26.9013
Session extraordinaire. Poursuite pénale
Engler Stefan · P-M · Conseil des Etats · Grisons · Le Groupe du Centre. Le Centre. PEV.
Präsident (Engler Stefan, Präsident): Ich eröffne die ausserordentliche Session zum Thema "Strafverfolgung", welche mit Schreiben vom 13. Februar 2026 von über fünfzig Mitgliedern der FDP-Fraktion, der Mitte-Fraktion und der Grünliberalen Fraktion zur Behandlung gleichlautender Vorstösse in beiden Räten verlangt wurde.
Gegenstand der ausserordentlichen Session sind im Ständerat die Motion Moser 25.4640, "Weniger Bürokratie bei Mehrfachtätern ohne ordentlichen Wohnsitz- oder Aufenthaltsstatus. Effiziente Strafverfolgung ermöglichen", die Motion Juillard 25.4774, "Gewalttätiger Extremismus bei Demonstrationen. Veranstalter sollen die Kosten übernehmen", die Motion Moser 25.4718, "Verstärkung an der Front der Strafverfolgung gegen Geldwäsche, Cybercrime und organisierte sowie grenzüberschreitende Kriminalität", und die Motion Gössi 25.4593, "Stopp dem Gewaltextremismus. Die vorläufige Festnahme ist auf 48 Stunden zu verlängern".
Wir führen eine gemeinsame Debatte zu diesen vier Motionen.
Moser Tiana Angelina · Mit-F · Conseil des Etats · Zurich · Groupe vert'libéral
Kriminalitätsstatistiken zählen Delikte und nicht Täter. Dadurch entsteht oft ein verzerrtes Bild. Kriminologische Studien zeigen jedoch klar, dass ein relativ kleiner Teil der Täter für einen grossen Anteil der Straftaten verantwortlich ist. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 5 bis 10 Prozent der Täter fast die Hälfte aller Delikte begehen. Gerade bei Eigentumsdelikten wie Diebstahl oder Einbruch können einzelne Täter in kurzer Zeit Dutzende Straftaten begehen. Wenn es uns gelingt, die Strafverfolgung bei solchen Serien- und Mehrfachtätern effizienter zu gestalten, kann dies einen überproportional grossen Effekt auf die Kriminalitätsbekämpfung haben.
Die heutige Strafprozessordnung (StPO) enthält in Artikel 29 einen sogenannten Konzentrationsgrundsatz. Wenn mehrere Personen gemeinsam delinquieren, soll grundsätzlich eine Staatsanwaltschaft das gesamte Verfahren führen. Dieser Grundsatz ist sinnvoll, da er Doppelspurigkeiten verhindert und eine koordinierte Strafverfolgung ermöglicht. In bestimmten Konstellationen führt er jedoch zu erheblichen praktischen Problemen. Das ist besonders bei sogenannten Mehrfachtätern ohne festen Wohnsitz der Fall, die zudem in wechselnden Tätergruppierungen und in verschiedenen Kantonen kriminell werden. Nach geltendem Recht müssen in solchen Fällen sämtliche Verfahren häufig in einem einzigen Kanton gesammelt und anschliessend an jene Staatsanwaltschaft überwiesen werden, die das erste Verfahren eröffnet hat. (Zwischenruf des Präsidenten: Darf ich um mehr Aufmerksamkeit für die Rednerin bitten?) Besten Dank, Herr Präsident. Aufgrund meiner Vergangenheit bin ich daran gewöhnt.
Mit der Motion verlange ich deshalb eine gezielte Anpassung der gesetzlichen Grundlagen, damit Verfahren in solchen Konstellationen einfacher getrennt und von den jeweils örtlich zuständigen Staatsanwaltschaften geführt werden können, sofern dies im Interesse der Verfahrensökonomie liegt.
Unsere Staatsanwaltschaften stehen heute unter erheblichem Druck. Die Fallzahlen steigen, und gleichzeitig werden die Verfahren immer komplexer, insbesondere bei mobiler und grenzüberschreitender Kriminalität. Gerade deshalb müssen wir dort, wo unnötige Bürokratie entsteht, die Verfahren vereinfachen - selbstverständlich unter voller Wahrung der rechtsstaatlichen Grundsätze.
In einer Anhörung wurde eindrücklich beschrieben, welche Schwierigkeiten die heutige Regelung in der Praxis verursacht. Es wurde erklärt, dass Artikel 29 StPO dazu verpflichtet, Verfahren gegen Einzeltäter oder Mitglieder einer Tätergruppierung aus verschiedenen Kantonen zwingend zu bündeln und durch eine einzige Staatsanwaltschaft führen zu lassen. Als Beispiel wurde ein Verfahren mit neun Einbrechern geschildert, die in fast allen Kantonen der Schweiz Delikte begangen hatten - es handelte sich um insgesamt rund 150 Einbruchdiebstähle. Bevor überhaupt mit der eigentlichen Strafverfolgung begonnen werden konnte, musste zuerst die Zuständigkeit zwischen den Kantonen geklärt werden. Diese Auseinandersetzung dauerte fast ein Jahr und musste schliesslich durch das Bundesstrafgericht entschieden werden. Das ist schlicht und einfach absurd. Solche Verfahren übersteigen die Kapazitäten vieler Staatsanwaltschaften, insbesondere jener in kleinen Kantonen.
Auch die Schweizerische Staatsanwaltschaftskonferenz weist darauf hin, dass Zuständigkeitsverfahren zwischen Kantonen in den letzten Jahren stark zugenommen haben und heute deutlich häufiger vorkommen als noch vor wenigen Jahren. Die Ressourcen fehlen dann dort, wo sie eigentlich gebraucht würden: bei der eigentlichen Strafverfolgung. Am Ende verzögert sich nicht nur das Verfahren, es verzögert sich auch die Verurteilung und damit die Sanktion. Gerade bei Tätern ohne stabilen Aufenthaltsstatus ist das besonders problematisch, weil damit auch Massnahmen wie eine Landesverweisung erst später oder gar nicht umgesetzt werden können. Es handelt sich um Personen, die ganz gezielt unser System ausnützen. Mit anderen Worten, eine Regel, die eigentlich Effizienz schaffen sollte, führt faktisch zu mehr Bürokratie und zu längeren Verfahren.
