851.1
Einführungsgesetz zum Krankenversicherungsgesetz
vom 28.01.1999 (Stand 01.04.2026)
Der Kantonsrat des Kantons Obwalden,
in Ausführung des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) vom 18. März 19941,
gestützt auf Artikel 34 und 44 der Kantonsverfassung vom 19. Mai 19682,
beschliesst:
1. Allgemeine Bestimmungen
Art. 1 Organisation und Zuständigkeit
Kanton und Einwohnergemeinden arbeiten beim Vollzug der Aufgaben aus dem KVG zusammen.
Soweit eine Aufgabe in diesem Gesetz nicht ausdrücklich den Einwohnergemeinden zugewiesen wird, erfüllt sie der Kanton.
Die Einwohnergemeinden sind für den Vollzug der Versicherungspflicht zuständig. Sie unterstützen den Kanton beim Vollzug der Prämienverbilligung in der Krankenversicherung.
Art. 2 Anspruch und Finanzierung der Prämienverbilligung
Ein Anspruch auf Prämienverbilligung besteht, soweit die kantonalen Richtprämien der obligatorischen Krankenpflegegrundversicherung den Selbstbehalt gemäss Absatz 2 übersteigen und die Voraussetzungen gemäss Art. 7 der Verordnung zum Einführungsgesetz zum Krankenversicherungsgesetz (V zum EG KVG)3 erfüllt sind.
Der Selbstbehalt entspricht einem bestimmten Prozentsatz des anrechenbaren Einkommens und beträgt zwischen 9,0 und 12,0 Prozent. Der Prozentsatz verläuft linear und steigt ab einer bestimmten Grenze des anrechenbaren Einkommens an (linear-progressives System). Er wird vom Regierungsrat jeweils im Vorjahr festgelegt.
Für untere und mittlere Einkommen werden die kantonalen Richtprämien von Kindern um mindestens 80 Prozent und von jungen Erwachsenen in Ausbildung um mindestens 50 Prozent gemäss Art. 7 Abs. 3 und 4 V zum EG KVG verbilligt (Mindestanspruch).
…
Die Prämienverbilligung darf, vorbehältlich bundesrechtlicher Vorgaben, die im Anspruchsjahr geschuldeten Prämien für die obligatorische Krankenpflegeversicherung nicht übersteigen.
2. Versicherungspflicht
Art. 3 Auskunftspflicht der Versicherungspflichtigen
Versicherungspflichtige Personen haben der Einwohnergemeinde ihres Wohnortes jederzeit Auskunft zu geben, bei welchem Versicherer sie versichert sind.
Diese Auskunftspflicht gilt auch für die gesetzlichen Vertreter und bei quellenbesteuerten Versicherten für deren Arbeitgeber.
Art. 4 Zuweisung
Personen, die ihrer Versicherungspflicht nicht rechtzeitig nachkommen, werden von der Einwohnergemeinde unverzüglich einem Versicherer zugewiesen.
2a. Spital- und Pflegeheimplanung
Art. 4a Spital- und Pflegeheimplanung
Der Kanton gewährleistet eine bedarfsgerechte, wirksame und wirtschaftliche Versorgung der Kantonseinwohner und -einwohnerinnen in Spitälern, Geburtshäusern und Pflegeheimen innerhalb und ausserhalb des Kantons.
3. Rechtsschutz
Art. 5 Zuständige Gerichtsbehörden
Kantonales Versicherungsgericht im Regelungsbereich der obligatorischen Krankenpflegeversicherung und der freiwilligen Taggeldversicherung ist das Verwaltungsgericht.
Für Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen gemäss Art. 12 Abs. 2 KVG4 sind die Zivilgerichte zuständig. Das Verfahren bestimmt sich nach der Zivilprozessordnung.
Das Schiedsgericht ist gemäss Art. 67a des Gesetzes über die Gerichtsorganisation5 und Art. 89 Abs. 4 KVG6 zusammenzusetzen.
Der Rechtsschutz bei der Prämienverbilligung richtet sich nach kantonalem Recht.
4. Strafbestimmungen
Art. 6 Strafen
Vorsätzliche und fahrlässige Widerhandlungen gegen Vorschriften dieses Gesetzes oder der Vollzugsverordnung sowie darauf abgestützte Verfügungen werden mit Busse bestraft. Strafbar macht sich insbesondere, wer:
Auskunfts-, Mitwirkungs- und Meldepflichten verletzt;
Leistungen durch unwahre oder unrichtige Angaben erwirkt.
