12.013

Einsatz von Angehörigen der Armee zum Schutz der Schweizer Vertretung in Tripolis

Verfahrensbeitrag

Antrag der Mehrheit

Eintreten

Antrag der Minderheit

(Fehr Hans, Bortoluzzi)

Nichteintreten

Proposition de la majorité

Entrer en matière

Proposition de la minorité

(Fehr Hans, Bortoluzzi)

Ne pas entrer en matière

Allemann Evi · Mit-F · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion

Das Geschäft zur Bewilligung des Einsatzes von Angehörigen der Schweizer Armee zum Schutz der Schweizer Botschaft in Tripolis hat in der Kommission nicht allzu hohe Wellen geworfen. Die Kommission beschloss ohne Gegenantrag, auf das Geschäft einzutreten. Erst vor der Gesamtabstimmung gab es eine kleine Opposition. Zwei Mitglieder haben das Geschäft dann abgelehnt. Darauf hat Kollege Hans Fehr einen Antrag auf Ablehnung in der Gesamtabstimmung eingereicht. Dieser wurde gemäss Artikel 74 Absatz 5 des Parlamentsgesetzes in einen Nichteintretensantrag umgewandelt. Deshalb ist heute im Gegensatz zur Debatte in der Kommission das Eintreten umstritten.

Die Schweiz hat ihre Präsenz in Libyen auch während der Kämpfe so weit als möglich aufrechterhalten. Dies erfolgte zuerst über ihr Büro für humanitäre Hilfe, danach über das Verbindungsbüro in Bengasi. Ab September 2011 hat sich die Sicherheitslage stabilisiert. Am 15. Oktober 2011 wurde die Schweizer Botschaft wiedereröffnet. Dies ist angesichts der Spannungen und Konflikte zwischen Milizen und der grossen Verfügbarkeit von Waffen mit gewissen Risiken verbunden. Das war ein Thema in der Diskussion in der Kommission und allen sehr wohl bewusst.

Ein Teil der Länder, die ihre Botschaften wiedereröffnet haben, stellt den Schutz mit eigenen bewaffneten Sicherheitskräften sicher, andere nehmen die Dienste internationaler Sicherheitsunternehmen in Anspruch. Dies hat in einer ersten Phase auch die Schweiz getan. Im Oktober 2011 betraute das EDA die private Firma Aegis kurzfristig für die ersten drei Monate mit dem Schutz der Botschaft. Dies stiess in der Kommission auf teils heftige Kritik. Viele Exponenten brachten in der Debatte zum Ausdruck, dass dieses Vorgehen nicht akzeptabel sei. Sie gaben ihrer Erleichterung Ausdruck, als der Bundesrat am 9. Dezember letzten Jahres dann beschloss, für sechs Monate ein Detachement der Schweizer Armee mit Schutzaufgaben zu betrauen.

Dieses Engagement der Armee beruht auf Artikel 69 Absatz 2 des Militärgesetzes und kann, je nach Lage vor Ort, verlängert werden. Die Verantwortung für diesen Einsatz liegt beim EDA. Gemäss Artikel 70 Absatz 1 des Militärgesetzes ist der Bundesrat für das Aufgebot zuständig. Da der Einsatz aber länger als drei Wochen dauert, ist eine Genehmigung der Bundesversammlung erforderlich. Deshalb diskutieren und entscheiden wir heute über dieses Geschäft.

Der Bundesrat hat die Botschaft zum Einsatz in Libyen am 18. Januar 2012 verabschiedet. Die Botschaft umreisst die Situation in Libyen, sie umreisst auch die Grundzüge des konkreten Einsatzes zum Schutz der Botschaft. Die Schweizer Soldaten haben insbesondere die Aufgabe, das Botschaftspersonal und das Botschaftsgebäude zu bewachen. Sie müssen die Mission bei der Optimierung ihrer Schutzmassnahmen beraten. Das Personal für das Schutzdetachement wird vom Kommando Spezialkräfte der Armee gestellt, d. h. vom Armee-Aufklärungsdetachement 10 und vom Spezialdetachement der Militärpolizei.

Die Kommission empfiehlt Ihnen mit 17 zu 2 Stimmen bei 4 Enthaltungen, die Vorlage gutzuheissen.

Hiltpold Hugues · Mit-M · Nationalrat · Genf · FDP-Liberale Fraktion

Ce projet prévoit de confirmer l'engagement de l'armée pour assurer la protection de notre ambassade à Tripoli en Libye. Il convient de rappeler que cet engagement a été décidé par le Conseil fédéral et que ce détachement de l'armée a été déployé dès la mi-janvier de cette année. Il appartient maintenant à notre conseil, après le Conseil des Etats, de se prononcer sur cet engagement, conformément à la législation en vigueur.

La Libye a connu l'année passée un soulèvement populaire et de nombreux combats. Cette instabilité a eu pour conséquence la nécessité de fermer l'ambassade suisse à Tripoli, même si une présence humanitaire a été maintenue à Benghazi dès mars 2011. La réouverture de l'ambassade suisse à Tripoli a été effective dès mi-octobre 2011, et se justifie par notre solidarité et notre intérêt pour la reconstruction de ce pays.

Il va sans dire que la Suisse peut apporter son expérience dans la reconstruction de ce pays. Il va également sans dire que la transition entre la tyrannie et la démocratie est un processus délicat, notamment au moment de l'organisation d'élections. C'est là que notre pays pourra être très utile.

Aujourd'hui, la situation sécuritaire n'est pas stable. Bon nombre d'armes en circulation au sein des milices présentent un risque pour le personnel de l'ambassade, qu'il faut impérativement protéger. Il convient de rappeler à ce stade que, conformément à la Convention de Vienne, il revient à l'Etat hôte de garantir la sécurité des lieux diplomatiques.

Aujourd'hui, le Conseil national de transition libyen n'est pas encore en mesure d'assurer cette protection. C'est la raison pour laquelle les différentes représentations diplomatiques des Etats présentes en Libye ont fait appel à leur armée, à leur police ou à des sociétés privées de sécurité.

La Suisse, comme d'autres Etats dans la même situation, a fait appel dans un premier temps à une société de sécurité, pour une durée de trois mois, puis dans un second temps à un détachement de l'armée suisse.

Je voudrais rappeler que la loi sur l'armée prévoit, à son article 69 alinéa 2, que les intérêts suisses doivent être protégés, et qu'à ce titre la sécurité de notre ambassade se justifie. Le Conseil fédéral a la latitude d'engager de tels dispositifs, pour autant que les Chambres fédérales en soient dûment informées et surtout, qu'elles confirment l'engagement prévu. La durée prévue de cet engagement est de six mois, un engagement de type policier plutôt que militaire, puisque le dispositif mis en place s'articule autour de la protection des personnes qui travaillent à l'ambassade ou dans le périmètre de protection, mais aussi, bien entendu, autour de leurs déplacements.