Die Motion verlangt keine grundlegende Reform der Strafprozessordnung, sie schlägt vielmehr eine pragmatische und gezielte Anpassung vor. Die Bündelung von Verfahren bleibt weiterhin der Regelfall. In klar definierten Konstellationen soll jedoch eine Ausnahme bei den mobilen Tätergruppen mit wechselnder Zusammensetzung und ohne festen Wohnsitz möglich sein. In solchen Fällen soll es möglich sein, Verfahren früher zu trennen und durch die jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften führen zu lassen. Das Ziel ist, weniger überdimensionierte Sammelverfahren, dafür mehrere schlankere Verfahren, die schneller abgeschlossen werden können, zu führen.
Ich danke dem Bundesrat, dass er meine Motion zur Annahme beantragt, und bin Ihnen ebenfalls dankbar für Ihre Zustimmung.
Juillard Charles · Mit-M · Conseil des Etats · Jura · Le Groupe du Centre. Le Centre. PEV.
Certaines manifestations récentes, notamment celle du 11 octobre à Berne, ont été marquées par des actes de violence commis par des groupes extrémistes mettant en danger la population civile et entraînant d'importantes interventions des forces de sécurité. La prévention de ces débordements et la protection de la population ont nécessité la mobilisation de moyens policiers conséquents, impliquant des coûts significatifs pour les collectivités publiques. Dans de telles situations, il apparaît légitime de s'interroger sur la répartition de ces coûts et sur la responsabilité des organisateurs.
La motion vise à ce que le Conseil fédéral prévoie une base légale fédérale permettant aux collectivités publiques de percevoir auprès des organisateurs d'une manifestation tout ou partie des frais de sécurité et d'intervention. Cela concerne principalement les manifestations non autorisées ou celles qui ont été préalablement autorisées, mais qui ont dégénéré. Le droit de manifester constitue évidemment un droit fondamental et doit être garanti - ce n'est pas un représentant jurassien qui va vous dire le contraire. Dans ce cadre, la responsabilité du maintien de l'ordre et de la sécurité publique incombe naturellement aux autorités, en particulier à la police cantonale ou communale. Il ne s'agit pas de remettre en cause cette responsabilité ni de déléguer cette mission au secteur privé. Toutefois, lorsque des manifestations dégénèrent ou lorsque les prescriptions de sécurité ne sont pas respectées, il apparaît difficilement justifiable que l'ensemble des contribuables doivent supporter les coûts engendrés. Le principe proposé vise précisément à responsabiliser les organisateurs. Ceux-ci doivent être en mesure de prévoir des mesures de sécurité adéquates et d'anticiper les risques liés à l'organisation d'un rassemblement public. Lorsque ces mesures font défaut ou lorsque des manifestations sont organisées sans autorisation et entraînent l'intervention des forces de sécurité, il doit être possible, pour les cantons et les communes, de mettre tout ou partie des coûts à la charge des organisateurs. Ce principe devrait s'appliquer aussi bien aux manifestations non autorisées qu'aux manifestations autorisées lors desquelles les prescriptions de sécurité ne sont pas respectées.
Actuellement, la situation juridique varie fortement d'un canton à l'autre. Certains cantons disposent de bases légales permettant de facturer une partie des coûts aux organisateurs, tandis que d'autres ne le peuvent pas ou voient leurs décisions contestées devant les tribunaux, comme l'a montré récemment un exemple fribourgeois. Cette hétérogénéité crée une insécurité juridique et des pratiques divergentes, ce qui pourrait aussi inciter au tourisme des manifestations. Des cantons comme Zurich ou Berne ont mis en place des mécanismes permettant de facturer certaines interventions, alors que dans d'autres cantons les tribunaux ont estimé qu'une telle facturation ne reposait pas sur une base légale suffisante. Or, le droit de manifester étant garanti sur le plan fédéral, il apparaît cohérent que les conditions dans lesquelles des frais peuvent être imputés aux organisateurs reposent également sur une base légale claire sur le plan fédéral. Une telle base légale n'aurait pas nécessairement pour objectif de remplacer les réglementations cantonales, mais de fournir un cadre juridique harmonisé permettant aux cantons et aux communes d'agir avec une sécurité juridique et d'éviter que leurs décisions soient systématiquement contestées pour des motifs constitutionnels.
La pratique actuelle montre d'ailleurs l'existence d'approches très différentes. Certains cantons prévoient explicitement dans leur législation policière la possibilité de facturer certaines prestations, tandis que d'autres appliquent des modalités variables selon les communes. Il en va d'ailleurs de même pour tout ce qui concerne les manifestations sportives. Les montants eux-mêmes peuvent varier sensiblement. Par exemple, certains cantons facturent environ 130 francs par heure et par policier, alors que d'autres vont jusqu'à 250 francs, avec des plafonds généralement fixés autour des 30 000 francs par intervention. Cette diversité illustre l'absence d'un cadre commun et renforce l'argument en faveur d'une clarification juridique.
Dans ce contexte, l'introduction d'une base légale claire permettant la facturation des coûts dans certaines situations constituerait un instrument de responsabilisation des organisateurs, tout en préservant pleinement l'exercice du droit de manifester. Elle permettrait également d'assurer une répartition plus équitable des charges entre la collectivité et les organisateurs, lorsque des manifestations entraînent des coûts importants en raison de débordements ou de non-respect des conditions de sécurité.
Il est intéressant de noter que dans sa prise de position, le Conseil fédéral ne s'interroge pas sur le fond. J'en déduis qu'il ne s'oppose pas non plus à la facturation des frais. Toutefois, il se retranche derrière la répartition des compétences entre la Confédération et les cantons. Certes, mais comme cela a été rappelé plus haut, le droit de réunion et de manifestation est prévu par la Constitution fédérale. Il me paraît donc normal qu'une limitation, même mineure, de ce droit soit réglementée, au moins dans un cadre général, au niveau fédéral. Enfin, le Conseil national a, lors de la première semaine de session, accepté à une très large majorité une motion identique.
