99.085
Lignes directrices des finances. Rapport
Intervento procedurale
Antrag der Kommission
Mehrheit
Vom Bericht Kenntnis nehmen
Minderheit
(Blocher, Mathys, Walter Hansjörg, Weyeneth, Zuppiger)
Vom Bericht in ablehnendem Sinne Kenntnis nehmen
Antrag Mugny
Vom Bericht in ablehnendem Sinne Kenntnis nehmen
Proposition de la commission
Majorité
Prendre acte du rapport
Minorité
(Blocher, Mathys, Walter Hansjörg, Weyeneth, Zuppiger)
Prendre acte du rapport en le désapprouvant
Proposition Mugny
Prendre acte du rapport en le désapprouvant
Marti Werner · Consiglio nazionale · Glarona · Gruppo socialista
Das Finanzleitbild unterscheidet sich von einer Gesetzes- oder Beschlussesvorlage in dem Sinne, dass es weniger präzis und auch breiter angelegt ist. Damit besteht die Gefahr, dass jeder das herausnimmt, was ihm gefällt, wo er zustimmen kann, und das bekämpft, was ihm nicht entspricht. Die Konsequenz ist dann diejenige, dass sich die Exekutive an und für sich in ihrer Grundanlage bestätigt sieht.
Aus der Sicht der Finanzkommission möchte ich deshalb einerseits zur Bedeutung dieser Vorlage und andererseits zu deren Zielen sowie deren Beurteilung durch die Finanzkommission folgende Bemerkungen machen:
Zuerst zur Bedeutung: Das Finanzleitbild ist eine finanzpolitische Auslegeordnung; es dient damit unbestrittenermassen der Transparenz. Das Finanzleitbild ist aber auch ein Bundesratspapier. Es gibt die allgemeine Marschrichtung vor, die der Bundesrat in den nächsten Jahren einzuschlagen gedenkt. Das Finanzleitbild wird - das ist auch die rechtliche Konsequenz - nicht in Rechtskraft erwachsen. Es ist in dem Sinne für das Parlament nicht bindend; das Parlament ist bei seinen Einnahmen- und Ausgabenbeschlüssen an und für sich frei. Aber auch der Bundesrat legt sich hier lediglich eine Selbstbindung auf. Damit ist diesem Leitbild sicher von vornherein eine gewisse Relativierung immanent.
Zu den Zielen: Konsens besteht in der Finanzkommission darüber, dass die Finanzpolitik kein Selbstzweck ist, sondern es ihre Aufgabe ist, im ökonomischen Sinne für Stabilität zu sorgen, Wirtschaftswachstum zu begünstigen und damit die notwendigen Voraussetzungen für die Beschäftigung und für die soziale Wohlfahrt zu schaffen. Ein weit gehender Konsens besteht auch darin, dass wir gesunde öffentliche Finanzen anstreben und haben müssen.
Unterschiedlich sind aber schon die aufgezeigten Wege, auf denen dieses Ziel zu erreichen ist, wobei wir jetzt in der günstigeren Ausgangslage sind, dass wir mit dem nun sich realisierenden Aufschwung damit rechnen können, wieder Budgetüberschüsse zu erzielen. Ziel muss es deshalb aus finanzpolitischer Sicht sein, die Verschuldung nicht nur zu stabilisieren, sondern auch zu reduzieren.
Unterschiedlich sind hingegen die Auffassungen, wie diese Überschüsse realisiert werden sollen. Grundsätzlich bestehen hierzu zwei Möglichkeiten: Einerseits besteht die Möglichkeit, dass das bisherige Steuersubstrat beibehalten und auch die restriktive Ausgabenpolitik weiter geführt wird. Andererseits gibt es die Möglichkeit, dass Steuerreduktionen gemacht und weitere Ausgabenreduktionen angestrebt werden, um gleichwohl Ausgabenüberschüsse zu erzielen. Ich möchte nicht verhehlen, dass ich aus persönlicher Sicht der Variante A zustimme, die scheint mir unter dem Titel "antizyklische Finanzpolitik" angemessen zu sein.
Eng mit diesem Ziel der gesunden öffentlichen Finanzen verbunden besteht eine weitere Prämisse des Bundesrates darin, dass eine tiefe Steuer- und Staatsquote angestrebt werden muss, diese Werte verbessert werden müssen. Die Kommissionsmehrheit begrüsst diese Stossrichtung als Grundaussage und unterstützt sie.
Eine Minderheit ist der Auffassung, man solle hier vor einer gewissen Quotengläubigkeit warnen und die Finanzpolitik sei auch ausgabenorientiert zu gestalten. Unbestritten ist aber, dass mit der Forderung nach einer tiefen Steuer- und Staatsquote auf der einen Seite und gesunden finanziellen Verhältnissen auf der anderen Seite eine Kollision droht.
Hier hat die Finanzkommission mit ihren Entscheiden eine gewisse Prioritätenordnung geschaffen, indem sie klar sagt, dass die Schuldentilgung im Vordergrund stehen soll. Das hat seinen Ausdruck darin gefunden, dass die Finanzkommission zwar die Motion der WAK gutheisst, wonach der Börsenstempel für diejenigen Teile, die abwanderungsgefährdet sind, aufgehoben werden soll, weiter gehende Motionsbegehren wie eine zehnprozentige Senkung der direkten Bundessteuer oder eine Senkung der Bundessteuerquote auf zehn Prozent hingegen abgelehnt hat.
Die Gründe, weshalb die Finanzkommission diese Entscheide gefällt hat, liegen einerseits darin, dass ein Teil sicher diese Vorgaben auch materiell nicht unterstützt, ein anderer aber zum Ausdruck gebracht hat, es sei nicht Aufgabe der Finanzkommission, derartige Beschlüsse zu fassen.
Weitgehend unbestritten ist hingegen die vom Bundesrat aufgestellte Forderung, wonach der Staat seine Leistungen effizient erbringen soll. Das zu den grundsätzlichen Zielen des Finanzleitbildes.
Zur Frage, wie das Parlament dieses Leitbild behandeln soll: Wir haben einen Mehrheitsantrag und einen Minderheitsantrag, die an und für sich in die gleiche Richtung gehen, aber unterschiedlich begründet werden. Laut Antrag der Minderheit soll vom Bericht über das Finanzleitbild in ablehnendem Sinne Kenntnis genommen werden. Meines Erachtens ist es fast eine philosophische Frage, ob man nun zustimmend oder ablehnend Kenntnis nimmt, man kommt so oder so nicht darum herum, zumindest Kenntnis zu nehmen. Deshalb beantragt Ihnen die Mehrheit der Finanzkommission, von diesem Bericht über das Finanzleitbild Kenntnis zu nehmen.
Sandoz Marcel · Consiglio nazionale · Vaud · Gruppo radicale liberale
"Les lignes directrices des finances fédérales présentent les objectifs, les principes et les instruments de la politique budgétaire de la Confédération. Elles énoncent les stratégies à poursuivre en matière budgétaire, lesquelles se fondent sur les principes scientifiques reconnus, et servent de guide pour une politique budgétaire moderne et apte à relever les défis de l'avenir." C'est par ces mots que le Conseil fédéral présente au Parlement son rapport, pour ne pas dire son credo, sur les finances fédérales du futur.
Les lignes directrices constituent d'abord un instrument de gestion du Conseil fédéral en donnant la direction, en indiquant l'azimut à suivre, l'objectif à atteindre et les priorités à fixer à cet effet. Elles sont aussi une glissière de sécurité, en quelque sorte, ou un garde-fou. De cette manière, le Conseil fédéral entend s'astreindre à respecter certaines exigences financières en se donnant une stratégie globale, transparente, aisément compréhensible. Je vous invite vivement à lire ces lignes directrices.
La politique budgétaire n'est pas un but en soi. Elle constitue un moyen indispensable pour atteindre des objectifs économiques et sociaux. Il s'agit d'assurer la stabilité économique et la croissance qui, à leur tour, sont garantes de l'emploi, du bien-être et de la cohésion sociale. Trois conditions doivent être remplies pour atteindre ces objectifs: d'abord, des finances publiques saines; ensuite, des quotes-parts fiscales étatiques basses; enfin, des prestations efficaces de l'Etat. Il va sans dire que l'équilibre budgétaire est au coeur de la première condition. La deuxième condition favorise la place économique de notre pays en rendant celui-ci fiscalement concurrentiel. Enfin, il faut que la fonction publique soit plus efficace et plus proche des citoyens. Pour réaliser ces objectifs, le Conseil fédéral souligne les mesures prises ou encore à prendre du côté des dépenses, et ensuite seulement du côté des recettes.
Il faut dès lors appliquer avec méthode les mesures prises jusqu'ici pour endiguer les dépenses. Le frein à l'endettement doit relayer l'"objectif budgétaire 2001". La nouvelle péréquation financière répartira d'une façon plus équilibrée les flux financiers et les rendra mieux maîtrisables. Elle revitalisera le fédéralisme. Il s'agit d'un dossier auquel les Commissions des finances ont consacré leurs derniers séminaires de politique financière. Outre les deux messages précités, votre Commission des finances sera appelée à examiner s'il convient de rendre le budget biennal. Sur le plan des recettes et de la politique fiscale, il faudra donner une nouvelle base constitutionnelle au régime des finances, alléger la fiscalité familiale, parvenir à l'harmonisation fiscale formelle entre les cantons, aménager le droit des successions, etc. Enfin, notre système fiscal devra être peu à peu adapté à notre environnement européen, qu'on le veuille ou non. "Environnement européen immédiat", comme disait Gonzague de Reynold en 1945: la Suisse est bien au milieu de l'Europe. Voilà en quelques mots comment on peut résumer les lignes directrices du Conseil fédéral.
Lors des débats au sein de votre commission, plusieurs commissaires se sont trouvés pour louer l'excellent travail réalisé, la transparence, la clarté de ces lignes directrices, qui sont une véritable "Auslegeordnung" ou, si vous préférez, une sorte de syllabus financier du Conseil fédéral. Mais les critiques n'ont pas manqué non plus. En effet, certains à gauche de l'hémicycle reprochent aux lignes directrices de faire la part belle aux économies, aux réductions d'impôts, pour obéir aux oukases d'une économie globalisée qui entend ériger en dogme ce qu'elle croit vrai. Pourtant, le nombre de "working poors" ne cesse d'augmenter - il est évalué aujourd'hui entre 250 000 et 400 000 personnes -, c'est-à-dire de personnes qui ne peuvent pas vivre du produit de leur travail. D'ailleurs, la quote-part fiscale suisse est déjà parmi les plus basses de l'OCDE. Pourquoi vouloir encore l'abaisser? Voilà ce qu'on dit à gauche.
A droite, le discours de votre commission est différent, vous vous en doutez. On rappelle en effet que la quote-part de l'Etat, comme la quote-part fiscale, ont fortement augmenté au cours de ces dix dernières années, que l'endettement de la Confédération a franchi le cap des 100 milliards de francs en 1998 et qu'il a triplé en dix ans. On demande une réduction immédiate de la quote-part de l'Etat par des mesures sur les dépenses, et de la quote-part fiscale par des mesures sur les recettes.
Diverses propositions ont été débattues en commission. Par 11 voix contre 7, votre commission a rejeté une proposition de motion demandant de réduire la quote-part fiscale au-dessous de 10 pour cent durant la législature 2000-2003. Le chef du département a fait valoir à l'encontre de cette proposition qu'elle risquait de mettre en péril le pour-cent de TVA en faveur de l'AVS.
De même, par 10 voix contre 8, la commission a repoussé une proposition de motion visant à réduire de 10 pour cent l'impôt fédéral direct d'ici au 1er janvier 2003. En effet, une telle réduction, brutale, ne pourrait profiter qu'aux bénéficiaires des revenus les plus élevés, tant il est vrai que 70 pour cent des recettes de l'impôt fédéral direct sont payées par 10 pour cent des contribuables de Suisse. Il est dès lors préférable de rechercher d'autres aménagements dans le cadre du nouveau régime financier constitutionnel.
La commission a encore repoussé, par 13 voix contre 5, une proposition de postulat demandant au Département fédéral des finances de réétudier divers objectifs et principes des lignes directrices quant à leurs effets sur les transferts fiscaux.
Par 14 voix contre 7, la commission a décidé de vous proposer de prendre acte des lignes directrices des finances. Une minorité forte de cinq membres vous propose de prendre acte du rapport en le désapprouvant, car elle estime qu'il ne va pas assez loin dans les objectifs économiques et de défiscalisation. Deux autres commissaires désapprouvent également le rapport, mais pour des motifs diamétralement opposés. C'est ce qui me fait dire que les lignes directrices sont dans une excellente position. Les propositions présentées vont dans un sens contraire. Tant à droite qu'à gauche, les extrêmes se rejoignent et c'est toujours bon signe pour l'équilibre du milieu.
