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25. Juni 2009 Zürich Deutsch

Rubrum

Sozialversicherungsgericht des Kantons Zurich KK.2009.00002 259.58.871.158 50'258'898-2

II. Kammer

Sozialversicherungsrichter Mosimann, Vorsitzender Sozialversicherungsrichter Meyer Sozialversicherungsrichter Hurst Gerichtssekretarin Kubler-Zillig

Beschluss vom 25. Juni 2009

in Sachen

A. Klagerin

vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Ueii Kieser Anwaltskanzlei Kieser Senn Partner

gegen

X. Versicherungen Beklagte

vertreten durch R echtsanwalt lie. iur. Lorenzo Marazzotta Badertscher R echtsanwàlte

Lagerhausstrasse 19 • Postfach ■ 8401 Winterthur-Telefon 052 268 10 10-Fax 052 268 10 09

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Sachverhalt

1. A. verfugt bei der X. Versicherungen uber eine Lebensversicherung, welche unter anderem eine Erwerbsunfahigkeitsrente sowie Prâmienbefreiung bei Erwerbsunfàhigkeit beinhaltet (vgl. die Versicherungs-Police Nr. ___________ und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen in Urk. 2/2 und 2/3).

Mit Eingabe vom 15. Januar 2009 liess A. beim Sozialversicherungsgericht des Kantons Zurich Klage gegen die X. Versicherungen erheben und die Zusprache einer Versicherungsleistung bei lOOo/oiger Invaliditat von jahriich Fr. 12'000.~ ab 1. Dezember 2006 zuziiglich Zins aus der genannten Versicherung beantragen (Urk. 1 S. 2). Mit Klageantwort vom 24. Mârz 2009 beantragte die X. Versicherungen die Abweisung der Klage (Urk. 8 S. 2).

Am 6. April 2009 stellte das Sozialversicherungsgericht seine sachiiche Zustândigkeit in Frage und setzte den Parteien Frist zur Stellungnahme hierzu an (Urk. 11). Mit Eingabe vom 5. Mai 2009 verzlchtete die X. Versicherungen auf eigene Ausfiihrungen zur Zustândigkeit und beantragte fiir den FaU eines Nichteintretensentscheides die Zusprache einer Prozessentschadigimg (Urk. 13 S. 2). Am 18. Juni 2009 verzlchtete auch A. auf eine Stellungnahme zur sachlichen Zustândigkeit und liberliess den Entscheid dem Gericht. Fiir den Fall der sachlichen Unzustândigkeit ersuchte sie um Uberweisung an das Bezirksgericht Horgen bzw. das zustandige Friedensrichter-

Das Gericht zieht in Erwâgung: 1. 1.1 Gemâss Art. 12 Abs. 2 des Bundesgesetzes uber die Krankenversichenmg (KVG) steht es den Krankenkassen frei, neben der sozialen Krankenversicherung nach diesem Gesetz Zusatzversicherungen anzubieten (1. Halbsatz); ebenso kônnen sie im Rahmen der vom Bundesrat festgesetzten Bedingungen und Hochstgrenzen weitere Versicherungsarten betreiben (2. Halbsatz). Diese weiteren Versichenmgsarten werden in Art. 14 der Verordntmg iiber die Krankenversicherung (KW) aufgezahlt; es handeit sich hierbei um Sterbegeld von hochstens Fr. S'OOO.-- (lit. a), ein Sterbegeld bei Unfalltod von hochstens Fr. 6'000.~ (lit. b), eine Invaliditàtsentschàdigung bei Krankheit imd Unfall von hochstens

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je Fr. 6'000.~ (lit. c) und eine Invaliditàtsentschàdigung bei Lâhmung von hochstens Fr. 70'000.— (lit. d). Die Versicherungsarten nach Art. 12 Abs. 2 KVG unterliegen gemass Art. 12 Abs. 3 KVG dem Bundesgesetz iiber den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz, WG).