Les coûts de cet engagement s'élèvent à 600 000 francs, soit 100 000 francs par mois, et représentent les coûts de subsistance, de transport et d'indemnités de sécurité.

A noter également que l'arrêté fédéral qui vous est proposé prévoit, le cas échéant, l'autorisation de renouveler cet engagement pour une deuxième période de six mois. Si d'aventure une période supplémentaire s'avérait nécessaire, une nouvelle décision des chambres devrait intervenir.

Ce sont toutes ces raisons qui ont poussé la Commission de la politique de sécurité à voter cet arrêté fédéral par 17 voix contre 2 et 4 abstentions.

S'agissant de la proposition de minorité Fehr Hans de non-entrée en matière, il convient de préciser qu'aucune proposition de non-entrée en matière n'avait été déposée en commission, celle-ci ayant voté l'entrée en matière à l'unanimité.

Lors du vote sur l'ensemble, notre collègue Fehr Hans a déposé une proposition de minorité demandant le rejet de l'objet. Cette proposition a été transformée en proposition de non-entrée en matière, conformément à l'article 74 alinéa 5 de la loi sur le Parlement.

Au nom de la commission, je vous invite donc à voter cet arrêté fédéral.

Fehr Hans · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Vielleicht sind wir, die für Nichteintreten votieren, so etwas wie Rufer in der Wüste. Aber ich kann Ihnen sagen, wir sind dies aus tiefster Überzeugung und aus grosser Besorgnis heraus über dieses Engagement. Wir plädieren für Nichteintreten aus den folgenden Gründen: Jeder Staat auf der Welt hat eine völkerrechtliche Verpflichtung, wonach er Botschaften auf seinem Territorium schützt. Auch wenn das schwierig ist, muss er diese Aufgabe wahrnehmen. Das ist eine ureigene, hundertprozentige völkerrechtliche Verpflichtung. Wenn es nicht gewährleistet werden kann, aus welchen Gründen auch immer, dann muss man eben das Botschaftspersonal vorübergehend zurückziehen. Das ist die logische Konsequenz, sonst begibt man sich in Abenteuer, die nicht vereinbar sind mit unseren Grundsätzen der Sicherheit und der Nichteinmischung in fremde Angelegenheiten.

Es kommt dazu, dass es heute in Libyen praktisch keine Schweizer gibt, die zu beschützen oder deren Interessen wahrzunehmen wären. Allfällige Interessen können durchaus über die Botschaft in Kairo wahrgenommen werden.

Stellen Sie sich vor, wie brandgefährlich es ist, wenn eine Militäreinheit der neutralen Schweiz dort bewaffnet "für Sicherheit sorgt", wenn sie, und das nicht nur um die Botschaft herum, sondern auch wenn sich Botschaftsangehörige zum Beispiel in Tripolis oder im Land verschieben, den Begleitschutz übernehmen muss! Das kann zu brandgefährlichen Situationen führen, auf die wir uns nicht einlassen dürfen.

Wenn Sie dieses Detachement in Tripolis, in Libyen belassen, dann können Sie mit der gleichen Begründung sagen: Auch andere Staaten sind unsicher - es hat viele davon auf der Welt, in Afrika, im Mittleren und Nahen Osten, Syrien zum Beispiel -, auch dort müssen schweizerische Soldaten für Sicherheit sorgen. Das wird uferlos und unabsehbar.

Wenn es sogar so sein sollte, was ich auf dem Latrinenweg auch immer wieder höre, dass dieser Einsatz quasi eine Rechtfertigung ist für das Armee-Aufklärungsdetachement 10 (AAD 10), dann sind wir vollends auf dem Holzweg. Es geht ja nicht darum, für eine Spezialistentruppe eine Aufgabe zu suchen; das wäre absurd.

Wenn man uns sagt, das Ganze sei nicht so schlimm, es gebe eine Befristung auf sechs Monate, allenfalls könne man es noch etwas verlängern, dann muss ich Sie warnen: Wir haben genügend Beispiele, bei denen solche Verpflichtungen uferlos geworden sind, etwa bei der Botschaftsbewachung in der Schweiz. So sagte man bei der türkischen Botschaft auch, das sei befristet, für eine ganz kurze Zeit - am Schluss waren es zehn Jahre. Ein analoges Beispiel ist der Swisscoy-Kosovo-Einsatz, bei dem man auch gesagt hat, er sei befristet, nur für eine ganz kurze Zeit, und jetzt sind es auch ungefähr zehn Jahre, dass die Leute dort sind.

Ich bitte Sie, kein Schweizer Militär an diese gefährlichen Orte zu schicken, lassen Sie sich nicht auf sicherheitspolitische, auf militärische Abenteuer ein, es ist brandgefährlich! Dafür, dass der libysche Staat, der mit der Übergangsregierung ja einigermassen funktioniert, an diesen Stellen die Sicherheit vorläufig tatsächlich nicht gewährleisten kann, habe ich Verständnis, aber dann können wir das schweizerische Botschaftspersonal ohne Schaden vorübergehend zurückziehen.

Vielen Dank dafür, dass Sie den Antrag auf Nichteintreten unterstützen.

Eichenberger-Walther Corina · Mit-F · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion

Namens der FDP-Liberalen Fraktion bitte ich Sie, auf die Vorlage einzutreten, den Minderheitsantrag auf Nichteintreten abzulehnen und den Einsatz unserer Armeeangehörigen zum Schutz der Schweizer Vertretung in Tripolis zu genehmigen.

Nach dem Revolutions- und Befreiungskrieg ist das Land noch nicht zur Ruhe gekommen. Es wurde ein Übergangsrat eingesetzt, der nicht demokratisch abgestützt ist. Die Sicherheitslage ist nicht stabil, und die Wirren und Unsicherheiten bezüglich der Machtverhältnisse werden wohl noch einige Zeit andauern. Trotzdem ist im Allgemeinen für die dort lebenden Menschen eine Art Courant normal eingetreten.