Enfin, la commission a pris connaissance d'un court rapport que lui a présenté la commission de l'économie et des redevances, ainsi que de la motion qui y était jointe. Par cette motion, ladite commission invite le Conseil fédéral à présenter d'ici au 30 septembre 2000 un message concernant la loi sur les droits de timbre, afin de supprimer partiellement le droit de timbre de négociation sur les titres dans les secteurs où ces travaux sont menacés d'émigrer à l'étranger.
Au nom de la majorité de la commission, je vous engage à prendre acte du rapport du Conseil fédéral.
Blocher Christoph · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Wenn das Finanzleitbild eine Auslegeordnung ist, welche die Grundsätze und die Instrumente der künftigen Finanzpolitik erhellt, dann könnte man sagen: Ja gut, man muss für ein solches Finanzleitbild nicht allzu viel Zeit verwenden; man kann es zur Kenntnis nehmen, ob negativ oder positiv. Der Bundesrat schreibt aber am Anfang in einem Kästchen - das er in der Einleitung gemacht hat, um hervorzuheben, wie wichtig es ist -, dass das Finanzleitbild die finanzpolitischen Strategien für eine "zukunftsgerichtete, moderne Finanzpolitik" enthalte. Für eine Strategie ist es von entscheidender Bedeutung, dass man klare, messbare Ziele und auch klare Massnahmen formuliert und dass man sogar all die Faktoren aufnimmt, welche der Erreichung des Zieles entgegenwirken sollten, um dann zu sagen, wie man diese abwendet. Diesem Erfordernis entspricht dieses Finanzleitbild nicht.
Unabhängig von diesem formellen Einwand gibt es materielle Einwände. Wir müssen sehen, dass die Schweiz in den letzten Jahren wie kein anderes Land die Steuerquote - oder die Fiskalquote - erhöht hat. Damit hat die Schweiz ihren riesigen Vorteil, den sie bisher gegenüber anderen Industriestaaten hatte, verkleinert.
Das ist verhängnisvoll für ein kleines Land, welches von der Wirtschaft abhängig ist. Es ist heute ja eine ökonomische Wahrheit, dass Länder, die eine tiefe Steuerquote, eine tiefe Fiskalquote, haben, bezüglich Wachstum und Beschäftigung an der Spitze liegen. Darum sollten wir eine Umkehr dieses Weges einleiten; das ist unsere Finanzpolitik. Das heisst also: Senkung der Steuern, Senkung der Steuerquote oder Fiskalquote, was dann auch Gemeinden und Kantone mit einschliesst.
Der Bericht nimmt zwar dieses Anliegen vorsichtig auf und widerspricht dieser These nicht, aber er bringt keine Massnahmen, die anzustreben sind, um ein solches Ziel, nämlich eine niedrige Steuerquote, zu erreichen. Sie sehen dann hinten im Bericht noch, wie der Bundesrat in Zukunft vorgehen will, um dieses vorne positiv genannte Ziel zu erreichen: Da steht zum Beispiel auf Seite 33 nicht etwa, dass unsere Steuern abgebaut werden sollen, sondern man spricht von einem Umbau des Steuersystems. Man müsse keinen Ausbau haben, aber gleichzeitig sagt man natürlich dann doch, "die Erhöhung der Bundessteuerquote ist nur zulässig" - jetzt öffnet man die Türe -, "soweit diese zur Finanzierung demographiebedingter Zusatzlasten oder von Mehrausgaben eines allfälligen EU-Beitrittes dient". Hier wird die Türe natürlich ganz wesentlich geöffnet. Damit kann das Ziel einer tieferen Steuer- oder Staatsquote nicht erreicht werden.
Der Präsident hat hier diejenigen, die von einer Staatsquote sprechen, etwas lächerlich gemacht: Das seien, wie auf der Seite der Frauenquote, "Quotenliebhaber", das seien die "Quotenfetischisten"; so werden sie genannt. Mir geht es nicht um eine rechnerische Grösse, sondern es geht um die Grundsatzfrage: Wie viel Staat, wie viele Ausgaben kann eine Volkswirtschaft ertragen, damit sie in einem Land auf die Länge Vollbeschäftigung und Wohlstand erreichen kann? "Freiheit oder Sozialismus" oder "Freiheit oder Staatswirtschaft" usw.: Hier steckt die Grundsatzfrage drin.
Wir haben in der falschen Richtung zu viel getan, und darum müssen wir das korrigieren. Das Leitbild gibt zu wenig Anlass, das zu tun.
Ich verhehle eine gewisse Genugtuung nicht. Ich möchte Herrn Bundesrat Villiger dafür danken, dass der Bundesrat jetzt wenigstens selbst mit praktischen Massnahmen voranschreitet und die Steuereinnahmen um 1,4 Milliarden Franken senken will.
In der Kommission hat man unsere Motion, welche die direkten Bundessteuern um 10 Prozent senken will, materiell ziemlich leidenschaftlich bekämpft. Das wären etwa eine Milliarde Franken gewesen, und der Bundesrat ist jetzt mit seinen neuesten Vorschlägen bei 900 Millionen Franken angelangt. Das ist ein positives Signal, aber im Bericht wird es als Strategie und Grundsatz nicht aufgenommen. Das hat zur Folge, dass man die Ausgabenpolitik anpacken muss. Man kann die Steuer- und Finanzpolitik ohne klare Verminderung der Ausgaben nicht anpacken.
Der Kommissionspräsident sagte, es sei eine philosophische Frage, ob man mit oder ohne Zustimmung vom Bericht Kenntnis nehme. Diesbezüglich kann ich ihm Recht geben. Es gibt in der Bundespolitik die Unart, dass man mit Berichten führt; Berichte werden zu etwas wie einer gesetzesähnlichen Anleitung für die Verwaltung, ohne dass es Gesetze sind. Darum ist es nicht unwesentlich, ob wir einen Bericht positiv oder negativ zur Kenntnis nehmen.
Wir können diesen Bericht nicht zustimmend zur Kenntnis nehmen, sondern nur in ablehnendem Sinne.
Steiner Rudolf · Consiglio nazionale · Soletta · Gruppo radicale liberale
Herr Blocher, Sie wenden formell gegen dieses Finanzleitbild ein, es sei zu wenig konkret und halte zu wenig Grundsätze fest.
Ich habe mir das Leitbild Ihrer Ems-Gruppe beschafft, und bei allem Respekt vor Ihrer unternehmerischen Leistung muss ich festhalten, dass es aus fünf breit bedruckten Seiten mit wenig Inhalt besteht. Da steht z. B., es sei Ihre Hauptaufgabe, überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen und in ausgewählten Ländern bei einem breiten Kundenkreis tätig zu sein. Da steht also auch nicht konkret drin, wie Sie Ihre Firma führen.
Wo ist hier der Unterschied? Warum stellen Sie höhere Anforderungen an ein Leitbild des Bundes als an dasjenige Ihrer Unternehmung?
Blocher Christoph · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Ich beantworte Ihnen die Frage sehr gerne. Was ist ein Leitbild? Ich habe gesagt, wenn dies eine lockere Ansammlung von Grundsätzen wäre, könnte man dies für die Führung der Finanzpolitik noch einigermassen entgegennehmen. Der Bundesrat schreibt aber: Das Leitbild "formuliert finanzpolitische Strategien, welche etablierte finanzwissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen und als Wegweiser für eine zukunftsgerichtete, moderne Finanzpolitik dienen".
Im Unternehmen ist die zweite Stufe ein leistungswirtschaftliches Konzept. Dort finden Sie die Gewinnziele pro Bereich, pro Produkt usw. Dies deshalb, weil wir das Leitbild nach aussen veröffentlichen, aber unsere Ziele nur nach innen. Ich aber würde nicht antreten und sagen: Hier ist meine Firmenstrategie - sonst wäre ich schon lange pleite. Der Bund geht aber nie pleite, das wissen Sie.
Mugny Patrice · Consiglio nazionale · Ginevra · Gruppo ecologista
La position du groupe écologiste vous sera donnée plus complètement tout à l'heure par moi-même et par Mme Teuscher. J'aimerais juste, puisque j'ai fait une proposition de prendre acte du rapport en le désapprouvant, vous démontrer quelques faits intéressants.
On vient de voir ce que nous voyons en commission, c'est-à-dire que M. Blocher vient dire que cela ne va pas assez loin, que le Conseil fédéral a fait un bon effort, mais qu'il faut faire un effort supplémentaire. Et vous entendrez certainement M. Villiger, conseiller fédéral, dire tout à l'heure: "Nous avons fait un gros effort, nous ne pouvons pas aller plus loin, mais nous continuerons l'effort." Donc, on va continuer dans ce genre de choses encore longtemps. Les lignes directrices des finances fédérales sont tout à fait le reflet d'une dérive que nous trouvons inquiétante, qui consiste à défendre de plus en plus les intérêts - puisqu'on a parlé tout à l'heure de quote-parts, tout le monde sait que M. Blocher est milliardaire - de ces gens-là et à réduire les moyens de vivre des gens se trouvant dans des situations difficiles. Nous en parlerons également tout à l'heure. Nous savons qu'il y a entre 250 000 et 400 000 personnes en Suisse qui vivent en dessous du seuil de pauvreté, indépendamment des aides au logement, d'autres aides à l'assurance-maladie et autres qui existent déjà. Mais ça, ça ne fait partie des priorités ni du Conseil fédéral ni évidemment de M. Blocher et d'autres gens dans cette salle. En revanche, ça fait partie des priorités que nous, le groupe écologiste, et j'imagine quand même d'autres minorités, défendons ici.
Si nous désapprouvons ce rapport, c'est simplement qu'en filigrane, au travers de ce rapport qui, en tant que tel, n'apparaît pas forcément mauvais ou contraire à nos idées, on sent très bien la direction générale. On vient de le voir il y a deux ou trois jours avec le projet du Conseil fédéral de réduire de plus de 1 milliard de francs les recettes de la Confédération, alors que la quote-part fiscale en Suisse est déjà une des plus basses d'Europe. Il s'agit bel et bien de réduire la participation des riches à la caisse commune et de réduire les prestations à l'autre bout, alors même que depuis des années M. Blocher, et certainement d'autres, parlent de réduire le déficit ainsi que l'endettement. On aurait peut-être l'occasion, avec une progression des recettes, de participer à la réduction de l'endettement. Non, on reréduit de nouveau les recettes pour pouvoir de nouveau dire plus tard qu'il faut réduire les prestations.
Je reviendrai donc tout à l'heure sur cette question, mais je vous propose de prendre acte de ce rapport en le désapprouvant.
Seiler Hanspeter · P-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Ich gratuliere Herrn Pierre-Yves Maillard herzlich zu seinem Geburtstag, den er heute feiert, und wünsche ihm für die Zukunft alles Gute. (Beifall)
Hofmann Urs · Consiglio nazionale · Argovia · Gruppo socialista
Wer im bundesrätlichen Finanzleitbild unmissverständliche Aussagen zu den Grundsatzfragen der Finanzpolitik in der nächsten Legislaturperiode erwartet hatte, nämlich zum Stellenwert einer antizyklischen Finanz- und Steuerpolitik im Aufschwung, zum Finanzbedarf des Bundes für eine zukunftsgerichtete Sachpolitik - ich denke vorab an den Bildungs- und Forschungsbereich - oder zu den Gerechtigkeitsdefiziten in der Steuerpolitik und dem daraus abgeleiteten Handlungsbedarf, wer also Antworten auf solche Fragen erwartet hatte, der konnte zwar eine bundesrätliche Haltung erahnen und zum Teil zu erkennen glauben. Was der Bundesrat zu diesen in der politischen Diskussion heftig umstrittenen Fragen effektiv meint, blieb jedoch in vieler Hinsicht unklar. Immerhin mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass auch der Bundesrat je länger, desto mehr einem unseligen Quotendenken erlegen ist, wonach die Qualität unserer Politik nicht durch den Output - die Leistungen des Staates - definiert wird, sondern durch abstrakte Parameter, deren Aussagekraft bekanntlich mehr als zweifelhaft ist.
Seit dem letzten Montag wissen wir Genaueres: Auch der Bundesrat will schon heute vom finanzpolitischen Tugendpfad abweichen. Wir erinnern uns: In der Diskussion um das "Haushaltziel 2001" wurde sowohl vom Bundesrat als auch von Ihnen, den Mitgliedern der bürgerlichen Parteien, der Teufel der Überschuldung des Bundes an die Wand gemalt. 100 Milliarden Franken Schulden seien völlig unakzeptabel; jeder Private, der so fuhrwerke, sei quasi konkursreif und von allen guten wirtschaftlichen Geistern verlassen.
