13.3652, 14.3009
Personenfreizügigkeit und Fachkräftemangel in der Schweiz / Massnahmen zur Linderung des Fachkräftemangels aufgrund der neuen Ausgangslage
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Antrag der Kommission
Ablehnung der Motion 13.3652 und Annahme der Motion 14.3009
Proposition de la commission
Rejeter la motion 13.3652 et adopter la motion 14.3009
Präsident (Germann Hannes, Präsident): Es liegt ein schriftlicher Bericht der Kommission vor. Die Berichterstatterin, Frau Savary, begründet nach Rücksprache mit Herrn Schwaller zuerst die Motion 14.3009.
Savary Géraldine · Mit-F · Ständerat · Waadt · Sozialdemokratische Fraktion
Effectivement, nous avons pris connaissance de la motion de notre collègue Urs Schwaller. Nous avons traité et débattu cette motion le 24 février 2014. Cette motion charge le Conseil fédéral d'élaborer une stratégie destinée à remédier à la pénurie de main-d'oeuvre qualifiée.
Cette motion est tout à fait offensive. Elle pointe le doigt sur un certain nombre de problèmes. Elle propose un plan offensif pour pallier notamment la pénurie de main-d'oeuvre féminine et de personnel soignant, elle aborde la question du maintien des travailleurs âgés dans la vie active, et celle de l'encouragement des jeunes à se tourner vers les métiers en pénurie de professionnels. Il y a toute une série de difficultés que le monde du travail connaît en Suisse aujourd'hui et que cette motion vise à résoudre. Ces problèmes sont tout à fait réels. Le constat est partagé non seulement par la commission mais aussi par le Conseil fédéral.
Le Conseil fédéral partage les préoccupations du motionnaire mais il considère qu'il y a partiellement répondu. Dans sa réponse à la motion de Monsieur Schwaller, il souligne ses efforts concernant la pénurie en personnel soignant. Il montre qu'un travail est organisé avec les cantons et les hautes écoles pour les professions dans les domaines techniques. Il rappelle aussi qu'il a lancé la réforme Prévoyance vieillesse 2020 pour aborder la question des travailleurs âgés. Bref, il y a toute une palette de mesures déjà mises en oeuvre. Le Conseil fédéral, pour ces raisons-là, proposait à l'époque de rejeter cette motion.
En septembre 2013, notre conseil a proposé non pas de rejeter cette motion mais de la transmettre à la Commission de la science, de l'éducation et de la culture avec le mandat d'analyser l'efficacité des mesures que propose déjà aujourd'hui le Conseil fédéral et de voir si, éventuellement, il y avait des besoins supplémentaires et des propositions à faire.
Entre-temps, le peuple a accepté, le 9 février 2014, l'initiative populaire "contre l'immigration de masse" et il fallait alors secouer à nouveau le panier pour déterminer quels étaient les véritables besoins. Une majorité de la commission, que je souhaite remercier, a décidé, à partir de la motion de Monsieur Schwaller et en tenant compte du vote du 9 février 2014 - dans lequel la question de la main-d'oeuvre était prioritaire -, de concocter une nouvelle motion, en y intégrant des propositions réactualisées, pour tenir compte de la nouvelle situation.
Nous souhaitons, par cette motion, nous focaliser, entre autres, sur quelques points. Nous voudrions savoir dans quelles branches il y a pénurie de main-d'oeuvre, en particulier après le résultat du vote du 9 février 2014. Nous désirerions également déterminer l'impact de l'octroi de contingents sur la formation des apprentis et des étudiants dans les entreprises. Par ailleurs, nous souhaiterions que le Conseil fédéral prévoie des mesures pour remédier à la pénurie de médecins et de personnel soignant. En ce qui concerne la participation des femmes dans la vie active, la question de la conciliation entre les vies professionnelle et privée est au coeur de nos préoccupations et nous gardons ainsi ce souci évoqué par la motion Schwaller, tout comme nous souhaitons prévoir des mesures visant à soutenir les personnes pour qui une reconversion est nécessaire.
Bref, la motion que la commission vous soumet a pour base la motion de Monsieur Schwaller - transmise à notre commission - et y ajoute un certain nombre de préoccupations légitimes liées au vote du 9 février 2014.
Je vous propose, au nom de la commission, qui s'est prononcée par 10 voix contre 0 et 2 abstentions, de rejeter la motion Schwaller - à moins que Monsieur Schwaller ne la retire, ce que j'ai cru comprendre la semaine passée - et d'adopter la motion de notre commission 14.3009, qui nous permet d'aller de l'avant avec une situation réactualisée après le vote du 9 février dernier.