1.2 Art. 85 Abs. 2 des Bundesgesetzes betreffend die Aufsicht iiber die privaten Versicherungseinrichtungen (Versicherungsaufsichtsgesetz, VAG) schreibt den Kantonen vor, fiir Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung nach dem Bundesgesetz iiber die Krankenversicherung ein einfaches und rasches Verfahren vorzusehen, im dem der Richter den Sachverhalt von Amtes wegen feststeUt imd die Beweise nach freiem Ermessen wiirdigt. Gemâss Art. 85 Abs. 3 VAG diirfen den Parteien bei Streitigkeiten im Sirme von Art. 85 Abs. 2 VAG - ausser bei mutwUliger Prozessfùhrung - keine Verfahrenskosten auferlegt werden.

lm Kanton Ziirich wird in § 2 Abs. 2 lit. b des Gesetzes iiber das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) das Sozialversicherungsgericht als zustândig erklârt fiir Klagen iiber Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen nach Art. 47 Abs. 2 VAG.

2.

2.1 Art. 85 Abs. 2 VAG, auf welche Bestimmung § 2 Abs. 2 lit. b GSVGer verweist, bezieht sich dem Wortlaut nach lediglich auf die Zusatzversicherungen nach Art. 12 Abs. 2 1. Halbsatz KVG und nicht auf die weiteren Versicherungsarten nach Art. 12 Abs. 2 2. Halbsatz KVG. Im vorliegenden FaU ist fiir die sachiiche Zustândigkeit daher ausschlaggebend, ob die strittige Versicherungsleistung als Zusatzversicherung nach Art. 12 Abs. 2 1. Halbsatz KVG oder als weitere Versicherungsart nach Art. 12 Abs. 2 2. Halbsatz KVG zu subsumieren ist.

Als Zusatzversicherungen haben primâr Versicherungen zu gelten, welche bei den Tatbestânden Krankheit, Unfall oder Mutterschaft anknupfen, Kosten decken, die durch diese Risiken verursacht werden und sich zur obligatorischen Krankenpflegeversicherung komplementâr verhalten. Zusatzversicherungen ergânzen die Grundversicherung insofem, als sie Deckung fiir Leistungspositionen anbieten, welche die Grundversicherung von Gesetzes wegen nicht iibemehmen kann. Demgegeniiber kônnen Versicherungen fiir das Risiko von Tod oder Invaliditat als Folge von Krankheit oder UnfaU, welche die betraglichen Limiten von Art. 14 K W iibersteigen und die andere Versicherer als anerkannte Krankenkassen anbieten, keine Zusatzversicherungen im Sinne von Art. 12 Abs. 2 KVG sein (Gebhard Eugster, in: SBVR XIV-Meyer, Soziale Sicherheit, E Rz 198). Daraus ergibt sich, dass die durch die Klagerin abgeschlossene Lebensversichemng,

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welche eine Erwerbsunfâhigkeitsrente sowie Prâmienbefreiung bei Erwerbsunfàhigkeit beinhaltet, nicht als Zusatzversicherung im Sirme von Art. 12 Abs. 2 1. Halbsatz qualifiziert werden kann, sondera unter den weiteren Versichemngsarten gemâss Art. 12 Abs. 2 2. Halbsatz KVG zu subsumieren ist.