Die SP-Fraktion hielt schon damals fest, dass es volkswirtschaftlich unsinnig sei, in der Rezession in eine Sparhysterie zu verfallen und damit den wirtschaftlichen Aufschwung gleich wieder abzuwürgen; es werde jedoch bei guter Konjunkturlage zwingend sein, Überschüsse zu generieren, um die Schulden abzutragen und Spielräume für die Aufgaben der Zukunft zu schaffen.
Doch was stellen der staunende Bürger, die staunende Bürgerin heute fest? Genau die gleichen Leute - der Bundesrat und die Vertreter der bürgerlichen Parteien, die einst von einer unverantwortbaren Verschuldung des Bundes redeten - wetteifern heute mit immer neuen Forderungen nach Steuerentlastungen, die mittlerweile kumuliert den Totalbetrag von 6 Milliarden Franken pro Jahr bereits überschreiten. Das ist ein Betrag, den auch Herr Blocher mit seinen Sparforderungen nicht einzusparen in der Lage ist. Und was macht der Bundesrat, der im Leitbild bei Steuerentlastungen, die er als möglich bezeichnete, immer noch von Kompensationsmöglichkeiten sprach? Er knickt in vorauseilendem Gehorsam ein!
Herr Bundesrat Villiger, wir haben von Ihnen mehr Standfestigkeit erwartet. Sie wissen ganz genau, dass ein Finanzminister, der sich in der Finanz- und Steuerpolitik der Beliebigkeit der Parteipolitik hingibt, schon bald einmal jeglichen Halt und den Boden unter den Füssen verlieren wird. Wir sind gespannt; Herr Blocher jedenfalls hat Ihnen zu Ihrem ersten Schritt bereits grosszügig gratuliert.
Im Unterschied zum nun lavierenden Bundesrat haben Sie, meine Herren von der SVP - wenn auch notabene nach den Wahlen -, für einmal klaren Wein eingeschenkt und dargestellt, wohin die immer unverschämter vorgetragene Politik der leeren Kassen, für welche die Quoten das Mass aller Dinge sind, führen muss: zu einem massiven Abbau der staatlichen Leistungen, zu einer radikalen Umgestaltung der AHV mit tieferen Renten und höherem Rentenalter, zur Zerstörung der Ausgleichsfunktion unseres Staates.
Herr Blocher, nicht "Sozialismus und Freiheit" stehen da einander gegenüber, sondern es geht darum, wer in diesem Staat die Freiheit hat - auch die ökonomische Freiheit -, anständig zu leben, so, wie man es in der Schweiz sollte tun können. Heute sind die Finanzpolitik und die Sozialpolitik der SVP aus einem Guss: Beide sind sie grundfalsch. Wir freuen uns, Herr Blocher, auf Philippi!
Doch wenn der Bund nun plötzlich - wie Sie es heute offenbar meinen, Herr Villiger - anderthalb Milliarden Franken zur freien Verteilung übrig hat, dann darf doch dieses Geld nicht durch die partielle Abschaffung des Umsatzstempels gerade denjenigen hinterhergeworfen werden, die ohnehin genug haben. Diese haben sich bisher standhaft geweigert, zu einer Kompensation im Finanzsektor, die ohne weiteres möglich und zumutbar wäre, Hand zu bieten. Auch bei der Entlastung der Familien - was gut tönt und natürlich auch uns sympathisch ist - dürfen doch nicht mit der "einseitig gelochten Giesskanne" die Entlastungen gerade denjenigen zugewiesen werden, die es nicht nötig haben. Sie müssen denjenigen Eltern und Familien zugute kommen, die unter der Belastung im heutigen Staat - mit den Kopfprämien bei den Krankenkassen, mit Gebühren in verschiedenen Bereichen - je länger, desto mehr zu leiden haben. Wir haben mit dem Projekt der Kinderrente einen Vorschlag unterbreitet, der diese Politik aufnimmt.
Wenn der Bundesrat sein Leitbild solcherart versteht und umsetzen will, wie er es mit seinen Beschlüssen vom letzten Montag vorexerziert hat, dann ist das vorliegende Papier ein Rezept für weniger Steuergerechtigkeit, für mehr Umverteilung von unten nach oben. Es ist der beste Nährboden entweder für einen maroden Staat der Zukunft à la SVP oder für eine erneute Defizitwirtschaft, kaum haben wir den Haushaltausgleich erreicht. Für eine solche Finanzpolitik können wir die Verantwortung nicht mittragen.
Maillard Pierre-Yves · Consiglio nazionale · Vaud · Gruppo socialista
J'aimerais d'abord confirmer que M. Blocher a quelques problèmes avec les définitions politiques depuis un certain temps, quand il met ensemble M. Villiger, quelques anciens souvenirs des années trente et les élus du côté gauche de l'hémicycle dans un gros paquet en disant: "Tout ça, c'est du socialisme." Je crois que M. Blocher a besoin de quelques cours de sciences politiques.
Maintenant, sur le fond de l'objet qui nous occupe, j'aimerais dire qu'après dix ans de politique d'austérité qui ont vu s'accroître la redistribution à l'envers des ressources publiques, c'est-à-dire que ceux qui possédaient déjà beaucoup ont reçu davantage et ceux qui possédaient peu ont reçu encore moins, on pourrait estimer qu'il est temps d'avoir un rattrapage pour les populations qui ont subi durement la crise. Evidemment, quand on les rencontre sur les places de marché, celles-ci nous disent que ça fait maintenant trop longtemps qu'elles subissent le coût de la crise. Mais cette expression-là est prononcée par ceux qui ont subi ces dix dernières années la politique d'austérité du Conseil fédéral, et ils se font évidemment entendre moins fort que M. Blocher et ses compagnons qui, eux, arrivent en séance de la Commission des finances et qui disent: "M. Villiger, ça n'est pas suffisant, vous ne nous donnez pas assez. Les baisses d'impôts ne sont pas suffisantes. On veut des chiffres et à cause de ça, on refuse vos lignes directrices" qui, par ailleurs, vont globalement exactement dans la direction demandée par les mêmes milieux. Et cela a une efficacité réelle puisque quelques jours, quelques semaines plus tard, le Conseil fédéral, reniant tous ses principes et tout ce qu'il a dit, arrive effectivement avec des propositions de baisses fiscales. Nous avons pu voir aujourd'hui M. Blocher transmettre un grand merci à M. Villiger. On voit bien comment l'opération se déroule. D'un côté, on met constamment la pression et, de l'autre, on suit avec quelques semaines de retard.
Sur le fond, le problème qui semble être devenu prioritaire pour la majorité politique de cet hémicycle, c'est de baisser la quote-part fiscale et la quote-part étatique du pays. On pourrait s'attendre à ce qu'une politique budgétaire soit conduite en fonction des intérêts généraux de la population, et pas en fonction d'un critère aussi abstrait et aussi discutable. Si on s'en tient à ça, je l'ai déjà dit au moment du débat d'entrée en matière sur le budget, alors notre modèle c'est la Corée du Sud, le Mexique, les Etats-Unis et notre repoussoir c'est la France, le Danemark et la Suède. J'aimerais qu'on ait une approche un peu plus fine pour savoir en quoi le Mexique et la Corée du Sud sont des exemples par rapport à ceux qui seraient à l'autre bout de l'échelle de la quote-part fiscale et de la quote-part étatique.
Vous trouvez dans les lignes directrices des finances fédérales des incitations à la privatisation, des incitations au passage à un système de concessions pour toute une série d'offices et d'activités publiques, la volonté de baisser la dette en même temps que de baisser les impôts, ce qui accroîtra donc la pression sur les dépenses, notamment sur les dépenses sociales, la volonté de remplacer un système fiscal qui postule la solidarité, c'est-à-dire que chacun paie selon son revenu et que l'ensemble des revenus est ensuite redistribué en fonction de choix politiques. On veut remplacer ce système par un système où on fait payer l'utilisateur, c'est exprimé très clairement à la page 20 des lignes directrices.
On veut équilibrer le budget sur un cycle, et M. Villiger nous annonce déjà un nouvel article constitutionnel qui devrait fixer dans la constitution l'obligation d'équilibrer les comptes de la Confédération sur un cycle. J'aimerais bien lui demander quel cycle il prendra. Si on avait voulu faire un tel article à la fin des années huitante, on aurait pris les expériences des années septante, où les cycles conjoncturels duraient trois ou quatre ans, à peu près une législature. Dans ce cas-là, on nous aurait obligés à rééquilibrer les finances de la Confédération au beau milieu des années nonante, alors que ce dernier cycle a duré environ une dizaine d'années et qu'il était complètement absurde de vouloir équilibrer les comptes de la Confédération après quatre ou cinq ans. Ces objectifs budgétaires, la volonté de les ancrer dans la constitution, de se lier les mains dans la constitution pour équilibrer le budget sur un cycle économique sont complètement absurdes à mon avis.
Enfin, il y a dans ce document un appel à un besoin de consensus. Vous verrez qu'une partie de la gauche commence à se dire: "Après tout, nous aussi nous dirons que, pour les gens que nous défendons, ces lignes directrices ne sont pas favorables." C'est tout à fait anecdotique de savoir si nous prenons acte ou si nous prenons acte en désapprouvant, ça n'a pas une grande portée. Mais il y a quand même une volonté de dire qu'il n'y a pas que M. Blocher qui dira que pour lui, ça ne va pas. Il y a quelques centaines de milliers de gens pour lesquels ça ne va pas non plus et que nous aimerions défendre en désapprouvant également ces lignes directrices.
Genner Ruth · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo ecologista
Das vom Bundesrat vorgelegte Finanzleitbild bildet an sich eine brauchbare Grundlage für künftige Finanz- und Steuerentscheide.
Als Grüne lesen wir jedoch bereits heute aus diesem Leitbild den Unwillen des Bundesrates, sich auf eine ökologische Steuerreform einzulassen und diese dann umzusetzen. Dabei war die Zeit noch nie so günstig, eine Energiesteuer einzuführen, wie jetzt, wo die tiefen Energiepreise wegen der Strommarktliberalisierung noch tiefer sinken sollen. Es geht nicht allein um eine zusätzliche Belastung der nicht erneuerbaren Energien. Unser ökologisches Anliegen ist die Lenkung, einerseits so, dass ein Anreiz da ist, Energie zu sparen, andererseits so, dass im technologischen Bereich ein Innovationsschub ausgelöst wird. Ein Lenkungseffekt und eine entsprechende Steuerquote für den Staat - Sie wissen es, wir Grünen wollen die Sozialwerke entlasten - werden erst mit einer mindestens fünfzigprozentigen Erhöhung der Energiepreise erreicht. Aber das heisst nicht, dass wir damit die Staatsquote in ihrer Gesamtheit erhöhen wollen.
Die guten Absichten des Finanzleitbildes sind aber bereits überholt. Die in der letzten Woche angekündigten Steuerreformen sind ein einseitiger, rechtslastiger Niederschlag des Finanzleitbildes. Einzig davon ausnehmen möchte ich die Ankündigung zur Entlastung der Familien. Kinder zu haben bedeutet heute eine hohe finanzielle Belastung, welcher der Staat zurzeit sehr schlecht Rechnung trägt. Aber es gäbe dazu durchaus andere und weitere Formen der Entlastung als lediglich Steuererleichterungen.
Was letzte Woche angekündigt wurde, sind insbesondere Steuererlässe an solche, die nicht darben. Die Banken machen im Moment ihre Rekordgewinne von 1999 publik. Das Steuervolumen im Zeitpunkt der anziehenden Wirtschaft herunterzufahren; sich also vonseiten des Staates prozyklisch zu verhalten ist ohnehin gegen jede Vernunft. Mir ist klar: Wir leben in einer schnelllebigen Zeit und deshalb vielleicht auch in einer schnell vergessenden Zeit. Ich möchte Sie daran erinnern, dass wir vor etwas mehr als einem Jahr in diesem Saal darum gerungen haben, die Beschlüsse des "runden Tisches" umzusetzen.
Darf ich Sie noch einmal daran erinnern, was die Ziele dieser hart umstrittenen Beschlüsse waren? Es ging darum, die laufenden Ausgaben zwingend zu senken, und es gab keine Schonung. Stipendien wurden heruntergefahren, Arbeitslosen und Rentnerinnen wurden Beiträge gekürzt, dem Regionalverkehr wurden wichtige Mittel entzogen. Kurz: Ohnehin Schwache wurden geschwächt und werden es noch, weil die Beschlüsse in den Kantonen zum Teil erst jetzt zu greifen beginnen.
Der Druck, die laufenden Kosten zu senken, wurde besonders auch von bürgerlicher Seite unterstrichen: Eine Schweiz mit einer Schuldenlast von über 100 Milliarden Franken sei zum Untergang verurteilt usw.
