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Titeläquivalenz für die höhere Berufsbildung

Häberli-Koller Brigitte · P-F · Ständerat · Thurgau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Antrag der Kommission

Annahme der Motion

Antrag Français

Ablehnung der Motion

Proposition de la commission

Adopter la motion

Proposition Français

Rejeter la motion

Präsidentin (Häberli-Koller Brigitte, Präsidentin): Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten. Der Bundesrat beantragt die Ablehnung der Motion.

Würth Benedikt · Mit-M · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Gerne mache ich die Berichterstattung zu dieser Motion. Mit der Motion soll der Bundesrat beauftragt werden, die Abschlüsse der höheren Berufsbildung gemäss den Artikeln 26 bis 29 des Berufsbildungsgesetzes aufzuwerten, indem jene Titelbezeichnungen gesetzlich verankert werden, die die Titel- und Niveauäquivalenz mit anderen Titelbezeichnungen im In- und Ausland herstellen: "Professional Bachelor" und "Professional Master". Die Motion wurde am 5. März 2020 eingereicht; der Bundesrat beantragt Ablehnung. Der Nationalrat hat sie am 8. März 2022 mit 129 zu 54 Stimmen bei 7 Enthaltungen angenommen.

Worum geht es? Über die höhere Berufsbildung in der Schweiz werden Abschlüsse erlangt, zum Beispiel Meisterdiplome, die aufgrund der Veränderungen in der Bildungssystematik und im Arbeitsmarkt zunehmend nicht mehr richtig verstanden und eingeordnet werden. Das schwächt die Berufsbildung, das fördert die Akademisierung. Deshalb kommt die Forderung nach Titeläquivalenz.

Grundsätzlich ist unbestritten, dass die Positionierung der höheren Berufsbildung zu verbessern ist. Wir sprechen bei der Frage der Titeläquivalenz über ein - wenn auch wichtiges - Teilelement der Massnahmen zur Stärkung der höheren Berufsbildung. Dies hat mehrere Gründe.

Absolventinnen und Absolventen der höheren Berufsbildung sind in der Wirtschaft gefragte Berufsleute. Der Arbeitskräftemangel wirkt sich just in diesem Bereich besonders stark aus. Die Bildungsgänge HF sind beispielsweise in der Gesundheit, Hotellerie, Land- und Waldwirtschaft, Bauführung, Bauplanung, Elektrotechnik, Gebäudetechnik, Holztechnik, im Maschinenbau usw. angesiedelt. Wer die höhere Fachschule absolviert, ist heute also beispielsweise Bauführer HF oder Elektrotechniker HF. In den Unternehmen nehmen diese Berufsleute sehr oft verantwortungsvolle Positionen wahr.

Das Schweizer Bildungssystem ist von Durchlässigkeit und Dualismus geprägt. Wir sind stolz darauf, es ist unbestritten ein Erfolgsfaktor der Schweizer Wirtschaft; in vielen Sonntagsreden von Politik und Wirtschaft wird das auch bemüht. Die Bildungsgänge HF basieren auf dem Pfeiler der Berufsbildung, sie basieren also nicht auf einer Matura. Die Kommission ist überzeugt, dass dieser Pfeiler der Berufsbildung gestärkt werden muss. Der Drang an die Universitäten und Fachhochschulen ist problematisch.

Im Zusammenhang mit der Evaluation des Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetzes haben wir festgestellt, dass starke regulatorische Anreize diesen Drang noch verstärken, indem beispielsweise die Beiträge für Universitäten und Fachhochschulen mengengerüstgetrieben sind: je mehr Studierende, desto mehr Subventionen. Sie sehen vielleicht gelegentlich im öffentlichen Raum Werbung von Hochschulen. Daran erkennen Sie, wie der Kampf um die Studierenden funktioniert - eine fragwürdige Entwicklung.

In diesem Akademisierungssog verliert die höhere Berufsbildung zunehmend an Prestige und Positionierung. Fakt ist heute - das musste die Kommission zur Kenntnis nehmen -, dass die Wachstumsdynamik bei der höheren Berufsbildung geringer ist als bei den Fachhochschulen, obwohl diese Lehrgänge eine höhere Bildungsrendite aufweisen. Was heisst das? Absolvierende von Bildungsgängen HF haben das tiefste Risiko, arbeitslos zu werden, und weisen zugleich eine hohe Erwerbsquote aus. Das unterstreicht die grosse Bedeutung dieser Gruppe für die Entwicklung vieler Unternehmen.

Sie haben zu diesem Geschäft bekanntlich viel Post erhalten. Sie spüren aus diesen Zuschriften, dass sich die Bildungsakteure nicht alle einig sind. Seitens der Fachhochschulen und Universitäten vermutet man hier eine gewisse Konkurrenz, man schiebt das Argument der Vermischung vor. In diesem Zusammenhang ist sehr wichtig, dass Sie Folgendes feststellen und erkennen:

Wir reden hier über Abschlüsse im Bereich der Tertiärstufe B. Demgegenüber sind Fachhochschulen Tertiärstufe A, ebenso sind es die Universitäten. Wir reden hier über Abschlüsse im Bereich von Tertiär B. Im Unterschied zu den Tertiär-A-Abschlüssen haben wir nach wie vor Bezeichnungen - ich habe es schon erwähnt -, die im Arbeitsmarkt nicht mehr gebräuchlich sind und immer weniger verstanden werden. Darum kommt diese Forderung nach zeitgemässen Bezeichnungen, damit das im Arbeitsmarkt schlussendlich eben verstanden wird.

Der heutige Zustand - darüber waren wir uns in der Kommission am Ende einig - fördert im Prinzip die Akademisierung, wenn wir nicht konkrete Massnahmen für eine bessere Positionierung der höheren Berufsbildung treffen. Ich habe Ihnen vorhin die Anreizstrukturen erläutert. Niemand will Zustände wie in Frankreich oder anderen europäischen Ländern mit einer akademisierten Jugend, die im Arbeitsmarkt schlecht verankert ist. Umgekehrt - im Gegensatz zu Swissuniversities - begrüsst die Mehrheit der Verbundpartner der Berufsbildung zeitgemässe Titelbezeichnungen, ohne dass damit das Profil der höheren Berufsbildung verändert würde; das ist ein wichtiger Punkt.

