09.3662
Sfruttamento del calore residuo delle centrali nucleari e dei grandi impianti di produzione
Egger-Wyss Esther · Mit-F · Consiglio nazionale · Argovia · Gruppo PCD/PEV/glp
Zusammen mit der Entwicklung von erneuerbaren Energien muss die Abwärme als Europas lokal vorhandene Energiequelle mit dem grössten Potenzial angesehen werden. Vor dem Hintergrund der heutigen Energieversorgungs- und Klimaproblematik sollte gerade dieses Potenzial vermehrt genutzt werden. Fern- oder Abwärme wird heute vorwiegend aus Anlagen zur Kehrichtverbrennung und Abwasserreinigung, aus industriellen Prozessen, aus Holzkraftwerken und - nicht zu vergessen - bei der Stromerzeugung mit Geothermie gewonnen. Spannend ist alleweil, dass sich noch kein Betriebswirtschafter mit diesem Potenzial auseinandergesetzt hat.
Fernwärmeanlagen - da sind wir uns hoffentlich einig - tragen unbestritten zur Reduktion von CO2-Emissionen und Luftschadstoffen bei, indem sie die Zahl von dezentralen fossilen Heizungen reduzieren. In der Schweiz liegt heute jedoch der Anteil der Fernwärme an der Wärmeversorgung lediglich bei ungefähr 4 Prozent. Wir liegen damit im Vergleich mit europäischen Ländern am unteren Ende der Rangliste, und dies sollte doch Anreiz genug für eine verstärkte Nutzung sein. Vor diesem Hintergrund erstaunt die Bekämpfung meines Postulates durch die Grünen zum einen, zum andern aber wiederum nicht, denn es ist eine Tatsache, dass Fernwärme für viele auch in der Energieszene als wenig zukunftsträchtig gilt, etwa mit der Begründung, Fernwärme sei wegen der hohen Investitionen teuer und in Zukunft müsse der Wärmebedarf sowieso stark sinken. Hier erwarte ich nach den emotionalen Diskussionen der letzten Tage und Wochen ohnehin einen Tatbeweis, zumal ja der Preis von Strom anscheinend gerade für diese Kreise keine Rolle spielt.
Ich gehe aber nun einmal davon aus, dass nicht der Grundsatz der Nutzung von Fernwärme zur ablehnenden Haltung gegenüber meinem Vorstoss geführt hat, sondern das Reizwort "Kernenergie" - schade. Damit wird nämlich vergessen, dass viele der zukünftig wichtiger werdenden Technologien zur effizienten Energienutzung und für den Einsatz erneuerbarer Energien aus technologischen und wirtschaftlichen Gründen auf Fernwärme angewiesen sein werden.
Von allen Fernwärmeprojekten der Schweiz, welche die Abwärme von Kernkraftwerken nutzen sollten, wurde einzig die Refuna AG im unteren Aaretal realisiert. Nach anfänglichen finanziellen Schwierigkeiten arbeitet die Refuna AG heute wirtschaftlich und bietet den Kunden zuverlässig Wärme zu einem gegenüber Erdöl und Gas konkurrenzfähigen Preis. Würde diese Wärmemenge mit Erdöl produziert, entstünden jährlich zusätzliche 44 Tonnen CO2. Der Bundesrat sieht erfreulicherweise im Aktionsplan "Erneuerbare Energien" wieder eine landesweite Förderung von Fernwärme aus erneuerbaren Energien oder von Abwärme vor. Es ist mir bewusst, dass die Nutzung von Abwärme beispielsweise aus Kehrichtverbrennungsanlagen einfacher zu bewerkstelligen ist als deren Nutzung aus anderen grosstechnischen Anlagen. Gerade deswegen ist aber eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse unabdingbar.
Es geht mir mit meinem Vorstoss also um Effizienzsteigerung und um die Reduktion der Energieverluste. Der Bundesrat unterstützt in seiner Stellungnahme zu meinem Postulat ganz klar die Förderung aller Formen der Abwärme und sieht dies als ein wichtiges Anliegen einer erfolgreichen Energiepolitik an.
In diesem Sinne bitte ich Sie, mein Postulat anzunehmen.
Müller Geri · Mit-M · Consiglio nazionale · Argovia · Gruppo dei Verdi
Liebe Esther Egger, Ihr Vorstoss beinhaltet eigentlich zwei Stossrichtungen. Die eine ist die Nutzung der Abwärme aus Kehrichtverbrennungsanlagen, und die andere ist die Nutzung der Abwärme aus Atomanlagen. Beide Dinge haben ihre Probleme. Zurzeit sind noch sehr viele Kehrichtverbrennungsanlagen in der Schweiz in Betrieb. Aber beide Dinge haben das gleiche Problem: Sie erzeugen eine bestimmte Abhängigkeit, von der man nicht mehr wegkommen kann.