Heute haben Sie offenbar andere Ziele, denn über Schuldenabbau spricht niemand mehr, und dabei wäre er in besseren Zeiten zu leisten. Wann denn sonst? Aber nun will der Bundesrat Steuern erlassen oder senken, ausgerechnet an und für diejenigen, die haben, die zu den Stärkeren gehören und aus der Stärke gut und offenbar laut genug schreien können: Banken und Hausbesitzer. Der Bundesrat bekräftigt einmal mehr, die Einführung einer Kapitalgewinnsteuer komme nicht in Frage.
Da wir aber wissen, dass in der Schweiz mit Kapital mehr verdient wird als mit Arbeit, ist diese Haltung nicht nur unverständlich, sondern auch denjenigen gegenüber ungerecht, welche ihr Leben nur mit Arbeit finanzieren und damit wesentlich zum Steuersubstrat beitragen.
Noch ein letzter Punkt. Es ist erst wenige Wochen her, da hat der Bundesrat die Botschaft zur 11. AHV-Revision verabschiedet. Da herrschte wieder die andere Musik vor. Im Tenor "singt" man dann wieder vom Sparen. Und wo wird gespart? Einseitig bei den Frauen, mit der Erhöhung des Rentenalters. Allein mit der Angleichung der Witwenrente an die Witwerrente sollen bei den Frauen über 800 Millionen Franken herausgeholt werden. Mir müssten wohl der Inhalt und die Bedeutung des Wortes "Gerechtigkeit" noch einmal erklärt werden!
Ich messe das Finanzleitbild an den daraus entstehenden Beschlüssen. Diese werden wesentlich darauf Einfluss nehmen, ob wir Steuergerechtigkeit haben werden.
Die grüne Fraktion nimmt vom Finanzleitbild in ablehnendem Sinne Kenntnis.
Mugny Patrice · Consiglio nazionale · Ginevra · Gruppo ecologista
J'ai déjà commencé le débat tout à l'heure en déclarant que je désapprouvais les lignes directrices. J'aimerais quand même remettre en tête l'histoire que nous avons dite à quelques-uns, cette sorte de pression exercée par une droite pure qui arrive, lors de la dernière séance de la Commission des finances, et demande 2 milliards de francs d'économie. Ensuite, M. Villiger arrive et montre à quel point il est raisonnable, et cette droite ne s'en satisfait pas. Il y a d'ailleurs eu tout à fait le même phénomène avec le livre de M. de Pury; il y a eu un premier livre, puis un deuxième. Et chaque fois, on dit bravo au Conseil fédéral pour les quelques pas qu'il a faits, et on attend les suivants.
Il y a une sorte de logique perverse, parce que, au fond, en ce qui concerne, par exemple, le projet de mieux tenir compte des enfants dans la fiscalité présenté par M. Villiger lundi, nous le soutenons, mais que cela soit compensé. En revanche, tout à coup, on décide une réduction de la fiscalité de 0,5 milliard de francs pour les banques et leurs clients. Alors là, on est encore dans un autre cas de figure. D'ailleurs, il est intéressant de voir que la Commission de l'économie et des redevances exige en même temps une réduction de la dette et des recettes. C'est un paradoxe intéressant. Mais il est clair que nous accepterions aussi, par exemple, l'augmentation de certaines fiscalités indirectes, comme les taxes écologiques, mais qu'à ce moment-là il y ait une réduction des charges sur le travail, et pas une réduction de l'impôt fédéral direct qui, de nouveau, est une fiscalité qui frappe particulièrement les gens possédants, et moins les pauvres. Donc, c'est un impôt, comme tout un chacun le sait, progressif.
Deuxième élément que j'avais déjà dit, mais que je répète: il y a entre 250 000 et 400 000 personnes que l'on appelle les "working poors", les gens qui travaillent à plein temps et qui n'arrivent pas à vivre avec leur revenu. Pas un mot dans les lignes directrices sur le bien commun, sur la nécessité qu'un pays de 7 millions d'habitants aussi riche que la Suisse se préoccupe du bien-être, du bien commun de la partie la plus pauvre de sa population!
Je signale d'ailleurs, puisqu'on parle toujours de la richesse, de la capacité de chacun, de la croissance et du bien-être calculé en fonction du produit intérieur brut, qu'il y a un autre indice qui est celui du programme des Nations Unies pour le développement, qui calcule le bien-être selon la situation des plus pauvres du pays, notamment des femmes, de l'alphabétisation et d'autres critères qui sont peut-être différents. Il serait bon de passer à ce type d'indices également.
On a d'ailleurs, je le répète, de la peine à comprendre la volonté de réduire le train de l'Etat alors qu'en Suisse, actuellement, la quote-part fiscale est relativement modérée. Il est donc clair pour nous que les lignes directrices ne vont pas dans le sens d'une amélioration du sort du plus grand nombre, ni surtout du soutien aux personnes défavorisées. Il s'agit véritablement d'un programme politique qui vise très clairement à répondre aux voeux d'une droite dure et arrogante et in fine, à remettre en cause l'Etat social.
J'aimerais encore dire deux choses à ce stade. La première concerne la proposition d'amnistie fiscale. Réellement, ça constitue une prime au vol! J'aimerais quand même, dans le débat qu'il y aura certainement un jour sur ce point, qu'on se pose la question sur cette Suisse qui non seulement abrite les fraudeurs de l'étranger, mais est prête à blanchir les fraudeurs suisses!
La deuxième est que nous vivons actuellement dans un climat extrêmement malsain, c'est le moins qu'on puisse dire avec la montée des intolérances. On l'a vu encore ce week-end avec l'événement le plus grave, c'est l'histoire d'Emmen, des non-naturalisations de gens qui n'avaient pas un nom de bonne consonance ou un visage avec le bon faciès. Il y a eu la décision du Conseil des Etats d'ouvrir des camps pour les requérants d'asile. Il y a également la proposition de créer des classes séparées pour les étrangers. Il y a tous ces problèmes-là. On a même parlé - il y a eu des bruits! - de "dénaturaliser" des gens!
Je pense que la montée du populisme et de la xénophobie ont des causes. Elles sont multiples, mais une des causes est le lien évident entre la démagogie anti-Etat, antisociale, et la montée des intolérances. A trop vouloir cirer les bottes des riches et désespérer les gens modestes, on joue dangereusement avec la désespérance des gens et leurs sentiments.
Loepfe Arthur · Consiglio nazionale · Appenzello Interno · Gruppo popolare-democratico
Mit dem Finanzleitbild vom Oktober 1999 hat der Bundesrat seine Marschrichtung in der Finanzpolitik festgelegt. Er stützt sich dabei auf die Bundesverfassung sowie auf anerkannte volkswirtschaftliche, steuerrechtliche und betriebswirtschaftliche Grundsätze.
Oberstes Ziel ist ein mittelfristig ausgeglichener Staatshaushalt, denn nur ein finanziell gesunder Staat ist sozial und wirtschaftlich leistungsfähig. Der Bundesrat will das Budget mindestens über einen Konjunkturzyklus hinaus ausgleichen und das strukturelle Defizit beseitigen. Der Bundesrat will die Verschuldungsquote auf ein nachhaltiges Mass senken. Mit dem Schuldenabbau will er den notwendigen finanziellen Handlungsspielraum wieder gewinnen und verhindern, dass zukünftige Generationen unsere Schulden bezahlen müssen.
Der Bundesrat will gleichzeitig günstige Rahmenbedingungen für den Arbeits-, Wirtschafts- und Lebensstandort Schweiz schaffen. Eine gute Infrastruktur, gute Ausbildungsmöglichkeiten und relativ tiefe Steuern sind dabei wichtige Eckpfeiler. Die Steuer- oder Fiskalquote und die Staatsquote sollen zu den tiefsten in der OECD gehören.
Wir beurteilen das Finanzleitbild wie folgt: Das Finanzleitbild ist umfassend und anspruchsvoll. Es ist ein Glaubensbekenntnis für einen ausgeglichenen Finanzhaushalt, für weniger Schulden, für die tiefere Fiskal- und die tiefere Staatsquote, für einen attraktiven Arbeits- und Wirtschaftsstandort Schweiz.
Die mit dem Finanzleitbild definierten Grundsätze sind wichtig und richtig. Sie beinhalten z. B. die periodische Überprüfung der Notwendigkeit aller Staatsausgaben und haben zum Ziel, Mehrausgaben für neue Aufgaben vorrangig durch Einsparungen aufzufangen, Subventionen nicht an den Kosten, sondern am Erfüllungsgrad der Ziele zu messen, zeitlich zu befristen und das Steuersystem so zu gestalten, dass die Standortattraktivität der Schweiz erhalten und gestärkt wird.
Die gewählten Instrumente zur Zielerreichung wie beispielsweise die Schuldenbremse, die wirkungsorientierte Verwaltungsführung und der neue Finanzausgleich sind erfolgversprechend.
Ein Leitbild ist naturgemäss auf das Grundsätzliche ausgerichtet. Es zeigt die allgemeine Richtung. Es bedarf deshalb der Konkretisierung in sachlicher und zeitlicher Hinsicht. Diese Konkretisierung sollte in der mittelfristigen Planung erfolgen. Auf Bundesebene eignet sich dafür die Legislaturplanung. Diese ist bisher jedoch nicht oder noch nicht im Sinne einer konkreten Massnahmenplanung auf die Erreichung der Ziele des Finanzleitbildes ausgerichtet. Auch kann man notwendige steuerrechtliche Reformen wie z. B. die Börsenstempelsteuer vermissen.
Das Finanzleitbild ist aber dennoch eine gute Grundlage für die laufenden Entscheide des Bundesrates und eine wertvolle Orientierungshilfe und ein Kontrollinstrument für das Parlament.
Wir stellen den Antrag, vom Bericht zum Finanzleitbild des Bundesrates Kenntnis zu nehmen, und zwar in zustimmendem Sinne.
Studer Heiner · Consiglio nazionale · Argovia · Gruppo evangelico e indipendente
Die Frage stellt sich uns: Kann ein Finanzleitbild einer Exekutive, die politisch heterogen zusammengesetzt ist, bei welcher der Finanzminister versucht, seinen Stempel aufzudrücken, bei der aber auch die jeweiligen Departemente versuchen, ihre Anliegen einzubringen, ein gutes, richtungweisendes Papier sein? Wenn wir dieses Dokument sorgfältig lesen, wird einiges klar und einfach sein, und einiges wird Anstoss erregen. Das ist wahrscheinlich gut so. Es ist - auch aus der Sicht der Fraktion einer Nichtregierungspartei - ein Zeichen, dass sich hier eine Exekutive echt bemüht hat, eine Gesamtschau zu unterbreiten und einiges doch klar auszudrücken. Von daher meinen wir, das Papier sei nicht so schlecht, wie man es aufgrund einiger Voten hätte annehmen können.
Aber - das ist für uns auch klar - es ist ein Dokument der Exekutive, ein Führungsinstrument für das eigene Verhalten des Bundesrates. Er ist bei seinen konkreten Vorlagen durchaus an dem zu messen, was er hier erklärt hat. Dann haben wir als Parlament wieder die Freiheit, die Wertungen vorzunehmen, die wir vornehmen müssen. Für unsere Fraktion zum Beispiel ist es ganz klar, dass die ökologische Steuerreform etwas Zentrales ist. Für uns ist es wichtig, dass im Steuerbereich die Familienförderung zentral ist. Aus diesem Grunde werden wir uns dann äussern, wenn es konkret wird.
Wir sind also gesamthaft gesehen der Meinung, die Auslegeordnung sei nicht nur interessant, sondern sie sage etwas aus. Wir sind auch der Meinung, es sei wichtig, dass man Grundpositionen bekannt gibt. Mit dem Antrag der Minderheit Blocher, vom Bericht in ablehnendem Sinne Kenntnis zu nehmen, kommen wir zu einer kleinen Weichenstellung; es ist vielleicht nicht schlecht, darüber zu entscheiden. In ablehnendem Sinne vom Bericht Kenntnis zu nehmen würde im Sinne von Herrn Blocher heissen, dass der Bundesrat ziemlich deutlich über die Bücher gehen und wesentliche Steuersenkungen beantragen müsste. Wir halten es für falsch, hier einzusetzen.
Wir sind der Meinung, auch der Bund müsse zuerst die Inhalte und Schwerpunkte überprüfen, er müsse sehen, was eingespart werden kann, wo neue Schwergewichte zu setzen sind, und dann eine Gesamtrechnung machen. Von daher sind wir so realistisch, davon auszugehen, dass die Vorgaben des Finanzleitbildes gesamthaft recht gut sind. Wir sind also nicht für den Antrag der Minderheit Blocher, weil wir die Schwergewichtsetzung "Zuerst mit den Steuern herunter, dann inhaltlich diskutieren" als falsch erachten.