Je vous invite à en faire de même.
Moser Tiana Angelina · Mit-F · Conseil des Etats · Zurich · Groupe vert'libéral
Die Motion verlangt eine gezielte Stärkung der Strafverfolgung auf Bundesebene, also konkret der Bundeskriminalpolizei und der Bundesanwaltschaft. Ziel ist es, sicherzustellen, dass komplexe Fälle von organisierter Kriminalität, Cybercrime und Wirtschaftskriminalität wirksam und zeitgerecht verfolgt werden können. Konkret fordert die Motion drei Dinge: Erstens fordert sie ein mehrjähriges Investitionsprogramm für digitale Ermittlung und Beweissicherung, insbesondere in den Bereichen digitale Forensik, verschlüsselte Kommunikation und Crypto-Assets. Zweitens fordert sie den gezielten Aufbau von spezialisierten Kompetenzen, damit die Strafverfolgungsbehörden mit der technologischen Entwicklung Schritt halten können. Drittens fordert sie eine verbindlich geregelte Zusammenarbeit zwischen der Bundeskriminalpolizei und der Bundesanwaltschaft, um Effizienzverluste zu vermeiden.
Warum ist das notwendig? Die Realität der Kriminalität hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Organisierte Kriminalität, Cybercrime und schwere Wirtschaftskriminalität sind komplexer, internationaler und vor allem auch digitaler geworden. Internationale Netzwerke agieren heute arbeitsteilig und grenzüberschreitend und nutzen gezielt verschlüsselte Kommunikation sowie digitale Finanzinstrumente wie Crypto-Assets. Die Strafverfolgung verschiebt sich damit weg von einzelnen Delikten, hin zu komplexen Netzwerken, digitalen Beweisen und internationalen Geldflüssen. Gleichzeitig zeigen Berichte der Aufsichtsbehörden und des Fedpol klar, dass nach wie vor ausreichende Ermittlungsressourcen und spezialisierte Kompetenzen fehlen. Die bereits beschlossenen personellen Aufstockungen sind wichtig, sie lösen aber nur einen Teil des Problems. Es geht nicht nur um Personal, sondern um die richtigen und passenden Fähigkeiten, die entsprechenden Instrumente und die Koordination. Die Motion setzt bei diesen strukturellen Schwächen an. Sie verlangt eine gezielte strategische Stärkung in diesen Bereichen.
Der Bundesrat teilt zwar die Problemanalyse und hat entsprechende Strategien verabschiedet. Er beantragt jedoch die Ablehnung der Motion, unter anderem mit dem Hinweis auf bestehende Massnahmen und institutionelle Grenzen gegenüber der Bundesanwaltschaft. Gerade weil die Problemanalyse unbestritten ist, braucht es jetzt aber einen klaren politischen Auftrag, um genau diese Lücken auch konsequent zu schliessen.
Die organisierte Kriminalität entwickelt sich schnell, international und technologisch, und ich bitte Sie deshalb, der Motion zuzustimmen.
Gössi Petra · Mit-F · Conseil des Etats · Schwyz · Groupe libéral-radical
Dieser Vorstoss entstand im Nachgang der Pro-Palästina-Kundgebungen in Bern vom vergangenen Oktober. Diese Kundgebungen - das wissen Sie - eskalierten. Es gab zahlreiche Festnahmen, Verletzte und Sachschäden in Millionenhöhe. Es zeigte sich, dass Grosskundgebungen mit Gewaltausbrüchen erhebliche personelle und forensische Ressourcen binden und zu umfangreichen Identitätsfeststellungen und temporären Festnahmen führen. Die Polizei stiess an ihre Grenzen.
Heute ist es so, dass Artikel 219 der Strafprozessordnung auf Bundesstufe das Vorgehen der Polizei bei einer vorläufigen Festnahme regelt. Absatz 4 hält fest: "Entlassung oder Zuführung erfolgen in jedem Falle spätestens nach 24 Stunden; ging der Festnahme eine Anhaltung voraus, so ist deren Dauer an die Frist anzurechnen." Mit diesem Vorstoss verlange ich nun, dass die heute auf 24 Stunden begrenzte Festnahme auf 48 Stunden auszuweiten sei.
Die Pro-Palästina-Kundgebung in Bern hat einen offensichtlichen Mangel der heutigen Regelung zum Vorschein gebracht. Die Festnahme während maximal 24 Stunden genügt nicht mehr. Sie ist zeitlich zu kurz; denn diese 24 Stunden stammen aus einer Zeit, in der digitale Beweismittel noch kaum eine Rolle gespielt haben. Im Vergleich zu früher werden die Kommunikationsmuster bei Massenveranstaltungen und bei Gewaltdelikten heute aber immer komplexer. Das heisst auch, dass die polizeiliche Abklärung zunehmend aufwendiger wird. Es müssen umfangreiche digitale Spuren gesichert und ausgewertet werden; Videomaterial muss gesichtet und Tatbeiträge müssen einzelnen Personen zugeordnet werden. Schon deshalb ist eine Verlängerung der vorläufigen Festnahme von 24 auf 48 Stunden notwendig.
Ermittlerinnen und Ermittler berichten denn auch regelmässig, dass wertvolle Hinweise verloren gehen, weil die Zeit fehlt, die Daten auszuwerten oder die Spuren abzugleichen. Zudem bietet eine solche Fristverlängerung eine klare Verfahrensgarantie, weil die 48 Stunden als Obergrenze zu verstehen sind. Ging der Festnahme eine Anhaltung voraus, so ist deren Dauer an die Frist anzurechnen. Es kann doch nicht sein, dass man Übeltäter nach 24 Stunden wieder laufen lassen muss, obschon zentrale Beweiserhebungen oder Zeugenbefragungen in dieser Zeit nicht durchgeführt werden konnten. Es ist frustrierend, wenn man Täterinnen und Täter laufenlassen muss, weil die Zeit für die Abklärung nicht ausreichend war.
