Wintersingen, Firmach-Heidengräbern

Forest reserves · Basel-Landschaft

Document

Number
2367
Kind
Forest reserves
Canton
Basel-Landschaft
Level
Cantonal
Authority
Landeskanzlei
Approved by
RR
Adopted
Sep 27, 1994
In force since
Sep 27, 1994

Map

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Text

Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kanton Basel-Landschaft

Nr. 2367

vom 27. September 1994

Aufnahme des Gebietes "Firmach-Heidenqräbern", tfintersin-

qen- in das rnventar der geschützten Naturobiekte des Kantons Basel-Landschaft

(

(' Þ

Das Gebiet "Firmach-Heidengräbern" befindet sich in der Gemeinde vlintersingen, stidöstrich des Dorf es in einer Höhenlage zwischen ca. 470 und 520 m.ü.M. Der süd- bis nordexponierte Hang ist reich strukturiert durch GehöI2e, Hecken und hochstämmige obstbäume. Die Gesamtfräche des Naturschutzgebietes beträgt rund 11r63 ha (Vtatdanteir ca. 2t38 ha). rm oberen Hangbereich steht der Lias an (Arters ca. 2og187 Mio. J. ). Die mergerigen, grauen und fossilreichen Kalke treten in der Landschaft meist ars bewaldete Geländekanten in Erscheinung. Auch im Gebiet "Firmach" entspricht der obere, mit vlald bestockte Hangbereich dem Lias. Die hangabwärts anschriessenden, landwirtschaftrich genutzten Fl-ächen befinden sich auf dem geologisch ärteren Keuper (Alter: ca. 230-208 Mio. J. ). Typisch für diese Gesteinsserie ist der Gipskeuper, ein grauer und roter Merger mit Gips und Anhydrit. rm Feldgehölz unterharb (westlich) des Rebberges befindet sich eine aufgerassene Gipsgrube, in welcher früher Gips abgebaut wurde. Je nach Hangneigung und Beschaffenheit des anstehenden Gesteins kommen im Bereiche der landwirtschaftrich genutzten Flächen frachgründige, rehmige Kalkbraunerden vor (v.a. im südexponierten Hangbereich) sowie mässig tiefgründige Braunerden auf Ton (v.a. westexponierter Hangbereich). Aus naturschützerischer sicht nimmt das Gebiet innerhaLb der weiteren umgebung eine sonderstellung ein, indem es sich durch ej-ne für heutige Verhältnisse aussergewöhnÌiche

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struktur- und Biotopvielfart auszeichnet. Auf kreinem Raum kommen verschiedene Biotop-Typen vor3 I{ald, Hecken, Magerwiesen, Friessgewässer, streuobstbestände u.a. Das objekt ist daher auch zu einem grossen Teir im Zonenplan Landschaft der Gemeinde als Naturschutzzone ausgeschieden. Es befindet sich ausserdem am Rande des BlN-objektes Nr. 1104: Tafeljura nördlich Gelterkinden. Pfranzensoziologisch ist der I{al_dbestand dem LungenkrautBuchenward (mit rmmenbratt) zuzuordnen. Diese Ï{ardgeserrschaft kommt in unserer Gegend in frachen, wärmeren Hangragen verbreitet vor. Es handelt sich um einen artenreichen, mässig wüchsigen Buchenmischward. rm Randbereich herrschen Lichtholzarten vor (2.8. Eichen). Der inserartig in das Kurturland eingebettete rval-dbestand ist ein wichtiger Ttild-Einstand. Besonders wertvol-l sind die Magerwiesen. obwohl hier orchideen nur an wenigen stellen gedeihen, kommen verschiedene tlpische Magerwiesen-pfranzen noch häufig vor, wie zum Beispiel: wiesen-sarbei, Tauben-skabiose, Esparsette,

(

Hufeisen-Kree, Frühlings-schrüsserblume, Kriechender Hauhecher , KJ-einer l{iesenknopf , Àuf rechte Trespe, Zittergras , schraffe segge, Frührings-segge u.a. Die pflanzenbestände je nach Bodenbeschaffenheit und früherer Nutzung sind sehr unterschi.edlich ausgebildet. Àm weitesten verbreitet sind Glatthafer-lüiesen und schöne sarbei-Trespen\üiesen. An den früher randwirtschaftrich intensiv genutzten sterlen sind arlerdings noch heute Auswirkungen der Düngung feststellbar. sorche Flächen weisen eine grasreiche, noch inhomogene Zusammensetzung auf. Das Gebiet birdet die grösste zusanmenhängende Magerwiesenfläche im Kantonsgebiet nördlich der Ergorz (mit Ausnahme von Rothenfruh).