Schwaller Urs · Mit-M · Ständerat · Freiburg · Fraktion CVP-EVP
Fachkräfte - und vorgelagert Aus- und Weiterbildung, Forschung und Innovation - sind unabdingbare Voraussetzungen für den Erhalt eines konkurrenzfähigen Produktionsstandortes Schweiz. Wenn ich Fachkräfte sage, so geht es mir einerseits um hochqualifizierte Spezialisten - wie z. B. Ingenieure, aber auch Software- und Informatikentwickler -, aber andererseits auch um fachlich gutausgebildete Leute in den verschiedenen handwerklichen und auch in den Gesundheitsberufen.
Der Mitte April dieses Jahres auch in den Medien besprochene Bericht des Bundes über die Berufe mit Fachkräftemangel gibt einen sehr guten Überblick. Er stellt denn auch fest, dass 36 Prozent aller Erwerbstätigen in einem Beruf arbeiten, in dem wahrscheinlich Fachkräftemangel besteht. Ziel meiner Motion war und ist die Problemerkennung sowie das rasche Aufzeigen von Lösungsvorschlägen und Umsetzungsmöglichkeiten. Dass das Thema offensichtlich für viele Berufe wichtig ist, zeigen mir auch Dutzende von erhaltenen Stellungnahmen und Zuschriften, Anregungen und weiteren Vorschlägen.
Die Kommissionspräsidentin hat es gesagt: Mit der Abstimmung vom 9. Februar ist die Thematik der Fachkräfte noch wichtiger geworden. Deshalb war nach dem Volksentscheid zu fragen, ob die in meiner Motion erwähnten acht Punkt nicht zu ergänzen seien. Dagegen hatte ich nichts; es gibt nichts dagegen einzuwenden; das Resultat und nicht der Weg ist das Ziel.
Ich danke insbesondere Peter Bieri, der über ein langes, Mail-intensives Wochenende den Motionstext bearbeitet und ergänzt hat. Wie es Kollege Bieri sicher bereits in der WBK-Sitzung gesagt hat, bin ich selbstverständlich im Interesse der Sache bereit, meine Motion zugunsten der Kommissionsmotion zurückzuziehen, was hiermit zu Protokoll gegeben und bestätigt sei.
Ich danke der Kommission für die Übernahme der Anliegen meiner Motion. Ich danke auch Herrn Bundesrat Schneider-Ammann für die informativen Zusatzberichte, die ich inzwischen erhalten und über die letzten Tage interessiert gelesen habe - besten Dank!
Fetz Anita · Mit-F · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion
Selbstverständlich bin ich auch für die Annahme der Kommissionsmotion. Ich erlaube mir einfach zwei, drei Bemerkungen, und es ist mir ein Anliegen, dass der Bundesrat sie in seine Strategie aufnimmt, mit der er den Fachkräftemangel ja schon seit Längerem angeht.
Wir müssen uns bewusst sein: Wir sind nicht das einzige Land, das einen Fachkräftemangel hat. Praktisch alle Industriestaaten haben wegen der Demografie einen Fachkräftemangel. Es gibt drei Möglichkeiten, damit umzugehen. Die eine ist der Import von qualifizierten Leuten; aber dazu hat die Bevölkerung in der Schweiz ganz knapp gesagt: Nein, das wollen wir nicht mehr! Dann gibt es, das darf man nicht vergessen, die Möglichkeit der Auslagerung qualifizierter Arbeit. Ich kenne immer mehr Unternehmen und Firmen, die zu den Qualifizierten reisen, nicht umgekehrt. Sie ziehen dorthin, wo wirklich qualifizierte Leute arbeiten, entweder real oder, was heute noch viel wichtiger ist, digital. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Heute gibt es auf der Welt Hunderte von Millionen höchstqualifizierter Leute, vor allem im asiatischen Raum. Wer nicht schon einmal dort war, macht sich keine Vorstellung, was es dort an qualifizierten Leuten gibt. Und die dritte Möglichkeit ist, die eigenen Leute zu qualifizieren, so, wie das der Bundesrat ja bereits vorgeschlagen hat.
Zu einer Gruppe, die der Bundesrat in seinem Bericht zur Fachkräfteoffensive nennt, möchte ich etwas sagen: zu den qualifizierten Frauen. Es ist klar, Frauen sind heute im Schnitt sehr gut ausgebildet. Das "Problem" ist, die Mehrheit arbeitet Teilzeit, und zwar in geringen Teilzeitpensen. Das wird sich so lange nicht ändern, wie die Kinderbetreuung nicht anders organisiert wird. Das muss einfach schneller gehen! Da sind natürlich die Gemeinden und die Kantone gefordert. Aber ein anderes Problem ist, und alle, die eine berufstätige Frau haben, kennen es: Unser Steuersystem diskriminiert den Zweitverdienst so was von gravierend! Für die meisten qualifizierten Frauen gibt es keinerlei Anreiz zu arbeiten, weil ihr Einkommen mit der Progression und mit den Kosten für die Kinderbetreuung praktisch weg ist. Es ist für sie günstiger, nicht zu arbeiten.
