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Equivalenza dei titoli della formazione professionale superiore
Aebischer Matthias · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo socialista
Die vorliegende Motion über die Titel in der höheren Berufsbildung hat in den letzten paar Monaten auf der politischen Ebene, in der Berufsbildung und auch in den Medien stark zu reden gegeben. Eigentlich ist diese Aufmerksamkeit etwas übertrieben, denn die Motion will weder einen grundlegenden Systemwechsel, noch stellt sie das duale Bildungssystem infrage, und kosten tut sie auch nichts. Das Einzige, was ich mit meiner Motion will, ist, dass die top ausgebildeten Schweizer Berufsleute gleich lange Spiesse haben wie die oft schlechter ausgebildeten Berufsfachleute im Ausland. Dies zu erreichen ist - wie in der Motion vorgeschlagen - mit einem englischen Zusatz einfach, und dies nicht einmal im Hauptdiplom, sondern im sogenannten Diploma Supplement, einem Zeugnisanhang, der eben genauer erklärt, wie das Diplom einzustufen ist.
Warum ist dies unbedingt nötig? Oder noch besser ist die Frage: Warum gibt es das nicht schon lange? Eine Bäckerin aus Italien zum Beispiel schliesst heute ihre Berufsausbildung mit einem Bachelor ab. Eine Bekannte von mir, eine alte Bäckerin auf der Isola d'Elba, hat für den Bäcker-Bachelor nicht viel übrig. Die meisten frischgebackenen Berufsleute hätten zwar viel Theorie im Kopf, aber so richtig zu gebrauchen in der Backstube seien sie noch nicht, sagt sie. Aber eben, ohne Bachelor gehe heute in Italien gar nichts mehr. Werde eine Bäckerstelle ausgeschrieben, dann werde ein Bäcker mit Bachelor-Abschluss gesucht. Für die top ausgebildeten Bäcker aus der Schweiz - da kann einer auch eine Meisterprüfung haben - ist es sozusagen unmöglich, jemals in Italien oder auch in anderen europäischen Ländern eine Bäckerstelle zu erhalten.
Den weltbesten Bäckern, Schreinerinnen, Metzgern oder Technikerinnen aus der Schweiz fehlt der passende Titel, und genau das will ich mit meiner Motion ändern. Im Zusatzdiplom soll notiert werden, dass unsere Schweizer Berufsbildung mindestens so gut ist wie ein Bachelor in den umliegenden Ländern. Noch mehr Pech haben Berufsbildungsleute im eigenen Land, wenn der Personalchef der grossen Firma aus dem Ausland kommt und unser Bildungssystem und unsere Titel nicht richtig im Griff hat. Da wird gerne einmal eine Stelle für einen Techniker ausgeschrieben und ein Bachelor vorausgesetzt - unsere super ausgebildete, diplomierte Technikerin HF bleibt auf der Strecke. Der Schweizer wird so wegen fehlendem Titel sogar in der Schweiz selbst nicht angestellt. Das darf nicht sein und muss geändert werden. Der Diplomzusatz "Professional Bachelor" ist, wie gesagt, keine Systemänderung. Die bisherigen Titel bleiben erhalten, es entstehen keine Mehrkosten, und explizit habe ich in meiner Motion auch erwähnt, dass ich keine Durchmischung der Tertiärstufen A und B will.
Sehr geehrter Herr Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Sie haben das Jahr 2014 zum "Jahr der Berufsbildung" erklärt. Das ist zwar schön, aber lassen Sie doch bitte den oberflächlichen Streicheleinheiten auch Taten folgen, welche die Berufsbildung weiterbringen. Die Schweizer Berufsfachleute werden es Ihnen danken.
Schilliger Peter · Mit-M · Consiglio nazionale · Lucerna · Gruppo liberale radicale
Herr Kollege Aebischer, ich habe die folgende Frage: Das System des Professional Bachelor oder des Professional Master ist nach meiner Meinung im umliegenden Ausland nicht bekannt. Oder können Sie mir aufzeigen, in welchen Ländern ein solches System schon geführt wird?
Aebischer Matthias · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo socialista
Kollege Schilliger, ich habe das jetzt in meiner Einführung bereits gesagt: Es geht nicht um das Wort "Professional", es geht um das Wort "Bachelor", damit die Schweizer Berufsfachleute, die oft besser ausgebildet sind, eben dieses Wort dann auch im Diploma Supplement vorweisen können.
Keller Peter · Mit-M · Consiglio nazionale · Nidvaldo · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Kollege Aebischer, ich darf jetzt leider Ihre Antwort nicht kommentieren. Sie haben gesagt, dass die Schweizer Berufsleute benachteiligt seien. Wir haben heute einen Vorstoss überwiesen, in dem es um den Fachkräftemangel in der Schweiz geht. Offensichtlich haben wir nicht das Problem, dass die Berufsleute keine Stellen bekommen, sondern umgekehrt, dass wir die Stellen nicht besetzen können. Wo sind diese Bäcker, Metzger, Schlosser usw., die Sie hier aufgeführt haben? Wo sind diese Leute, die angeblich benachteiligt sind und selbst im Ausland keine Stellen bekommen?
Das ist ein Phantom, das Sie hier kreieren!
