23.3131
Rafforzare la cooperazione con la NATO nel settore della difesa, senza aderire all'Alleanza!
Häberli-Koller Brigitte · P-F · Consiglio degli Stati · Turgovia · Il Gruppo del Centro. Alleanza del Centro. PEV.
Präsidentin (Häberli-Koller Brigitte, Präsidentin): Der Bundesrat beantragt die Annahme des Postulates.
Dittli Josef · Mit-M · Consiglio degli Stati · Uri · Gruppo liberale radicale
Ich möchte mit dem Postulat den Bundesrat beauftragen, in einem Bericht darzulegen, wie ohne Bündnisbeitritt und unter Wahrung des Neutralitätsrechts eine vertiefte institutionalisierte Kooperation im Verteidigungsbereich mit der Nato erreicht werden kann.
Weshalb möchte ich das? Der Bundesrat hat in seinem Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021 über die Folgen des Krieges in der Ukraine das klare Bekenntnis abgegeben, dass es für unser Land wichtig sei, die Kooperation auch mit der Nato zu verstärken. Es ist so, wie er schreibt: "Der Krieg hat eine neue Dynamik in der sicherheits- und verteidigungspolitischen Kooperation in Europa ausgelöst. Diese wird angesichts der Bedrohung durch Russland intensiviert, sowohl im Rahmen der Nato wie auch der EU, wobei für die Sicherheit und Verteidigung Europas die Nato zentral bleibt. Zur Stärkung ihrer Sicherheit mitten in Europa muss die Schweiz Teil dieser Zusammenarbeit sein. [...] Der Krieg in der Ukraine verdeutlicht zudem, dass eine Verteidigung gegenüber einem mächtigen Gegner mit Unterstützung durch andere Staaten oder Organisationen wirksamer ist. Diese Erkenntnisse verdeutlichen die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit mit den internationalen Sicherheitsorganisationen, insbesondere der Nato, zu intensivieren. Im Fall eines bewaffneten Angriffs kann sich ein neutraler Staat auch mit anderen Staaten zusammen verteidigen, weil dann die Neutralitätspflichten entfallen. Die verteidigungspolitische Strategie der Schweiz zielt darauf ab, die Fähigkeit zu haben, sich soweit wie möglich selbständig zu schützen und zu verteidigen, gleichzeitig aber die Möglichkeit zu haben, sich bei Bedarf im Verbund mit anderen Staaten zu verteidigen."
Der Bundesrat hat im Zusatzbericht zum sicherheitspolitischen Bericht diverse Möglichkeiten einer Intensivierung der Zusammenarbeit angedacht. Hier möchte ich gerne mit dem Postulat ansetzen: Diese angedachten Ausbaumöglichkeiten sollen vertieft werden. Der Bericht soll deshalb die verschiedenen Möglichkeiten der Verteidigungskooperation aufzeigen sowie Antworten geben, welchen Mehrwert die Schweiz in eine solche Kooperation einbringen kann und welches die möglichen Forderungen und Erwartungen der Nato gegenüber der Schweiz sind. Im Bericht soll auch dargelegt werden, welches die vorausgesetzten militärischen Fähigkeiten für die verschiedenen Projektteilnahmen sind, inklusive Abschätzung der damit verbundenen Kosten. Last, but not least soll auch allfälliger gesetzgeberischer Handlungsbedarf aufgezeigt werden.
Ich freue mich, dass der Bundesrat die Annahme des Postulates beantragt, und empfehle Ihnen, dem Bundesrat zu folgen und das Postulat anzunehmen.
Sommaruga Carlo · Mit-M · Consiglio degli Stati · Ginevra · Gruppo socialista
J'ai pris acte du postulat de notre collègue. Je ne vais donc pas m'y opposer. Je suis très critique vis-à-vis du rapprochement avec l'Otan. Ce postulat vise un renforcement stratégique, qui, j'en reste persuadé, mettra à terme en péril notre neutralité. Mais il met aussi en péril le concept même de la défense helvétique militaire, c'est-à-dire celui de la défense territoriale.
Tout - l'armement en général - est construit sur cette défense territoriale. Or, les collaborations avec l'Otan dépassent le concept de la défense territoriale et vont au-delà. Quand je vois mon collègue Dittli hocher de la tête lorsque je dis que cela va au-delà de la défense territoriale, c'est parce qu'il faudrait un jour que l'Otan vienne défendre notre territoire au cas où il serait agressé par des puissances tierces. Je n'ose pas l'espérer, parce que cela voudrait dire, à ce moment, que l'Otan n'aurait pas su défendre ses propres frontières extérieures.
Le projet de défense européenne, au sein de l'Union européenne, me semble également devoir être intégré. Certes, nous ne sommes pas à un niveau d'opération aussi concret que celui de l'Otan aujourd'hui. L'Union européenne a eu beaucoup de mal et de difficultés à avancer sur ce projet. Le Conseil fédéral, dans son rapport, devrait examiner les interactions avec la collaboration accrue avec l'Otan ainsi qu'avec le projet de défense européenne et finalement les interdépendances entre ces deux systèmes. Il faudrait que cela soit mis sur le papier et que les éléments aussi critiques d'une collaboration étroite avec l'Otan soient intégrés dans le rapport, qui est sollicité par la voie de ce postulat.