Wenn wir das nicht ändern, dann können wir noch Dutzende von Appellen machen, die nichts bewirken; es ist ein strukturelles Steuerproblem, das wir angehen müssen.
Zum Schluss noch eine Bemerkung zur Standortpolitik: Ich glaube, es ist immer noch nicht ganz in alle Köpfe der Politik und anderer Kreise eingedrungen, dass die moderne Standortpolitik einer modernen Gesellschaft die Investition in gutqualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen ist. Das Konzept der Standortpolitik durch Senkung der Unternehmenssteuern ist von gestern. Wir holen jedes Jahr etwa 400 Firmen in die Schweiz. Wir müssen uns diese genauer anschauen. Wir brauchen nicht einfach Hunderte von zusätzlichen Firmen aus dem Ausland, wir brauchen nur Firmen, die auch bereit sind, Lehrlinge und Studierende auszubilden. Das muss in der Standortpolitik eine Bedingung werden, sonst machen wir uns nämlich etwas vor. Auf der einen Seite investieren wir in die Leute, und auf der anderen Seite holen wir Unternehmen, die nicht einmal unser Berufsbildungssystem kennen und schon gar nicht in die Bildung unserer Leute investieren. Das sage ich einfach noch, Herr Bundesrat Schneider-Ammann, weil Sie ja immer von Innovation und Wettbewerb und Standortpolitik reden, damit Sie auch diese Dimension der Standortpolitik mit in Ihre Gedanken aufnehmen.
Schneider-Ammann Johann N. · BR-M · Bundesrat · Bern
Die Bereitstellung von Fachkräften ist eine wirkliche Herausforderung; wir sind diesbezüglich seit Sommer 2011 am Arbeiten. Seit dem 9. Februar 2014 ist die Herausforderung noch etwas grösser geworden. Wir haben im Wesentlichen vier Pisten festgelegt, nämlich die Höherqualifizierung, die Vereinbarkeit, die Erwerbstätigkeit bis zur Pension und letztlich noch die Innovation. Die Verbundpartner Kanton, Bund und Organisationen der Arbeitswelt sind verschiedenste Male an runden Tischen versammelt gewesen und haben sich das Wort gegeben, jetzt die Massnahmen, die festgelegt worden sind, wirklich an die Hand zu nehmen und zu investieren, um aus dem eigenen vorhandenen Potenzial noch mehr herauszuholen - mit anderen Worten: die Leute zu identifizieren, sie abzuholen, in sie zu investieren, sie aufzubauen und erst noch in einen Job zu integrieren. Die Rollen sind verteilt, die Massnahmen, wie gesagt, festgelegt. Sie sind auch getimt, sodass wir Ergebnisse erwarten dürfen.
Frau Ständerätin Fetz, ich teile mit Ihnen vorbehaltlos, dass es bei der Firmenansiedlungspolitik oder bei der Politik, mit welcher man Firmen hier behalten will, nicht nur darum gehen kann, diesen in irgendeiner Form entgegenzukommen, wenn es um steuerliche Aspekte oder Baulandaspekte geht. Es muss vielmehr vor allem auch darum gehen, dafür zu sorgen, dass Firmen verstehen, welches Bildungssystem wir haben, damit sie mithelfen - wenn sie dann da sind oder da bleiben -, in die Köpfe zu investieren. Die Investition in die Köpfe ist tatsächlich die wohl wichtigste Investition, da haben wir keine unterschiedliche Meinung. Allerdings, das betone ich auch immer wieder, muss es in erster Linie ein freiwilliges Unterfangen bleiben. Ich weiss aus eigener früherer unternehmerischer Erfahrung, dass man tatsächlich auch handelt, wenn man handeln kann, weil man die Chance sieht. Wenn befohlen wird zu handeln, wie das in anderen Ländern zum Teil der Fall ist, dann tut man es eben nicht. Da haben wir miteinander sicherlich noch intensivere Diskussionen zu führen.
Ich nehme meinerseits zur Kenntnis, dass Herr Ständerat Schwaller seine Motion zugunsten der Kommissionsmotion zurückgezogen hat. Das scheint mir sehr zweckmässig zu sein. Dank Herrn Ständerat Schwaller ist die Kommissionsmotion entstanden. Sie ist im Sinne eines Prüfauftrages völlig auf der Linie der bundesrätlichen Aktivitäten.
Deshalb empfehle ich Ihnen, die Kommissionsmotion anzunehmen, und bedanke mich meinerseits bei Herrn Ständerat Schwaller für das Engagement und die Initiative.
Germann Hannes · P-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
13.3652
Zurückgezogen - Retiré
14.3009
Angenommen - Adopté
Präsident (Germann Hannes, Präsident): Die Motion 14.3009 geht direkt an den Bundesrat, weil eine gleichlautende Motion der WBK-NR, die Motion 14.3380, am 12. Juni 2014 vom Nationalrat angenommen worden ist.