Der Bundesrat hat am 15. Oktober 2011 die schweizerische Botschaft in Tripolis wiedereröffnet. Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen war ein zentraler Entscheid des Bundesrates. Damit zeigt unser Land den Willen, gemeinsam mit anderen Ländern von Beginn an für den Wiederaufbau des Landes vor Ort zu sein und dem libyschen Volk Hilfe und Gute Dienste zur Verfügung zu stellen. Verbunden damit ist die Wahrnehmung der politischen und wirtschaftlichen Interessen unseres Landes. Nachdem die Gewährleistung der Sicherheit des Botschaftspersonals zu Beginn aufgrund des entsprechenden Entscheides des Bundesrates von einer privaten Sicherheitsfirma übernommen worden war, entschied der Bundesrat im Dezember, gestützt auf das Militärgesetz, zu Recht, die Verantwortung für den Schutz des Personals unserer Botschaft und für die Optimierung der Schutzmassnahmen ab Mitte Januar Spezialkräften der Armee, bestehend aus dem Armee-Aufklärungsdetachement 10 und der Militärpolizei, zu übertragen.

Es sind gut ausgebildete Profis, die den Assistenzdienst im Ausland vorerst für sechs Monate übernommen haben. Ein Dauerauftrag soll daraus nicht werden. An sich wäre es der Staat Libyen, der gemäss Wiener Konvention für die Bewachung der Botschaften in seinem Land verantwortlich und zuständig wäre. Dieser Staat besteht jedoch noch gar nicht richtig, und er ist zu wenig geordnet und organisiert. Auch gibt es dort noch keine verlässlichen lokalen Sicherheitskräfte. Weil nun die Sicherheit unseres Personals in der Botschaft nicht gewährleistet werden kann, wird der Einsatz unserer Truppen notwendig. Wir würden den Schutz unserer Botschaft durch diplomatische Vertretungen und Sicherheitskräfte eines anderen Landes ja ablehnen, denn es ist die Aufgabe unseres Landes selbst, in Eigenverantwortung für den Schutz unserer Vertretung, der Residenz des Personals sowie der Sachgüter zu sorgen. Es ist für unser Land richtig und wichtig, diese Eigenverantwortung wahrzunehmen, auch wenn dieser Einsatz nicht ohne Risiken ist. Unsere Truppen, das Armee-Aufklärungsdetachement 10 und die Militärpolizei, bestehen aus hervorragend ausgebildeten Profis, die auch die notwendige Coolness und Abgeklärtheit mitbringen.

Ich ersuche Sie deshalb im Namen der FDP-Liberalen Fraktion, den Minderheitsantrag auf Nichteintreten abzulehnen, auf die Vorlage einzutreten und sie gemäss Beschluss des Ständerates zu genehmigen.

Fischer Roland · Mit-M · Nationalrat · Luzern · Grünliberale Fraktion

Die grünliberale Fraktion wird dem Antrag der Mehrheit der Kommission zustimmen; sie wird eintreten und den Einsatz genehmigen. Ich bitte Sie, dies ebenfalls zu tun.

Die Schweizer Botschaft in Tripolis wurde Mitte Oktober 2011 wiedereröffnet. Zwar hat sich die Sicherheitslage seit dem Sturz von Ghaddafi verbessert, dennoch ist Libyen von einem funktionierenden Staatswesen noch weit entfernt. Es zeichnet sich ausserdem ab, dass gerade die Frage der regionalen Autonomie und des föderalistischen Staatsaufbaus eine grosse Herausforderung für Libyen sein wird. So wurden zum Beispiel in der Region Bengasi bereits Forderungen nach Autonomie laut. Diese Forderungen wurden von der Zentralregierung prompt zurückgewiesen. Gerade für Fragen des Föderalismus haben wir in der Schweiz ein grosses Verständnis. Es versteht sich, dass es sich hier für uns anbietet, unsere Erfahrung einzubringen.

Angesichts der grossen Verfügbarkeit von Waffen bei den Milizen und in der Bevölkerung sind jedoch in Libyen solche föderalistischen Bestrebungen zweifellos mit Risiken in Bezug auf die Sicherheit verbunden. Ausserdem spielen unter diesen Voraussetzungen auch die Stammesloyalitäten, welche im arabischen Raum häufig die staatlichen Institutionen überlagern oder sogar ersetzen, eine grosse Rolle. Gemäss internationalen Abkommen über diplomatische Beziehungen hätte Libyen eigentlich die Pflicht, ausländische Botschaften zu schützen. Die Sicherheitskräfte der Übergangsregierung sind jedoch zurzeit noch nicht in der Lage, die ausländischen Vertretungen angemessen zu bewachen.

In dieser ausserordentlichen Situation ist es doch Aufgabe der Schweiz selbst, für die Sicherheit ihres im Ausland arbeitenden Personals zu sorgen. Klar bestehen bei einem solchen Einsatz auch Risiken. Wir kommen jedoch nicht darum herum, mit unserem wertvollen Engagement im Ausland solche Risiken mitzutragen. Zudem verfügt unsere Armee über Spezialisten, die speziell für solche Einsätze ausgebildet und ausgerüstet sind. Wir begrüssen deshalb den Einsatz dieses Armeedetachements zum Schutz unserer Vertretung in Tripolis.

Was uns jedoch etwas befremdet, ist der Umstand, dass für die Sicherheitsaufgaben in Tripolis in einer ersten Phase nicht das Detachement der Armee, sondern eine private Söldnerfirma eingesetzt worden ist. Der Umstand, dass ein sofortiger Einsatz der Armee offenbar aufgrund von Meinungsverschiedenheiten zwischen den zuständigen Departementen nicht möglich war, ist aus unserer Sicht besorgniserregend. Einmal mehr scheint es, dass die Krisentauglichkeit der Entscheidungsprozesse im Bundesrat nicht gewährleistet ist. Wir fordern deshalb den Bundesrat auf, diese Prozesse zu analysieren und so anzupassen, dass in Zukunft in einem ähnlichen Fall schnell entschieden werden und die Armee sofort zum Einsatz kommen kann.

Im Namen der grünliberalen Fraktion bitte ich Sie, einzutreten und den Einsatz zu genehmigen.

Müller Geri · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Grüne Fraktion

Die grüne Fraktion hat sich mit diesem Geschäft sehr, sehr schwergetan. Sie können sich vorstellen, warum. Wir waren damals die Fraktion, die das AAD 10 massiv kritisierte und vor allem auch die Art, wie es entstanden ist. Wir haben uns also sehr gut überlegt, wie wir die Frage dieses Einsatzes beantworten sollen. Wir haben eine Analyse gemacht, die ich Ihnen gerne präsentieren möchte.