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Die enge verzahnung der Magerwiesen mit wardrandbereichen, Hecken, Feld- und ufergehölzen und Hochstamm-Beständen macht das Gebiet besonders wertvorl. Die T-förmige Dornhecke im Bereich "Firmach", in welcher schwarzdorn und Hundsrose dominieren, bietet auch den anspruchsvolreren Heckenbewohnern ideale Lebensmögrichkeiten (Neuntöter, Gol-dammer). Bemerkenswert ist auch das vorkommen der stark bedrohten Zauneidechse. Hervorzuheben sind ferner die reich mit Flechten bewachsenen, hochstämmigen obstbäume (v.a. Kirschbäume). Auf parzelle Nr. 700 befindet sich zwischen wardrand und Hecke eine auffälrige, kümmerrich gedeihende Zwetschgenbaumanlage, welche zahlreichen rnsektenarten Lebensmöglichkeiten bietet (v.a. schmetterringe). Die einzelnen Birken sowie die Zwetschgenbaumreihen entrang des im Gebiet entspringenden "Ferbächri" sind erhartenswerte Relikte der traditionelren Kulturrandschaft. vorrangige schutzziere für das Gebiet sind der Grundwasserschutz sowie die Erhattung der kleinräumig gegtiederten Biotop- und strukturvielfart samt ihrer Lebensgemeinschaften. Aus naturschützerischer sicht sind daneben die folgenden Schutzziele beizufügen: (

Erhartung und Förderung von Magerwiesen (Trespen-vfiesen) und deren Lebensgemeinschaften; Erhartung und Förderung der Hecken, FeJ-d- und ufergehölze mit ihrer spezifischen Tier- und pfl-anzenwelt; Erhaltung des Hochstamm-Bestandes sowie der Kurturrelikte entlang der Fliessgewässer; Erhaltung der naturnahen Ftiessgewässer; Erhaltung des artenreichen, naturnahen vtaÌdbestandes und Förderung eines naturnah aufgebauten wardrandes; Erhartung und Förderung der sertenen sowie geschützten Tier- und Pflanzenarten.

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Grundlage für die Nutzung des Gebietes bildet der Nutzungs- und pflegeplan, der weitgehend auf den bereits bestehenden Bewirtschaftungsvereinbarungen basiert. Die Grundstücke der Mineralquelle Eptingen AG und des Kantons dürfen aus wasserschutzgründen nicht beweidet werden (ausgenonmen die Teilflächen südlich des Ferbächli). Auf diesen Flächen ist auch das Ausbringen von Düngemitteln und Bioziden untersagt. (

zum schutze der Trinkwasserfassung und z:ut Erhartung der Magerwiesen wurde das Land im Rahmen der Felderregulierung der Minerarquelle Eptingen AG, der Bürgergemeinde sowie dem Kanton zugeteilt. seit 19gg wurde die Fräche grösstenteils nicht mehr gedüngt und seit 1999 bestehen Bewirtschaftungsvereinbarungen mit dem Kanton.

Die Gesamtfläche des Naturschutzgebietes beträgt rund 11r63 ha. Es umfasst folgende parzellen: Req.Nr Grundbuch- Fläche

Biqentümer

Nr.

