sicht des Bundesrates Handlungsbedarf, sodass der Bundesrat Sie bittet, der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen und die Motion anzunehmen.

Abstimmung

Präsidentin (Christ Katja, erste Vizepräsidentin): Die Mehrheit der Kommission und der Bundesrat beantragen die Annahme der Motion. Eine Minderheit Dandrès beantragt die Ablehnung von Ziffer 2 der Motion.

Ziff. 1 - Ch. 1

Angenommen - Adopté

Ziff. 2 - Ch. 2

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 131 Stimmen

Dagegen ... 60 Stimmen

(0 Enthaltungen)