Amherd Viola · VPBR-F · Consiglio federale · Vallese
Der Krieg in der Ukraine führt in der Schweiz weiterhin zu intensiven Diskussionen und hat grosse Bedeutung für die Sicherheitspolitik. Es ist darum notwendig, dass sich das Parlament mit den Folgen dieses Krieges befasst. Mit diesem Postulat wird der Bundesrat beauftragt, in einem Bericht darzulegen, wie ohne Bündnisbeitritt und unter Wahrung der Neutralität eine vertiefte institutionalisierte Kooperation im Verteidigungsbereich mit der Nato erreicht werden kann.
Es ist unbestritten, dass der Krieg in der Ukraine ein einschneidendes Ereignis mit nachhaltigen Folgen für die Sicherheit in Europa und damit auch in der Schweiz ist. Der Bundesrat hat deshalb rasch eine Analyse des Krieges und seiner sicherheitspolitischen Folgen vorgenommen und den Zusatzbericht zum Sicherheitspolitischen Bericht 2021 erarbeiten lassen. Diesen hat er am 7. September 2022 gutgeheissen. Zusammenfassend kommt der Zusatzbericht zu folgenden Schlussfolgerungen:
1. Die Ausrichtung der Armee, die mit den Grundlagenberichten Luft, Boden und Cyber festgelegt wurde, ist weiterhin richtig. Aber im Lichte der nochmals verschlechterten Lage muss die Armee noch stärker auf die Verteidigungsfähigkeit ausgerichtet werden.
2. Wir müssen die internationale Zusammenarbeit, insbesondere mit der Nato und der EU, Herr Ständerat Sommaruga, im Interesse unserer eigenen Sicherheit stärken. Diese Zusammenarbeit ist kein Selbstzweck. Sie dient einerseits der Stärkung unserer Beziehungen zu den wichtigsten Partnern, ohne die eine wirksame Sicherheitspolitik nicht mehr zu denken ist, zumal auch Bedrohungen und Gefahren schon lange grenzüberschreitend sind. Sie dient andererseits dazu, uns auf den Fall vorzubereiten, dass wir einen möglichen Angriff eben nicht alleine, sondern nur in Kooperation mit anderen Staaten abwehren können. Dazu braucht es Interoperabilität. Wir wollen die Zusammenarbeit mit der Nato wie auch mit der EU stärken, wobei für die Sicherheit und Verteidigung Europas die Nato die zentrale Organisation bleibt. Die Ausgestaltung dieser Zusammenarbeit wurde im Zusatzbericht skizziert, und die Arbeiten zur Umsetzung des Berichtes sind im Gange.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Interoperabilität zu stärken. So ist zum Beispiel der politische Dialog und das Engagement in Diskussions- und Arbeitsgruppen zu intensivieren, beispielsweise mit Ländern, die gleiche Waffensysteme nutzen und die auch vom Austausch zu Wartung und Ausbildung profitieren können. Es ist eine stärkere Beteiligung an Centers of Excellence - das sind Nato-zertifizierte Kompetenzzentren zu Themen wie Cybersicherheit, an denen die Schweiz bereits teilnimmt - vorzusehen. Wir wollen auch mehr Personal in Nato-Strukturen entsenden, um an Projekten mitzuarbeiten, die für die Schweiz von Interesse sind. Vor allem aber geht es um eine Ausweitung der Interoperabilität auf verteidigungsrelevante Bereiche.
Zu beachten ist, dass ein Ausbau der Zusammenarbeit neben den eigenen Interessen und Möglichkeiten auch von der Bereitschaft der Nato abhängt. Zusammenarbeit setzt immer voraus, dass ein beidseitiger Nutzen entsteht. Indes gefährdet keines dieser Kooperationsfelder die neutralitätsrechtlichen Pflichten unseres Landes. Die Neutralität wird von den Partnern und Nato-Ländern verstanden und nicht infrage gestellt. Dies bedeutet, dass wir keine Verpflichtungen für eine kollektive Verteidigung eingehen oder in der Kooperation keine Sachzwänge schaffen, die de facto dasselbe bedeuten.
Ein Nato-Beitritt ist nicht das Ziel. Der Handlungsspielraum bleibt aber trotzdem erheblich. Die skizzierte Stossrichtung wird die heutige Zusammenarbeit auf Bereiche der Verteidigungsfähigkeit und des Bevölkerungsschutzes ausweiten. Dabei geht die Schweiz keine Verpflichtungen ein und prüft Teilnahmen von Fall zu Fall. Das Postulat gibt uns die Gelegenheit, die aufgezeigten Wege weiter zu vertiefen und zu konkretisieren. Dabei werden wir, wie vom Postulat gewünscht, aufzeigen, wie die Zusammenarbeit die Verteidigungsfähigkeit der Armee unter gleichzeitiger Bewahrung der Neutralität erhöht. Weil die Kooperation und die Verteidigungsfähigkeit miteinander verbunden sind und sich ergänzen, soll das Postulat Dittli 23.3131 gemeinsam mit dem Postulat SiK-S 23.3000 über die Stärkung der Verteidigungsfähigkeit behandelt und ein einziger Bericht erarbeitet werden. Der Bundesrat beantragt in diesem Sinne die Annahme des Postulates.
Ich möchte noch Folgendes festhalten:
la collaboration avec l'Otan va déjà, actuellement, au-delà de la défense territoriale au sein du Partenariat pour la paix, par exemple.
Ich bitte Sie also, das Postulat anzunehmen.
Häberli-Koller Brigitte · P-F · Consiglio degli Stati · Turgovia · Il Gruppo del Centro. Alleanza del Centro. PEV.
Angenommen - Adopté