In den Bereichen Sichtbarkeit, Bekanntheit und Ansehen in Gesellschaft und Wirtschaft besteht nach Auffassung der Kommission Verbesserungspotenzial, auch mit Blick auf die konkreten Bildungsentscheide der Jugendlichen. Lesen Sie heute CH-Media-Zeitungen: Der grosse Titel gehört dem Gymnasium, das angeblich zu leicht oder zu wenig leicht erreicht wird. Sie finden eigentlich nie einen solchen Titel zur höheren Berufsbildung in einem schweizerischen nationalen Zeitungsmedium. Der Allgemeinheit und insbesondere vielen Eltern und Jugendlichen ist heute nicht mehr richtig bewusst, dass in der Schweiz auch Personen ohne Maturität eine Ausbildung auf Tertiärstufe absolvieren können. Dieser schweizerische Weg ist im internationalen Vergleich einzigartig, aber auch mitentscheidend für den Erfolg des Berufsbildungssystems der Schweiz.

Bildungsabschlüsse bilden die Schnittstelle zum Arbeitsmarkt. In diesem Zusammenhang müssen Sie sich bewusst sein, dass dieser Arbeitsmarkt zunehmend international ist. Leute, die aus dem EU/EFTA-Raum in die Schweiz kommen, haben sehr oft einen sogenannten Professional Bachelor, nicht so aber die sicher gleichwertig, wenn nicht besser qualifizierten Schweizer. Was bedeutet das? Das bedeutet am Ende, dass schleichend eine gewisse Diskriminierung zulasten der Schweizer Absolventinnen und Absolventen stattfindet, mitunter auch lohnmässig. Unsere eigenen, guten Berufsleute werden gegenüber den Mitbewerberinnen und Mitbewerbern aus dem Ausland also zunehmend diskriminiert. Genau darum findet ein Trend zur Akademisierung statt.

Umgekehrt ist es natürlich auch so, dass Schweizer Berufsleute im Ausland tätig sein wollen oder müssen, und im Ausland ist es unbestrittenermassen so, dass kaum mehr jemand unsere Bildungsabschlüsse im Bereich der höheren Berufsbildung versteht. Natürlich, und das gehört auch zum ganzen Kontext, hat der Umstand die ganze Diskussion befeuert, dass Österreich und Deutschland, deren Berufsbildungssystem mit demjenigen der Schweiz noch einigermassen vergleichbar ist, die entsprechenden Titel neu bezeichnet haben. Aufgrund dieser neuen Ausgangslage ist es inskünftig besonders nachteilig, wenn Schweizer HF-Absolventinnen und -Absolventen nicht gleichwertige Abschlüsse vorweisen können.

Sie wissen es, die Titelbezeichnungen haben vor 25 Jahren mit dem sogenannten Bologna-Prozess einen tiefgreifenden Wandel erfahren. Für die Tertiärstufe A - Universitäten, Fachhochschulen - ist die Sachlage, auch nach einigen Umwegen und ebenfalls vielen Diskussionen, nun einigermassen klar. Aber bei der Tertiärstufe B, dieser Schweizer Eigenart, haben wir nach wie vor ein veritables Problem.

Die Kommission hat sich vor allem auch Überlegungen zum Vorgehen gemacht. Es ist im Ständerat üblich, eine Motion nicht zu unterstützen, wenn das Problem schon gelöst ist. Vorliegend ist das Problem aber noch nicht gelöst. Es ist offen, was bei der weiteren Arbeit der Verbundpartnerschaft herauskommt. Sie spüren aus den Zuschriften, dass geradezu eine chronifizierte Uneinigkeit besteht. Es ist zu befürchten, dass, wenn wir nicht ein gewisses Signal setzen, bei diesem Thema weiterhin nichts passiert. Darum hat die ständerätliche Kommission gesagt: Wir wollen mit der Annahme dieser Motion auch ein Signal setzen, wir wollen sagen, dass es einen Handlungsbedarf gibt. Bei der Umsetzung hat der Bundesrat nach wie vor einen erheblichen Spielraum.

Schliesslich ist es der Kommission auch ein Anliegen, dass die höhere Berufsbildung mit ihrem Profil inhaltlich nicht fundamental verändert wird. Es ist nicht die Idee, das heutige System zu verkomplizieren oder zu verakademisieren, indem z. B. plötzlich neue Abläufe eingeführt werden müssten. Es geht bei der Frage der Titeläquivalenz tatsächlich gewissermassen auch um ein Labelling.

Ich fasse zusammen und komme zum Schluss: Gemäss Ausführungen der Verwaltung soll in der ersten Hälfte der kommenden Legislatur eine Botschaft zur ganzen Berufsbildungsthematik vorgelegt werden. Das bedeutet, dass wir dann die Diskussion auch weiterführen werden. Die Kommission erachtet es angesichts der starken Uneinigkeit der Bildungsakteure als wichtig, für diese Botschaft ein Signal zu setzen. Ein Nein zu dieser Motion hätte natürlich auch den gegenteiligen Effekt, zulasten der Berufsbildung. Die Kommission ist sich klargeworden, dass ohne Gegenmassnahmen der Akademisierung Vorschub geleistet wird und das System der höheren Berufsbildung geschwächt wird. Wir brauchen neue, griffige Massnahmen zur Stärkung dieses Bildungswegs. Wir sind der Meinung, dass das Parlament hier nun durchaus einen Pflock einschlagen sollte, im Wissen darum, dass der Bundesrat noch sehr viele Anschlussfragen und Details wird klären müssen.

Zum Schluss erinnere ich Sie auch an unsere Bundesverfassung. Die Bildungsverfassung ist ja relativ jung. Artikel 61a unserer Bundesverfassung sagt es klar: "[Bund und Kantone] setzen sich bei der Erfüllung ihrer Aufgaben dafür ein, dass allgemein bildende und berufsbezogene Bildungswege eine gleichwertige gesellschaftliche Anerkennung finden." Wenn Sie diesen Verfassungsauftrag ernst nehmen wollen, dann sagen Sie Ja zu dieser Motion, wie es Ihre Kommission auch getan hat, und zwar mit 12 zu 0 Stimmen bei 1 Enthaltung.

Ich bitte Sie, diese Motion aus dem Nationalrat anzunehmen.

Français Olivier · Mit-M · Ständerat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion

Je déclare mes intérêts: je n'en ai aucun, si ce n'est que j'ai une particularité, je suis membre de l'Académie suisse des sciences techniques, mais je n'ai pas de titre de doctorat. J'ai quand même eu dans ma carrière une reconnaissance professionnelle par un milieu académique prestigieux, qui est l'Académie suisse des sciences techniques.

Il y a une certitude, les écoles supérieures, nous sommes tous d'accord, sont des partenaires importants pour notre économie; elles ont une mission de formation essentielle. Si chacun d'entre nous peut faire une chose, c'est de renforcer activement les collaborations dans le milieu de la formation. En ce sens, je partage les recommandations faites par le SEFRI dans son rapport de 2022, et, je le crois, le monde académique également.