Ich gehe davon aus, dass eine solche Massnahme auch eine gesellschaftliche Signalwirkung hätte. Wenn eine Person beispielsweise am Samstag bei einer Demonstration gewalttätig wird, ist sie mit der heutigen Regelung am Sonntag schon wieder auf freiem Fuss und steht dann am Montag womöglich unauffällig wieder an ihrem Arbeitsplatz oder besucht die nächste Vorlesung. Mit einer 48-Stunden-Regelung wäre das anders. Die Konsequenzen wären spürbar, und der gesellschaftliche Druck, sich an Recht und Ordnung zu halten, würde voraussichtlich steigen.
Es geht hier aber auch nicht um Willkür oder um übermässige Härte. Es geht um Gerechtigkeit, um den Schutz der Bürgerinnen und Bürger und um den Respekt gegenüber unserer Polizei. Unsere Polizei leistet täglich Hervorragendes, obwohl sie in einem schwierigen Umfeld unterwegs ist. Die Polizistinnen und Polizisten werden oft massiv angegriffen, und der Respekt ihnen gegenüber hat in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Deshalb müssen die Polizeibehörden und die Fahndung wieder gestärkt werden. Diese Motion ist ein Schritt in diese Richtung. Im Nationalrat wurde die gleichlautende Motion bereits angenommen.
Der Bundesrat beantragt Ihnen aber Ablehnung der Motion. Bundesrat Beat Jans hat uns bereits in der ersten Sessionswoche bei der Behandlung des Postulates Gmür-Schönenberger 25.4719, "Was braucht es, damit britische Verfahren in der Schweiz nach Gewaltvorfällen in Stadien umgesetzt werden können?", darauf hingewiesen, dass er das Anliegen des Vorstosses im Rahmen des Postulates prüfen möchte. Der Weg über ein Postulat geht mir aber zu langsam.
Deshalb bitte ich Sie, heute die Motion anzunehmen, damit wir in diesem Bereich des Gewaltextremismus einen Schritt vorwärtskommen.
Chiesa Marco · Mit-M · Conseil des Etats · Tessin · Groupe de l'Union démocratique du Centre
Vorrei esprimermi sulla mozione Juillard in particolare, perché a mio modo di vedere nasce da un principio molto semplice, quello della responsabilità. Negli ultimi mesi abbiamo assistito a manifestazioni che nulla avevano più a che fare con l'esercizio pacifico dei diritti democratici - penso in particolare agli episodi di Berna dell'11 ottobre, ma non solo. In diverse città svizzere abbiamo visto violenza, vandalismo, intimidazioni contro la popolazione civile, attacchi alla polizia e distruzione di beni pubblici e privati. Chi paga il conto di tutto questo? Lo pagano i cittadini, quindi i contribuenti. Perché quando una manifestazione degenera, servono centinaia di agenti, dispositivi di sicurezza straordinari, interventi di emergenza e ripristino dell'ordine pubblico. Tutto questo ha un costo molto elevato. Qui sta il punto politico: è giusto che la collettività paghi le violenze dei gruppi estremisti? È giusto che i cittadini finanzino la sicurezza di eventi organizzati senza responsabilità o di eventi addirittura deliberatamente provocatori? Francamente credo di no.
La libertà di manifestare è un diritto fondamentale, ma la libertà comporta anche dei doveri. Chi organizza la manifestazione ha la responsabilità di garantirne anche il carattere pacifico, di rispettare le prescrizioni e di collaborare con le autorità. Se questo non avviene, se le manifestazioni diventano un terreno di scontro per gruppi violenti, allora è giusto che gli organizzatori si assumano almeno una parte delle conseguenze finanziarie. Non si tratta di limitare la libertà di manifestare, si tratta di difendere lo Stato di diritto. Perché oggi assistiamo troppo spesso a manifestazioni nelle quali piccoli gruppi radicali sequestrano la piazza, trasformano cortei in guerriglia urbana e poi scompaiono, lasciando dietro di sé danni e costi. Chi paga? Sempre lo Stato, sempre i cittadini. Questo non è accettabile.
La mozione Juillard chiede semplicemente una cosa: una base legale federale che permette ai Cantoni e ai Comuni di far valere il principio di causalità. Chi crea un problema deve contribuire a coprire i costi causati. Il Consiglio federale sostiene che la competenza è cantonale. È vero, ma proprio perché le normative cantonali oggi sono così frammentate, disomogenee e facilmente contestabili, è necessario un quadro federale che dia sicurezza giuridica e rafforzi l'azione di un'autorità. Non si tratta di centralizzare la polizia. Si tratta di dare ai Cantoni uno strumento giuridico chiaro per difendere l'ordine pubblico.
Lasciatemelo dire con chiarezza: lo Stato non può diventare il finanziatore involontario della violenza di strada. Chi manifesta pacificamente non ha nulla da temere. Chi invece utilizza le manifestazioni come pretesto per spaccare vetrine, aggredire la polizia o terrorizzare la popolazione deve sapere che non solo sarà perseguito penalmente, ma che le conseguenze avranno anche un costo. La libertà non è anarchia, la democrazia non è vandalismo, e la tolleranza dello Stato non deve trasformarsi in debolezza.
Per questo motivo vi invito a sostenere la mozione Juillard per una semplice ragione di giustizia. Chi crea il problema deve assumersi la responsabilità di pagarne il prezzo, non i contribuenti svizzeri.
Sommaruga Carlo · Mit-M · Conseil des Etats · Genève · Groupe socialiste
Je vais me prononcer concernant la motion Gössi 25.4593.
Comme le souligne le Conseil fédéral, ce que vise la motion est contraire à la fois aux exigences de la Constitution fédérale et à celles de la Convention européenne des droits de l'homme (CEDH). Tant l'article 31 alinéa 3 de la Constitution que l'article 5 chiffre 3 de la Convention européenne des droits de l'homme indiquent de manière très précise que toute personne arrêtée doit être aussitôt traduite devant un juge. Certes, le terme "aussitôt" n'est pas un concept précis, mais un concept flou, dès lors qu'il ne se traduit pas immédiatement et automatiquement en heures d'arrestation. Il est vrai aussi que la Cour européenne des droits de l'homme n'a pas fixé de manière impérative un seuil pour la présentation d'une personne arrêtée à un juge, mais sa jurisprudence est très claire : une durée de plus de 48 heures n'est admissible qu'à des conditions très strictes, par exemple une arrestation dans une zone isolée ou des difficultés de transport pour l'accès au juge.