Zwar wird in der Lehre die Auffassung vertreten, dass die besonderen Verfahrensvorschriften von Art. 85 Abs. 2 und Abs. 3 VAG auch auf die weiteren Versicherungsarten nach Art. 12 Abs. 2 2. Halbsatz KVG anwendbar seien, da auch diese Versicherungsarten im weiteren Sinne Zusatzversicherungen seien (vgl. Maurer, Das neue Krankenverslcherungsrecht, Basel 1996, S. 132 und S. 135). Wie es sich damit verhalt, kann indessen offen bleiben. Denn die vorliegend zur Diskussion stehende Versicherung ist wohl ihrer Natur nach den weiteren Versicherungsarten nach Art. 12 Abs. 2 2. Halbsatz KVG zuzuordnen, die vereinbarte Versicherungssumme von Fr. 12'000.~ pro Jahr iibersteigt jedoch die in Art. 14 lit. c K W statuierte Hochstgrenze von Fr. 6'000.~. Die Verfahrensvorschriften von Art. 85 Abs. 2 und 3 VAG sind somit darauf nicht anwendbar, und dementsprechend gelangt auch die Vorschrift von § 2 Abs. 2 lit. b GSVGer nicht zur Anwendung, welche die sachiiche Zustândigkeit des Sozialversichemngsgerichts von der Anwendbarkelt dieser bundesrechtlichen Verfahrensvorschriften abhângig macht.

2.2 Dass die Beklagte keine Krankenkasse ist, die auch soziale Krankenversichenmg nach KVG anbietet, ist sodann nicht entscheidend fiir die Frage der sachlichen Zustândigkeit des Sozialversichemngsgerichts. Dieses hat namlich in einem Grundsatzentscheid festgelegt, dass die Anwendbarkelt der Verfahrensvorschriften in Art. 85 Abs. 2 und 3 VAG nicht davon abhânge, ob der Anbieter einer Zusatzversicherung auch im Sinne von Art. 11 KVG Inhaber einer BewUligung zur Betreibung der obligatorischen Krankenpflegeversichemng sei (Beschluss des Sozialversichemngsgerichts des Kantons Ziirich in Sachen S. vom 17. November 2004, KK.2002.00016).

3. Aufgmnd der vorstehenden Erwâgungen ist auf die Klage wegen sachlicher Unzustândigkeit des Sozialversichemngsgerichts des Kantons Ziirich nicht einzutreten. Im Sinne des Antrags des Klagers sind die Akten an das Friedensrichteramt der Stadt ______ zu iiberweisen (vgl. § 112 Abs. 1 der ZivUprozessordnung [ZPO] in Verbindung mit § 28 GSVGer).

4. Nach § 34 Abs. 1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde fiihrende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Eine Riickweisung kommt einem Obsiegen

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gleich, so dass auch in diesem FaU eine Prozessentschadigung zuzusprechen ist. Eine Entschadigung kann sodann auch zugesprochen werden, wenn die beschwerdefuhrende Partei die Beschwerde zuriickzieht, der Versicherungstrâger den angefochtenen Entscheid zu Gunsten der beschwerdefiihrenden Partei in Wiedererwâgung zieht oder sich mit ihr vergleicht (§ 7 Abs. 1 der Verordnung iiber die Gebiihren, Kosten und Entschadigungen vor dem Sozialversichemngsgericht, GebV SVGer).

Im vorliegenden FaU wird das Verfahren jedoch nicht abgeschlossen, sondem an die sachlich zustandige Instanz iiberwiesen, welche sodann auch iiber die Hôhe der Prozessentschadigung zu entscheiden haben wird.

Dispositiv

Das Gericht beschliesst:

1. Auf die Klage wird mangels sachlicher Zustândigkeit nicht eingetreten.

Die Akten werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheids an das Friedensrichteramt der Stadt ______ tìberwiesen.

2. Das Verfahren 1st kostenlos.

3. Zustellung gegen Empfangsschein an:

  • Rechtsanwalt Dr. Ueli Kieser unter Beilage einer Kopie von Urk. 13

  • Rechtsanwalt lie. iur. Lorenzo Marazzotta unter Beilage einer Kopie von Urk. 16

  • Bundesamt fur Privatversicherungen

  • Friedensrichteramt der Stadt _______

4. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit der Zustellung beim Bundesgericht Beschwerde eingereicht werden (Art. 72 ff. in Verbindung mit Art. 90 ff. des Bundesgesetzes uber das Bundesgericht, BGG). Die Frist steht wâhrend folgender Zeiten still: vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit 15. August sowie vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 46 BGG).