Quelques certitudes ont été avancées; permettez-moi de les contester. La première affirmation, selon laquelle l'attractivité des titres délivrés par les écoles spécialisées est en baisse, est fausse. Il n'y a qu'à voir les résultats de ces 20 dernières années: en 2000, on comptait 9213 diplômés, et en 2021 on en comptait 35 000, ce qui représente une augmentation substantielle. On ne peut donc pas dire qu'il n'y a pas d'attractivité des écoles supérieures. Bien au contraire, elles sont très attractives, car un enseignement spécifique est dispensé, qui donne une plus-value aux jeunes qui participent à cette formation - l'économie le reconnaît.

L'Allemagne fait cavalier seul dans le milieu de la formation. Elle l'a décidé - c'est son problème. D'abord, je rappelle que la Suisse alémanique n'est pas l'Allemagne, et que la Suisse, bien au contraire, est formée de plusieurs pôles d'intérêts dans le milieu de la formation et de la formation internationale, ce qui est fondamental.

D'ailleurs, la participation de la Suisse, dans les accords de Bologne, à la modification des titres, entre autres du titre d'ingénieur, s'est faite en dialoguant et en échangeant avec le milieu académique, tout simplement pour que les niveaux, les passerelles et les crédits des uns et des autres soient reconnus. En un mot, si je commence à me former en Suisse, je peux poursuivre ma formation dans le reste de l'Europe, voire plus loin, grâce aux accords de Bologne, parce que justement il y a des équivalences au niveau des crédits.

Il y a une différence importante entre la formation dans une ES et celle dans une HES, c'est pourquoi je pense qu'il est important de ne pas mettre dans la loi des titres tels que "bachelor professionnel" ou "master professionnel", qui sont empruntés au monde des hautes écoles, pour les diplômes de la formation professionnelle. Les raisons sont les suivantes. Le risque principal, c'est de mélanger les titres de la formation professionnelle et ceux des hautes écoles; je ne pense pas que ce serait un avantage. Au contraire, il faut montrer cette spécificité de la formation issue de la pratique, qui est d'ailleurs reconnue au niveau international. Il n'est pas nécessaire de démontrer à l'Allemagne, voire à la France, la qualité de la formation professionnelle. Elle est dûment reconnue au niveau international.

Les titres de bachelor et de master relèvent de l'enseignement supérieur et ont été introduits, je l'ai dit tout à l'heure, il y a plus de vingt ans, dans le cadre du processus de Bologne en Europe et, donc, également dans les hautes écoles suisses. Dans le cas d'une structure d'études à trois niveaux - bachelor, master et doctorat -, un volume d'études est clairement défini en crédits et doit être atteint pour obtenir les titres correspondants. La formation ES, à ce jour, ne s'inscrit pas dans le cadre du processus de Bologne. D'ailleurs, il y a une particularité, le titre de docteur ne peut être donné que par une école bien spécifiée et pas par toutes les hautes écoles qui permettent d'obtenir un bachelor et un master. L'admission aux études de niveau bachelor dans une haute école suisse nécessite en principe un diplôme de maturité au niveau secondaire II, soit une maturité professionnelle, une maturité gymnasiale ou une maturité spécialisée. Ce principe serait ignoré avec l'introduction du diplôme de bachelor et de master comme cela est proposé dans la motion.

Un titre d'école spécialisée permet - on ne peut pas dire qu'il ne le permet pas, car il le permet - d'accéder à une formation de bachelor. Il n'y a aucun problème. C'est la particularité que nous avons en Suisse: les fameuses passerelles. L'enseignement supérieur qui mène à un bachelor ou à un master se fonde sur la recherche. Les hautes écoles spécialisées, c'est le mélange de la pratique et de la recherche. C'est une qualité d'enseignement qui est spécifique à cette formation dans les hautes écoles spécialisées. C'est un lien indissociable; le corps professoral doit associer ces deux formations.

L'utilisation des titres "bachelor professionnel" et "master professionnel" pour les diplômes professionnels supérieurs, introduite en Allemagne, constitue une exception en comparaison européenne; c'est vraiment une exception, et, cela, il faut le rappeler. Donc, entrer dans ce système et, finalement, casser la notion même de reconnaissance du bachelor et du master serait une erreur stratégique importante.

Chères et chers collègues, je ne peux que vous recommander de refuser cela, ce d'autant plus que j'aurais bien accepté cette motion, mais, en commission, vous avez refusé quelque chose d'important: vous avez refusé de la transformer en mandat d'examen, dans le but que le travail du SEFRI puisse se développer, et pour permettre de trouver une solution, qui soit partagée par tous. La preuve que la décision prise en commission n'est pas partagée par tous, ce sont les courriers que nous avons reçus en fin de semaine, en particulier par les HES.

Aussi, je vous recommande de suivre la proposition du Conseil fédéral. Ce n'est donc pas une proposition complètement hasardeuse de votre serviteur; il faut garder raison. La passion est une bonne chose - j'en sais quelque chose -, néanmoins, ici, il faut garder raison et suivre la proposition du Conseil fédéral et rejeter la proposition de la commission.

Michel Matthias · Mit-M · Ständerat · Zug · FDP-Liberale Fraktion

Lassen Sie mich als Kommissionsmitglied noch einige ergänzende Bemerkungen zum Votum des Kommissionspräsidenten machen. Es geht nicht um des Kaisers Bart, aber mir scheint angesichts des ablehnenden Antrages des Vorredners, es geht um einen Klammerausdruck. Er hat eigentlich sein Votum zum Ausdruck in Klammern bezüglich "Professional Bachelor" und "Professional Master" gehalten.

Vielleicht noch zu meinem Hintergrund: Ich kenne beide Welten, Tertiär A und B, die eine aus meiner Tätigkeit als vormaliger Berufsbildungs- und Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Zug, Mitglied des Konkordatsrates Fachhochschule Zentralschweiz. Die andere, die Welt der höheren Berufsbildung, kenne ich aus meiner jetzigen Tätigkeit: Ich bin Verwaltungsratspräsident einer privaten Bildungsgruppe, der Ipso-Bildung Holding AG; damit sei auch meine Interessenbindung dargelegt.

