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Nr. 40/2002/6

Art. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 ZGB; Art. 297, Art. 354 Ziff. 5 und Art. 364 Abs. 2 ZPO.

Rubrum

Art. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 ZGB; Art. 297, Art. 354 Ziff. 5 und Art. 364 Abs. 2 ZPO. Kantonales Rechtsmittel bei Sicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge und güterrechtlicher Beteiligungsforderungen (Entscheid des Obergerichts Nr. 40/2002/6 vom 10. Januar 2003 i.S. B.).

Gegen erstinstanzliche Verfügungen betreffend Sicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge und güterrechtlicher Beteiligungsforderungen ist der Rekurs zulässig.

Erwägungen

1.– Gemäss Art. 354 Ziff. 5 der Zivilprozessordnung für den Kanton Schaffhausen vom 3. September 1951 (ZPO, SHR 273.100) ist der Rekurs zulässig gegen Verfügungen im summarischen Verfahren; davon ausgenommen sind jedoch unter anderem Verfügungen, mit denen über vorsorgliche Massnahmen vor Anhängigmachung eines Rechtsstreites entschieden wurde, sowie Verfügungen über Eheschutzmassnahmen (Art. 354 Ziff. 5 lit. c und d ZPO). Nach Art. 364 Abs. 2 ZPO steht gegen Verfügungen, mit denen über vorsorgliche Massnahmen entschieden wurde, die Nichtigkeitsbeschwerde offen. Angefochten ist im vorliegenden Fall die von der Einzelrichterin verfügte Sicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge und einer güterrechtlichen Beteiligungsforderung nach Art. 132 Abs. 2 und Art. 218 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuchs vom 10. Dezember 1907 (ZGB, SR 220). Derartige Verfügungen ergehen im summarischen Verfahren (Art. 291 Abs. 2 ZPO). Es stellt sich daher die Frage, ob sie gemäss Art. 354 Ziff. 5 ZPO durch Rekurs anfechtbar sind. Die Einzelrichterin verneint dies aufgrund der zitierten Vorschriften von Art. 354 Ziff. 5 lit. c und d und Art. 364 Abs. 2 ZPO sowie unter Hinweis auf die Zielrichtung der Revision der Zivilprozessordnung vom 21. August 1995. Der Rekurrent ist hingegen der Auffassung, die streitigen Sicherstellungen fielen unter keinen der in Art. 354 Ziff. 5 ZPO umschriebenen Ausschlussgründe, weshalb der Rekurs zulässig sei. Bei der Sicherstellung geht es um die Sicherung der Erfüllung (Peter Breitschmid, Basler Kommentar, 2. A., Basel/Genf/München 2002, Art. 292 ZGB N. 2, S. 1558). Die Sicherstellung bildet – wie die Anweisung an die Schuldner – Teil der Vollstreckungssicherung nachehelicher periodischer Unterhaltsleistungen (vgl. Breitschmid, Art. 131/132 ZGB N. 2, S. 821) oder gü- terrechtlicher Forderungen. Dementsprechend ist Art. 132 ZGB den Bestimmungen des Scheidungsrechts über die Vollstreckung zugeordnet (vgl. den Randtitel "IV. Vollstreckung" zu Art. 131 ff. ZGB). Demnach geht es um ein Befehlsverfahren i.S.v. Art. 297 Ziff. 1 ZPO zur "Vollstreckung von Ansprüchen". Im Unterschied zu vorsorglichen Massnahmen dient die Sicherstellung künftiger Unterhaltsbeiträge (Art. 132 Abs. 2 ZGB) weder der Erhaltung des bestehenden Zustandes vor Anhängigmachung eines Rechtsstreites (Art. 297 Ziff. 2 ZPO) noch dem vorläufigen Rechtsschutz während des ordentlichen