Die erste Frage war: Was soll die Schweiz in Tripolis wirklich machen? Braucht es dort eine Botschaft? Braucht es dort eine Schweizer Vertretung? Wenn man die Berichterstattung der Schweizer Medien oberflächlich betrachtet, hat man das Gefühl, in Libyen sei jetzt der Friede ausgebrochen. Ein Übergangsrat ist da; er arbeitet, damit dieses Land vernünftig und normal verwaltet werden kann. Was wir aber auch wissen, ist, dass das Interesse an diesem Land eigentlich ein ganz anderes war, dass die menschenrechtliche Situation unter Ghaddafi ein Vorwand für den Eingriff in Libyen war. Warum? Libyen ist das afrikanische Land mit den meisten Ölressourcen: 46 Milliarden Barrel Öl werden dort erwartet. Zurzeit wird in Libyen täglich wieder rund 1 Million von insgesamt 85 Millionen Barrel gefördert. Mit anderen Worten: Dieses Land hat enorm viel dazu beigetragen, den extremen Durst nach Öl zu löschen. Die Franzosen haben sich bereits vor dem Angriff einen Drittel der Reserven gesichert, die Briten haben unter ihrem Aussenminister festgehalten, dass sie einen weiteren Drittel beanspruchen. Das waren ungefähr die Zusagen für die gemeinsame Intervention in Libyen. So weit die Interessen an der Intervention.

Und wenn man sich vorstellt, dass Libyen 150 Milliarden US-Dollar in anderen Ländern hat, Geld, das jetzt zurückfliessen sollte, weiss man auch, dass dieser Staat Geld zum Investieren hat. Ein Investitionsbedarf von 250 Milliarden Dollar - auch dazu hat Philip Hammond ganz klar gesagt: Grossbritannien muss an vorderster Front sein, wenn es darum geht, Investitionen tätigen zu können. Es geht also um ein Investitionsgehabe in diesem Land.

Wir wissen seit ein paar Tagen, dass die Cyrenaika, der Osten des Landes, bereits seine Abspaltung bekanntgegeben hat - da kann Tripolis noch lange sagen, sie akzeptierten das nicht. Die Cyrenaika wird stark unterstützt von Saudi-Arabien und wird vermutlich ihre Interessen auch durchsetzen können.

Die menschenrechtliche Situation in Libyen ist katastrophal. Es gibt über 300 verschiedene Milizen, die aktiv sind, und über eine Million Leute, die unter Waffen stehen und diesen Milizen zum Teil zugetan sind. Das ist die menschenrechtliche Situation. Die Lage ist so, dass eigentlich weiterhin ein Bürgerkrieg herrscht.

Die Frage ist jetzt, welche Rolle die Schweiz nun in diesem zerstrittenen Land spielen soll; das ist auch das, was wir mit den Experten des EDA diskutiert haben. Für uns ist es ganz klar: Die Schweiz ist nicht dort, um auch noch irgendwie einen Fünftel oder Sechstel von diesen Ölvorkommen einzufordern, sondern um das zu tun, was sie bis jetzt in anderen Ländern gemacht hat und wofür sie vor allem auch in arabischen Ländern bekannt war: wo immer möglich dort zu intervenieren, wo die Menschenrechte zuoberst auf der Liste stehen. Das ist das, was die grüne Fraktion vom EDA erwartet, dass es genau diese Funktion wahrnimmt und nicht in erster Linie die wirtschaftliche Funktion; dass es dort die Möglichkeit wahrnimmt, eine Stimme für die Menschenrechte erschallen zu lassen. Das EDA hat das bisher noch zögerlich gemacht. Ich erwarte, nach diesem Schutz und nach der Arbeit der Botschaft in Tripolis, dass das wirklich gemacht wird.

Wenn man also die Frage, ob die Schweiz in Tripolis sein soll, mit Ja beantwortet, dann ist es nach meinen Ausführungen auch klar, dass es nicht möglich ist, dass Libyen unsere Leute schützt. Deshalb muss die Botschaft dort geschützt werden. Was nicht geht, aber in der Vergangenheit der Fall war, ist, dass sie ausgerechnet von einer Firma geschützt wird - sie heisst Aegis -, die eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen, insbesondere in Irak, hinter sich hat. Von einer solchen Mannschaft sollte die Schweizer Botschaft nicht geschützt werden.

Dann kommt halt die Frage auf: Von wem denn sonst? Wenn man schon dieses Wagnis eingeht und in Libyen für die Menschenrechte einsteht, dann soll halt auch die dortige Botschaft von einem schweizerischen Spezialkorps verteidigt werden. Das ist mit den Leuten des AAD 10, die dafür ausgebildet worden sind, möglich, und zwar dann, wenn auch das Einverständnis von Tripolis vorliegt. Es ist auch so, dass Tripolis diesen Einsatz unterstützen wird. Dann ist es effektiv möglich, das zu machen. Wenn man dieses AAD 10 schon hat, dann soll man es für eine solche Aufgabe einsetzen - das ist eine Idee, die wir unterstützen können - und nicht irgendwie für kriegerische Ereignisse im Osten von Somalia.

Zur Befristung, die Hans Fehr angesprochen hat: Ja, Hans Fehr, Sie haben teilweise Recht, es sind Befristungen teilweise unkoordiniert überschritten worden. Das ist das, was wir ganz genau anschauen wollen: Was ist das Resultat nach einem halben Jahr, was war der Effekt des Schweizer Einsatzes in Libyen, was konnte die Schweiz wirklich für die menschenrechtliche Situation in diesem Land machen? Allenfalls müssen wir dann halt noch einmal die Frage stellen: Können wir das, was wir wollen, dort wirklich erreichen?

Deshalb bitten wir Sie, auf diese Vorlage einzutreten und sie dann auch zu unterstützen - ganz klar unter den Vorbehalten, die wir in der Aussenpolitischen Kommission bereits genannt haben. Wir hoffen, dass das Engagement der Schweiz ein menschenrechtliches sein wird und nicht vorwiegend eines mit dem Ziel des Löschens des Durstes nach Öl.

Haller Vannini Ursula · Mit-F · Nationalrat · Bern · Fraktion BD

Als Mitglied der Aussenpolitischen und der Sicherheitspolitischen Kommission kann ich hier bestätigen, dass wir die Frage, ob sich unser Land mit diesem Spezialdetachement in Tripolis engagieren soll, eingehend geprüft haben. Wir haben uns sehr wohl über die sicherheitspolitische Lage informieren lassen; wir haben sehr wohl gehört, dass es diesen Schutz zwingend braucht, damit unser Botschaftspersonal seine Arbeit vor Ort gut, seriös und kompetent ausführen kann. Wenn wir nicht wollen, dass ein privates Sicherheitsunternehmen den Schutz übernimmt, ein Unternehmen mit Söldnern, die möglicherweise vor Ort nicht im Interesse unseres Landes agieren - wer denn sonst, wenn nicht das Armee-Aufklärungsdetachement 10, soll dies machen?