La Cour européenne des droits de l'homme a toujours refusé un dépassement du délai de 48 heures entre l'arrestation et la présentation au juge pour des motifs de sécurité, et ceci depuis 1988 et l'arrêt de l'affaire Brogan et autres contre le Royaume-Uni. Elle a aussi refusé que l'on prolonge ce délai de 48 heures pour de simples nécessités d'enquête, comme cela a été évoqué par l'auteure de la motion, autant dans son développement écrit que dans son développement oral. Alors, qu'en est-il en droit suisse de ce délai de 48 heures entre l'arrestation et la présentation au juge ? Dans les faits, ce délai est déjà épuisé dès lors que la police dispose de 24 heures depuis l'arrestation pour amener la personne arrêtée devant le procureur, et que le procureur, lui, a 24 heures supplémentaires pour pouvoir amener la personne arrêtée devant le juge. En d'autres termes, les 48 heures posées par la jurisprudence de la Cour européenne des droits de l'homme sont déjà épuisées par le droit actuel. Il est ensuite nécessaire de savoir que le tribunal des mesures de contrainte qui s'exprimera sur la détention préventive dispose lui-même de 48 heures pour se prononcer. En d'autres termes, la personne arrêtée sera jugée sur la question de la détention préventive dans les 96 heures. On est donc dans le seuil supérieur à ce qui a été fixé par la jurisprudence de la Cour européenne des droits de l'homme.
Je soulignerai encore qu'il n'y a aucune demande de la part du pouvoir judiciaire et des corps de police d'augmenter la durée de privation de liberté en main de la police, car le système fonctionne bien. Pourquoi? Parce qu'une fois que l'on a procédé à l'arrestation et que l'on a transféré, après 24 heures, la personne au procureur, la police peut toujours continuer à faire des enquêtes. Au surplus, le procureur peut demander au tribunal des mesures de contrainte de maintenir en détention la personne concernée s'il y a effectivement des risques de collusion, s'il y a eu une infraction grave ou s'il y a des risques de fuite. En d'autres termes, les éléments sont là pour pouvoir continuer l'enquête et je ne pense pas qu'une seule manifestation qui a eu lieu à Berne doive justifier un renversement de la systématique actuelle qui serait contraire aux règles fondamentales de l'État de droit posé par la jurisprudence de la Cour européenne des droits de l'homme. Vouloir maintenir une personne 48 heures aux mains de la police relève plutôt, de mon point de vue, quand je lis la motion, d'une volonté de sanction anticipée des personnes arrêtées, alors même que ces personnes sont présumées innocentes jusqu'au moment de leur condamnation.
Je vous invite, pour ces considérations qui relèvent de la Convention européenne des droits de l'homme, des droits fondamentaux de la personne et de notre ordre juridique, à rejeter cette motion qui nous mettrait dans une situation compliquée et nous placerait dans la catégorie des États qui violent la Constitution fédérale et la Convention européenne des droits de l'homme.
Maillard Pierre-Yves · Mit-M · Conseil des Etats · Vaud · Groupe socialiste
Je m'exprime sur la motion Juillard 25.4774 au sujet des manifestations et de la facturation des frais inhérents à la sécurité. Je préside l'Union syndicale suisse et les syndicats organisent parfois des manifestations. Par exemple, cela a été le cas l'an passé pour les maçons qui étaient - à mon sens, à juste titre - en colère contre des revendications qui étaient faites dans le cadre du renouvellement de la convention collective du gros oeuvre par l'organisation patronale et qui ont donc voulu manifester leur opposition à ces demandes. Ces manifestations se sont bien passées, malgré le niveau de colère qu'avaient les salariés et les ouvriers du bâtiment. Dans ce type de manifestation, il peut arriver que des groupes de personnes ou des personnes veuillent, tout à coup, commettre des actes violents ou des déprédations. Les premiers qui regrettent ces gestes, ce sont les organisateurs de la manifestation eux-mêmes, parce que souvent, on ne retient ensuite que les déprédations et les violences. Ces violences desservent la cause de ceux et celles qui organisent la manifestation. C'est la raison pour laquelle, du côté syndical, on s'oppose toujours à des gestes violents et on les condamne toujours de manière très claire.
La question est donc : comment faire quand on organise une telle manifestation pour s'assurer qu'il n'y ait pas ce type d'actes ? Bien sûr, des services d'ordre sont organisés et doivent essayer de les prévenir. Néanmoins, parfois, il faut bien reconnaître que même si ce travail de prévention est bien fait, il ne peut pas empêcher tout acte de déprédation et toute violence. La police elle-même, avec ses moyens, son expertise, son professionnalisme, n'arrive pas toujours à les empêcher. La difficulté qui se pose aux organisateurs de manifestations est de savoir comment, avec leur service d'ordre amateur, faire mieux que, parfois, la police elle-même, qui ne peut les empêcher. Vouloir systématiquement imputer aux organisateurs la responsabilité de ce qui se passe dans une manifestation, surtout si elle est de grande ampleur, est évidemment problématique.
C'est la raison pour laquelle je pense qu'il faut dans ce domaine rester très prudent, parce que sinon, on peut effectivement assez vite arriver soit à une mise en cause du droit de manifester, soit pousser les organisateurs à développer des services d'ordre de plus en plus musclés et les amener à faire eux-mêmes le travail de la police, ce qui ne serait pas souhaitable. Il y a encore une autre évolution possible, c'est que les organisateurs de manifestations ne fassent plus de demandes d'autorisation pour ne pas risquer, justement, de subir ce type de désagrément. Ce sont les difficultés que pose cette régulation. En aucune manière les syndicats ou les organisateurs de manifestations n'acceptent cette violence. Au contraire, comme je l'ai dit, ils la rejettent et ils en sont souvent eux-mêmes victimes, mais la solution à proposer n'est pas simple.