Wir nehmen aber auch nicht in zustimmendem Sinne Kenntnis, weil es ein Dokument des Bundesrates ist, das er selbst verantwortet. Wir haben Verständnis für dieses Dokument und nehmen davon Kenntnis, weil wir bereit sind, bei den Vorlagen, die dann konkret auf uns zukommen, konstruktiv mitzuwirken und mit zu entscheiden.
Unsere Fraktion wird deshalb vom Finanzleitbild Kenntnis nehmen.
Bangerter Käthi · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo radicale liberale
Wir diskutieren heute über das Finanzleitbild des Bundes, und ich habe bis heute Morgen geglaubt, wir diskutierten im Wissen darum, dass dieses die finanzpolitische Strategie, die Zielrichtung des Bundesrates aufzeige und entsprechende Leitplanken setze. Nach verschiedenen Voten stelle ich fest, dass unterschiedliche, zum Teil abstruse Erwartungen in das Leitbild gesetzt werden.
Es ist richtig: Wir suchen vergeblich nach konkreten, greifbaren Daten und Zahlen, denn die Umsetzung des Leitbildes gehört in den Finanzplan und ins Budget. Mit diesen verfeinerten und messbareren Instrumenten können Bundesrat und Parlament dann arbeiten. Das Leitbild soll Wegweiser sein. Entsprechend enthält es grundsätzliche Überlegungen darüber, wie bestehende und neue Aufgaben in einem sich stark verändernden Umfeld angegangen werden können. In die Ziele und Grundsätze wird auch das hohe Tempo der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen mit einbezogen.
Zur Würdigung: Das Finanzleitbild ist gut. Sein Aufbau ist klar, übersichtlich und umfassend. Der Konkretisierungsgrad entspricht einem Leitbild. Auch sind verschiedene liberale Ansätze und das Bekenntnis zum Wettbewerb zu erkennen. Die Privatisierung staatlicher Aufgaben wie auch der Grundsatz der Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft werden angesprochen. Subventionen sollten zeitlich befristet werden und auf Preisstützungen sei zu verzichten; Haushaltsanierungen müssten vorrangig über Kürzungen der Ausgaben erfolgen und eine Schuldenbremse solle das Haushaltgleichgewicht gewährleisten. Die Steuer- oder Fiskalquote und die Staatsquote sollten zu den tiefsten in den OECD-Staaten gehören. Das sind nur einige der Ziele und Grundsätze, die ich voll unterstützen kann.
Womit ich eher etwas Mühe und wofür ich wenig Verständnis habe, ist die Haltung des Bundesrates bei der Verschuldungsquote. Wir wissen, dass die Fiskalquote in den letzten Jahren überproportional und im Verhältnis zu den OECD-Staaten am stärksten angestiegen ist. Wir kennen die Gründe dafür: Da ist einerseits die Einführung der Mehrwertsteuer, der LSVA und anderer Gebührenerhöhungen und andererseits die Erhöhung der Sozialquote wegen der AHV, der Arbeitslosenversicherung, der Krankenversicherung usw. Von Sparhysterie kann keine Rede sein, denn trotz der Erhöhung der Fiskalquote ist die Verschuldungsquote gestiegen. Das heisst, die zusätzlichen Mehreinnahmen vermochten den Ausgabenzuwachs nicht zu decken. Eine hohe Schuld bedeutet hohe Zinsen und latente Steuern zukünftiger Generationen.
Ich vermisse in diesem Leitbild den klaren Willen des Bundesrates zum aktiven Schuldenabbau. Der Bundesrat will die Verschuldung bloss stabilisieren und hofft, dass sich die Schuldenquote mit dem prognostizierten Wirtschaftswachstum vermindert. Die absolute Höhe der Verschuldung bleibt aber bestehen. Hier, so meine ich, sollte sich der Bundesrat zum aktiven Schuldenabbau bekennen.
Im Gegensatz zu Herrn Hofmann Urs finde ich die Paketlösung, wie sie uns der Bundesrat am Montag vorgestellt hat, positiv. Es ist nämlich bereits die erste Umsetzung des Finanzleitbildes. Sie bringt Steuererleichterungen für Familien und beseitigt stossende Ungerechtigkeiten. Somit ist klar ersichtlich, dass aus dem Finanzleitbild konkrete Lösungen und Anträge entstehen. Speziell zu begrüssen ist, dass mit Paketlösungen gearbeitet und eine ganzheitliche Sichtweise angewandt wird.
Nach dieser Würdigung verstehe ich den Minderheitsantrag Blocher und den Antrag Mugny nicht. Beide wollen vom Bericht in ablehnendem Sinne Kenntnis nehmen, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Herr Blocher findet das Finanzleitbild zu wenig konkret; Massnahmen, die die Ziele umsetzen sollten, seien nicht ausformuliert. Generell seien die Ziele zu wenig hoch gesteckt. Herrn Mugny geht das Leitbild jedoch schon zu weit. Wir haben damit die bekannte Situation: "Les extrêmes se touchent."
Ich ersuche Sie, dem Antrag der Mehrheit der Finanzkommission zuzustimmen, den Minderheitsantrag Blocher und den Antrag Mugny abzulehnen und das Finanzleitbild zur Kenntnis zu nehmen.
Hofmann Urs · Consiglio nazionale · Argovia · Gruppo socialista
Frau Bangerter, Sie haben vom Bundesrat einen konkreteren Schuldentilgungsplan verlangt. Sie haben gleichzeitig die Steuerentlastungen von rund 1,5 Milliarden Franken gelobt.
1. Sind Sie der Meinung, dass mit diesen Steuerentlastungen ein realistischer Schuldentilgungsplan möglich ist?
2. Sind Sie der Meinung, dass nach diesen Steuerentlastungen in den nächsten Jahren noch weitere kommen sollten und die Schulden gleichwohl getilgt werden können?
Bangerter Käthi · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo radicale liberale
Ich bin der Meinung, dass das wirtschaftliche Wachstum so weit geht, dass Schuldenabbau und zugleich eine Steuererleichterung, wie sie der Bundesrat jetzt vorgeschlagen hat, möglich sind.
Bührer Gerold · Consiglio nazionale · Sciaffusa · Gruppo radicale liberale
Wir sind dem Finanzminister und dem Gesamtbundesrat dankbar, dass sie sich die Mühe genommen haben, ein Gesamtkonzept zu erstellen, das Transparenz schafft: Transparenz für die Märkte und Transparenz für die Öffentlichkeit in Sachen Finanz- und Steuerpolitik. Wir finden es auch positiv, dass hier eine kohärente Auslegeordnung vorgenommen worden ist, ausgehend von den übergeordneten Zielen Stabilität, Wachstum, Beschäftigungswachstum und nationale Kohäsion.
Die Auslegeordnung und die Grundsätze sind aus marktwirtschaftlicher, bürgerlich-liberaler Sicht positiv zu bewerten. Es ist ja klar, dass ein Konzeptpapier - das möchte ich Kollege Blocher deutlich sagen - nicht mit einem Jahresbudget oder einer Mittelfristplanung zu vergleichen ist, sondern es geht eben um Grundsätze.
Aber die Kernaussagen dieses Papiers sind klar, sie sind nicht sozialdemokratisch und nicht etatistisch, sie sind marktwirtschaftlich. Es heisst darin, dass man steuerlich attraktiv sein wolle, dass man eine Begünstigung des Wachstums und keine Behinderung des Strukturwandels wolle, und es heisst darin, dass die Steuer- oder Fiskalquote und die Staatsquote zu den niedrigsten der OECD gehören müssen. Das sind doch Postulate, die nicht "Wischiwaschi", sondern klar bürgerlich-liberal und marktwirtschaftlich sind.
Ich möchte etwas zur Steuerpolitik sagen: Wir stehen vor einer Weichenstellung, nachdem wir jetzt das Haushaltziel erreichen werden. Zu Kollege Hofmann will ich sagen, dass wir, da wir gegen Ende der Legislaturperiode Überschüsse von 1,5 bis 2 Milliarden Franken haben werden, vor der kardinalen Frage stehen: Wollen wir diese Überschüsse durch zusätzliches Ausgabenwachstum wegkonsumieren, oder wollen wir diese Überschüsse nach Jahren ansteigender Fiskalquote auch gezielt für Steuererleichterungen einsetzen? Das sind die zwei Optionen.
Da muss ich zur linken Seite hin schon sagen, dass man doch nicht Wachstum, Beschäftigung und Abbau der Arbeitslosigkeit wollen und gleichzeitig meinen kann, man könne die Steuerspirale weiter nach oben laufen lassen. Wenn man sich zum Wachstum bekennt, auch aus der sozialen Dimension heraus, dann gibt es nach Jahren übermässiger Ausgabenschübe nur eines: Das Ausgabenwachstum in Grenzen halten und die steuerliche Attraktivität verbessern, damit Leistungswille und Wettbewerbsfähigkeit als Fundament für Wachstum wieder gestärkt werden. Ich habe hie und da den Eindruck, dass man vor lauter "ideologischen Bäumen" den Wald nicht mehr sehen will.
Aber die Zahlen, die Fakten sind doch klar, meine Damen und Herren von der SP-Fraktion und der grünen Fraktion: Hohe Steuern bewirken hohe Arbeitslosenraten, tiefe Steuern und eine wachstumsorientierte Steuerpolitik bewirken tiefe Arbeitslosenraten. Da können Sie so viele Statistiken bringen, wie Sie wollen: Wenn Sie sich die Zahlen langfristig anschauen - und nur so dürfen Sie das vergleichen - und sich einmal fragen, weshalb denn all die Länder mit zehnprozentigen und höheren Arbeitslosenraten ausgerechnet auch hohe Steuerraten haben, ist die Antwort klar. Ich verzichte auf die Beispiele.
Noch zur Frage, ob wir uns das leisten können. Wir könnnen uns das Steuerpaket des Bundesrates sehr wohl leisten, denn wir werden Überschüsse haben und gleichzeitig - zu Kollege Hofmann möchte ich das ganz klar sagen - die Schulden abbauen.
Wir Freisinnigen stehen zu einer Politik des Sowohl-Als-auch, nämlich gezielte Steuerreduktion in der Grössenordnung von 1,5 bis 2 Milliarden Franken und gleichzeitig Abbau der Schulden.
Die Rechnung ist einfach. Nehmen Sie nur die Swisscom-Beteiligung, die, selbst wenn der Bund die Mehrheit behalten soll, allein schon - Herr Fasel lächelt, aber er kann auch rechnen, meine ich - 7 Milliarden Franken ergibt. Dann können Sie noch die Mobilfunknetzerträge mit einbeziehen. Sie werden aus solchen Teilprivatisierungen rasch Erträge von 8 bis 10 Milliarden Franken haben. Mit anderen Worten: Sie werden die Schulden deutlich zurückzahlen und gleichzeitig die Steuern gezielt zurücknehmen können.
Ich fasse zusammen: Die freisinnige Fraktion stimmt dem Antrag der Finanzkommission zu, d. h., wir nehmen Kenntnis, aber in einem konstruktiven, positiven Sinne, und lehnen die Anträge von links und rechts auf Kenntnisnahme im ablehnendem Sinne ab.
Wir dienen den nationalen Interessen, wir dienen unserer Volkswirtschaft mit einer Politik steuerpolitischer Scheuklappen oder mit einer Politik des ständigen Miesmachens nicht. Wir dienen unserem Land nur mit einer konstruktiven Politik, d. h. Ausgabenwachstum in Grenzen, gezielte, wachstumsorientierte Steuererleichterungen und Schuldenabbau. Das ist unsere Politik.
Mugny Patrice · Consiglio nazionale · Ginevra · Gruppo ecologista
Je suis d'accord avec vous, Monsieur. Ces lignes directrices veulent vraiment une société libérale. Mais sur la question du bien-être des gens, est-ce que vous préférez des travailleurs qui n'arrivent pas à vivre avec leur salaire ou des chômeurs correctement indemnisés?
Bührer Gerold · Consiglio nazionale · Sciaffusa · Gruppo radicale liberale
1. Wir stehen klar auf dem Boden der sozialen Marktwirtschaft, und wenn Sie diese Kategorie der Steuerpflichtigen ansprechen: Diese werden mit den gezielten Entlastungen der Familieneinkommen ganz gezielt angegangen. Deswegen ist das Steuerpaket auch aus sozialer Sicht ausgewogen.
2. Wenn wir eine Steuerpolitik betreiben, die dafür sorgt, dass die Hühner, die die goldenen Eier legen, nicht nach London "abschwimmen", sorgen wir auch für die Arbeitnehmer und die Arbeitslosen, indem wir dann einen starken Staat haben.