Die Beschwerdeschrift ist dem Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, zuzustellen.

Die Beschwerdeschrift hat die Begehren, deren Begrundung mit Angabe der Beweismittel und die Unterschrift des Beschwerdefùhrers oder seines Vertreters zu enthalten; der angefochtene Entscheid sowie die als Beweismittel angerufenen Urkunden sind beizulegen, soweit die Partei sie in Handen hat (Art. 42 BGG).

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Sozialversicherungsgericht des Kantons Zurich

Die Gerichtssekretarin

Kubler-Zillig

BM/JK/BJ versandt 13. Juli 2009

Disposizioni modificate da allora

Questa decisione interpreta disposizioni il cui atto è stato nel frattempo nuovamente consolidato. Se sia cambiato l’articolo stesso non è registrato.

  • Legge federale sull’assicurazione malattie, Art. 11 e Art. 12 — letto nella versione del 1 giugno 2009; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 gennaio 2010, 1 gennaio 2011, 1 gennaio 2012, 16 luglio 2012, 1 gennaio 2013, 1 luglio 2013, 1 marzo 2014, 1 gennaio 2015, 1 gennaio 2016, 1 luglio 2016, 1 gennaio 2017, 15 aprile 2017, 1 settembre 2017, 15 novembre 2017, 1 gennaio 2018, 1 gennaio 2019, 1 luglio 2019, 1 gennaio 2020, 1 gennaio 2021, 1 aprile 2021, 1 luglio 2021, 1 ottobre 2021, 1 gennaio 2022, 1 gennaio 2023, 18 marzo 2023, 1 settembre 2023, 1 gennaio 2024, 1 marzo 2024, 1 luglio 2024, 1 ottobre 2024, 1 gennaio 2025, 1 luglio 2025, 1 gennaio 2026 e 1 luglio 2026.
  • Legge sul Tribunale federale, Art. 42 e Art. 46 — letto nella versione del 1 gennaio 2009; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 gennaio 2011, 1 aprile 2011, 5 dicembre 2011, 1 gennaio 2012, 1 aprile 2012, 1 ottobre 2012, 1 gennaio 2013, 1 febbraio 2013, 1 luglio 2013, 1 gennaio 2014, 1 luglio 2014, 1 agosto 2014, 1 novembre 2015, 1 gennaio 2016, 1 gennaio 2017, 1 aprile 2017, 1 giugno 2017, 1 gennaio 2018, 1 gennaio 2019, 1 gennaio 2021, 1 gennaio 2022, 1 luglio 2022, 1 gennaio 2024, 1 febbraio 2024, 1 luglio 2024, 1 gennaio 2025, 1 aprile 2026 e 13 maggio 2026.
  • Codice di diritto processuale civile svizzero, Art. 112 — letto nella versione del 1 gennaio 2007; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 gennaio 2011, 1 gennaio 2012, 1 gennaio 2013, 1 maggio 2013, 1 luglio 2014, 1 gennaio 2016, 1 gennaio 2017, 1 gennaio 2018, 1 gennaio 2020, 1 luglio 2020, 1 gennaio 2021, 1 gennaio 2022, 1 luglio 2022, 1 gennaio 2023, 1 settembre 2023, 1 gennaio 2025 e 1 luglio 2026.
  • Legge federale sulla sorveglianza delle imprese di assicurazione, Art. 47 e Art. 85 — letto nella versione del 1 gennaio 2009; l’atto è stato nuovamente consolidato il 1 gennaio 2011, 1 settembre 2011, 1 gennaio 2013, 1 gennaio 2015, 1 luglio 2015, 1 gennaio 2016, 15 marzo 2016, 1 gennaio 2020, 1 gennaio 2023, 1 gennaio 2024 e 1 settembre 2024.