Les cantons s'y sont essayés. Le Conseil fédéral nous le dit : ce sont eux qui sont responsables de la sécurité, ce sont donc eux qui sont le plus à même de trouver les bons arbitrages concernant cette question délicate. C'est la raison pour laquelle je pense que cette motion peut être rejetée, mais évidemment, il s'agit ensuite, dans les cantons, au plus près des enjeux sécuritaires, d'apporter les réponses adéquates.
Juillard Charles · Mit-M · Conseil des Etats · Jura · Le Groupe du Centre. Le Centre. PEV.
Pour répondre à notre collègue Maillard, je répète que, pour moi, le droit de manifester est tellement important qu'il faut tout mettre en oeuvre pour qu'il puisse continuer d'être exercé en toute sécurité dans notre pays. L'exemple des maçons que vous avez donné est pour moi un bel exemple. Je suis persuadé que ces derniers n'auraient en tout cas pas voulu être infiltrés par des groupuscules extrémistes. Par contre, je ne suis pas sûr qu'il y ait la même volonté chez tous les organisateurs de manifestations, et en particulier chez ceux qui renoncent à demander une autorisation pour manifester et dont les manifestations nécessitent des mobilisations importantes. Il ne faut pas penser seulement aux autorités, mais aussi aux policiers qui, tous les week-ends, doivent s'éloigner de leur famille pour venir en renfort au service ordinaire, pour faire du service d'ordre à Berne ou à Zurich, pour l'une ou l'autre de ces manifestations.
S'il y a quelque part une espèce d'élément de précaution pour les organisateurs, il faut le mettre dans ce cadre. Vous l'avez dit, ce n'est pas simple, c'est vrai, mais cela vaut la peine d'y réfléchir, puis de le poser sur le plan fédéral, parce que c'est la Constitution fédérale, à juste titre, qui prévoit le droit de manifester dans la rue. Il serait donc normal que ce droit - fédéral - soit un peu cadré par du droit également fédéral. Après, les cantons en feront l'application. Typiquement, je pense qu'une appréciation devrait être faite entre les organisateurs et les autorités, notamment lorsqu'il y a une demande d'autorisation. Il ne faut pas arriver à une situation où l'on dissuaderait ceux qui demandent une autorisation et qui se dotent déjà d'un service d'ordre, parce que l'appréciation qui est faite avec les autorités pourrait conduire, avec un risque moyen à élevé, à ce qu'une infiltration puisse se faire ou à ce que cette manifestation puisse dégénérer. Si on ne les incite plus à avoir ce contact préalable avec les autorités, on tombera vraiment dans l'exagération, raison pour laquelle je trouve que cela vaut la peine qu'on y réfléchisse. Cela vaut la peine qu'on pose ce cadre, ce qui n'empêchera absolument pas les cantons de l'appliquer selon leur propre appréciation, puisque c'est eux, avec leur police cantonale et leurs polices communales, qui devront intervenir ou pas, facturer ou pas, en fonction de ce qui se passera réellement sur le terrain et de ce qui aura été convenu avec les organisateurs.
C'est la raison pour laquelle je vous invite vraiment à soutenir cette motion.
Gmür-Schönenberger Andrea · Mit-F · Conseil des Etats · Lucerne · Le Groupe du Centre. Le Centre. PEV.
Ich bitte Sie, allen vier Vorstössen zuzustimmen.
Ich erlaube mir eine Bemerkung zur Motion Gössi. Bei allen vier Vorstössen geht es grundsätzlich um mehr Sicherheit für die Bevölkerung. Aber insbesondere bei der Motion Gössi geht es auch darum, glaube ich, dass mehr Zeit zur Verfügung stehen soll. Es soll eine bessere Entscheidqualität erreicht werden, wenn es darum geht, die notwendigen Abklärungen zur Frage zu treffen, ob jemand, der festgehalten bzw. in Haft genommen wird, tatsächlich ein Täter ist oder eben nicht. Es geht auch darum, dass diese 48 Stunden eine sehr starke präventive Wirkung haben können.
Weiter war es, glaube ich, insbesondere, was den Fussball bezüglich solcher Geschichten anbelangt, immer so, dass eine Zeit lang Ruhe war, wenn wir in unserem Rat einen Vorstoss angenommen hatten, bis der andere Rat den entsprechenden Vorstoss dann allenfalls ablehnte. Die Motion Gössi wurde bereits im Nationalrat angenommen. Wenn wir das jetzt auch tun, muss der Bundesrat handeln.
Ich möchte auch daran erinnern, dass die in der Schweiz geltende Frist extrem kurz ist. Andere Länder haben deutlich längere Fristen. Das muss also trotz EMRK in der Schweiz ebenso möglich sein.
Ich möchte doch bitten, dass wir die Rechte der Täter nicht höher gewichten als die Rechte der Opfer, und ich bitte Sie, diese Motionen zu unterstützen.
Jositsch Daniel · Mit-M · Conseil des Etats · Zurich · Groupe socialiste
Grundsätzlich bin ich mit allen Vorstössen einverstanden, mit Ausnahme der Motion Gössi. Gerne möchte ich das noch einmal kurz erläutern.
Ich glaube, hier wird versucht, ein Problem zu lösen, das nicht existiert. Sie haben richtigerweise gesagt: 24 Stunden sind eine sehr kurze Frist, um Abklärungen vorzunehmen. Sie müssen aber bedenken, dass anschliessend an diese 24-Stunden-Frist zwei Fristen von je 48 Stunden bestehen - also insgesamt 96 Stunden -, bis über die Untersuchungshaft entschieden werden muss. Nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung, die von niemandem infrage gestellt wird, sind diese Fristen als Gesamtes zu betrachten. Das heisst, wenn die Polizei etwas länger braucht, hat die Staatsanwaltschaft entsprechend etwas weniger Zeit. Wenn diese dann auch zu lange braucht, muss das Gericht die fehlende Zeit wieder einholen. Wenn Sie so wollen, sprechen wir insgesamt von einer Woche, die man praktisch Zeit hat.
