24.4604 · Postulat · 2024-12-20
Departement des Innern
Stellungnahme zum Vorstoss liegt vor
Wortlaut
Der Bundesrat wird aufgefordert, einen Bericht über die Auswirkungen der in der Erklärung von Mailand vorgeschlagenen Massnahmen zu erstellen. Er wird auch aufgefordert, zusätzliche Massnahmen vorzuschlagen, die sich bereits als wirksam erwiesen haben.
In der Schweiz werden pro Kopf täglich mehr als 100 Gramm Zucker konsumiert, während die WHO weniger als 50 Gramm pro Tag und für Kinder noch weniger empfiehlt.
Mehr als 2,2 Millionen Menschen leiden an nichtübertragbaren chronischen Krankheiten wie Adipositas, Typ-2-Diabetes, Insulinresistenz usw., die vor allem auf übermässigen Zuckerkonsum zurückzuführen sind.
Laut der schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 waren 31 Prozent der Personen ab 15 Jahren übergewichtig und 12 Prozent adipös. Die Prävalenz von Adipositas ist in den letzten 30 Jahren gestiegen, nämlich von 5 Prozent im Jahr 1992 auf 12 Prozent im Jahr 2022. Manche Expertinnen und Experten bezeichnen Adipositas mittlerweile als die «nächste Pandemie».
Von den Produkten, die für Kinder bestimmt sind, enthalten 94 Prozent zu viel Zucker, zu viel Salz oder zu viel Fett.
Eine deutliche Reduktion des Zuckerkonsums ist eine wirksame und billige Massnahme, um die genannten Gesundheitsprobleme zu vermindern. Übergewicht und Adipositas kosten den Staat jährlich rund 10 Milliarden Franken.
Leider verfehlt die Erklärung von Mailand ihr Ziel, und zwar aus den folgenden Gründen:
Bei den Zahlen gibt es keine Transparenz.
Nicht alle Unternehmen beteiligen sich daran oder sie tun dies in ihrem eigenen Tempo.
Die von der Nahrungsmittelindustrie übermittelten Daten sind nach Produktgruppen aufgeführt, jedoch fehlen Angaben zur Menge der verkauften Produkte.
Die Produkte auf dem Markt enthalten trotzdem oftmals noch zu viel Zucker im Vergleich zu den Empfehlungen.
Zudem sind die Produktetiketten zu schwer zu entziffern: Glukose, Fructose, Dextrose, Laktose usw.
Es gibt viel versteckten Zucker: Tomatensauce, Schinken, Wurst, Industriebrot, hochverarbeitete Lebensmittel usw.
Die zwei Hauptprobleme sind also die Zuckermenge in den Produkten und das Marketing rund um die Produkte.
Angesichts dieser vermeidbaren Risken reicht die individuelle Verantwortung allein nicht aus.
Es müssen andere Massnahmen getroffen werden, die sich in anderen Ländern als wirksam erwiesen haben.
Antrag des Bundesrates
Ablehnung
Stellungnahme des Bundesrates
Ein Postulatsbericht ist nicht notwendig, da die angefragten Informationen bereits vorliegen und für die Öffentlichkeit verfügbar sind. So sind die im Rahmen der Erklärung von Mailand erzielten Resultate auf der Webseite des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen dargestellt (www.blv.admin.ch > Lebensmittel und Ernährung > Ernährung Produktzusammensetzung > Zuckerreduktion). Weitere Massnahmen, die erfolgreich sein können, sind allgemein bekannt (Werbebeschränkungen, rechtliche Vorgaben für Zucker- und Salzhöchstgehalte in definierten Lebensmittelkategorien, usw.). Der Bundesrat setzt einerseits weiterhin auf Freiwilligkeit bei Rezepturverbesserungen. Andererseits prüft er im Rahmen der anstehenden Revision der Lebensmittelgesetzgebung, ob und falls ja auf welche Weise die gezielte Vermarktung von Lebensmitteln mit zu hohem Fett-, Salz- oder Zuckergehalt an Kinder unter 13 Jahren eingeschränkt werden soll. Die Reduktion des Zuckerkonsums ist eine wichtige Massnahme. Ohne weitere flankierende Massnahmen wird sie jedoch nur geringen Einfluss auf die im Postulat erwähnten Herausforderungen der Zunahme von Übergewicht und Diabetes haben. Die Schweizer Ernährungsstrategie hat deshalb unter anderem zum Ziel, die Ernährungskompetenz der Konsumentinnen und Konsumenten zu stärken, die Rahmenbedingungen zu verbessern und die Lebensmittelwirtschaft stärker einzubinden (www.blv.admin.ch > Lebensmittel und Ernährung > Ernährung > Strategie und Aktionsplan).
Der Bundesrat beantragt die Ablehnung des Postulates.