034-20-V2007-01.01.pdf
Steuerverwaltung
StP 34 Nr. 20
Krankheits- und Unfallkosten sowie behinderungsbedingte Kosten
1. Allgemeines
Gemäss § 34 Abs. 1 Ziff. 10 StG können die Krankheits-, Unfall- oder Invaliditätskos- ten des Steuerpflichtigen und derjenigen Personen, für welche er einen Kinder- oder Unterstützungsabzug geltend machen kann, von den Einkünften abgezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Steuerpflichtige die Kosten selber trägt und diese 5 % des Reineinkommens übersteigen. Behinderungsbedingte Kosten des Steuerpflichtigen oder der von ihm unterhaltenen Personen mit Behinderungen im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes kön- nen gemäss § 34 Abs. 1 Ziff. 12 StG ab der Steuerperiode 2005 ohne Selbstbehalt von den Einkünften abgezogen werden. Voraussetzung dafür ist, dass der Steuer- pflichtige die Kosten selber trägt. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat im Kreisschreiben Nr. 11/2005 vom 31.08.2005 die Abzugsfähigkeit von Krankheits- und Unfallkosten sowie von behin- derungsbedingten Kosten ausführlich beschrieben.
2. Krankheits- und Unfallkosten
2.1. Allgemeines
Zu den Krankheits- und Unfallkosten werden die Ausgaben für Massnahmen zur Er- haltung und Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Gesundheit ge- rechnet. Diese Massnahmen müssen in der Regel ärztlich oder zahnärztlich ange- ordnet sein. Es können nur ungedeckte Krankheits- und Unfallkosten abgezogen werden. Sämt- liche von Dritten erbrachten Leistungen zur Deckung dieser Kosten werden ange- rechnet.
2.2. Kategorien von Kosten
2.2.1. Kosten für Zahnbehandlungen
Zahnbehandlungskosten sind den Krankheitskosten gleichgestellt, sofern es sich um Kosten zur Behebung von Zahnkrankheiten, Kosten für Zahnkorrekturen, für kieferor- thopädische Eingriffe oder für Dentalhygiene handelt. Nicht abzugsfähig sind hingegen Kosten, die durch Behandlungen rein kosmetischer Art (z.B. Bleichen) verursacht werden.
2.2.2. Kosten für Heilmassnahmen
Die Kosten besonderer Heilmassnahmen wie Massagen, Bestrahlungen, Heilbäder, Kuraufenthalte, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychotherapie etc. gelten als abzugsfähig, sofern sie ärztlich verordnet sind und von diplomierten Personen durchgeführt werden.
01.01.2007 - 1/4 - ersetzt 10.10.2005
Steuerverwaltung
StP 34 Nr. 20
2.2.3. Kosten für Kuraufenthalte
Die Kosten für ärztlich verordnete Kur- und Erholungsaufenthalte gelten als Krank- heitskosten, soweit die Auslagen die im eigenen Haushalt eingesparten Lebenshal- tungskosten, d.h. jedenfalls mindestens die eingesparten Verpflegungskosten, über- steigen (Ansätze gemäss Merkblatt N2/2001 der ESTV „Naturalbezüge von Arbeit- nehmenden“, derzeit Fr. 20 pro Tag für eine erwachsene Person). Nicht als Krankheitskosten anerkannt werden die Transportkosten (vgl. Ziff. 2.3.9) sowie eigentliche Luxusausgaben im Bereich der Hotellerie.
2.2.4. Kosten für Alternativmedizin
Die Kosten für naturheilärztliche Behandlungen gelten als abzugsfähig, wenn die Be- handlung von einem anerkannten Naturheilpraktiker verordnet wird.
2.2.5. Kosten für Medikamente und Heilmittel
Die Kosten für Medikamente und Heilmittel werden nur zum Abzug zugelassen, wenn sie von einem Arzt oder einem anerkannten Naturheilpraktiker verordnet sind.
2.2.6. Pflegekosten
Abzugsfähig sind die Kosten für die krankheits- oder unfallbedingte ambulante Pflege zu Hause. Unwesentlich ist dabei, wer diese Pflegeleistungen erbringt (Kranken- schwester, Spitexorganisationen, private Pflegekräfte etc.). Kein Abzug kann jedoch gemacht werden für unentgeltlich erbrachte Pflegeleistungen. Werden die Dienste einer ambulanten Pflege, die auch den Haushalt besorgt, in An- spruch genommen, so sind diese Kosten angemessen in Pflege- und nichtabziehba- re Lebenshaltungskosten aufzuteilen.
2.2.7. Pflegekosten in Alters- und Pflegeheimen
Altersgebrechen gelten erst ab einem bestimmten Grad als Behinderung. Es wird davon ausgegangen wird, dass Bewohner von Altersheimen, für die ein Pflege- und Betreuungsaufwand von weniger als 60 Minuten pro Tag anfällt, ohne medizinische Indikation im Heim wohnen. In diesem Fall stellen die Heimkosten grundsätzlich Le- benshaltungskosten dar und sind nicht abzugsfähig. Separat in Rechnung gestellte Pflegekosten sind jedoch als Krankheitskosten abziehbar. Die Abzugsfähigkeit von Pflegeheimkosten bei Behinderung ist in der Steuerpraxis StP 34 Nr. 21, Ziff. 3.2.4, dargestellt.