Mir scheint nun wichtig, dass wir die Positionierung der höheren Berufsbildung - und dazu gehören nicht nur höhere Fachschulen, sondern auch die Fachausweise, die beruflichen Abschlüsse - nicht einfach auf den Titel einschränken. Der Hintergrund ist der, dass der Bundesrat bzw. das SBFI ein ganzes Massnahmenpaket erarbeitet hat. Das ist in einem Bericht des SBFI vom November 2022 abgebildet. Es sind alles Massnahmen, die mit unserem Bildungssystem konform sind, die jetzt konkretisiert werden und gegebenenfalls auf gesetzliche Änderungen hinauslaufen. Es gehören diverse Massnahmen dazu, um im Rahmen der bestehenden Bildungssystematik - ich glaube, der Präsident hat das erwähnt - die höhere Berufsbildung zu stärken. Die meisten dieser Massnahmen sind, das ergibt sich aus dem Bericht, unter allen Akteuren unbestritten. Man kann also sagen: Die Dissonanz, die sich im Titel zeigt, beschränkt sich eigentlich auf die Titelfrage.

Ich zitiere aus dem Bericht: Ich lese, dass alle Akteure sich einig sind, "dass vor allem im Ausland die geschützten Titel in den Amtssprachen sowie die heutigen englischen Titelübersetzungen nur schwer verständlich sind. Auch transportieren die heutigen Titel die Gleichwertigkeit zu den Hochschulabschlüssen zu wenig." Darin ist man sich einig. Handlungsbedarf besteht.

Nun meine ich, Sie müssen den gesamten Text der Motion lesen; man darf sie nicht auf den Klammerausdruck beschränken. Die Motion sagt: "Der Bundesrat wird beauftragt, die Abschlüsse der höheren Berufsbildung gemäss den Artikeln 26 bis 29 BBG aufzuwerten, indem jene modernen Titelbezeichnungen gesetzlich verankert werden, welche die Titel- und Niveauäquivalenz mit anderen Titelbezeichnungen im In- und Ausland herstellen."

Es geht also nicht darum, jetzt einfach Deutschland zu imitieren, das stimmt. Kollege Français hat es gesagt: Deutschland ist international bisher eine Ausnahme. Es geht darum, die internationale Vergleichbarkeit und die Gleichbewertung zu erreichen, und da müssen auch andere mögliche Titelbezeichnungen Platz haben. So verstehe ich auch unsere Kommission und deren Präsidenten. Dieser hat gesagt, in der Umsetzung habe der Bundesrat einen erheblichen Ermessensspielraum. Ich verstehe also diesen Klammerausdruck betreffend "Professional Bachelor" und "Professional Master" nicht als exklusiv, sondern als eine Möglichkeit unter anderen Möglichkeiten.

Das bestätigt sich auch darin: Gemäss dem internationalen Referenzrahmen der Unesco entsprechen unsere Berufsbildungsabschlüsse diversen Niveaus bis zu Niveau 5, HF-Diplome entsprechen Niveau 6. Finanzanlageexpertinnen mit eidgenössischem Diplom erreichen Niveau 7. Bei der Treuhandexpertin geht es bis zu Niveau 8. Diese verschiedenen Niveaus können Sie nicht in einem einzigen Titel abbilden - schon das geht nicht. Die Motion verlangt die Neubewertung bzw. Neubetitelung aller Abschlüsse gemäss den Artikeln 26 bis 29 des Bundesgesetzes über die Berufsbildung. Das betrifft die eidgenössische Berufsprüfung, die eidgenössische höhere Fachprüfung und die eidgenössisch anerkannte Bildung an einer höheren Fachschule. Es sind drei Kategorien. Schon nur deshalb geht es nicht, dass man einfach einen Titel nimmt, der in der Klammer steht. Das ist mir wichtig.

Ich bin nicht gegen diese Motion. Das wäre ein falsches Signal. Ich finde aber, dass man sie gemäss ihrem Hauptauftrag beurteilen muss. Man sollte sich nicht einfach auf die Klammer fokussieren. In diesem Sinne verstehe ich auch die Kommission und kann die Motion annehmen.

Stark Jakob · Mit-M · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich möchte in Ergänzung zum Votum des Präsidenten der WBK-S kurz zum Geschäft Stellung nehmen und Sie zuerst auf den Bericht "Positionierung Höhere Fachschulen" hinweisen, aus dem auch Kollege Michel zitiert hat.

Der Bericht wurde am 14. November 2022 veröffentlicht. Es ist übrigens etwa vier Jahre her, seit die ersten Vorstösse zu diesem Themenbereich eingereicht worden sind. Es ist also schon eine Weile her. Aus dem Fazit dieses Berichtes möchte ich zwei Sätze in Bezug auf die höheren Fachschulen zitieren: "In den Bereichen Sichtbarkeit, Bekanntheit und Ansehen in Gesellschaft und Wirtschaft besteht hingegen Verbesserungspotenzial, auch mit Blick auf die Bildungsentscheide der Jugendlichen (Sekundarstufe I) für die Berufsbildung." Dieses erste Zitat ist ganz wichtig: Wir brauchen an den höheren Fachschulen Abschlüsse, welche eine Ausstrahlungskraft haben - auch im Bereich der Berufswahl, auch im Bereich der Entscheidung, ob man an eine Mittelschule geht oder einen Beruf wählt. Zweites Zitat: "Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) schlägt vor, die grundlegende Systemdiskussion abzuschliessen und das Gesamtpaket an systemkonformen Massnahmen ab 2023 zusammen mit den Verbundpartnern der Berufsbildung weiterzuverfolgen und zu konkretisieren." Man kommt hier nicht weiter, es muss alles noch systemkonform sein.

Deshalb ist unsere Kommission zum Schluss gekommen, dass jemand bei der Frage nach der Verleihung der Titel "Professional Bachelor" und "Professional Master" einen Vorentscheid fällen muss. Diesen Vorentscheid müssen wir - mehrheitlich Laien auf diesem Gebiet - fällen, weil sich die Bildungsorganisationen in einem Konkurrenzkampf befinden. Selbstverständlich sind die Fachhochschulen dagegen, selbstverständlich sind die höheren Fachschulen dafür, auch die Universitäten sind dagegen. Da müsste ich als Universitätsabsolvent auch dagegen sein.

Wir müssen die Gesamtbedürfnisse anschauen, und wir haben hier alle schon von uns gegeben, dass wir die Berufsbildung fördern möchten. Ich habe den Bericht zitiert: Sie können die Berufsbildung mit Abschlüssen mit Ausstrahlungskraft fördern. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute einen Vorentscheid fällen und diese Motion, die schon der Nationalrat unterstützt hat, auch unterstützen. Die Titel, die wir einführen wollen, geben den Abschlüssen der höheren Fachschulen jenen Wert, den sie haben.

Wir haben Post erhalten, auch aus dem Krankenpflegebereich. "Krankenpflegefachfrau", das ist heute der Ausdruck; mit diesem Titel möchten wir mehr Personal in die Spitäler und Heime locken - "Krankenpflegefachfrau". Wenn Sie hier die Titel "Professional Bachelor" und "Professional Master" einführen, ist das eine Aufwertung. Das wird der Ausbildung gerecht, und das verhindert auch, dass wir Fachhochschulabschlüsse propagieren müssen, die eigentlich gar nicht nötig sind.