(

131.1

3s9

5011 a

I3T.2

698

65,2 a

131.3 131.4 131.5

3s5 668 670 700 674

L57 ,g a

131. 6 131.7

40t5 a 46,9 a 5gr0 a 3715 a

Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG Mineralquelle Eptingen AG (vùald )

131.50

700

14tg a

Mineralquelle Eptingen AG (waJ-d )

131.501

700

lrB a

Mineralquelle Eptingen AG (vra1d )

2L.13

661

27rg a

Bürgergemeinde

5

27.L4 2L.75

(

673

29L tS a L76 t5 a

2r.75L

673 673

6 .26

3s6

6.27 6.28 7.7 7.53 7.531 95.1

358/ 697 704 703 703 703

67L

0r5 a 5rB a L812 a

7L,6 a L42 t0 a 5r5 a 1rB a 10r1 a

Bürgergemeinde Bürgergemeinde (wald ) Bürgergemeinde (vüald ) Kanton (Bach) Kanton (Bach) Kanton (Bach) Kanton

Kanton (Vfafd ) Kanton (Vüafd ) Kanton

Die Gemeinde l{intersingen, die Bürgergemeinde wintersingen sowie die Mineralquelle Eptingen AG sind mit der Aufnahme der Grundstücke in das rnventar der geschützten Naturobjekte des Kantons Basel-Landschaft einverstanden. z//¿

1. Gestützt auf S L2 des Gesetzes über den Natur und

Landschaftsschutz vom 20. November 1991 werden

die Parzellen Nr. 355, 359, 668, 670, 674, 69g und 700, alle im Eigentum der Mineralquelle Eptingen ÀG, die parzellen Nr. 661 und 673, im EÍgentum der Bürgergemeinde !{intersingen sowie die Parzellen Nr. 356, 359, 697, 703, 704 und 67L, al-l-e im Eigentum des Kantons, als Ob jekt von regionaler Bedeutung in das Inventar der geschützten Naturobjekte aufgenommen. Die GesamtfIäche beträgt LL,63 ha.

(

2

Die Bau- und Umweltschutzdirektion wird ermächtigt, die einmalige Abgettung für den Grundbucheintrag festzulegen und im Rahmen des bewilligten Budgets dern Konto 2355.500.10-999 zu belasten.

6

3

Nach Eintritt der Rechtskraft ist der Beschluss vom zuständigen Grundbuchamt ins Grundbuch einzutragen.

Gegen diesen Beschruss kann innert 10 Tagen von.dessen zu-

sterlung an gerechnet beim venrartungsgericht in Liestal

Beschwerde erhoben werden.

Verteiler:

Iv1ineralquelle Eptingen AG, Hauptstr. 20, 4450 Sissach Bürgergemeinde Ï{intersinçlen, 445L Vtintersingen Gemeinderat Ìüintersingen, 445L Wintersingen Bezirksschreiberei Sissach, Haupt-

str. 115, 4450 Sissach Vüerner Roth, Hofgut Griesbrunnen, 445L Wintersingen

Konrad Brodbeck, Hauptstr. 2OLl 445L !{intersingen

Heinz Meier, Hauptstr. L57, 445L Wintersingen Werner Kunz, MüIlheimerstr. IS7, 4057 Basel

Paul Tüeiss, Hof Steindler, 445L ftintersingen

Kurt Schaffner, Kienberg, 445L Vfintersingen

Ernst Handschin-Vüeibel, Hauptstr. 43, 4462 Rickenbach Bund für Naturschutz Baselland (BNBL), Postfach 49Lt 44LO Liestal_

7

Basellandschaftlicher Natur- und Voge1_ schutzverband (BW), postfach 533, 44L0 Liestal Dr. A. Klein, ökoskop, postfach L02, 4460 Gelterkinden

(

Àmt für Landwirtschaft, Ebenrain, Postfach, 4450 Sissach Justiz-, PoLízei- und Militärdirektion Forstamt Amt für Umweltschutz und Energie .Amt für Liegenschaftsverkehr Amt für Orts- und Regionalplanung (2) + Amt für Orts- und Regionatplanung, Abt. Natur- und Landschaftsschutz (3) Rechtsabteilung Bau- und Umweltschutz-

direktÍon Landeskanzlei (publikation) Bau- und Umweltschutzdirektion (2)

(

Der l¡andsclfreiber: ¡