5. Schlussbestimmungen
Art. 7 Vollzug
Der Kantonsrat erlässt die zum Vollzug dieses Gesetzes notwendigen Vorschriften durch Verordnung. Insbesondere regelt er Anspruchsberechtigung, Verfahren und Zuständigkeiten der Prämienverbilligung in der Krankenversicherung.
Art. 7a Evaluation
Der Regierungsrat legt dem Kantonsrat nach Ablauf von vier Jahren seit Aufhebung von Art. 2 Abs. 4 dieses Gesetzes einen Evaluationsbericht vor und beantragt allfällige Massnahmen.
Art. 8 Inkrafttreten
Der Regierungsrat bestimmt, wann dieses Gesetz in Kraft tritt.7 Es unterliegt dem fakultativen Referendum.
Informationen zum Erlass Ursprüngliche Fundstelle: OGS 1999, 64 geändert durch - Nachtrag vom 16. Dezember 1999, in Kraft seit1. Januar 2000 (OGS 1999, 124), - Nachtrag vom 26. Januar 2001, in Kraft seit 1. Januar2001 (OGS 2001, 7), - das Gesetz über die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden (Finanzpaket) vom 20. September 2001, in Kraft seit 1. Januar 2002 (OGS 2001, 83), - Nachtrag vom 21. Februar 2003, in Kraft rückwirkend seit 1. Januar 2003 (OGS 2003, 7), - Nachtrag vom 18. Dezember 2003, in Kraft seit 1. Januar 2004 (OGS 2003, 62), - Nachtrag vom 28. Januar 2005, in Kraft rückwirkend seit 1. Januar 2005 (OGS 2005, 11), - das Einführungsgesetz zur Änderung des Strafgesetzbuches und des Jugendstrafrechts(Einführungsgesetz zum AT StGB) vom 14. Oktober 2005, in Kraft seit1. Januar 2007 (OGS 2005, 61, OGS 2006, 91), - Nachtrag vom 26. Januar 2007, in Kraft rückwirkend seit 1. Januar 2007 (OGS 2007, 5), - Nachtrag vom 25. Januar 2008,in Kraft rückwirkend seit 1. Januar 2008 (OGS 2008, 12), - Nachtrag vom 4. Dezember2008, in Kraft seit 1. Januar 2009 (OGS 2008, 108), - das Gesetz über die Justizreformvom 21. Mai 2010, in Kraft seit 1. Januar 2011 (OGS 2010, 33 Ziff. I. 15. und OGS 2010, 41), - Nachtrag vom 27. Januar 2011, in Kraft rückwirkend seit 1. Januar 2011(OGS 2011, 10 und 17) - Nachtrag vom 25. April 2013, in Kraft seit 1. Januar 2014 (OGS 2013, 27 und 32), - Nachtrag vom 28. Juni 2019 (OGS 2019, 28), Botschaft und Vorlage des Regierungsrats vom 2. April 2019, Kantonsratssitzungen vom 23. Mai und 28. Juni 2019 (22.19.02), in Kraft seit 1. Januar 2020 (OGS 2019, 39), - Nachtrag zum Gesundheitsgesetz vom 25. Juni 2021 (OGS 2021, 23), Botschaft und Vorlage des Regierungsrats vom 9. März 2021), Kantonsratssitzungen vom 27. Mai und 25. Juni 2021 (22.21.01), Volksabstimmung vom 28. November 2021 (ABl 2021, 1747), in Kraft seit 1. Januar 2022 (OGS 2021, 41), - Nachtrag vom 22. Mai 2025 (OGS 2025, 8), Abstimmungserläuterungen vom 30. November 2025 (OGS 2025, 21a), Volksabstimmung vom 30. November 2025 (ABl 2025, 1683), in Kraft seit 1. April 2026 (OGS 2023, 33) Der Nachtrag vom 28. Januar 2016 (OGS 2016, 9 und OGS 2016, 18 und 26) wurde an der Volksabstimmung vom 25. September 2016 (OGS 2016, 15, 52, 53 und 54) abgelehnt.
OGS 1999, 64