Prozesses (vgl. Vogel/Spühler, Grundriss des Zivilprozessrechts, 7. A., Bern 2001, 12. Kapitel N. 190, S. 348). Voraussetzung für ihre Anordnung ist ein vollstreckbarer Anspruch der berechtigten Person (Sutter/Freiburghaus, Kommentar zum neuen Scheidungsrecht, Zürich 1999, Art. 132 ZGB N. 26, S. 369). Die Gläubigerin hat somit ihre Forderung nicht noch in einem Zivilprozess geltend zu machen. Was die Sicherstellung güterrechtlicher Ansprüche (Art. 218 Abs. 2 ZGB) anbetrifft, so besteht sie, "sofern es die Umstände rechtfertigen" (vgl. Heinz Hausheer, Basler Kommentar, 2. A., Basel/ Genf/München 2002, Art. 218 ZGB N. 15, S. 1207). Eine Qualifikation als vorsorgliche Massnahme ist gleichfalls auszuschliessen. Die Sicherstellungen nach Art. 132 und Art. 218 ZGB fallen damit nicht unter Art. 354 Ziff. 5 lit. c und d ZPO. Bei der Revision der Zivilprozessordnung vom 21. August 1995 ging es darum, durch Straffung der prozessualen Vorschriften die Justiz zu entlasten und die Prozesse entsprechend zu beschleunigen. Dieses Ziel der damaligen Gesetzesrevision kann jedoch eine Auslegung der massgebenden Vorschriften gegen den klaren Gesetzeswortlaut nicht rechtfertigen (BGE 126 III 54 E. 2d mit Hinweisen; OGE vom 8. September 2000 i.S. N., E. 1b aa, Amtsbericht 2000, S. 84; nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesgerichts Nr.4P.275/2000 vom 31. Januar 2001 i.S. N., E. 3, S. 4 ff.). Der Rekurs ist demnach gegen erstinstanzliche Verfügungen, mit denen eine Sicherstellung nach Art. 132 Abs. 2 oder Art. 218 Abs. 2 ZGB angeordnet wurde, aufgrund von Art. 354 Ziff. 5 ZPO zulässig.

Disposizioni modificate da allora

Questa decisione interpreta disposizioni il cui atto è stato nel frattempo nuovamente consolidato. Se sia cambiato l’articolo stesso non è registrato.

  • Legge federale di complemento del Codice civile svizzero, Art. 132 e Art. 218 — letto nella versione del 1 gennaio 2003; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 aprile 2003, 1 giugno 2003, 1 gennaio 2004, 1 maggio 2004, 1 luglio 2004, 1 gennaio 2005, 1 giugno 2005, 1 luglio 2005, 1 dicembre 2005, 1 gennaio 2006, 1 aprile 2006, 1 gennaio 2007, 1 maggio 2007, 1 gennaio 2008, 1 agosto 2008, 1 ottobre 2009, 1 gennaio 2010, 1 gennaio 2011, 1 gennaio 2012, 1 marzo 2012, 1 ottobre 2012, 1 gennaio 2013, 28 maggio 2013, 1 gennaio 2014, 1 luglio 2014, 1 luglio 2015, 1 gennaio 2016, 1 luglio 2016, 1 gennaio 2017, 1 aprile 2017, 1 novembre 2019, 1 gennaio 2020, 1 aprile 2020, 1 gennaio 2021, 1 febbraio 2021, 1 maggio 2021, 1 luglio 2021, 1 gennaio 2022, 1 gennaio 2023, 9 febbraio 2023, 1 settembre 2023, 1 gennaio 2024, 1 gennaio 2025, 8 luglio 2025, 1 ottobre 2025 e 1 gennaio 2026.
  • Codice di diritto processuale civile svizzero, Art. 291, Art. 297, Art. 354 e Art. 364 — letto nella versione del 1 gennaio 2001; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 luglio 2004, 1 gennaio 2007, 1 gennaio 2011, 1 gennaio 2012, 1 gennaio 2013, 1 maggio 2013, 1 luglio 2014, 1 gennaio 2016, 1 gennaio 2017, 1 gennaio 2018, 1 gennaio 2020, 1 luglio 2020, 1 gennaio 2021, 1 gennaio 2022, 1 luglio 2022, 1 gennaio 2023, 1 settembre 2023, 1 gennaio 2025 e 1 luglio 2026.