22.476

Proteggiamo i nostri agricoltori. Per un organo di mediazione agricolo e alimentare

Nussbaumer Eric · P-M · Consiglio nazionale · Basilea-Campagna · Gruppo socialista

Antrag der Mehrheit

Der Initiative keine Folge geben

Antrag der Minderheit

(Glättli, Baumann, Bendahan, Michaud Gigon, Ryser)

Der Initiative Folge geben

Proposition de la majorité

Ne pas donner suite à l'initiative

Proposition de la minorité

(Glättli, Baumann, Bendahan, Michaud Gigon, Ryser)

Donner suite à l'initiative

Präsident (Nussbaumer Eric, Präsident): Die parlamentarische Initiative Python wurde von Frau Klopfenstein Broggini übernommen. Sie haben einen schriftlichen Bericht der Kommission erhalten.

Klopfenstein Broggini Delphine · Mit-F · Consiglio nazionale · Ginevra · Gruppo dei Verdi

Près de 80 pour cent du commerce de détail suisse sont contrôlés par le duopole Coop et Migros. Cette position de domination sur le marché leur permet d'imposer les conditions de production et leurs prix d'achat, bénéficiant ainsi d'énormes marges aux dépens des productrices et des producteurs, mais aussi aux dépens, et en bout de course, des consommateurs et des consommatrices. Tandis que les coûts de production augmentent - énergie, semences, engrais -, la grande distribution ne répercute pas ces hausses sur les prix d'achat. Ce système reste totalement opaque, profite aux grandes enseignes et prétérite la production suisse et la consommation.

Selon une enquête récente menée par "Le Temps" et "Heidi.news", les marges brutes de Coop peuvent atteindre jusqu'à 57 pour cent et celles de Migros 46 pour cent, et cela, sans aucune transparence. Ces enquêtes ont également démontré que les agriculteurs et agricultrices vendent leurs produits en dessous des coûts de production, ce qui est complètement insoutenable.

L'initiative que je défends ici, rédigée par ma collègue Valentine Python, propose des garde-fous à cette situation. Concrètement, il y est demandé un nouvel alinéa 3 à l'article 27 de la loi sur l'agriculture, pour la création d'un organe de médiation qui soit indépendant, afin de documenter les infractions aux pratiques commerciales déloyales et, le cas échéant, de sanctionner les entreprises ayant recours à ce type de pratiques. Ceci permettrait de travailler en étroite collaboration avec l'Observatoire du marché et de veiller, entre autres, à l'application de prix couvrant les coûts de production. Au sein des filières agroalimentaires, le rapport de force lors des négociations des prix est fortement déséquilibré, et se fait au détriment de l'agriculture, d'un côté, mais aussi des consommateurs.

On voit aussi la situation de dépendance de l'agriculture dans l'écoulement de marchandises. Pour le redire, le duopole Migros-Coop contrôle près de 80 pour cent du commerce de détail alimentaire national. Ces deux géants suisses sont par ailleurs propriétaires ou actionnaires d'entreprises de stockage et de transformation. Leur poids dans les négociations est donc très lourd et absolument unique en Europe. Il faut le savoir: depuis 1990, les prix des denrées alimentaires indigènes augmentent régulièrement pour les consommatrices et consommateurs, alors que le prix payé aux productrices et producteurs, lui, reste inchangé, voire tend même à baisser. Alors que l'inflation augmente, que le pouvoir d'achat est fragilisé, menaçant en particulier les ménages les plus précarisés, le prix des produits à la consommation augmente tandis que le prix de la production descend. Entre les deux, les intermédiaires gagnent toujours plus.

De nombreux prix à la production ne couvrent tout simplement pas les coûts de production. Il est donc urgent de mettre en place des conditions économiques et sociales qui garantissent une agriculture et une industrie alimentaire viables et résilientes. La durabilité économique des fermes est le premier pas vers une agriculture véritablement durable.

La proposition faite ici fait partie de la solution. Un médiateur indépendant dans le domaine agricole et alimentaire garantirait un meilleur équilibre des forces en présence et permettrait une meilleure protection juridique du milieu paysan confronté à des pratiques déloyales, ainsi que la garantie stricte de l'anonymat des paysans et paysannes. C'est un des points importants de cette initiative parlementaire, car les agriculteurs et agricultrices n'osent souvent pas témoigner, car ils et elles craignent de perdre leur principal, voire unique, acheteur.