Ich bitte Sie, ein Zeichen für die Berufsbildung zu setzen. Es ist ein Zeichen, das vertretbar ist, denn die verschiedenen Organisationen arbeiten intensiv an diesem System. Sie werden mit diesem Vorentscheid klug umgehen können.

Gmür-Schönenberger Andrea · Mit-F · Ständerat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Auch ich bin Mitglied der WBK. Leider war ich, als diese Motion beraten wurde, nicht an der Sitzung, weil ich mit der SiK in Brüssel bei der Nato weilte. Ich war überrascht, als ich dieses einstimmige Resultat mit einer Enthaltung sah. Persönlich lehne ich diese Motion ab, auch wenn ich grössten Respekt vor den Absolventinnen und Absolventen höherer Fachschulen habe.

Wie ich jetzt von meinem Vorredner und auch vom Kommissionsberichterstatter gehört habe, hätte diese Motion eigentlich ganz klar als Postulat angenommen respektive in ein Postulat umgewandelt werden sollen, und das würde ich noch so gerne unterstützen. Warum aber lehne ich die Motion ab?

Es gibt einmal mehr eine grosse Vermischung von Titeln. Hier geht es um die Titel der Berufsbildung und der Hochschulen, insbesondere der Fachhochschulen, die eben praxisorientierte Studien und Abschlüsse anbieten. Um einen solchen Bachelor zu erlangen, ist auch eine gewisse Forschungsarbeit erforderlich, was an den höheren Fachschulen nicht der Fall ist. Bachelor und Master sind akademische Abschlüsse, die vor zwanzig Jahren mit dem Bologna-System eingeführt wurden. Es gibt eine Studienstruktur mit einem Bachelor, einem Master und einem Doktorat. Es sind drei Stufen, für die es eben Credits braucht. Bei den höheren Fachschulen ist das absolut nicht der Fall.

Das SBFI prüft die Einführung von ergänzenden Titeln für die höheren Fachschulen; das ist richtig, das unterstütze ich auch. Ebenso arbeitet der Bundesrat bereits an einem Massnahmenpaket; auch das ist richtig. Es wurde jetzt auch immer wieder gesagt, in Deutschland und in Österreich gebe es eben solche Titel. Ja, das mag sein, aber in allen anderen europäischen Ländern gibt es sie nicht. Ich warne einfach vor einem weiteren Einheitsbrei und Titelwirrwarr.

Minderheitenschutz ist immer schwierig, auch wenn wir selbstverständlich Minderheiten schützen müssen. Ich weiss nicht, wie viele dieser Absolventinnen und Absolventen schlussendlich im Ausland arbeiten. Ich weiss aber, dass bedeutend mehr in der Schweiz bleiben und dass wir, wenn wir Ja zur Motion sagen, Minderheitenschutz auf dem Rücken der ganz, ganz grossen Mehrheit betreiben. Das finde ich ganz klar nicht gut. Kollege Michel hat von diesen beiden Welten gesprochen. Dass es zwei Welten gibt, finde ich auch richtig. Sie sind gleichwertig, aber andersartig. Mit einem Ja zur Motion werden sie vermischt, sodass eben am Schluss überhaupt niemand mehr den Durchblick hat.

Wir müssen die Berufsbildung fördern, auch da bin ich absolut einverstanden. Wir fördern sie aber nicht mit irgendwelchen Titeln. Kollege Stark hat von den Krankenpflegefachfrauen gesprochen, die dann künftig einen "Professional Bachelor" haben. Weiss man dann, was das überhaupt ist? Wer sieht dann noch den Unterschied, wo was gelehrt respektive gelernt, geübt und angewendet wird? Wenn wir die Berufslehre aufwerten wollen, müssen wir den Eltern bereits in der Primarschule aufzeigen, dass die Berufslehre ein überaus wertvoller Weg ist, dass man da allenfalls weitere Möglichkeiten hat. Wenn man schaut, wer nachher arbeitslos ist, dann sieht man, dass es bedeutend mehr Absolventinnen und Absolventen von Universitäten als Leute mit einer höheren Berufsbildung sind.

Ich bitte Sie im Sinne von klaren Strukturen und auch von klaren Titeln, diese Motion abzulehnen.

Gapany Johanna · Mit-F · Ständerat · Freiburg · FDP-Liberale Fraktion

J'ai soutenu cette motion en commission et pourtant, je comprends les préoccupations qui ont été exprimées par notre collègue Olivier Français, notamment le fait que cette motion conduise à la dévalorisation de certains titres.

Si je prends la parole pour soutenir cette motion, c'est parce qu'il existe d'autres pistes que la reprise pure et simple des titres, comme le suggère l'auteur de la motion. S'il y avait une quasi-unanimité au sein de la commission, ce n'est évidemment pas parce que l'on veut dévaloriser certains titres, mais parce que l'on peut agir autrement pour garantir la valeur internationale des formations offertes et des titres délivrés chez nous.

S'il est nécessaire d'agir aujourd'hui, cela a été dit, cela est notamment dû à une décision de l'Allemagne de reprendre les titres de bachelor professionnel et de master professionnel pour certains diplômes de la formation professionnelle supérieure. Cela concerne actuellement l'Allemagne et l'Autriche, mais, demain, cela pourrait être d'autres pays qui nous entourent.

Le monde change et les décisions internationales nous impactent. Je suis évidemment à 100 pour cent d'accord avec notre collègue Français lorsqu'il dit que la Suisse n'est pas l'Allemagne. C'est une certitude. Mais les décisions de l'Allemagne peuvent toucher les personnes formées dans notre pays. C'est un fait.

Très concrètement, utiliser le titre de bachelor professionnel, comme le suggère l'auteur de la motion, ne me semble pas véritablement la piste la plus judicieuse, mais cela permettrait de comparer deux candidats lorsque l'un viendrait de Suisse, et serait formé selon notre système, et que l'autre viendrait par exemple d'Allemagne et aurait obtenu le titre de bachelor professionnel.

Mais il est clair que cet usage comporte un risque, tant au niveau national qu'au niveau international, de dévaloriser les titres délivrés par nos HES et nos universités. Cela soulève d'ailleurs de nombreuses autres questions, comme l'a rappelé M. Français. Il y a aussi des spécificités qui concernent l'usage de ces titres dans le cadre du processus de Bologne et qui ne concernent pas la formation en école supérieure professionnelle.