Aebischer Matthias · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo socialista
Geschätzter Kollege Keller, wenn ich von Metzgerinnen und Bäckern spreche, dann gehören diese sicher nicht zum Hauptharst, der ein Problem hat. Vielmehr geht es primär um die Technikerinnen und Techniker, die ein Diplom einer Höheren Fachschule haben. Die meisten dieser Diplome haben im Supplement bereits das Wort "Bachelor", denn viele dieser Diplomierten gehen ins Ausland. Aber ich gebe Ihnen insofern Recht, als die Beispiele mit den Metzgerinnen und Bäckern nicht genau die Zielgruppe treffen.
Wasserfallen Christian · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo liberale radicale
Herr Kollege Aebischer, Sie führen aus, dass bei den Technikern, bei den Angehörigen von Berufen, die in einem internationalen Umfeld tätig sind, der Notstand ganz offensichtlich am grössten sei. Übrigens hat Deutschland bewusst darauf verzichtet, den Professional Bachelor einzuführen. Ich bin Vorstandsmitglied von ICT-Berufsbildung Schweiz. ICT-Berufsbildung Schweiz wendet sich klar gegen die Einführung des Professional Bachelor. Wie erklären Sie es sich, dass gerade die Vertreter der international tätigen Branchen nicht für die Einführung dieses Titels sind?
Aebischer Matthias · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo socialista
Kollege Wasserfallen, jetzt sind wir in einem sehr schönen Infight. Sie haben verschiedene Papiere aufs Pult gelegt bekommen; Sie können einmal sehen, wer den Professional Bachelor unterstützt und wer nicht. Fast noch wichtiger ist, Herr Wasserfallen, dass Sie Ihre Bindung zu den Fachhochschulen klar offenlegen und nicht andere Bindungen. Die Fachhochschulen haben den Bachelor und den Master mit der Bologna-Reform erhalten, und das funktioniert mit den Universitäten. Man hat geglaubt, das würde nicht funktionieren, und deshalb ist auch jetzt ein Professional Bachelor oder auch ein Professional Master für die Höheren Fachschulen oder für den Tertiär-B-Sektor absolut kein Problem.
Schneider-Ammann Johann N. · BR-M · Consiglio federale · Berna
Es ist überhaupt keine Frage, Herr Nationalrat Aebischer, dass es um eine Stärkung der höheren Berufsbildung gehen muss. Sie wissen, dass das ein prioritäres Anliegen meines Departementes ist. Es muss aber gelten: gleichwertig und andersartig; darauf haben wir uns immer wieder geeinigt. Es ist also weder eine Vermischung der Titelstrukturen noch eine Akademisierung der höheren Berufsbildung erwünscht.
Der Bund hat 2013 das Strategieprojekt höhere Berufsbildung lanciert. Gemeinsam mit den Kantonen und den Organisationen der Arbeitswelt sind wir daran, eine verbesserte Finanzierung und Positionierung zu erarbeiten. Zu den vorgeschlagenen Titeln wurde eine Analyse durchgeführt. Das Ergebnis lässt sich in aller Kürze wie folgt zusammenfassen: Ein Prestigegewinn für die Absolvierenden wäre fraglich. Es bestünde sogar das Risiko, dass man sich dem Vorwurf des Etikettenschwindels aussetzen würde oder dass vom Bachelor zweiter Klasse gesprochen würde. Wie gesagt, hätte eine Vermischung der Titelstrukturen eine unerwünschte Akademisierung der höheren Berufsbildung und eine Flut von neuen Titeln zur Folge.
Wir haben in unseren Untersuchungen auch die Unternehmen einbezogen. Die Stellungnahmen der Unternehmen als Hauptabnehmer der Absolventen gehen mehrheitlich dahin, dass eine neue Titelbezeichnung, die im Verdacht der Akademisierung steht, nicht erwünscht ist. Die Qualifikationsrahmen sind bekannt, die Diplomzusätze waren angesprochen - auf dieser Basis wollen wir den Weg finden. Entsprechend hat der Nationalrat am 11. Juni 2012 die Motion Tschümperlin 11.3618 mit analogen Forderungen schon einmal abgelehnt. Zwischenzeitlich wird intensiv gesucht und an einer Lösungsfindung gearbeitet.
Der Bundesrat empfiehlt Ihnen, die Motion Aebischer abzulehnen, verbunden mit der Zusage, dass wir uns der Herausforderung in Bezug auf eine Positionierung der Abschlüsse der höheren Berufsbildung sehr wohl bewusst sind und dass wir dieses Thema auch im Zuge der BFI-Botschaft 2017-2020 dem Parlament zur Diskussion vorlegen werden.
Aebischer Matthias · Mit-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo socialista
Herr Bundesrat, eine Frage habe ich noch: Wie erklären Sie sich, dass höhere Fachschulen schon jetzt den Titel "Bachelor" im Diploma Supplement führen? Das zeigt doch, dass ein Problem da ist und dass meine Motion die Lösung ist. Wie erklären Sie sich das?
Schneider-Ammann Johann N. · BR-M · Consiglio federale · Berna
Herr Aebischer, wir haben einen Bedarf an Klärung der Titel, um es sehr diplomatisch zu sagen. Das betrifft alle Stufen und Institutionen. Wie gesagt, wir sind an der Arbeit und wollen Klarheit und Ordnung in diese doch etwas schwierig gewordene Titellandschaft bringen.
Votazione
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 93 Stimmen
Dagegen ... 80 Stimmen
(16 Enthaltungen)