Ich glaube nicht, dass die Aussage von Herrn Nationalrat Hans Fehr zutrifft, es handle sich hier um eine Alibiübung, die es erlaube, diesem Detachement eine spezielle Aufgabe zuzuschanzen. Es ist vielmehr im Interesse aller, dass diese Spezialtruppen ihr Wissen und ihr Können dann, wenn es gefordert ist, vor Ort unter Beweis stellen. Selbstverständlich sind auch wir der Meinung, dass es nicht ein Engagement ohne zeitliche Limite sein soll; selbstverständlich gilt es hinzuschauen, gilt es hinzuhören. Ich zweifle nicht, dass wir aus Tripolis selbst, aus Libyen selbst, aber auch von den zuständigen Fachpersonen aus der Verwaltung Hinweise erhalten werden, wenn man dieses Engagement allenfalls überdenken muss.

Selbstverständlich darf es nicht sein - dies eine Replik auf das Votum von Geri Müller -, dass wir uns dort primär aus wirtschaftspolitischen Gründen engagieren. Selbstverständlich wollen wir dort primär unsere Guten Dienste anbieten, wollen wir dafür sorgen, dass das Land, das jetzt den arabischen Frühling erlebt, auch einen Sommer, einen Herbst, hoffentlich aber nicht einen kalten Winter erlebt. Dazu braucht es unser Engagement.

Sie haben es gelesen: Sogar während der Kriegswirren bot die Botschaft in Tripolis vielen Menschen Schutz; auch westliche Journalisten fanden dort vorübergehend Aufnahme. Ich erwähne es gerne noch einmal: Wenn wir unsere Guten Dienste, für die wir ja wirklich auch bekannt sind und auf die wir auch stolz sein können, weiterführen wollen, dann ist es richtig, wenn wir uns hier - wie gesagt: zeitlich limitiert - engagieren. Das hat aber nichts damit zu tun, dass wir nicht auch sicherheitspolitische und vor allem auch neutralitätspolitische Aspekte immer wieder hinterfragen. Ich finde es absolut notwendig, dass wir uns in der Aussenpolitischen und in der Sicherheitspolitischen Kommission fragen, ob wir uns engagieren dürfen.

Ich bitte Sie also im Namen der BDP-Fraktion, dieser Vorlage zuzustimmen und den Antrag der Minderheit Fehr Hans auf Nichteintreten abzulehnen.

Fehr Hans · Mit-M · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Frau Kollegin Haller, ist Ihnen bekannt, dass andere Staaten zwar Sicherheitspersonal nach Libyen geschickt haben, aber nie die Armee, sondern spezielle Polizeieinheiten und dergleichen? Warum soll ausgerechnet die neutrale Schweiz bewaffnete militärische Einheiten schicken?

Haller Vannini Ursula · Mit-F · Nationalrat · Bern · Fraktion BD

Herr Nationalrat Fehr, immer dann, wenn es darum geht, dass sich unser Land in einem anderen Land allenfalls solidarisch zeigen sollte, wollen Sie sich zurückhalten, wollen Sie, dass man sagt: Die anderen sollen es machen, wir lassen die Finger davon! Ich habe vorhin gesagt, es sei erlaubt, solche Fragen zu stellen. Aber erklären Sie mir, was es für einen Unterschied macht, ob es die Polizei oder die Armee ist. Es steht immer jemand hinter den Einheiten, die entsendet werden, irgendein Land, das sich vor Ort engagiert. Da nehmen Sie in Ihrer Argumentation eine falsche Unterscheidung vor.

Büchler Jakob · Mit-M · Nationalrat · St. Gallen · Fraktion CVP-EVP

Bei dieser Vorlage geht es grundsätzlich um zwei Fragen: Erstens, braucht es in Tripolis eine Schweizer Botschaft? Zweitens, wenn ja, muss das Botschaftspersonal vor Ort geschützt werden?

Die SiK und die APK des Nationalrates kommen zum Schluss, dass es in der libyschen Hauptstadt eine Schweizer Vertretung braucht. Es gab schon vor dem Ausbruch des Krieges eine Schweizer Botschaft vor Ort. Sie wurde während den kriegerischen Auseinandersetzungen vorübergehend geschlossen. Am 15. Oktober letzten Jahres hat die Schweizer Vertretung ihre Aktivitäten wieder aufgenommen. Damit das Botschaftspersonal seine Arbeit erledigen kann, muss es geschützt werden.

Der Bundesrat hat nun beschlossen, nachdem die private Sicherheitsfirma ihre Arbeit erledigt hat, das Armee-Aufklärungsdetachement 10 und ein Spezialdetachement der Militärpolizei vor Ort einzusetzen und die Botschaft in Tripolis auf diese Weise zu schützen. Es handelt sich dabei um einen Assistenzdiensteinsatz, basierend auf den gesetzlichen Grundlagen des Militärgesetzes. Herr Fehr, immer wenn es gefährlich wird, soll sich die Armee zurückziehen - diese Jungs sind ausgebildet, sie können das, sie machen einen guten Job!

Die CVP/EVP-Fraktion kommt darum zum Schluss, dass es die Botschaft in Tripolis weiterhin braucht, auch nach der Ära Ghaddafi. Die Situation in Libyen hat sich zwar etwas beruhigt, doch zurzeit ist nicht klar, welche der verschiedenen Gruppierungen die Oberhand behalten oder eben die Führung im Land übernehmen wird. Tatsache ist, dass vom Regime Ghaddafi ein grosses Waffenarsenal zurückgeblieben ist. Niemand weiss, wo diese Waffen jetzt sind. Es geht also nicht darum, vor Ort einen Krieg zu führen, sondern es geht wirklich nur darum, unsere Leute vor Ort zu schützen. Bei dieser Ausgangslage kommen wir klar zum Schluss, dass die Schweizer Botschaft geschützt werden muss.

Die CVP/EVP-Fraktion unterstützt diesen Assistenzdiensteinsatz, er ist auf sechs Monate beschränkt. Wir bitten Sie, dieser Vorlage klar zuzustimmen.

Fridez Pierre-Alain · Mit-M · Nationalrat · Jura · Sozialdemokratische Fraktion

Les rapports récents entre la Libye et la Suisse se sont révélés pour le moins tumultueux ces dernières années. L'Histoire nous gratifie parfois d'agréables surprises quand des dictateurs qui paraissaient indétrônables sont contraints de mordre la poussière. Qui aurait misé un kopeck le 1er janvier 2011 sur le scénario incroyable qui a embrasé le monde arabe et entraîné, entre autres, la chute du dictateur Kadhafi?