Beck Serge · Consiglio nazionale · Vaud · Gruppo liberale
Ainsi que le relevait M. Marti tout à l'heure, nous nous trouvons devant un repas à la carte qu'est ce rapport. Ainsi, chacun peut choisir les morceaux qui lui conviennent, et je ne faillirai pas à cette tradition. J'entends donc relever quelques points qui paraissent importants au groupe libéral, en particulier celui de la quote-part fiscale, domaine dans lequel nous devons rester parmi les pays les plus compétitifs de l'OCDE. Ceci non pas, Monsieur Mugny, pour faire plaisir à quelques riches patrons, mais bel et bien pour maintenir la croissance économique et la stabilité, et maintenir des emplois qui sont bien plus à même que n'importe quel plan social de remplir les attentes des citoyens de l'ensemble de ce pays.
Je crois que nous aurons également à être attentifs au phénomène du vieillissement de la population, ainsi que le relève le Conseil fédéral en évoquant les coûts croissants entraînés par la prévoyance sociale; avec la nécessité d'analyse et de choix de type actuariel, on ne le répétera jamais assez; avec la nécessité d'une conduite avec des termes de l'ordre de 20 à 30 ans, qui doit nous empêcher de dire que demain, l'on rase gratuit et que l'on améliore des prestations sociales aujourd'hui sans voir qu'on remet en question celles de demain.
L'intégration européenne nous confrontera également à d'autres défis. Parmi ceux-ci, la mise en danger du fédéralisme lorsqu'il s'agira d'appliquer les critères de Maastricht à l'ensemble des collectivités, cantons et communes compris. Souhaitons que se trouvent, dans ce domaine, des solutions qui ne visent pas à imposer unilatéralement par la Confédération des régimes financiers aux collectivités publiques cantonales et communales.
Un élément déterminant dans le cadre de ce rapprochement, de cette intégration européenne, c'est le poids de notre dette. C'est pour cette raison-là aussi qu'il s'agit de réduire l'endettement de notre pays. Nous savons, le Conseil fédéral le dit dans son rapport, qu'une hausse des intérêts suivra et sera liée à l'intégration. Avec un endettement de plus de 100 milliards de francs, l'Etat fédéral verra ses finances obérées par cette situation.
Le Parti libéral soutient également le principe d'une nouvelle péréquation en liaison avec une répartition des tâches entre les collectivités publiques et souhaite que le principe de base de la responsabilisation des collectivités publiques soit respecté.
Quant au constat de complexité de notre fiscalité, il y a longtemps que le Parti libéral intervient pour dénoncer la superposition des fiscalités directes au niveau fédéral et cantonal, et le maintien pour des raisons dogmatiques de l'impôt de défense nationale établi provisoirement il y a plus de 50 ans, et dont le CH-data a été changé à plusieurs reprises. Dans ce sens-là, les libéraux continueront à s'engager pour la suppression de cet impôt, qui tendra ainsi à simplifier notre système fiscal.
L'assainissement budgétaire doit rester un objectif prioritaire non pas comme un but en soi, mais comme le moyen de mettre en place une politique, y compris une politique sociale. La réforme de la conduite de l'Etat est également un élément indispensable à l'assainissement des finances publiques, de manière à pouvoir obtenir une plus grande efficience dans l'engagement de l'action de l'Etat.
Les objectifs fondamentaux d'allocation, de redistribution et de stabilité sont les axes reconnus et adéquats dégagés par le Conseil fédéral, et le groupe libéral soutient ces priorités. Cependant, une telle politique nécessite un questionnement, lors de chaque intervention de l'Etat, quant au maintien de la responsabilité des bénéficiaires et de leur motivation à s'efforcer d'abord à s'assumer eux-mêmes. L'objectif numéro un d'une politique favorisant la stabilité et la croissance économique le met en évidence, la politique budgétaire doit tenir compte de la répercussion des impôts sur l'incitation à travailler, à épargner et à investir. Le Conseil fédéral le dit très nettement: les dépenses d'investissement renforcent la productivité économique bien plus fortement que les dépenses de consommation.
Quelle doit être notre cohérence fiscale à l'égard de l'évolution cyclique de la conjoncture? Nous devons là marquer notre désaccord avec l'analyse du Conseil fédéral quant au constat de l'échec d'une politique anticyclique. A ce jour, je ne connais pas de collectivités qui ont réellement pratiqué une politique anticyclique. Reconnaissons que la nature humaine des décideurs politiques que nous sommes, conduit l'Etat à être procyclique lorsque la période est faste, et à s'efforcer d'être anticyclique lorsque la période conjoncturelle est mauvaise, alors que l'Etat n'a pas précédemment accumulé les moyens de déployer une politique anticyclique.
Finalement, reconnaissons que c'est au pied du mur que l'on perçoit la performance du maçon, et que c'est bel et bien sur les projets législatifs précis et à venir que pourront être évaluées les intentions du Gouvernement, sa vision à terme et sa capacité à procéder aux arbitrages indispensables à la conduite du pays.
C'est donc avec circonspection que le groupe libéral vous invite à prendre acte du rapport, en ayant pour objectif fondamental que la réforme du système fiscal que nous aurons à mettre sous toit d'ici 2006 n'aggrave pas notre quote-part fiscale et n'entrave pas notre compétitivité et la croissance économique indispensable pour les riches comme pour les pauvres de ce pays.
Zuppiger Bruno · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Wenn Sie die Einleitung zum Finanzleitbild lesen, dann gelangen Sie zur Vorstellung, dass der Bundesrat hier in finanzpolitischer Hinsicht eine wichtige Leitlinie kreieren will.
In der Einleitung heisst es: "Das vorliegende Finanzleitbild bestimmt Ziele, Grundsätze und Instrumente für die Finanzpolitik des Bundes. Es formuliert finanzpolitische Strategien, welche etablierte finanzwissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen und als Wegweiser für eine zukunftsgerichtete, moderne Finanzpolitik dienen, die neuen Herausforderungen begegnet."
Wer das Finanzleitbild des Bundes dann aber genau studiert und es an dieser Einleitung messen will, der muss enttäuscht sein. Er muss sich fragen, was der Bundesrat damit eigentlich wirklich will. Hat hier der Berg eine Maus geboren? In diesem Papier werden eine Reihe von Gemeinplätzen formuliert, dafür sehr wenig konkrete und aussagekräftige Zielvorgaben gemacht. Wenn in einem Leitbild schon Ziele formuliert werden, dann sollten sie in ihrer Mehrheit auch überprüf- und messbar sein. Wenn das nicht der Fall ist, gehören sie nicht in ein Leitbild.
Die SVP-Fraktion hätte erwartet, dass im Leitbild neben einer finanzpolitischen Auslegeordnung bezüglich Reduktion der Auf- und Ausgaben, also Sparvorschlägen, bezüglich Reduktion der Steuern sowie bezüglich Sanierung der Bundesfinanzen griffigere Ziele verfolgt würden. Das Papier, so scheint es, hat im Laufe der Beratungen im Bundesrat eine arge "Zerzausung" erlitten, so dass letztlich lediglich ein Papiertiger herausgekommen ist.
Die SVP wird im finanzpolitischen Bereich ihre Haltung in Bezug auf eine merkliche Reduktion der Staats- und der Steuerquote aufrechterhalten. Nachdem der Bundesrat - dafür möchten wir ihm herzlich danken - mit seinem Steuerreformpaket im Bereich der Steuern bereits einen Schritt in die richtige Richtung getan hat, wird sich die SVP bei ihren künftigen Forderungen vermehrt auf die Ausgaben- bzw. Sparseite konzentrieren, denn nur so kann der Bundeshaushalt nachhaltig saniert werden.
Da im vorliegenden Leitbild keine klare Marschrichtung des Bundes zu erkennen ist, wird die SVP-Fraktion vom Leitbild in ablehnendem Sinne Kenntnis nehmen. Sie empfiehlt Ihnen, das Gleiche zu tun.
Spielmann Jean · Consiglio nazionale · Ginevra · Gruppo socialista
Il a été dit par les préopinants que ce rapport était tourné vers l'avenir et qu'il décrivait les buts et les stratégies des finances fédérales afin de présenter une situation adéquate dans un monde moderne. Je dois dire ici que ce programme va selon nous exactement à sens contraire. Il poursuit et perpétue une politique qui nous a enfoncés dans la crise et qui provoque des difficultés considérables. Je voudrais en énumérer quelques-unes au niveau des finances de la Confédération et des cantons.
Tout d'abord, le rapport ne résout pas le problème, qui n'est pas seulement un problème de cosmétique budgétaire, mais de présentation comptable et de manière dont on gère les finances de la Confédération. On passe donc totalement à côté du premier objectif, car la politique du transfert de charges vers les cantons et les collectivités les plus démunies va continuer.
Ensuite, le deuxième objectif est celui de la fiscalité. Il a été dit notamment, par le porte-parole du groupe libéral, qu'il considérait ce rapport comme un programme à la carte. C'est un peu ce qu'on fait avec l'intégration dans l'Union européenne. On voit en effet que notre Parlement applique avec zèle les directives européennes, et va même parfois plus loin en ce qui concerne les stratégies de privatisation, de remise en cause des acquis sociaux et de démantèlement des activités publiques.
Dans le cas particulier, il faut savoir que, par rapport à tous les pays de l'Union européenne, la Suisse a la charge fiscale la plus basse. Si on veut vraiment aller dans cette direction, ce n'est en tout cas pas vers de nouveaux allègements fiscaux qu'il faudrait aller, et surtout pas vers de nouveaux allègements fiscaux pour ceux qui ont largement les moyens de payer et qui présentent des bénéfices absolument extraordinaires. Il s'agit d'aller dans le sens contraire, c'est-à-dire de prendre l'argent où il se trouve et de mettre à contribution les gains financiers, la spéculation et les gains en bourse. Il s'agit de modifier totalement l'orientation. Or, le Conseil fédéral nous propose au contraire de nouveaux allègements fiscaux de quelque 500 millions de francs pour l'ensemble du marché financier, ce qui est tout simplement inacceptable.
Parallèlement, on met en place une politique sociale qui pose des problèmes considérables. Il a été fait allusion tout à l'heure à l'AVS et à la question de la couverture sociale. Je rappelle que, dans un premier temps, on a tenté par des améliorations successives de mettre en place un 1er pilier tout à fait satisfaisant et prometteur. Dans un deuxième temps, sous couvert de neutralité des coûts, on a commencé à réduire les prestations et à mener une offensive contre les femmes, ce qui va totalement à l'encontre d'un dispositif social moderne, puisque entre autres l'augmentation de la productivité postule une réduction du temps de travail. Or, on a proposé exactement le contraire dans la dernière révision de l'AVS. On fait maintenant un pas de plus, puisqu'on va supprimer les rentes de veuves, faire 1,6 milliard de francs d'économies sur le dos de l'AVS et remettre en cause le fonctionnement même de ce pilier essentiel pour la vie sociale, et ceci une nouvelle fois sur le dos des plus démunis et des femmes, ce qui est totalement inacceptable.
Quand on examine l'évolution des 1er et 2e piliers en ce qui concerne la retraite et le système social, il faut bien constater que le 2e pilier multiplie les capitalisations. Il arrive maintenant un paradoxe extraordinaire: il y a quelques années, alors qu'elle représentait à peu près le 80 pour cent du produit brut, aujourd'hui la capitalisation dépasse le produit national brut et arrive à des sommes totalement astronomiques. Il y a là un problème de fond par rapport aux 1er et 2e piliers, problème pour lequel le Conseil fédéral n'offre aucune piste, pas plus d'ailleurs que pour ce qui préoccupe la population dans les autres grands domaines sociaux: je veux parler des problèmes de la santé et de la prévoyance sociale. J'insiste sur le terme "prévoyance", parce que beaucoup, quand ils parlent de social, pensent qu'il ne s'agit que de problèmes d'assistance. Or, toutes les économies que nous faisons sur le dos d'un bon système de prévoyance sociale coûtent en définitive beaucoup plus cher au niveau de l'assistance à l'ensemble des collectivités publiques.
Je résumerai en disant que les lignes directrices des finances fédérales vont à l'encontre d'un programme moderne qui tient compte des réalités économiques d'aujourd'hui, qu'elles font une politique du passé, qu'elles continuent à faire des cadeaux aux plus riches et à ponctionner l'argent des plus démunis. Le jour où nous aurons mis en place le système fiscal appelé de ses voeux tout à l'heure par le porte-parole du groupe de l'Union démocratique du centre, qui vise à faire des cadeaux aux riches et à imposer les plus pauvres, nous n'aurons plus qu'une politique de pauvres à donner à ce pays, alors qu'il mérite beaucoup mieux.
Ce programme est à rejeter, et il est temps de changer de cap dans le domaine financier.
Marti Werner · Consiglio nazionale · Glarona · Gruppo socialista
Ich möchte klar festhalten, dass wir nicht die Möglichkeit haben, diese Vorlage zurückzuweisen, sondern wir haben lediglich die Möglichkeit, von diesem Bericht zum Finanzleitbild Kenntnis zu nehmen.