2.2.8. Kosten für Fortpflanzungshilfen
Sowohl die Kosten für Hormonbehandlungen, als auch diejenigen, welche aufgrund von homologer künstlicher Insemination oder In-vitro-Fertilisation anfallen, werden als abzugsfähige Krankheitskosten anerkannt. Die Abzugsfähigkeit besteht auch, wenn der Eingriff und damit die Kosten beim "ge- sunden" Ehepartner anfallen.
ersetzt 10.10.2005 - 2/4 - 01.01.2007
Steuerverwaltung
StP 34 Nr. 20
2.2.9. Transportkosten
Transportkosten zum Arzt, zu Therapien etc. stehen mit der Behandlung einer Krankheit bzw. eines Unfalls in der Regel nur indirekt in Zusammenhang. Sie sind deshalb grundsätzlich nicht als Krankheits- bzw. Unfallkosten abzugsfähig. Dies gilt auch für die Fahrt- und Aufenthaltskosten von Angehörigen. Ausnahmsweise sind medizinisch notwendige Transport-, Rettungs- und Bergungs- kosten abzugsfähig, sofern aus gesundheitlichen Gründen weder die Benützung des öffentlichen Verkehrsmittels noch des privaten Motorfahrzeugs möglich oder zumut- bar ist (z.B. Transport mit dem Krankenwagen, der Rega etc.).
2.2.10. Kosten für Diäten
Die Mehrkosten einer ärztlich angeordneten, lebensnotwendigen Diät (z.B. Zöliakie, Diabetes) können abgezogen werden. Gleiches gilt für die Mehrkosten von Spezial- nahrung (Aufbau- und Sonderkost, Ergänzungsnahrung etc.), die auf ärztliche An- ordnung hin eingenommen werden muss. Anstelle der effektiven Kosten kann bei andauernden, lebensnotwendigen Diäten eine Pauschale von Fr. 2 500 geltend gemacht werden. An Diabetes erkrankte Per- sonen können jedoch nur die effektiven Mehrkosten zum Abzug bringen.
3. Nicht abzugsfähige Kosten
Nicht als Krankheits- und Unfallkosten, sondern als nicht abzugsfähige Lebenshal- tungskosten geltend Aufwendungen, welche
den Rahmen üblicher und notwendiger Massnahmen übersteigen;
nur mittelbar oder indirekte mit einer Krankheit oder einer Heilung bzw. Pflege im Zusammenhang stehen (z.B. Transportkosten zum Arzt, Besucherkosten, Ersatz von Bodenbelägen für Asthmatiker);
der Prävention dienen (z.B. Abonnement für Fitness-Center);
zum Zwecke der Selbsterfahrung, Selbstverwirklichung oder Persönlichkeitsreifung (z.B. Psychoanalysen) getätigt werden;
zum Zwecke der Erhaltung oder Steigerung der körperlichen Schönheit und des körperlichen Wohlbefindens (z.B. Schönheits- oder Verjüngungsbehandlungen, Schlankheitskuren oder -operationen, sofern sie nicht ärztlich verordnet sind) getä- tigt werden.
Die Krankenkassenprämien stellen keine Krankheitskosten dar. Sie können nur im Rahmen des Pauschalabzuges für Versicherungsprämien und Zinsen von Sparkapi- talien (vgl. StP 34 Nr. 19) berücksichtigt werden.
4. Behinderungsbedingte Kosten
Die Ausführungen zu den behinderungsbedingten Kosten finden Sie in der Steuer- praxis unter StP 34 Nr. 21.
01.01.2007 - 3/4 - ersetzt 10.10.2005
Steuerverwaltung
StP 34 Nr. 20
5. Unterstützte Personen
Ein Beispiel für die Berechnung der abzugsfähigen Krankheits- und Unfallkosten so- wie behinderungsbedingten Kosten für unterstützte Personen finden Sie in der
Steuerpraxis unter StP 34 Nr. 22.
6. Berechnung der abzugsfähigen Kosten
Nur ungedeckte Krankheits- und Unfallkosten und behinderungsbedingte Kosten können abgezogen werden. Angerechnet werden sämtliche von Dritten erbrachten
Leistungen zur Deckung dieser Kosten. Ebenso abgezogen | wird, falls vorhanden, ein | ||
Anteil an den Lebenshaltungskosten | (z.B. für Ernährung | und Unterkunft). | |
Beispiel | |||
2007 / Beträge in Fr. | |||
Krankheits- und Behinderungs- Unfallkosten bedingte Kosten | |||
A. Aufwendungen | |||
Arztkosten Ehemann | 2 500 | ||
Arztkosten Ehefrau | 1 000 | ||
Zahnarztkosten | 2 500 | ||
Kosten Tetraplegie Ehefrau 1) | 26 000 | ||
Total Aufwendungen | 6 000 | 26 000 | |
B. Vergütungen etc. | |||
Vergütungen der Krankenkasse | 2 000 | 6 000 | |
Hilflosenentschädigung mittlerer Grad IV 1) | 12 900 | ||
Total Vergütungen | 2 000 | 18 900 | |
C. Berechnung behinderungsbedingte | Kosten | ||
Total der Aufwendungen | 26 000 | ||
Total der Vergütungen | ./. 18 900 | ||
Abzugsfähige behinderungsbedingte Kosten | 7 100 | ||
D. Berechnung Krankheits- und Unfallkosten | |||
Total der Aufwendungen | 6 000 | ||
Total der Vergütungen | ./. 2 000 | ||
Total der Auslagen netto | 4 000 | ||
5 % Selbstbehalt 2) | ./. 2 200 | ||
Abzugsfähige Kosten | 1 800 | ||
1) | |||
Anstelle der ungedeckten behinderungsbedingten Mehrkosten für die Tetraplegie (Aufwand abzüglich Vergütungen Krankenkasse/IV) hätte auch ein Pauschalabzug von Fr. 5 000 geltend gemacht werden können (vgl. StP 34 Nr. 21, Ziff. 3.3).
2) | |||
Selbstbehalt bei einem Nettoeinkommen von Fr. 44 000 | |||
ersetzt 10.10.2005 | - 4/4 - | 01.01.2007 | |