Tout au long de ces événements, notre pays a cherché à maintenir sa présence sur le sol libyen en fonction des circonstances. Après l'inévitable fermeture de l'ambassade suisse fin février 2011 en raison des combats, un bureau chargé de l'aide humanitaire a été dès que possible ouvert à Benghazi, en zone libérée, afin de répondre aux besoins humanitaires de la population. Dès juillet, on est passé à un bureau de liaison permettant d'assurer une présence politique jusqu'à la réouverture de l'ambassade à Tripoli à l'arrêt des combats.

La présence helvétique sur le sol libyen a été adaptée en fonction de l'évolution du conflit. A l'heure de la reconstruction de la nouvelle Libye, la Suisse doit rester plus que jamais présente. Durant cette phase essentielle de restauration de l'Etat et de pacification, la Suisse doit soutenir activement le processus de transition qui a débuté. Mais, dans les circonstances actuelles que l'on peut aisément imaginer, cette démarche n'est pas dénuée de risques. C'est tout l'objet de ce débat.

Dans un pays déchiré et partiellement détruit par la guerre civile qu'il vient de traverser, dans un Etat dont le grand défi est de restaurer l'unité et la paix, de désarmer et de pacifier, comment peut-on attendre, alors qu'il est en gestation, que cet Etat réponde aux exigences de la Convention de Vienne sur les relations diplomatiques et qu'il soit en mesure d'assurer la protection efficace des ambassades sises sur son territoire?

Le principe de subsidiarité doit clairement s'appliquer en l'espèce pour protéger efficacement le personnel de notre représentation diplomatique. Ce choix initial d'une entreprise privée pour assumer cette tâche est discutable, mais nous devons l'interpréter comme une solution au pied levé adoptée dans l'urgence, pour une courte période transitoire.

En tous les cas, on peut relever un manque d'anticipation, éventuellement de coordination, car notre armée dispose des moyens et du personnel nécessaires à cet effet, et une base juridique - l'article 69 alinéa 2 de la loi sur l'armée - le permet. Alors à l'avenir, si un tel cas de figure se représente, pourquoi ne pas envisager d'emblée l'engagement de notre armée? L'envoi d'un contingent de militaires suisses, professionnels et spécialisés en la matière, pour protéger l'ambassade de Tripoli et surtout ses occupants aux conditions fixées dans son message par le Conseil fédéral, recevra l'appui du groupe socialiste. Nous soutiendrons donc l'entrée en matière.

En conclusion, nous souhaitons que la Libye se reconstruise dans un esprit de paix, de tolérance, de respect des droits démocratiques et des personnes, et que les années sombres du règne de Kadhafi ne deviennent rapidement plus qu'un vieux souvenir. Plus largement, nous appelons de nos voeux un avenir radieux pour le peuple libyen aussi bien que pour d'autres peuples de la région, en Syrie tout particulièrement.

Reimann Maximilian · Mit-M · Nationalrat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich spreche für die Fraktion, obwohl ich nicht der Sicherheitspolitischen Kommission angehöre, die bei diesem Geschäft den Lead innehatte. Da war die Begeisterung für die Entsendung von Schweizer Armeeangehörigen nach Tripolis nicht eben gross, wie Sie in der Begründung von Kollege Hans Fehr gehört haben. Die Aussenpolitische Kommission hat einen Mitbericht zu diesem Geschäft verfasst - auch das haben Sie mitbekommen -, natürlich aus ihrem Blickwinkel, aus aussenpolitischer Sicht; und da habe ich mitgewirkt.

Die APK-Mitglieder unserer Fraktion sind nicht eben mit Begeisterung auf die Vorlage eingetreten, sie taten es aber trotzdem, weil es - ich würde es so sagen - einem notwendigen Übel entsprach. Notwendig deshalb, weil wir, wenn wir über Vertretungen im Ausland verfügen wollen, verpflichtet sind, unsere daselbst eingesetzten Landsleute in sicherer Obhut zu wissen! Wie wir das tun, darüber kann man geteilter Meinung sein. Grundsätzlich ist es natürlich völkerrechtliche Pflicht des Gastgeberstaates - hier also Libyens -, diesen Schutz zu erbringen. Ist er dazu nicht in der Lage, stehen zwei Alternativen im Vordergrund: Erstens, wir helfen mit eigenen Kräften nach; zweitens, wir schliessen die Vertretung und empfehlen unseren Landsleuten, das Land zumindest vorübergehend zu verlassen.

Vor diesem Dilemma standen wir, als wir in der APK den Mitbericht diskutierten. Im Fokus stand damals, am 13. Februar, unsere Botschaft in Damaskus, in Syrien. Wir kritisierten, dass man wohl Truppen zum Schutz unserer Vertretung nach Libyen entsenden wolle, in einen Staat, der an sich die inneren Gefahren einer bürgerkriegsähnlichen Situation bereits hinter sich hatte, nicht aber nach Syrien; das sei doch unverhältnismässig, nicht nachvollziehbar. Sie sagten uns damals, Herr Bundesrat, an sich sehr logisch, aber doch überraschend, die Vertretung in Damaskus werde aus Sicherheitsgründen umgehend geschlossen - was inzwischen auch erfolgt ist. Die Frage liegt nun auf der Hand, Herr Bundesrat: Warum soll denn nicht auch die Vertretung in Tripolis geschlossen werden, wo die Sicherheit auch nicht gewährleistet ist und die Präsenz von Schweizer Landsleuten nach den Wirren um die Entführung, um die beiden Ghaddafi-Geiseln eben gering ist? Was also ist der Unterschied zwischen einem Einsatz in Syrien und einem in Libyen? Warum Truppen am einen Ort und Rückzug am anderen Ort? Diese Fragen sind auch heute - für mich jedenfalls - noch nicht ganz geklärt.

Es kommt noch hinzu, dass es in Ägypten, dem Land zwischen Syrien und Libyen, eine hohe Schweizer Präsenz gibt, dies in verschiedenster Hinsicht: wirtschaftlich, familiär, kulturell und entsprechend auch diplomatisch. Unsere Botschaft in Kairo liegt nahe dem legendären Tahrir-Platz. Während den Unruhen vom Februar 2011 lag sie also mitten im umkämpften Gebiet. Unser Botschaftspersonal konnte während Tagen nicht aus dem Gebäude heraus. Das Gefahrenpotenzial für unsere Landsleute war enorm, aber zu Hause - Herr Bundesrat, ich bitte Sie, mir zuzuhören -, hier in Bern, war es meines Wissens nie ein Thema, die Botschaft in Kairo mit eigenen Truppen zu schützen. Diese Gefahren sind auch heute noch nicht gebannt. Kairo und Tripolis sind doch vergleichbar: In beiden Staaten sind die alten Regimes beseitigt, während die neuen Machtverhältnisse noch nicht konsolidiert sind. Erklären Sie uns also, Herr Bundesrat, warum am einen Ort Truppen sind und am anderen Ort nicht.