Es gibt insgesamt drei Anträge: den Antrag der Mehrheit der Finanzkommission, wonach von diesem Bericht einfach Kenntnis zu nehmen ist; den Antrag Loepfe, wonach vom Bericht in zustimmendem Sinne Kenntnis zu nehmen ist; den Antrag der Minderheit Blocher bzw. den Antrag Mugny, wonach in ablehnendem Sinne Kenntnis zu nehmen ist.
Vonseiten der Finanzkommission kann ich keine Stellungnahme dazu abgeben, ob von diesem Bericht in zustimmendem Sinne Kenntnis genommen werden soll, weil der Kommission kein entsprechender Antrag vorlag. Aus der Beratung der Kommission ergab sich aber klar, dass man mehrheitlich einfach von diesem Bericht zum Finanzleitbild Kenntnis nehmen will und dass sich die entsprechende Gewichtung aus den Voten der Fraktionssprecher ergeben soll.
Ich kann auch nicht aus der Sicht der Finanzkommission zu den Steuerplänen des Bundesrates Stellung nehmen, die im Rahmen der Diskussion einen breiten Raum eingenommen haben, weil diese konkreten Steuerpläne zum Zeitpunkt der Beratung des Finanzleitbildes noch nicht vorlagen. Hingegen kann ich zum Antrag der Minderheit Blocher und zum Antrag Mugny klar Stellung nehmen.
Zum Antrag der Minderheit Blocher: Meine Herren, Sie werfen formell vor, dass der Bundesrat zu wenig klar messbare Ziele vorgibt. Sie stützen Ihr Argument hauptsächlich auf die Einleitung unter Ziffer 1. Ich muss Ihnen sagen: Das ist ein normaler Aufbau. Sie bemängeln ja auch nicht, dass in der Präambel der Bundesverfassung steht, die Stärke des Volkes messe sich am Wohl der Schwachen, dass die Verfassung den Schwachen aber keine Existenzsicherung garantiert. Solche Einwände machen Sie auch nicht. Eine Einleitung verspricht in der Regel halt etwas mehr, als dann folgt. Das ist der normale Aufbau derartiger Instrumente.
So, wie Sie für Ihr Unternehmen in Anspruch nehmen, Ihre Strategie erst in weiteren Schritten umzusetzen und sich in Ihrem Prospekt auf inhaltsleere Grundaussagen zu beschränken, ist es hier so, dass wir ein recht konkretes Finanzleitbild haben, das dann im Rahmen von Finanzplan und Budget umgesetzt wird.
Zu den materiellen Einwänden die folgende Bemerkung: Wenn wir dem Grundsatz folgen, wonach Finanzpolitik nicht nur für sich allein einen Zweck darstellt, dann kann die Frage nicht nur lauten, wie viele Ausgaben ein Staat ertragen mag, sondern dann muss die Frage auch lauten, welche Aufgaben der Staat erfüllen soll. Zwischen diesen beiden Fragestellungen besteht ein Konnex. Wir dürfen als Parlament nicht nur eine einseitige Sichtweise haben.
Wir waren gestern relativ grosszügig, was die Hilfe an die Opfer des Orkans Lothar betrifft. Wir werden anschliessend den Subventionsbericht behandeln; man kann diese Aufgaben nicht einfach ausblenden, wenn es um deren Finanzierung geht.
Ich denke deshalb, dass der Antrag der Minderheit Blocher aus formellen - weil die formellen Einwendungen ungerechtfertigt sind - sowie aus materiellen Gründen abzulehnen ist. Dasselbe gilt für den Antrag Mugny. Ich möchte einfach auch auf Folgendes hinweisen: Wir gehen von der Annahme aus, dass ein derartiger Antrag auf Kenntnisnahme in ablehnendem Sinn aufgrund von völlig entgegengesetzten Begründungen schliesslich eine Aussage macht, die wiederum eine "Nicht-Aussage" ist.
Demzufolge ist der Antrag der Mehrheit der Kommission, wonach vom Bericht Kenntnis zu nehmen ist, unbestrittenermassen der richtige und dieser Vorlage angepasste Antrag.
Ich ersuche Sie, dem Antrag der Mehrheit zu entsprechen.
Seiler Hanspeter · P-M · Consiglio nazionale · Berna · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Ein Antrag auf Kenntnisnahme vom Bericht in zustimmendem Sinne wurde nicht gestellt. Es wurde in einem Votum nur so beiläufig erwähnt.
Sandoz Marcel · Consiglio nazionale · Vaud · Gruppo radicale liberale
Nous venons à nouveau d'avoir un débat d'une heure et demie sur la politique financière de la Confédération, et comme je vous l'avais dit lors de l'entrée en matière, vous voyez que les positions, tant à gauche qu'à droite, sont extrêmes, ce qui fait que c'est le centre et l'équilibre qu'il vous faut choisir en approuvant le rapport sur les lignes directrices des finances fédérales.
Vous devez les approuver avec bonne humeur, c'est-à-dire que vous ne devez pas suivre la proposition de minorité Blocher, ni la proposition Mugny, comme vous le propose la majorité de la commission.
Villiger Kaspar · BR-M · Consiglio federale · Lucerna
Ich danke Ihnen für diese Diskussion. Bei der Finanzpolitik geht es um Staatsverständnis, es geht um Verteilung, und es ist natürlich, dass eine solche Diskussion kontrovers sein muss. Trotzdem, meine ich, ist sie hin und wieder nötig. Finanzpolitik ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck. Ob sie gut oder schlecht ist, kann gravierende Folgen für ein Land haben; sie beeinflusst Wachstum, Wohlstand, Verteilung und den politischen Handlungsspielraum.
Der Bundesrat hat seine Vorstellungen in diesem Leitbild formuliert. Es sind natürlich politische Vorstellungen, aber sie sind wissenschaftlich abgestützt. Damit die Finanzpolitik objektiv mess- und bewertbar wird, müssen Ziele, Grundsätze und Instrumente definiert werden, und das haben wir in diesem Leitbild getan. Es ist ein Führungsinstrument des Bundesrates, das einen Korridor oder einen Marschstreifen für die Finanzpolitik in der, wie wir meinen, richtigen Richtung definiert.
Herr Blocher hat gesagt, es werde mehr und mehr Mode, über Berichte zu führen und zu regieren. Ich muss dazu einfach sagen, dass ich überzeugt bin, dass man in einer komplexen Wirklichkeit die Probleme nur noch einigermassen bewältigen kann, wenn man sie in Konzepte einbindet und damit dafür sorgt, dass die Einzelentscheide in eine gesamte Strategie eingeordnet werden können. Dann wird auch Politik verständlicher.
Es ist nicht wahr, dass dieses Leitbild unscharf oder diffus ist. Die Ziele sind klar mess- und bewertbar. Wenn wir zum Beispiel sagen, der Ausgleich der Finanzrechnung geschieht über einen Konjunkturzyklus, ist das auf Franken und Rappen nachweisbar. Es ist klar mess- und bewertbar, wenn wir sagen, wir setzen eine klare "Bench mark" für die Steuer- und Staatsquoten - und ich meine eine ehrgeizige -, oder wenn wir sagen, die Haushaltsanierung habe vorrangig über die Kürzung der Ausgaben zu geschehen.
Ich glaube, dass auch die Grundsätze so formuliert sind, dass Sie die konkrete Politik an ihnen messen können, so wenn wir zum Beispiel bei der Besteuerung die Standortattraktivität und die Gerechtigkeit erwähnen. Ich gebe aber zu, dass es Zielkonflikte gibt; die wollen wir ja auch nicht verschleiern, sondern politisch austragen. Der wichtigste und häufigste Zielkonflikt ist wahrscheinlich jener der Gerechtigkeit gegenüber der Standortattraktivität.
Dieses Leitbild ist rechtlich nicht verbindlich. Ihre Zuständigkeit und die Volksrechte sind gewahrt, Sie hätten hier wahrscheinlich viel schärfer kritisiert, wenn wir viel verbindlichere Vorgaben gegeben hätten. Wir wollen aber klare Leitplanken setzen. Damit wird die Finanz- und Steuerpolitik berechenbar. Das schafft auch Vertrauen in den Wirtschaftsstandort. Wir wollen ein Warnsystem, das bei Verletzung der Regeln aufleuchtet.
Wenn ich die vier Hauptziele dieses Leitbildes in einer Populärfassung definieren müsste, würde ich sagen: Es gibt ein Sanierungsziel, es gibt ein Steuerquotenziel, es gibt ein Wachstumsziel, und es gibt ein Gerechtigkeitsziel.
Beim Sanierungsziel meinen wir, die Bundesfinanzen müssten nachhaltig gesunden. Wir sollten wieder finanzpolitischen Handlungsspielraum gewinnen und die Schuldenquote senken. Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Ausgabendisziplin auch in nun besseren Zeiten nicht geopfert werden darf. "Haushaltziel 2001", "runder Tisch", Stabilisierungsprogramm und allgemeine Budgetdisziplin dürfen nicht umsonst gewesen sein.
Mit der Schuldenbremse wollen wir nach dem Erreichen des "Haushaltziels 2001" einen neuen institutionellen Mechanismus zur Steuerung und zur Begrenzung der Verschuldung bringen. Das löst dann das zu starre "Haushaltziel 2001" ab. Ich möchte das jenen sagen, die die Schuldenbremse kritisiert haben. Das Haushaltziel hätte in einer schweren Rezession grosse Probleme zur Folge, deshalb ist diese Ablösung zwingend. Der mittelfristige Ausgleich der Finanzrechnung führt zu einer Stabilisierung der absoluten Verschuldung; das wird bei fortgesetztem Wirtschaftswachstum die Verschuldungsquote senken, auch durch die Inflation.
Es haben sich einige Redner zu einer forcierten Schuldentilgung bekannt. Ich habe das sehr gerne gehört, und ich werde Sie bei Gelegenheit gerne beim Wort nehmen. Ich muss Ihnen aber sagen, dass das sehr viel bitterere Medizin ist. Ich habe gehört, was hier der Sprecher der SVP-Fraktion gesagt hat. Ich habe das gerne gehört, ich werde ihn gelegentlich daran erinnern. Ich muss Ihnen einfach nochmals sagen: Sparen heisst sparen bei der Landwirtschaft, beim Militär, beim Regionalverkehr, bei der Bildung, bei der Forschung, bei der AHV usw. Ich erwarte gerne einschlägige Vorschläge, nehme sie Tag und Nacht entgegen.
Solange es uns aber gelingt, das Wachstum der Ausgaben im Griff zu behalten, können wir trotzdem eine nachhaltige Finanzpolitik betreiben. Wenn nämlich die Staatsschuld langsamer wächst oder zumindest nicht schneller als das Bruttoinlandprodukt, dann kann man, wenn der Schuldensockel nicht allzu hoch ist, von einer nachhaltigen Finanzpolitik reden. Er ist im Moment zu hoch, er muss noch etwas runter, aber wir müssen nicht die 100 Milliarden Franken in kurzer Zeit wegsparen. Aber das braucht, auch wenn dieses Ziel nicht so ehrgeizig ist, eine sehr disziplinierte Finanzpolitik.
Eine eigentliche Überschusspolitik haben wir nämlich in diesem Land in den letzten Jahrzehnten nur von 1953 bis 1966 gehabt. Wenn ich die Zeit nach 1975 betrachte, haben wir schon 1975 bis 1983 immer kumulierte Defizite von etwa 8 Milliarden Franken über die Finanzplanperiode bzw. über die Legislatur hinweg gehabt; 1984 bis 1991 plus 2 und plus 1,2 Milliarden Franken, also sehr wenig, und nachher ging es pro Legislatur auf minus 20 Milliarden Franken, minus 12 Milliarden Franken usw.
Sie stellen also fest, wenn Sie diese zwanzig, dreissig Jahre anschauen - die Quittung haben wir natürlich bei den Schulden -, dass ein ausgeglichener Haushalt über einen Konjunkturzyklus hinweg eine beachtliche Leistung wäre. Wir haben das in den letzten zwanzig Jahren nicht erreicht. Deshalb hat das für den Bundesrat Priorität.
Aber ich kann hier bestätigen - ich glaube, Herr Bührer hat das erwähnt -: Wir möchten Erlöse zum Beispiel aus den Konzessionen im Kommunikationsbereich oder die Erlöse für allfällige Aktienverkäufe bei der Swisscom - hier haben wir noch ein Polster von rund 15 Prozent - ganz klar für die Tilgung von Schulden brauchen und nicht für irgendwelche Geschenke.