Sie können nun fragen: Warum soll die Polizei nicht mehr Zeit haben? Die Polizei hat nicht mehr Zeit, weil die Polizei keine wirkliche juristische Einschätzung der Situation vornehmen kann. Die Polizistinnen und Polizisten verfügen weder über die notwendige Ausbildung noch über die notwendige Kompetenz. Sie sagen, 24 Stunden seien nicht lang. Aber stellen Sie sich einmal vor, Sie wären gestern um 11 Uhr verhaftet worden. Dann wären Sie bis jetzt, nach über einer Nacht, immer noch bei der Polizei. 24 Stunden können auch lang sein.
Es gibt immer zwei Seiten. Auf der einen Seite können Sie sagen, dass es wichtig ist, Leute, die strafbare Handlungen verübt haben, möglichst schnell in Haft zu nehmen. Andererseits müssen Leute, die ungerechtfertigterweise in Haft genommen wurden, möglichst rasch wieder freigelassen werden, wenn eine Unrechtmässigkeit festgestellt wird. Es gab viele Skandale, bei denen man sagen musste, dass man Leute, die randaliert hatten, nicht festnehmen konnte, wie z. B. hier in Bern an dieser unsäglichen Demonstration. Es gibt aber auch Fälle, in denen unbeteiligte Leute in der Nähe einer Demonstration oder Journalisten fehlerhaft verhaftet wurden, und das muss dann relativ schnell geklärt werden. Deshalb muss die Frist bei der Polizei relativ kurz sein. Aber es besteht, wie gesagt, kein Problem, das Sie lösen müssen, weil danach zwei Fristen von je 48 Stunden nahtlos anschliessen und so der notwendige Handlungsspielraum besteht.
Deshalb möchte ich Sie dringend bitten, die Motion Gössi abzulehnen.
Jans Beat · BR-M · Conseil fédéral · Bâle-Ville
Sie haben vier Vorstösse aus Ihrem Rat in dieser ausserordentlichen Session zusammengenommen. Die Vorstösse haben eine gemeinsame Absicht. Sie wollen schwere, grenzüberschreitende Kriminalität, Gewaltextremismus sowie auch die Verfolgung von Mehrfachtätern stärken. Gleichzeitig betreffen die Vorstösse aber verschiedene Themenbereiche und verlangen vom Bundesrat unterschiedliche Massnahmen; ich werde mich deshalb je einzeln zu den vier Vorstössen äussern.
Der Nationalrat hat die gleichlautende Motion 25.4711 zur Motion Moser 25.4640 am 11. März 2026 angenommen. Der Bundesrat beantragt auch die Annahme. Die Motion Moser spricht eine Situation an, die immer wieder vorkommt: Jemand verübt in kurzer Zeit mehrere Straftaten an verschiedenen Orten, zum Beispiel Einbruchserien in verschiedenen Kantonen. Dabei handelt es sich bei der Täterschaft nicht selten um Personen, die keinen formellen Aufenthaltsstatus in der Schweiz haben; sie sind vielleicht sogar nur zum Zweck der Begehung von Straftaten in die Schweiz gekommen. Die geltenden Bestimmungen des Strafprozessrechts schreiben vor, dass in solchen Fällen alle Delikte einer Person in einem einzigen Verfahren von einer Staatsanwaltschaft verfolgt und auch von einer einzigen Behörde beurteilt werden. Dabei ist nach gesetzlicher Konzeption heute diejenige Staatsanwaltschaft für alle Fälle zuständig, die als erste ein Verfahren eröffnet hat. Das hat zur Folge, dass eine Staatsanwaltschaft unter Umständen zahlreiche Verfahren von anderen Staatsanwaltschaften übernehmen muss, was zu langen und aufwendigen Verfahren führen kann.
Der Hintergrund dieser Regelung ist, dass gegenüber einer Person, die mehrere Taten begangen hat, eine sogenannte Gesamtstrafe ausgesprochen wird; ein einziges Urteil erledigt somit alle bekannten Delikte einer Person. Es ist aber nicht zu verkennen, dass diese Regelung zur Mehrbelastung bei einer Staatsanwaltschaft und auch zu einer Verlängerung von Verfahren führen kann, und deshalb verlangt die Motion hier eine Gesetzesänderung. Vom Grundsatz, wonach mehrere Taten in einem einzigen Verfahren verfolgt und beurteilt werden müssen, soll gemäss Motion nur dann abgewichen werden, wenn es eben Personen ohne festen Wohnsitz oder mit unsicherem Aufenthaltsstatus, zum Beispiel abgewiesene Asylbewerber, sind. Es wird eine Herausforderung sein, die Ausnahmen im Sinne der Motion so zu definieren, dass die Vorteile einer raschen Verurteilung gegenüber den Nachteilen einer Trennung des Verfahrens überwiegen. Aber die Motionärin und der Motionär aus dem Nationalrat sehen hier Handlungsbedarf, der Bundesrat auch, und er beantragt deshalb die Annahme der Motion 25.4640.
Bei der Motion Juillard 25.4774, "Gewalttätiger Extremismus bei Demonstrationen. Veranstalter sollen die Kosten übernehmen", ist der Bundesrat anderer Meinung. Sie haben es sehr richtig gesagt: Es liegt einfach in der Hoheit der Kantone, das zu regeln. Gewalt gegen Personen und Sachen ist immer inakzeptabel, das ist kein Thema, aber für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sind die Kantone zuständig. Diese unterliegt der kantonalen Polizeihoheit, und darunter fällt auch die Durchführung von Demonstrationen.
Regelungen zum Kostenersatz für Sicherheitsdienstleistungen sind entsprechend in den kantonalen Polizeigesetzen enthalten. Die Kantone und die Gemeinden tragen die Kosten für die Polizeipräsenz bei bewilligten Demonstrationen, da diese Einsätze zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung gehören. Bei nicht bewilligten Demonstrationen können den Organisatoren heute schon die Kosten für den Polizeieinsatz auferlegt werden. Die Kosten für diese Polizeieinsätze variieren stark, in der Regel wird eine Obergrenze festgelegt. Luzern, Zürich und Bern verrechnen zum Beispiel maximal 30 000 Franken pro Einsatz. Wie gesagt, die Zuständigkeit für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung anlässlich von Demonstrationen liegt in der Verantwortung der Kantone, sie haben in Polizeifragen Souveränität. Es ist deshalb Sache der betroffenen Kantone und nicht des Bundes, Regelungen für die Wahrnehmung und Finanzierung ihrer Aufgaben zu erlassen. Die Schaffung einer Rechtsgrundlage auf Bundesebene würde der kantonalen Polizeihoheit und dem Subsidiaritätsprinzip widersprechen. Das ist der Grund, warum der Bundesrat die Ablehnung dieser Motion beantragt.