Haben wir nicht genügend Truppenbestände zum Schutz von beiden Botschaften, wie dies Hans Fehr angedeutet hat? Es wurde uns ja auch in der APK nicht gesagt, wie gross der Bestand dieser Truppe ist. Wir wissen nur, dass sie aus dem AAD 10 rekrutiert worden ist. Es wäre doch penibel, wenn wir wirklich nur für ein Objekt genügend Leute hätten, nicht aber für ein zweites.

Schliesslich noch ein letztes Bedenken aus aussenpolitischer Sicht zum Einsatz der Armee für Personen- und Gebäudeschutz im Ausland: Meines Wissens - Hans Fehr hat es auch schon angedeutet - setzt kein anderes Land Militär für diese Aufgabe ein, sondern höchstens polizeiliche Kräfte. Könnten uns daraus nicht einmal völkerrechtliche Probleme entstehen, nämlich dann, wenn es zu Schiessereien kommen sollte, zu Aktionen ausserhalb des Botschaftsgebäudes durch Soldaten? Für mich sind all diese Fragen noch nicht geklärt.

Das sind unsere grundsätzlichen Bedenken, Herr Bundesrat. Wenn Sie sie ausräumen können, dann stehen wir hinter Ihnen. Wenn nicht, dann wird sich meine Fraktion wahrscheinlich weitgehend der Stimme enthalten.

Burkhalter Didier · BR-M · Bundesrat · Neuenburg

Il s'agit là, et on l'a bien vu avec les interventions des uns et des autres, d'un dossier dans lequel l'Etat - les institutions et aussi le Parlement - doit prendre clairement et sans ambiguïté ses responsabilités. Nous vous remercions de l'accueil largement positif, bien que nuancé, que vous avez réservé à ce message et donc à la confirmation, parce qu'il s'agit de cela, du soutien à l'engagement de spécialistes de l'armée suisse pour protéger l'ambassade suisse, donc la Suisse, à Tripoli.

C'est conforme à la loi, je crois qu'il faut le dire clairement. Cette loi n'est pas toujours très bien comprise, mais elle prévoit en effet que le Conseil fédéral soit responsable de l'engagement: nous pouvons réagir rapidement, et c'est normal, parce que dans un cas comme celui-ci on ne peut pas forcément attendre une session pour en débattre. La loi prévoit aussi que, dans certaines conditions, le Parlement confirme l'engagement dans la session qui suit. Il s'agit ici de la condition du temps, du délai, puisqu'en effet la demande qui vous est faite est que l'on puisse protéger l'ambassade suisse pendant six mois, avec ce détachement de l'armée, et, éventuellement, prolonger ce délai de six mois encore. Sur la base de cet arrêté, on a donc au maximum une durée d'une année.

La Suisse avait fermé l'ambassade au mois de février de l'année passée, c'est-à-dire il y a un peu plus d'un an. Cela me permet, Monsieur Reimann, de répondre déjà à une question. Au fond, toutes les situations sont différentes et la Syrie n'est pas la Libye. On se trouve maintenant dans une situation un peu comparable à ce que l'on a vécu il y a un peu plus d'une année en Libye. La Suisse a clairement décidé de fermer son ambassade en Syrie, parce que, pour des raisons de sécurité évidentes, il était nécessaire de le faire.

De toute manière, là-bas, il n'y aurait eu aucune possibilité de renforcer la sécurité, parce que nous n'aurions pas pu envoyer actuellement un détachement de l'armée en Syrie. Nous n'aurions pas eu l'autorisation des autorités, puisque nous n'avions même pas l'autorisation des autorités pour renforcer le personnel de l'ambassade. En Syrie, il a été décidé vers le début du mois de février de fermer l'ambassade. L'ambassade avait déjà, il y a plusieurs mois, contacté l'ensemble des Suisses en Syrie qui sont pratiquement tous des binationaux, pour leur dire que s'ils souhaitaient quitter le pays, il fallait le faire rapidement. L'ambassade a donc pris des mesures progressives pour la fermeture, cette situation de crise ne permettant plus du tout à notre pays d'assurer la sécurité de sa représentation en Syrie. La Suisse a pris une décision relativement vite et l'a appliquée progressivement, alors que dans d'autres pays cela s'est fait un peu plus brutalement, mais pratiquement tout le monde a dû prendre cette décision ces derniers jours et ces dernières semaines.

Donc, la situation de la Libye est différente. Nous avions fermé l'ambassade il y a une année et demie, mais nous l'avons rouverte lorsqu'on est entré dans la phase de reconstruction au sens large, il y a environ cinq mois. La Suisse a rouvert son ambassade en Libye pour défendre ses intérêts au sens large. Monsieur Geri Müller a dit qu'il ne s'agissait pas seulement de l'économie et il a raison; mais il s'agit aussi des intérêts économiques. La Libye a été un partenaire important: jusqu'en 2009 elle était, je crois, le deuxième ou le troisième partenaire de la Suisse en Afrique. Il est évident que la situation est différente aujourd'hui, mais un potentiel existe. Les intérêts au sens large de la Suisse vont pourtant au-delà de l'économie. Ils s'expriment également dans la solidarité de notre pays à l'égard de la reconstruction et de la transition démocratique.

Et ça, c'est aussi dans l'intérêt de la Suisse en termes de stabilité. La stabilité en Europe et au-delà est une des priorités principales de la stratégie de la politique extérieure de la Suisse, et en conséquence, il est important d'avoir des têtes de pont dans cette région en processus de transition démocratique. C'est précisément la situation de la Libye: la transition démocratique y sera longue et difficile; elle comporte de grandes chances, elle comporte aussi des dangers évidents, l'incertitude est grande.

Il y a quelques jours, et cela a été évoqué par le conseiller national Vischer, il y a eu cette déclaration de semi-autonomie dans une des régions de la Libye, à Benghazi. Finalement, il n'y a pas eu beaucoup de réactions après cette déclaration, mais il est évident qu'en soi, une telle déclaration peut poser des problèmes et compliquer le processus électoral de transition; selon notre appréciation des choses, c'est pour cela que cette déclaration a été faite, pour faire pression sur le processus de la constitution avant même la mise en place de l'assemblée constituante. Pour le moment, les choses n'ont pas beaucoup suivi après cette annonce, mais c'est un élément qui pourrait être relativement délicat s'il prenait d'autres proportions.