Zum Steuerquotenziel: Solange man nicht Verschuldung in Kauf nimmt, sind Steuerquote und Staatsquote sozusagen siamesische Zwillinge. Wir wollen hier nicht einen Quotenfundamentalismus betreiben, aber es ist klar, dass die Wirtschaft für ihre Expansion, für ihre Entfaltung, tendenziell mehr Freiraum hat, wenn die Staatsquote vernünftig ist. Es ist völlig klar, dass eine tiefe Steuerquote mit vernünftigen Steuersätzen im internationalen Standortwettbewerb ein ganz bestimmender Faktor ist. Der Bundesrat hat deshalb klar definiert, dass unsere Steuerquote zu den tiefsten in der OECD gehören soll. Wir können nicht unbedingt die tiefste haben - die USA haben eine tiefere, die Japaner auch -, aber gerade im Sozialbereich usw. wollen wir bei uns auch nicht unbedingt die gesellschaftlichen Ungleichgewichte der Amerikaner haben. Deshalb möchten wir den Entwicklungsstand des Landes berücksichtigen. Aber wir möchten diese Quoten stabilisieren, und wir möchten sie langfristig gar senken. Das ist auch deshalb wichtig, weil wir Spielraum für die Finanzierung der Sozialversicherung gewinnen müssen. Die moderate Steuerquote ist also kein Selbstzweck, sondern die Voraussetzung einer prosperierenden Wirtschaft, die wir für den Wohlstand, die Sozialwerke und die Finanzen brauchen.
Zum Wachstumsziel: Ich stelle fest, dass Wachstum - seit wir kein Wachstum mehr hatten - plötzlich wieder als wertvoller als früher eingestuft worden ist. Es ist weniger umstritten als auch schon. Ich meine, Vollbeschäftigung braucht Wachstum. Deshalb muss auch hier die Finanzpolitik einen Beitrag leisten: Auf der Ausgabenseite - Bildung, Infrastruktur usw. - und auf der Einnahmenseite - mit Steuergesetzreformen usw.
Eine moderne Wirtschaft ist ohne einen leistungsfähigen Staat nicht mehr zu haben. Weil aber die Mittel knapp sind, muss der Staat die nötigen Leistungen effizient erbringen. Auch dazu äussert sich das Leitbild: Wirkungsorientierte Verwaltung, Privatisierungen, neuer Finanzausgleich usw.
Noch etwas zur antizyklischen Politik, die hier mehrfach erwähnt worden ist - von Herrn Maillard, von Herrn Hofmann und von anderen. Vor allem die automatischen Stabilisatoren, z. B. Arbeitslosenversicherung oder direkte Steuern, sollten antizyklisch sein - letztere mit einer Gegenwartsbesteuerung, damit man mehr Steuern zahlt, wenn es gut geht, und weniger, wenn es schlecht geht. Das ist antizyklisch. Aber wir äussern auch unsere Skepsis gegenüber einer diskretionären Politik, die eben meistens nicht oder im falschen Moment wirkt.
Das Gerechtigkeitsziel ist vielleicht das schwierigste. Die Finanzpolitik darf nicht nur einseitig auf Effizienz und Wachstum ausgerichtet sein; sie muss einen Beitrag an eine gerechte Verteilung leisten. Wenn sie das nicht tut, dann wird unser Volk nicht mehr zum Wirtschaftsstandort und zur Finanzpolitik stehen. Das könnte sich in einer direkten Demokratie sehr fatal auswirken. Wir dürfen bei allen Standortüberlegungen auch die Gerechtigkeit nicht völlig aus den Augen lassen.
Es gibt in der Finanzpolitik immer viele Baustellen, auch jetzt: die allgemeine Politik, die Schuldenbremse, die Steuerreformen mit einem grossen Ausfallpotenzial, die Ablösung der Finanzordnung, der neue Finanzausgleich, die Finanzierung der AHV, der Sozialversicherungen usw. Auf meinem Pult habe ich nicht zuletzt in Form Ihrer Vorstösse sehr ausgabenträchtige weitere Begehren. Ein unkoordinierter Aktivismus auf allen diesen Baustellen würde unseren Staat schlicht und einfach in Kürze nicht mehr finanzierbar machen und die Konsolidierung des Haushaltes verunmöglichen. Sollte es uns gelingen, die Ausgabendisziplin zu bewahren, und sollten wir weiterhin ein günstiges konjunkturelles Umfeld haben, können wir das Haushaltziel erreichen.
Allerdings sind die Begehrlichkeiten nach Steuererleichterungen und Mehrausgaben wieder ins Kraut geschossen, seit es etwas besser geht. Deshalb müssen wir gerade in guten Zeiten besonders vorsichtig sein, deshalb müssen wir diese Baustellen koordinieren, wir müssen sie redimensionieren und so bauen, dass ein kohärentes Gesamtes entsteht, das wir uns am Schluss noch leisten können. Damit will ich ein paar Antworten auf Fragen zu unseren Beschlüssen vom Montag geben:
Der Bundesrat hat ein Gesamtkonzept beschlossen, welches die wichtigsten Steuerreformprojekte finanzleitbildkonform umsetzt. Es ist der erste konkrete Umsetzungsschritt. Wir mussten drei Fragen beantworten:
1. Gibt es überhaupt einen finanzpolitischen Spielraum für gewisse Steuerausfälle, welcher die Sanierung nicht gefährdet?
2. Welches ist das Ausfallpotenzial der wichtigsten Reformen?
3. Können wir anderswo gegebenenfalls Ausfälle kompensieren?
Ich will die dritte Frage gleich summarisch beantworten: Es gibt zurzeit kein steuerliches Kompensationspotenzial, das ohne Standortnachteile und kurzfristig erschlossen werden könnte.
Zur ersten Frage: Eine Schätzung im Lichte der Rechnung 1999 und der neuen Steuereingänge, unter der Voraussetzung von weiterem Wachstum, ergibt einen künftigen Handlungsspielraum von maximal 1 bis 1,2 Milliarden Franken. Diesen Spielraum können wir für Mindereinnahmen, Mehrausgaben oder für die Schuldentilgung einsetzen. Der Bundesrat ist bereit, ihn für sozial gezielte und wirtschaftlich notwendige Steuerentlastungen einzusetzen. Das gesamte Ausfallpotenzial der wichtigsten drei Steuerreformprojekte - Ehepaar- und Familienbesteuerung, Hauseigentum und Umsatzabgabe - beträgt gegen 4 Milliarden Franken! Das ist absolut jenseits von Gut und Böse und würde jede Sanierung verunmöglichen.
Theoretisch wäre es denkbar, die Ausfälle über die Mehrwertsteuer zu kompensieren. Davon möchten wir dezidiert abraten, weil wir dieses Steuersubstrat zur Konsolidierung der AHV benötigen und uns forcierte Mehrwertsteuererhöhungen in einer grossen Kadenz wirtschaftlich schlicht nicht leisten können.
Frau Genner hat das Paket der 11. AHV-Revision als sehr ungerecht bezeichnet. Ich darf Ihnen sagen, dass uns sogar dieses "ungerechte Paket" 1,5 Mehrwertsteuerprozente im Jahr 2003 und 2006 nochmals 1 Mehrwertsteuerprozent kostet, und dann sind die Probleme erst noch nur bis 2010 und nicht bis 2030 gelöst. Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir bei dieser Frage vor einer grossen Realitätsverweigerung stehen; ich glaube, dass wir uns darüber noch unterhalten müssen.
Der Bundesrat ist bereit, bei der Ehepaars- und Familienbesteuerung Ausfälle von 900 Millionen Franken hinzunehmen. Ich muss mich natürlich dafür entschuldigen, dass wir bei der direkten Bundessteuer nicht auch noch jene 16 Prozent entlasten können, die gar keine bezahlen. Diese Frage stellt sich immer: Wo können wir überhaupt entlasten? Wir glauben, dass dies ein gerechtes Paket ist. Wir können Eltern mit minderjährigen Kindern entlasten und besser stellen; wir können die Benachteiligung der Ehepaare gegenüber Konkubinatspaaren korrigieren.
Bei der Umsatzabgabe will ich kein Geschenk machen. Wer mich kennt, weiss, dass dies das Letzte ist, was ich gerne tun würde. Wir sind aber bereit, in abwanderungsgefährdeten Bereichen, wo wir das Substrat sonst wahrscheinlich überhaupt nicht halten können und noch Arbeitsplätze verlieren werden, einen begrenzten Ausfall von einer halben Milliarde Franken hinzunehmen.
Gerne würde ich auch den Hauseigentümern noch etwas geben. Ich glaube aber, dass dies hier bestenfalls wünschenswert, aber nicht geboten ist. Deshalb schlagen wir Ihnen ein ertragsneutrales Modell des Systemwechsels vor. Der Systemwechsel alleine - Abschaffung des Eigenmietwertes, Abzugsfähigkeit von Hypotheken und Unterhalt - würde etwa 100 bis 200 Millionen Franken bringen. Wir wollen daran aber auch nicht mehr verdienen; diesen Betrag kann man deshalb für gezielte flankierende Massnahmen einsetzen, z. B. zur Förderung von Neueigentum.
Die resultierenden Ausfälle, die unseren Spielraum übersteigen und 1,4 Milliarden Franken betragen, sind zu verantworten, weil wir erstens glauben, über die Steueramnestie wieder verstecktes Substrat zur Besteuerung zu bringen, und weil wir zweitens mit einer gewissen Erhöhung der Ausschüttung der Schweizerischen Nationalbank rechnen. Diese Reformen wollen wir zu einem Paket verbinden, damit wir alle - auch Sie und der Bundesrat - immer unsere gesamte Verantwortung vor Augen haben.
Mit diesem Paket können wir die vier Ziele, die ich erwähnt habe, nicht erreichen. Durch die Begrenzung der Ausfälle und die Mehreinnahmen der Amnestie können wir aber einen Schritt auf diese Ziele zu tun, ohne das Sanierungsziel zu gefährden. Die Steuerquote wird um etwa 0,3 Prozentpunkte gesenkt. Dem Wachstumsziel kommen wir durch die Hebung der Standortattraktivität und die Steigerung der Konsumkraft der Familien entgegen. Die Verbreiterung der Steuerbasis durch die Amnestie und die Reformen der Ehepaar- und Familienbesteuerung bestehen vor dem Gerechtigkeitsziel.
Kurz zu den Anträgen auf Kenntnisnahme im ablehnenden Sinne: Es ist ja sehr interessant und vielleicht nicht ganz unsymptomatisch, dass sie aus entgegengesetzten politischen Lagern kommen.
Dem Antrag Mugny liegt ein völlig anderes Staatsverständnis zugrunde als dasjenige, welches der Bundesrat in diesem Leitbild darlegt - ein Staatsverständnis, das ich achte, das auf die Standortqualität aber keine Rücksicht nimmt und deshalb langfristig nicht haltbar wäre.
Der Antrag der Minderheit Blocher auf Kenntnisnahme in ablehnendem Sinne ist für mich, nach Anhörung der Begründung, eigentlich - wenn ich ganz ehrlich bin - gar nicht nachvollziehbar. Ich empfinde die Begründung ein wenig als "semantischen Eiertanz" um ein Problem herum. Herr Blocher hat, so glaube ich, in vielem auch Dinge gesagt, die in diesem Leitbild enthalten sind. Dieses Leitbild - ich habe es gesagt - enthält messbare Ziele. Es geht klar von einer wirtschaftsverträglichen Staats- und Steuerquote aus, will die Finanzen aber gesund erhalten. Wenn das stimmt, was Herr Steiner hier vorgelesen hat, dann ist dieses Leitbild doch um einiges präziser als das hier vorhin erwähnte.
Wenn man zurückweist, weil man nur eine forcierte Steuersenkungspolitik ohne realisierbares Pendant bei den Ausgabenkürzungen macht, dann führt dies ganz klar in eine neue Verschuldungsspirale, die ich nicht akzeptieren kann. Das würde alle Sanierungsanstrengungen zunichte machen, würde das Vertrauen in den Standort Schweiz wieder beeinträchtigen und erneut unseren minimen politischen Handlungsspielraum beseitigen. Es würde erneut in eine "Verlotterung" der Finanzpolitik führen.
Wenn man die Steuern wirklich nur noch forciert senken will, sind Ausgabenkürzungen in der nötigen Grössenordnung unrealistisch; das hat der Kampf um das Stabilisierungsprogramm gezeigt. Ich wehre mich dagegen, dass man sozusagen die Defizite wieder etwas relativiert, seit wir sie einigermassen im Griff zu haben glauben. Ich erinnere daran, dass das Volk immerhin mit 72 Prozent Jastimmen ganz klar eine Defizitbegrenzung angenommen hat. Wenn man schon immer vom Volk spricht, muss man diese Vorschrift des Volkes sehr ernst nehmen.
Das ist der Grund, dass ich Sie bitte, diese beiden Anträge auf Kenntnisnahme in ablehnendem Sinne abzulehnen.
Votazione
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit .... 114 Stimmen
Für den Antrag der Minderheit/Mugny .... 50 Stimmen
An den Ständerat - Au Conseil des Etats