Je n'y reviens pas puisque cela a déjà été dit. Là où je vois les choses différemment, c'est qu'il y a d'autres pistes qui existent, notamment celle d'offrir une comparaison internationale aux titres ES non pas en remplaçant les titres, mais en les complétant pour donner un équivalent international par un complément au diplôme, par exemple. Ce complément permettrait de préciser l'équivalence par rapport aux diplômes donnés par l'Allemagne ou par d'autres pays, et aussi d'assurer la reconnaissance du diplôme suisse au niveau international.

Avec un complément, on met sur un pied d'égalité, cette fois-ci au niveau international, deux personnes qui ont le même niveau de formation, mais qui n'ont pas un diplôme du même nom. Une autre piste serait d'étudier des dénominations alternatives, comme le titre d'"associate degree" qui est utilisé dans plusieurs pays d'Europe et d'Amérique du Nord. Des solutions existent.

Je ne vois pas dans cette motion un risque de dévaloriser les diplômes qui sont déjà délivrés. Je constate que le phénomène existe. Par cette prise de conscience, tant au niveau de la commission que maintenant au niveau du conseil, on est capable de saisir cette occasion et d'accepter la motion pour clarifier la qualité de notre formation au niveau national et de se donner une chance d'établir une comparaison au niveau international.

Je vous invite donc à soutenir cette motion.

Germann Hannes · Mit-M · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei

Ich dachte eigentlich, dieser Fall sei klar, nachdem wir uns in der Kommission über längere Zeit intensiv mit der Problematik befasst haben. Es ist vom Kommissionssprecher und vom Kommissionspräsidenten ausgeführt worden, dass wir uns da auf einen Weg geeinigt haben und diesen Auftrag nun weitergeben. Es heisst ja nichts anderes, als dass wir verlangen, dass der Bundesrat die Berufsbildung eben auf diese Weise aufwertet, nämlich indem die Titelbezeichnungen angepasst werden, sodass man von einer Titel- und auch von einer Niveauäquivalenz mit anderen Titelbezeichnungen im In- und Ausland sprechen kann.

Ich sage das jetzt als Vertreter eines Grenzkantons: Gerade im Gesundheitswesen haben wir - glücklicherweise, muss ich sagen - eine wahre Invasion über die Grenze. Wir sind für diese Leute dankbar, es sind auch gut ausgebildete Leute. Aber es ist dann schon etwas befremdlich, wenn sie sich künftig mit dem Professional Bachelor oder sogar Professional Master anstellen lassen können, währenddem eben die Schweizer Kollegin mit einem Titel zusammengesetzt aus vier Substantiven brillieren darf, wie es Kollege Stark gesagt hat. Wie haben Sie gesagt, Kollege Stark? Ich lese es dann nach. Ich kann mir den Titel nicht einmal merken, so kompliziert hat er getönt.

Nein, Spass beiseite, es ist eine ernste Sache. Wir verlangen auch Internationalisierung. Dann, meine ich jetzt, wäre es ein kleiner Schritt, diese Leute eben entsprechend zu bezeichnen. Gerade in den Pflegeberufen haben wir viele gut ausgebildete Leute, die dann völlig unter ihrem Wert veranschlagt werden. Im Ausland haben sie mit diesen Berufsbezeichnungen keine Chance; da fragt man sie: Was soll das? Ich meine, wir sollten unseren Jungen auch die Chance geben, eben allenfalls den anderen Weg gehen und im Ausland Erfahrungen sammeln zu können. Da haben wir jedoch von früher her die übelsten Beispiele. Wir mussten miterleben, dass im Ausland kaum jemand wusste, was gerade zum Beispiel der Titel "Ingenieur HTL", "Architekt HTL" wert ist. Diese ganzen Berufe waren hochangesehen, es waren wertvolle Leute mit einem enormen Wissen aus der Praxis, das aber auch mit akademischem Wissen verknüpft war. Wenn sie im Ausland tätig wurden, mussten sie das entsprechend auch immer erklären.

So meine ich eben, dass wir gut beraten sind, wenn wir dem Bundesrat jetzt diesen Auftrag geben, anstatt das wieder aufzudröseln, ein Postulat zu machen und weitere Vorstösse abzuwarten, die es mit Sicherheit geben wird. So kann der Bundesrat etwas Sinnvolles ausarbeiten, mit dem Entwurf ins Parlament kommen, und dann können wir immer noch diskutieren, Frau Gmür-Schönenberger, ob wir diese Titel genau so verwenden werden oder ob sie nicht zu nahe an den anderen Titeln sind.

Ich muss Ihnen sagen: Ich habe grosse Achtung vor einem FH-Titel, aber auch vor einem HF-Titel. Erstens sind die Ausbildungen von der Länge her vergleichbar. Sie sind inhaltlich etwas anders, das ist zu Recht gesagt worden. Aber das hier künstlich so aufzubauschen, was das für ein Riesenunterschied sei, das erinnert mich eher an akademischen Dünkel in früheren Jahren gegenüber den Ingenieuren, die von der praktischen Seite her kamen. Gerade darum bin ich etwas enttäuscht, dass jetzt ausgerechnet bei den Fachhochschulen, bei wertvollen Institutionen, die ich sehr, sehr schätze, der Abgrenzungswille gegenüber den HF-Ausbildungen so gross ist.

Schauen wir doch an, was die Jungen können, geben wir ihnen eine Perspektive. Sagen wir ihnen: "Eure Ausbildung ist etwas wert, und es ist uns ernst", dann bezeichnen wir ihre Ausbildung auch so, wie sie es verdienen. Sonst lassen wir am 1. August besser die Sonntagsreden über den Wert unserer dualen Berufsbildung. Eine solche Rede hat ja sicher jeder und jede schon einmal gehalten, ich inklusive. Heute können wir Taten folgen lassen, indem wir dem Bundesrat diesen Auftrag geben.

Fässler Daniel · Mit-M · Ständerat · Appenzell I.-Rh. · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Als Nichtkommissionsmitglied bin ich etwas erstaunt, dass es auf einen Kommissionsantrag hin, der fast einstimmig angenommen wurde, jetzt doch so viele Voten gab, und zwar auch differenzierende und differente Voten. Ich möchte das Votum von Kollege Stark aufnehmen. Er hat gesagt, wir sollten ein Zeichen für die höhere Berufsbildung setzen. Damit sagt er implizit: Wenn wir die Motion ablehnen, setzen wir ein Zeichen gegen die höhere Berufsbildung - und das möchte ich gerade nicht.