En tous les cas, la Suisse est disposée à soutenir cette nécessaire transition en agissant dans plusieurs domaines: dans le domaine du désarmement, qui est très important, dans le domaine de la réforme de la sécurité et de la justice, du traitement du passé, qui va être long et difficile, et dans le domaine de l'assistance électorale, précisément dans cette phase décisive de l'avenir de ce pays et de cette région. Il y a des signes positifs: une première promotion de soldats issus des rangs des milices a eu lieu il y a quelques jours. Egalement à l'égard de notre pays, il y a des signes positifs: la compagnie d'aviation Swiss est à nouveau autorisée à survoler l'espace aérien libyen depuis quelques jours. Mais la situation reste délicate, comme je l'ai dit, en particulier en matière de sécurité, y compris pour le personnel des ambassades.

On peut le voir avec des exemples: un collaborateur d'une ambassade étrangère, pas de l'ambassade suisse mais d'une autre, a été lourdement frappé par un milicien à un check-point - l'origine de ces check-points n'est d'ailleurs pas toujours très claire. Une ambassade à Tripoli, pas la nôtre mais une autre, a été attaquée dimanche dernier, sans que l'on connaisse clairement les causes de cette attaque.

Dans ce contexte, il est de notre responsabilité de protéger la représentation diplomatique suisse. Théoriquement, vous avez raison de le dire, vous l'avez évoqué à plusieurs reprises, ce sont les conventions de Vienne qui devraient s'appliquer et la responsabilité de cette protection se trouve en principe du côté de l'Etat hôte. Mais ce n'est pas encore possible ici, même s'il y a quand même de petits pas positifs nouveaux, car il semble que le ministère de l'intérieur libyen ait créé un service de protection des ambassades. C'est encore à confirmer, et surtout encore à développer sur le plan opérationnel pour que cela puisse véritablement être réalisé.

Les Etats présents à Tripoli ont donc tous mis en place leurs propres mesures de sécurité via leur gendarmerie, leur armée ou des compagnies de sécurité privées: là il y a en effet différentes formules. Il y a de nombreuses situations de sécurité de par le monde, y compris pour la Suisse.

Monsieur Reimann a de nouveau évoqué les situations délicates que nous connaissons; il a donné l'exemple de l'Egypte, et il a raison. Dans tous les cas, nous procédons à des analyses de sécurité, nous les mettons à jour régulièrement et nous prenons toute une série de mesures. Il ne faut pas être trop manichéen dans ce dossier et imaginer qu'il y a seulement une protection habituelle et une protection par l'armée suisse: il y a toute une gradation, avec des services de sécurité privés qui prennent en charge une partie de cette sécurité que nous devons garantir pour nos différentes ambassades. C'est le cas partout, l'analyse est faite constamment: pour l'Egypte, nous avons pris une série de mesures de sécurité qui ne demandent pas le recours à l'armée comme en Libye, mais qui augmentent la situation de sécurité telle que nous la souhaitons dans tout le monde.

Cela dit, le monde est relativement dangereux et ces dangers existent un peu partout. La question des capacités de l'armée à protéger plus d'une ambassade a été posée. La réponse est oui, mais pas forcément beaucoup plus, c'est clair. La question du nombre de personnes actuellement engagées en Libye a été posée. Une fois de plus, le Conseil fédéral vous demande ici d'admettre qu'il n'est pas absolument nécessaire que vous connaissiez tous les détails de cet engagement. Les commissions ont été informées. Si vraiment vous le souhaitez, nous informerons encore davantage les commissions. Mais nous estimons que dans l'intérêt de la protection et de la sécurité que nous voulons garantir au personnel de la représentation diplomatique, mais également évidemment au détachement qui est engagé, il n'est pas nécessaire de publier systématiquement le détail du dispositif de sécurité.

Nous aimerions dire ici que pour la Suisse, la protection de ces ambassades dans le monde entier est meilleure lorsqu'on arrive à tenir compte de la culture de la région. Nous ne souhaitons pas du tout construire des espèces de châteaux forts avec du fil barbelé partout pour protéger nos ambassades, nous estimons même que cela peut être considéré comme une provocation. Mais il y a des situations qui impliquent des mesures particulières et lorsqu'elles sont jugées véritablement problématiques comme en Libye, on peut aller jusqu'à l'engagement de l'armée et de spécialistes de l'armée. Il s'agit dans ce cas des spécialistes du Détachement de reconnaissance de l'armée, DRA 10, également du détachement spécial de la police militaire qui sont des professionnels, qui sont formés à cela. Il s'agit de tâches plutôt policières que militaires puisqu'il s'agit de protéger les lieux et les personnes dans le cadre de déplacements nécessaires et de conseiller de manière générale le personnel de l'ambassade en matière de sécurité.

Il est clair qu'une telle opération comporte des risques, la question a été posée à nouveau. Il y a des risques, le personnel dépend aussi de la Convention de Vienne et il doit s'en tenir au principe de la proportionnalité dans le cadre de son engagement. Les règles de l'engagement sont très strictes. S'il devait y avoir un incident, il est évident que nous aurions la possibilité de protéger notre détachement, même en le rapatriant.

Le Conseil fédéral est convaincu que la sécurité de l'ambassade suisse et, de manière générale, celle de la Suisse, doit être assurée. Nous aimerions insister sur le fait qu'il s'agit ici d'une possibilité légale, prévue dans la loi sur l'armée, et que nous ne faisons au fond que garantir, sans ambiguïté, la sécurité de la Suisse au sens large, y compris celle de son réseau de représentations, et que les conditions qui prévalent ici justifient la solution choisie par le gouvernement.

Nous vous remercions d'entrer en matière et d'approuver l'arrêté fédéral.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für Eintreten ... 149 Stimmen

Dagegen ... 29 Stimmen

Walter Hansjörg · P-M · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Bundesbeschluss über den Einsatz der Armee im Assistenzdienst im Ausland zum Schutz der Schweizer Botschaft in Tripolis

Arrêté fédéral portant approbation de l'engagement de l'armée en service d'appui à l'étranger pour la protection de l'ambassade de Suisse à Tripoli

Detailberatung - Discussion par article

Titel und Ingress, Art. 1-3

Antrag der Kommission

Zustimmung zum Beschluss des Ständerates

Titre et préambule, art. 1-3

Proposition de la commission

Adhérer à la décision du Conseil des Etats

Angenommen - Adopté

Abstimmung

Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble

Für Annahme des Entwurfes ... 155 Stimmen

Dagegen ... 19 Stimmen