Betreffend die dritte Motion, die Motion Moser 25.4718, "Verstärkung an der Front der Strafverfolgung gegen Geldwäsche, Cybercrime und organisierte sowie grenzüberschreitende Kriminalität", kann ich es kurz machen. Wir meinen einfach, dass wir schon genügend Aufträge und Unterstützung durch das Parlament usw. haben, in diesem Bereich vorwärtszumachen. Wir sind auch sehr motiviert, das zu tun. Das Parlament hat in der Wintersession selbst zusätzliche personelle Ressourcen für das Fedpol gesprochen, und es ist ganz klar, dass wir insbesondere im Bereich der digitalen Kriminalität vorwärtsmachen wollen und müssen.
Die Bekämpfung der Cyberkriminalität, aber auch der Ausbau der digitalen Forensik sind ganz wichtige Aspekte der Strategie des Bundesrates gegen organisierte Kriminalität. Es geht eben nicht nur um Personal, das ist wichtig zu sehen, es geht auch um die richtigen Fähigkeiten der Mitarbeitenden. Die Bundeskriminalpolizei wird gezielt so weiterentwickelt, dass sie auch komplexe digital geprägte Ermittlungen wirksam führen kann. Was ganz wichtig ist, ist die enge Zusammenarbeit zwischen dem Fedpol und der Bundesanwaltschaft. Ich sehe hier, dass diese Zusammenarbeit gut läuft. Die Verstärkung bei der Kriminalitätsbekämpfung im Sinne der Motion läuft also. Der Bundesrat kann, das ist auch noch wichtig zu betonen, der Bundesanwaltschaft am Schluss keine Vorgaben machen. Sie muss die Zusammenarbeit mit der Bundeskriminalpolizei bzw. dem Fedpol ebenfalls wollen und weiterentwickeln. Deshalb beantragt der Bundesrat, diese Motion abzulehnen.
Zur Motion Gössi 25.4593, "Stopp dem Gewaltextremismus. Die vorläufige Festnahme ist auf 48 Stunden zu verlängern": Die Motion verlangt, die Höchstdauer, während der jemand von der Polizei vorläufig festgenommen wird oder werden darf, von 24 auf 48 Stunden zu verdoppeln.
Es geht hier - das ist mir wichtig, da ich hier dagegen bin - nicht darum, die Rechte der Täter höher zu gewichten als etwa die der Opfer. Vielmehr befürchten wir, dass sich eine Ausdehnung der Polizeifrist sogar kontraproduktiv auswirken könnte, weil sie auf Kosten der Frist der Staatsanwaltschaft und der Schnellgerichte gehen könnte, die am Schluss zuständig sind, um eine Untersuchungshaft anzuordnen. Dies hat geschätzter Ständerat Jositsch gut dargelegt, mit Ausnahme eines Details: Er hat gesagt, dass nach der Polizei noch zweimal 48 Stunden kommen würden, was jedoch nicht richtig ist. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft haben vielmehr gemeinsam 48 Stunden zur Verfügung. Wenn Sie also die Polizeifrist verlängern, geht das auf Kosten der Staatsanwaltschaft, was nicht gut ist, weil am Schluss die Staatsanwaltschaft über den wichtigen Antrag entscheidet. Die Staatsanwaltschaft kann viele Beweise nur selber beschlagnahmen; sie kann Hausdurchsuchungen machen, Zeugen einvernehmen, DNA-Untersuchungen machen - das kann die Polizei nicht. Und deshalb ist es, wenn Sie wirklich mehr tatsächliche Straftäter ihrer Strafe zuführen wollen, schlecht, der Staatsanwaltschaft Zeit wegzunehmen. Es ist schlecht für die Sache.
Was ist die Lösung? Ich habe das schon im Nationalrat skizziert: Wenn es zum Beispiel darum geht, Hooligan-Probleme umgehend in den Griff zu bekommen oder auch Täter an Demonstrationen schneller zu überführen, senden die Strafverfolgungsbehörden sofort Staatsanwälte hin. Es wäre auch hier in Bern gut gewesen, solche, die sofort fotografieren, die Leute beobachten, entsprechend die Beweise aufnehmen können, zu senden. Dann ist man schon einen Schritt weiter. Die Polizei kann allein mit der Festnahme relativ wenig machen. Am besten machen sie es zusammen - aber am allerbesten ist es, wenn die Staatsanwaltschaft früh vor Ort ist. Wir befürchten jedoch, dass mit dieser Verlängerung eher das Gegenteil von dem, was gewünscht wird, erreicht wird. Deshalb beantragt der Bundesrat die Ablehnung dieser Motion.
Wie ich aber schon gesagt habe, sind wir gerne bereit, die Frage, ob und welche Massnahmen möglich und sinnvoll wären, im Rahmen der Arbeiten zu den beiden gleichlautenden Postulaten Gmür-Schönenberger 25.4719 und Nause 25.4820 vertieft zu prüfen. Dort geht es zwar nicht um solche Demonstrationen, sondern um Hooligans. Wir möchten aber, wenn wir unsere Regelung mit derjenigen in England vergleichen, explizit dieser Frage nachgehen, welche Unterschiede es bei diesen Fristen gibt und was wir diesbezüglich von anderen Ländern lernen können.
In diesem Sinne bitte ich Sie, diese Motion abzulehnen; dies auch, weil wir die Postulate zur Annahme beantragt haben und der Frage dort nachgehen werden.
Intervention de procédure
Präsident (Engler Stefan, Präsident): Wir sind am Ende der Debatte angelangt und kommen zu den Abstimmungen.