Speziell ist das insbesondere bei den Atomanlagen. Sie kennen das ja auch aus unserer Region. Man verbindet dort die Heizung sehr vieler Haushalte mit diesen Anlagen, und das generiert natürlich den Bedarf, dass das weitergehen muss, dass man die Atomanlagen auch weiterbetreiben muss. Heute wissen wir aber, dass wir mit dieser auf Atomanlagen ausgerichteten Strategie nicht sehr weit kommen. Wir werden in der kommenden Session, aber auch später noch mehrfach darüber sprechen müssen, dass wir diese abstellen sollten. Es fragt sich, ob es sinnvoll ist, ob wir wirklich wieder eine Anlage bauen wollen, die hauptsächlich Heizenergie produziert und dann diese Häuser versorgen kann. Viel sinnvoller ist eine Strategie, bei der wir die Häuser so bauen und auch so renovieren, dass sie nicht mehr darauf angewiesen sind, derart geheizt oder auch derart gekühlt zu werden. Das wäre eigentlich die Strategie für die Zukunft.
Was Sie hier aber machen, ist eigentlich die Zementierung dessen, dass wir weiterhin diese Atomanlagen brauchen, die viel zu viel Abwärme produzieren und ein bisschen Strom. Es resultiert ein Drittel Strom. Diese Strategie ist unbedingt eben nicht weiterzuverfolgen, denn sonst machen wir uns abhängig von dieser Technologie.
Sie könnten ja sagen, dass wir dann Gaskraftwerke bauen könnten. Aber das würde dann wieder die CO2-Kompatibilität stören. Etwas muss uns heute angesichts der Problematik, in der wir uns befinden, bewusst sein, nicht alleine wegen Fukushima, es gibt ja noch viel, viel schwierigere Sachen: Die Generierung von Uran ist ein grosses Problem, der Transport und dann auch das Lagern. Und der Betrieb ist bekanntlich eben auch ein Riesenproblem. Wir müssen von dieser Technologie wegkommen. Generell von der Grosstechnologie die Meinung zu haben, dass wir alles über sie steuern müssen, ist eine rein machtpolitische Idee und nicht wirklich eine Idee einer gesunden, nachhaltigen Energieentwicklung. Wir unterscheiden jetzt hier zwischen Wärme und Strom. Viel sinnvoller wären, wenn schon, kleine WKK-Anlagen, die regional sind, die beispielsweise auch die Holzressourcen nutzen oder die mit Geothermie verbunden sind. Das wäre eine gescheitere Strategie. Noch besser ist, wie schon gesagt, Isolieren.
Zu den Kehrichtverbrennungsanlagen: Es muss das Ziel sein, dass die Kehrichtverbrennungsanlagen in Zukunft immer weniger Müll brauchen, womit sie Wärme produzieren. Wir haben heute schon in verschiedenen Gebieten grosse Fortschritte gemacht. Das muss weitergeführt werden. Es gibt viele Kehrichtverbrennungsanlagen, die von Importen aus dem Ausland leben. Der Müll muss verbrannt werden. Aber das Ziel einer gesunden Gesellschaft muss sein, so zu produzieren, dass man nicht Abfall vernichten bzw. verbrennen muss und damit auch wiederum ein CO2-Problem hat.
Ihr Postulat nimmt also das klassische Anliegen auf, irgendwie Energie zu produzieren und sie dann möglichst zu nutzen. Wir müssen aber in ein neues Zeitalter gehen, ein Zeitalter, in dem die Ressourcen viel besser verwendet werden, als das bisher der Fall war.
Ich bitte Sie also, diesen Vorstoss nicht zu unterstützen, insbesondere in Anbetracht der heutigen Situation. Ich denke an die Entwicklung bei der Atomenergie, aber auch an die ganze Frage der fossilen Energieträger Öl und Gas. Wir sind in einem Zeitalter, das wir dringend verlassen müssen, bevor wir plötzlich mit grossen Anlagen dasitzen, die nicht mehr bedient werden können.
Leuthard Doris · BR-F · Consiglio federale · Argovia
Man sollte auch die Frage der Nutzung von Abwärme nicht ideologisch anschauen, sondern das Nutzenpotenzial von Fernwärme generell fördern, solange es förderbar ist. Deshalb beantragt der Bundesrat, dieses Postulat anzunehmen.
Herr Müller, by the way, im zweiten Konjunkturstabilisierungsprogramm gab es, von Ihnen unterstützt, 30 Millionen Franken für die Förderung der Fernwärmenutzung aus der Produktion erneuerbarer Energie. Das hat sich sehr gut entwickelt, und es sind genau solche Potenziale, die wir weiterhin brauchen. Fernwärmenutzung, Abwärmenutzung fällt in diversen energieproduzierenden Anlagen an. Welche Wärmequellen genutzt werden, ist grundsätzlich schlussendlich eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Für den Bundesrat ist entscheidend: Die Nutzung von Abwärme und die Förderung von Abwärmenutzungen sind grundsätzlich sinnvoll, aber nur dann, wenn es auch wirtschaftlich einigermassen vertretbar ist respektive wenn die Aussicht besteht, dass man in einer absehbaren Zeit eine gewisse Wirtschaftlichkeit erreicht. Da gibt es zweifelsfrei nach wie vor ein Potenzial der Abwärmenutzung, das noch nicht ausgeschöpft ist. Insofern sind wir bereit, diese Potenziale bei der Nutzung von Abwärme aufzuzeigen.
Votazione
Abstimmung - Vote
Für Annahme des Postulates ... 74 Stimmen
Dagegen ... 96 Stimmen