La création d'un tel organe serait aussi conforme à la Déclaration des Nations Unies sur les droits des paysans et des autres personnes travaillant dans les zones rurales, adoptée en 2018 à l'Assemblée générale des Nations Unies et soutenue par la Suisse. Nous avons ici une belle opportunité de respecter cet engagement international.

Pour ces raisons, je vous remercie de donner suite à cette initiative.

Glättli Balthasar · Mit-M · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo dei Verdi

Die parlamentarische Initiative Python 22.476 greift etwas auf, das in der Breite im Rat unbestritten ist, glaube ich. Es kann eigentlich nicht sein, dass auf der einen Seite seit 1990 der Index der Produzentenpreise für die landwirtschaftlichen Produkte, also das, was die Bauern und die Bäuerinnen am Schluss kriegen, um ein Viertel gesunken ist und auf der anderen Seite das, was wir alle als Konsumentinnen und Konsumenten dann im Laden zahlen, immer weiter steigt. Man muss kein Wirtschaftsexperte sein, um zu sagen, dass es dazwischen offensichtlich solche gibt, die sich in der Zwischenzeit eher reicher gemacht haben, einerseits auf Kosten der produzierenden Landwirtschaft, so kann man sagen, andererseits auch auf Kosten der Konsumentinnen und Konsumenten.

Dieses Problem ist im Grundsatz auch in Ihrer Kommission anerkannt. Darum ist der "Schwesterinitiative", der parlamentarischen Initiative Pasquier-Eichenberger 22.477, "Für eine wirksame Preisbeobachtung in der Lebensmittelkette", Folge gegeben worden. Sie möchte, dass man quasi ein Observatorium schafft, also die Preisbeobachtung stärkt und insbesondere auch genauer auf die Margen schaut.

Allerdings muss man keine grossen Nachforschungen anstellen, um festzustellen, dass die Einkommen der Produzenten sinken, die Preise für die Konsumenten aber steigen und die Marge immer grösser wird. Ich brauche kein detailliertes Observatorium, um zu sagen, dass es ein Problem gibt. Genau dieses Problem will nun die parlamentarische Initiative Python angehen, indem man die Bäuerinnen und Bauern eben mit einer unabhängigen Ombudsstelle stärkt. Weshalb das? Es ist so, dass die Grossverteiler eine zwar nicht absolute, aber sehr hohe Marktmacht haben. Es ist so, dass sehr viele Bäuerinnen und Bauern darauf angewiesen sind, in der Praxis gute Beziehungen zu ihren Abnehmern zu haben, weil diese die Abnahme garantieren und in dem Sinn für die Existenz der Bäuerinnen und Bauern zuständig sind. Im direkten Kräftemessen - ein kleines Bäuerchen gegen Migros oder Coop - wagt man dann nicht, sich einzusetzen und zu protestieren, weil man weiss, dass man sowieso den Kürzeren zieht; das ist, glaube ich, allen klar.

Wie könnte jetzt diese Ombudsstelle helfen? Die Idee ist, dass man hier eben auch solche aus meiner Sicht, ich sage es jetzt etwas krass, unlauteren Geschäftspraktiken anonym rügen könnte - nicht anonym in dem Sinn, dass man sich gegenüber der Ombudsstelle nicht offenbart, da muss man das ja auch aufzeigen, aber dass man nicht quasi alleine mit dem Namen vor den Hauptabnehmer oder die Hauptabnehmerin hinstehen muss. Es kann nicht sein, dass von einer Marktübermacht Betroffene aus Angst vor möglichen Konsequenzen sich nicht trauen, Missstände zu melden. Umgekehrt muss eine solche Ombudsstelle die Möglichkeit haben, vermittelnde Vorschläge zu machen. Es muss aber auch, wenn solche unlauteren Geschäftspraktiken dokumentiert werden, eine Möglichkeit geben, diese zu sanktionieren.

Ich glaube, wir reden hier in diesem Saal sehr, sehr oft von den Bauern. Wir reden in diesem Saal sehr, sehr oft davon, wie wir die Bauern unterstützen können, z. B. mit Direktzahlungen. Es gibt grosse Auseinandersetzungen darüber, wie viel wir ihnen vorschreiben dürfen. Dann sprechen wir doch auch einmal ganz konkret darüber, wie wir die Bauern unterstützen können, damit sie aus dem Resultat ihrer Arbeit auf faire Weise mehr herausholen können. Ich kenne keine Bauern, keine Bäuerinnen, die nicht am liebsten von dem leben würden, was sie produzieren. Es braucht diese Ombudsstelle, damit der Preis dafür auch anständig ist.