Ich werde die Motion ablehnen. Ich werde die Motion ablehnen, nicht, weil ich den Wert der Berufsbildung irgendwie infrage stelle. Ich werde die Motion auch nicht ablehnen, weil ich den Wert der höheren Berufsausbildung irgendwie bezweifle. Es sind auch keine Sonntagsreden, die ich in dieser Sache halten würde, aber ich glaube, wenn der Bundesrat uns sagt - und ich bin gespannt, was uns der Bundesrat nachher noch sagt -, er sei daran, diese Sache zu überprüfen, und er werde uns gelegentlich auch eine Vorlage unterbreiten, dann sollten wir heute eigentlich keine Motion gutheissen, die in Bezug auf diese Titelbezeichnung offenbar doch viele Fragen aufwirft.

Ich bin überzeugt, dass eine Gefahr besteht, zumindest eine Gefahr, dass es zu einer Verwässerung der Titelbezeichnungen kommt. Ich sehe auch die Gefahr, dass die Titel "Professional Bachelor" und "Professional Master" in der allgemeinen Wahrnehmung nicht richtig eingeordnet werden. Ich glaube daher, dass wir gut daran tun, diese Motion unter Berücksichtigung der Zweifel, die offenbar auch in der Kommission vorhanden waren, abzulehnen.

Engler Stefan · Mit-M · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP.

Ganz kurz: Mich wundert, dass in dieser Diskussion eigentlich niemand die Frage aufgeworfen hat, was man wirklich tun müsste, um die Berufsbildung und die berufliche Weiterbildung attraktiver zu machen.

1. Das wäre nämlich, die jungen Leute besser zu bezahlen: Das Gefälle zwischen Akademikern und Handwerkern ist so gross geworden, dass man sich nicht wundern soll, dass Eltern sich dafür entscheiden, ihre Kinder in eine akademische Laufbahn zu schicken, obwohl sie dafür völlig ungeeignet sind und am Schluss doch mit leeren Händen dastehen. Es ist also das Lohngefälle, das es unattraktiv macht.

2. Schauen Sie, wie viel junge Berufsleute selbst bezahlen müssen, um eine berufliche Weiterbildung zu machen, im Unterschied zum Maturanden, der an die Universität geht und eine Jahrespauschale von ein paar hundert Franken bezahlen muss.

Das sind die Gründe, weshalb es nicht mehr attraktiv ist, eine Berufslehre zu machen. Ob es jetzt wirklich etwas zur höheren Attraktivität der Berufsbildung beiträgt, wenn der Zimmermann nachher "Professional Bachelor Holztechnik, Vertiefung Holzbau" heisst, da habe ich meine Zweifel.

Sommaruga Carlo · Mit-M · Ständerat · Genf · Sozialdemokratische Fraktion

Comme notre collègue Fässler, je suis très étonné du tour qu'a pris la discussion aujourd'hui. Je pensais que la petite parenthèse, à la fin de cette motion, était un point secondaire et qu'il s'agissait surtout de donner comme mandat principal au Conseil fédéral de définir un nom ou une désignation moderne des titres délivrés dans le cadre de la formation professionnelle supérieure. Et là, je suis sidéré, parce que la décision que nous allons prendre sera de savoir si, oui ou non, nous sommes favorables à la mise en oeuvre du contenu de cette parenthèse qui est cité à titre d'exemple, à savoir "bachelor professionnel" ou "master professionnel".

Je pense que la situation est extrêmement problématique, parce qu'elle crée une confusion. J'avais pensé, au début, que l'on pourrait renvoyer la motion à la commission afin qu'elle propose de biffer la parenthèse, avant de revenir devant le plénum pour l'approbation du mandat général.

En fait, il s'avère que l'enjeu n'est pas générique, mais spécifique sur ce point. Dès lors, je vais me rallier aux réflexions qui nous ont été présentées notamment par les hautes écoles spécialisées, qui nous ont écrit et ont montré les risques de confusion. Je vais donc voter contre cette motion, parce qu'elle crée plus de confusion qu'elle ne résout de problèmes.

Graf Maya · Mit-F · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion

Da wir nun ja wirklich in der Detailberatung angekommen sind, wende ich mich jetzt auch als Kommissionsmitglied noch an Sie. Wir haben das ohne Gegenstimme beschlossen: Jetzt ist der Zeitpunkt da, in dem wir klar Handlungsbedarf sehen, und zwar hat die Kommission, wenn ich nochmals darauf hinweisen darf, das sehr sorgfältig abgeklärt. Unter anderem ist es nämlich klar, dass es Teil eines Massnahmenpakets zur Stärkung der höheren Berufsbildung ist. Es ist nur ein ganz kleiner Teil, Herr Kollege Engler. Es ist auch ganz wichtig, zu wissen, dass wir hier den Verbundpartnern nach den vielen, vielen Jahren endlich ein Zeichen geben müssen.

Ich kann Ihnen sagen: Viele, die diesen Berufsabschluss an einer höheren Fachhochschule gemacht haben, die auch viel investiert und eigenes Geld hineingesteckt haben, stehen dann da und haben, auch wenn sie ins Ausland gehen, eben nicht den gleich anerkannten Abschluss im Titel. Ich möchte Sie gerne noch einmal darauf hinweisen, dass "Professional Bachelor" und "Professional Master" keine akademischen Titel sind, sondern Titel der Tertiärbildung mit praxisorientiertem Fokus. Das ist genau die Bezeichnung. Wir sprechen hier also nicht von einem akademischen Titel, sondern wir sprechen davon, dass wir unsere typischen Schweizer Abschlüsse, die - ich behaupte es - europaweit hochstehend und vielleicht sogar die besten sind, auch in einer international verständlichen Begrifflichkeit führen. Nur darum geht es und darum, dass wir damit dem Bundesrat den Auftrag geben, das mit den Verbundpartnern, mit den verschiedenen Branchen, die alle ganz unterschiedlich organisiert sind, zu klären. Das hat diese Motion hier als Grundlage und als Auftrag. Es ist extrem wichtig, weil gerade die tertiären Bildungsangebote auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet sind und für unsere jüngere Generation in einem immer mehr europäischen, internationalen Arbeitsmarkt unbedingt attraktiv bleiben müssen.

Herzog Eva · 1VP-F · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion

Entschuldigen Sie, wenn auch ich als Kommissionsmitglied noch schnell das Wort ergreife. Zu Herrn Engler: Genau das ist es, was wir wollen. Wir wollen, dass Leute mit Berufsbildung eine angemessene Bezahlung bekommen. Wegen der mangelnden Titeläquivalenz erfahren sie heute Nachteile, werden schlechter bezahlt und sehen eine akademische Ausbildung als einen besseren Weg, um besser bezahlt zu werden. Das wollen wir nicht. Wir wollen genau für die Berufsgruppe, die Sie meinen, ein Zeichen setzen. So meinen wir das. Wir haben dem so zugestimmt, der Bundesrat soll es dann auf die adäquateste Weise umsetzen - so, wie es ganz am Anfang dieser etwas achterbahnartigen Diskussion gesagt wurde. Das war ganz klar der Wille der Kommission.

