RRB Nr. 591/2026
Anfrage Sabine Arnold, Zürich, und Mitunterzeichnende betreffend Wechseljahre am Arbeitsplatz - Prävention stärken, flexible Lösungen finden, Beantwortung
Rubrum
Auszug aus dem Protokoll des Regierungsrates des Kantons Zürich KR-Nr. 97/2026
Sitzung vom 3. Juni 2026
591. Anfrage (Wechseljahre am Arbeitsplatz – Prävention stärken, flexible Lösungen finden) Kantonsrätin Sabine Arnold, Zürich, und Mitunterzeichnende haben am 16. März 2026 folgende Anfrage eingereicht: Erstmals hat eine repräsentative Befragung unter 30- bis 67-jährigen Frauen in der Schweiz zum Thema «Wechseljahre am Arbeitsplatz»1 ergeben, dass die hormonelle Umstellung direkte, negative Folgen auf die Volkswirtschaft hat. Ein beachtlicher Anteil der Befragten gab nämlich an, wegen Symptomen, die auf die Wechseljahre zurückgehen, ihr Arbeitspensum zu reduzieren (20%), sich krankschreiben zu lassen (15%), frühzeitig in Pension zu gehen (6%) oder eine Beförderung auszuschlagen (5%). Die genannte Studie war eine Replikation der bereits in Deutschland und Österreich durchgeführten Befragung Meno Support2. Der Deutsche Bundestag hat u. a. basierend darauf der Regierung einen Antrag der CDU/CSU-Fraktion auf eine nationale Menopausen- Strategie überwiesen. 3 Die häufigsten Wechseljahrsymptome, die die Arbeitsfähigkeit einschränken können, sind körperliche und geistige Erschöpfung (71%), Schlafstörungen (63%), Hitzewallungen und Schwitzen (43%), Reizbarkeit (48%) und depressive Verstimmungen (43%). Damit die Symptome nicht zu Arbeitsausfällen führen, hilft eine offene Kommunikation im Betrieb übers Thema und seine Verankerung im betrieblichen Gesundheitsmanagement. Im Kanton Zürich befinden sich geschätzt 300 000 Frauen in den Wechseljahren, sind zwischen 40 und 65 Jahren alt. Nicht alle von ihnen leiden. Unter Expertinnen gilt die Faustregel: Ein Drittel hat mit gravierenden Folgen zu kämpfen, ein Drittel spürt Symptome, kriegt sie aber in den Griff, ein Drittel bemerkt nichts, bis irgendwann die Menstruation aufhört. Angesichts des demografischen Wandels dürften in zehn Jahren bereits ein Viertel mehr Frauen im Kanton Zürich von den Wechseljahren betroffen sein. Das Thema wird immer drängender. Firmen wie Mercedes-Benz, die Neue Zürcher Zeitung oder die ZHAW haben das Risiko
1 https://thewomencircle.ch/menosupport-suisse/
2 https://www.ifaf-berlin.de/projekte/menosupport/
3 https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw42-de-wechseljahre-1023856 erkannt und führen bereits Weiterbildungen für Führungskräfte und/ oder Austauschmöglichkeiten für Frauen durch. Gut ausgebildete weibliche Angestellte nach ihrer reproduktiven Phase am Arbeitsplatz zu halten, ist angezeigt. Vor diesem Hintergrund bitten wir die Regierung um die Beantwortung folgender Fragen:
Erwägungen
1. Inwiefern ist sich der Kanton als Arbeitgeber des Phänomens Wechseljahre und der Folgen auf die Arbeitsverhältnisse der weiblichen Angestellten bewusst?
2. Wäre es sinnvoll, eine kantonale Fachstelle für das Thema zu bezeichnen, und welchen Auftrag müsste diese erhalten?
3. Welche Präventionsmassnahmen werden bereits getroffen? Wie können diese noch verbessert werden?
4. Welche Arbeitsmodelle oder -regelungen bestehen, die den Verbleib der betroffenen Frauen im Job fördern?
Dispositiv
Auf Antrag der Finanzdirektion beschliesst der Regierungsrat:
I. Die Anfrage Sabine Arnold, Zürich, und Mitunterzeichnende wird wie folgt beantwortet: Zu Frage 1: Der Kanton ist sich als Arbeitgeber der Auswirkungen der Wechseljahre auf das Arbeitsverhältnis seiner Mitarbeitenden bewusst. Er nimmt seine Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Mitarbeitenden ernst. Zu Frage 2: Der Kanton erachtet den Aufbau einer Fachstelle ausschliesslich für das Thema Wechseljahre als wenig sinnvoll. Es gibt eine Vielzahl von Lebenssituationen und gesundheitlichen Themen, die auf die Befindlichkeit von Mitarbeitenden im Arbeitsleben einen Einfluss haben können. Zu Frage 3: Beim Kanton besteht ein strukturiertes Absenzenmanagement. Dieses umfasst bei Auffälligkeiten Präventionsgespräche sowie nach krankheitsbedingten Abwesenheiten Rückkehrgespräche mit den Mitarbeitenden. Zudem sind zum Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz bereits einzelne Sensibilisierungs- und Informationsangebote umgesetzt. So hat Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich, die sich für die Gesundheit der Zürcherinnen und Zürcher einsetzt, im Auftrag der Gesundheitsdirektion im November 2024 ein Forum zum Thema Wech- seljahre durchgeführt. Das Forum BGM (betriebliches Gesundheitsmanagement) Zürich, an dem fünf Trägerorganisationen beteiligt sind, von Prävention und Gesundheitsförderung Kanton Zürich, hat das Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz zudem in einem Podcast aufgegriffen (bgm-zh.ch/praxis/podcast/wechseljahre). Der Kanton ist sich auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung der Bedeutung dieses Themas bewusst. Das Thema Wechseljahre am Arbeitsplatz ist bereits heute ein wichtiger Bestandteil der Massnahmen in der betrieblichen Gesundheitsförderung und wird es auch in Zukunft bleiben. Zu Frage 4: Es stehen beim Kanton bereits verschiedene Arbeitszeitmodelle zur Verfügung, darunter Homeoffice, Teilzeit und Gleitzeit. Damit bietet der Kanton eine breite Palette an Möglichkeiten, die individuell auf die jeweilige Arbeitssituation abgestimmt werden können. Es handelt sich dabei nicht um ausschliesslich auf Frauen in den Wechseljahren ausgerichtete Massnahmen. Dadurch wird vermieden, dass betroffene Mitarbeitende stigmatisiert werden.
II. Mitteilung an die Mitglieder des Kantonsrates und des Regierungsrates sowie an die Finanzdirektion.
Vor dem Regierungsrat Die Staatsschreiberin: Kathrin Arioli