Geben Sie Folge.

Dettling Marcel · Mit-M · Consiglio nazionale · Svitto · Gruppo dell'Unione democratica di Centro

Wie Sie gehört haben, möchte Frau Python mit dieser parlamentarischen Initiative einen neuen Artikel 27 Absatz 3 im Landwirtschaftsgesetz einfügen, und sie möchte vor allem eine neue Ombudsstelle schaffen. Sehr viel von dem, was der Minderheitssprecher und die Vertreterin von Frau Python vorhin gesagt haben, ist richtig. Sie möchten der Landwirtschaft helfen. Das möchte die Kommission auch. Die Frage ist nur, auf welchem Weg. Führt diese parlamentarische Initiative zum Ziel?

Wir haben in der Schweiz die Bauern. 80 Prozent ihres Umsatzes erzielen sie mit dem Verkauf ihrer Produkte. 20 Prozent machen die ebenfalls wichtigen Direktzahlungen aus, insbesondere diejenigen für nicht marktfähige Leistungen. 1970 kamen 55 Prozent des Konsumentenfrankens beim Bauern an, heute sind es noch 25 Prozent. Im Rahmen der Teuerung der letzten beiden Jahre sind die Lebensmittelkosten für die Konsumenten um 3 Milliarden Franken gestiegen, gerade einmal 700 Millionen Franken sind bei den Bauern angekommen. Zusätzlich blieben die Bauern auf 300 Millionen Franken ungedeckten Kosten sitzen. Zurzeit liegt der Stundenlohn in der Landwirtschaft bei brutto 17 Franken.

Agroscope hat vor Kurzem die neuesten Zahlen für das Jahr 2022 herausgegeben. Diese sind sehr negativ, vor allem für das Berggebiet: minus 6,8 Prozent bei den Einkommen. Der Handlungsbedarf ist also unbestritten, auch in der Kommission. Was die beiden Vorredner aber verschwiegen haben, ist, dass wir in der Schweiz bereits Instrumente haben, auf die man zurückgreifen kann, sobald es nicht funktioniert. Wir haben die Wettbewerbskommission, und wir haben den Preisüberwacher. Es existieren also bereits zwei unterschiedliche Stellen, an die man sich als Produzent wenden kann, wenn es ein Problem gibt. Beim Preisüberwacher können Sie, wie schon geschehen, gewisse Preispolitiken beanstanden. Aus unserer Sicht, aus Sicht der Mehrheit der Kommission, braucht es diese Ombudsstelle nicht.

Wir haben jetzt heute Nachmittag und am letzten Donnerstag mehrere Stunden über das Budget debattiert. Überall müssen wir sparen. Hier kann ich Ihnen sagen: Diese Stelle können Sie mit gutem Gewissen einsparen, die braucht es nicht, weil wir eben den Preisüberwacher und die Wettbewerbskommission haben. Aber es stimmt: Es gibt in der Schweiz 48 344 Bauern, und 70 Prozent der Lebensmittelproduzenten stehen zwei Abnehmern gegenüber. Es gibt also eine gewisse Marktmacht. Bei der Milch sieht es nicht viel besser aus: Es gibt 17 000 Milchproduzenten und vier grosse Abnehmer. Hier besteht also eine Marktdominanz.

Nun, das hat die Kommission auch gesehen, und deshalb hat sie der parlamentarischen Initiative Pasquier-Eichenberger, die eben mehr Transparenz fordert und auch die Marktbeobachtung ausbauen will, Folge gegeben. Ausserdem ist beim Bundesrat ein Postulatsbericht zur Wettbewerbssituation in Arbeit, der voraussichtlich dieses Jahr veröffentlicht werden soll. Das unterstützt die Mehrheit der Kommission. Diesen Weg müssen wir gehen. Eine Ombudsstelle brauchen wir hierfür aber nicht.

Die Kommission hat der parlamentarischen Initiative Python mit 15 zu 8 Stimmen keine Folge gegeben. Ich bitte Sie, ihr ebenfalls keine Folge zu geben.

Votazione

Präsident (Nussbaumer Eric, Präsident): Die Mehrheit der Kommission beantragt, der parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. Eine Minderheit Glättli beantragt, der parlamentarischen Initiative Folge zu geben.

Abstimmung - Vote

Für Folgegeben ... 61 Stimmen

Dagegen ... 125 Stimmen

(1 Enthaltung)