Français Olivier · Mit-M · Ständerat · Waadt · FDP-Liberale Fraktion

Je me permets de reprendre la parole, car je suis un peu surpris que huit membres de la commission sur treize - comme la présidente fait aussi partie de la commission, on devrait plutôt dire huit sur douze - aient pris la parole pour défendre leur position. Cela montre qu'il y a quelques problèmes. Certains d'entre vous se sont demandé si la solution proposée était la bonne, si l'on ne devrait pas plutôt faire un postulat, etc. C'est justement parce que vous avez refusé de déposer un postulat que j'interviens. Je pense que le débat sur les ES et la requalification des titres est une bonne chose, le monde du travail et l'économie le disent très clairement.

J'ai toutefois l'impression que vous avez tous un complexe d'infériorité, parmi ceux qui vont soutenir la motion. Est-ce que le niveau de la formation allemande qui donne droit aux titres de bachelor et de master est équivalent au niveau de notre formation? J'ai posé la question à deux membres de la commission. Les deux m'ont répondu non. Il y a donc un problème, car la majorité, voire l'ensemble de la commission veut donner un titre pour lequel il n'y a aujourd'hui pas d'équivalence avec l'Allemagne. Cela va donc créer un sacré problème.

Et après, il faudra aller plus loin, car on n'est pas tout seul. Les accords de Bologne et les titres de bachelor et master sont le résultat d'une concertation. Est-ce que le politique doit aujourd'hui commencer à donner des titres académiques? Cette décision est complexe. Elle n'est en tout cas pas courante, et de loin.

Je pense donc que la discussion doit être menée, et c'est ce que font actuellement le SEFRI et le Conseil fédéral. Des propositions suivront et nous en discuterons le moment venu. Mais donner l'ordre au Conseil fédéral d'imposer un titre, alors que l'on n'a pas de certitude sur la reconnaissance de la formation des ES dans les pays étrangers, m'interpelle beaucoup, et je ne peux donc que vous recommander d'être très prudents et de suivre le Conseil fédéral en rejetant la motion.

Parmelin Guy · BR-M · Bundesrat · Waadt

Toute la discussion à laquelle j'assiste maintenant me fait penser qu'un mandat d'examen aurait été la solution idéale sur ce sujet. Ceci pour vous dire que le Conseil fédéral est à l'écoute des demandes des différents acteurs politiques et économiques concernant la question des titres et des diplômes de la formation professionnelle supérieure. Au printemps 2019, le Conseil fédéral avait accepté les motions de la Commission de la science, de l'éducation et de la culture du Conseil national 18.3392 et de Mme Fetz, ancienne conseillère aux Etats, 18.3240. Il s'était déclaré disposé à examiner le système des écoles supérieures et des différentes filières sous l'angle de leur positionnement national et international.

La question du titre des diplômes de la formation professionnelle supérieure a été très largement débattue. Il s'agissait de discussions importantes non seulement au sein de la formation professionnelle même, mais aussi avec les hautes écoles. Il s'est avéré que nous devons trouver une solution pour l'ensemble de la formation professionnelle supérieure. De même, il s'agit de maintenir les profils de formation existants et de lutter contre une académisation de la formation professionnelle. Lors du Sommet national de la formation professionnelle du 14 novembre de l'année passée, j'ai pu présenter un paquet global de mesures conformes au système pour renforcer les écoles supérieures. Celui-ci comprend entre autres l'examen du titre "professional bachelor".

J'ai pris acte du fait que tant les cantons que les partenaires sociaux soutiennent clairement la démarche. Je me réjouis également que le Conseil des hautes écoles de la Conférence suisse des hautes écoles ait également approuvé le paquet de mesures et donc le mandat d'examen du 17 novembre 2022. Les hautes écoles souhaitent que des alternatives soient également examinées. Les travaux de mise en oeuvre sont déjà en cours sous la direction du SEFRI en étroite coopération, concertation avec la Conférence tripartite de la formation professionnelle et d'autres acteurs.

Pour la question du titre, le SEFRI examine en détail les différentes possibilités de mise en oeuvre sur le plan juridique. Il est important pour moi et pour le Conseil fédéral que nous disposions d'une solution permettant de refléter de manière adéquate la réputation et le prestige de la formation professionnelle supérieure. Les résultats du mandat d'examen seront disponibles d'ici l'été 2023, ce qui nous permettra de décider de la suite des opérations. C'est pour cela que le Conseil fédéral aurait préféré un mandat d'examen ouvert aux résultats. Il maintient donc pour cette raison sa proposition de rejeter la motion.

J'ai pris acte aussi de la déclaration de M. Würth, président de votre commission, et de certains d'entre vous, selon laquelle l'acceptation de la motion devrait viser à soutenir les travaux en cours qui, eux, visent à renforcer la formation professionnelle supérieure. Vous admettrez avec moi qu'il est assez rare qu'une motion ait pour but de donner un signal de soutien. En général, une motion vise à imposer quelque chose au Conseil fédéral.

Dans le cadre des travaux en cours, nous avons la mission d'examiner les nouveaux titres demandés. Pour cela, je vous remercie de votre soutien. Vous avez dit, Monsieur Würth: "Es ist noch nicht gelöst." Certes, mais je peux vous dire que nous travaillons intensément pour trouver la solution. Ce n'est pas simple à tous les niveaux, parce qu'il y a aussi, on l'a vu dans le débat qui vient d'avoir lieu, certaines incompréhensions ou aussi certaines intentions peut-être un peu cachées de différents secteurs.

Ce que je peux vous dire, et je crois que Mme Gmür-Schönenberger avait aussi raison sur ce point, c'est que si nous avions un mandat d'examen, cela ouvrirait beaucoup plus l'éventail. Ce que je peux vous dire, c'est que nous sommes au travail. Nous vous présenterons le résultat dans le cadre d'un message sur un projet de révision de la loi, qui sera probablement nécessaire.

En fin de compte, j'ai envie de vous dire que nous sommes tous d'accord. C'est la voie à choisir qui nous divise. Le Conseil fédéral, pour les raisons que je vous ai exposées, maintient sa position même s'il est au travail. Vous devrez certainement vous prononcer sur un projet de loi.

Abstimmung

Abstimmung - Vote

Für Annahme der Motion ... 16 Stimmen

Dagegen ... 19 Stimmen

(6 Enthaltungen)