09.3315
Topsharing. Promovimento della responsabilità dirigenziale comune
Walter Hansjörg · 1VP-M · Consiglio nazionale · Turgovia · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Die Motion wird von Herrn Schibli bekämpft.
Wyss Brigit · Mit-F · Consiglio nazionale · Soletta · Gruppo dei Verdi
Artikel 4 des Bundespersonalgesetzes regelt die Personalpolitik des Bundes. Dort steht beispielsweise, dass geeignete Massnahmen zu treffen seien zur persönlichen und beruflichen Entwicklung, zur Kaderförderung, für die Chancengleichheit von Frau und Mann und zu deren Gleichstellung, zur Schaffung von Arbeitsbedingungen, die dem Personal erlauben, seine Verantwortung in Familie und Gesellschaft wahrzunehmen. Die Frauenförderung vor allem auch beim Kader steht also beim Bund durchaus auf der Agenda. Flexible Arbeitsbedingungen und vor allem die bessere Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben sollen durch Telearbeit, Jobsharing oder etwa das Teilen einer Stelle in einer Führungsposition, das sogenannte Topsharing, gefördert werden.
Trotzdem hat der Bundesrat im März 2010 im Bericht zur Umsetzung der Bundespersonalpolitik 2009 feststellen müssen, dass die Umsetzung seiner Politik zwar in die von ihm vorgegebene Richtung geht und dass der Anteil von Frauen und Lernenden durchaus gestiegen ist. Während aber die Werte in den Lohnklassen 1 bis 11 mit knapp 40 Prozent über dem Soll-Wert liegen, befindet sich der Frauenanteil in den Lohnklassen 24 bis 29 mit nur 23 Prozent deutlich darunter. Diese Zahlen belegen eindrücklich, dass auch beim Bund die gläserne Decke nach wie vor dick ist.
Das Modell der gemeinsamen Führungsverantwortung ist eine Möglichkeit, Frauen in Kaderpositionen zu fördern. Der Bund selber hat sich an entsprechenden Pilotprojekten beteiligt; die Resultate waren gut bis sehr gut. Das Modell der gemeinsamen Führungsverantwortung ermöglicht es Frauen und Männern, sowohl die berufliche Karriere wie auch familiäre und persönliche Aufgaben und Interessen zu verfolgen. Topsharing fördert somit eine geteilte Verantwortung in Beruf, Partnerschaft und Familie und leistet damit einen nachhaltigen Beitrag zur Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbs- und Privatleben.
Wir feiern dieses Jahr 40 Jahre Frauenstimmrecht, 30 Jahre Gleichstellungsartikel und 15 Jahre Gleichstellungsgesetz. Wohl auch aus diesem Grund hat das Staatssekretariat für Wirtschaft letzte Woche unter dem Titel "Frauen in Führungspositionen: So gelingt's" eine Sammlung von "good practices" für Wirtschaftskreise - Topsharing gehört dazu - veröffentlicht. Es sei nicht nur möglich, sondern auch im Interesse der Unternehmen, mehr Frauen in Führungspositionen zu haben. Diese Initiative wird vom Schweizerischen Arbeitgeberverband und vom Schweizerischen Gewerbeverband unterstützt.
Der Bundesrat veröffentlicht aber nicht nur Ratschläge für Unternehmen, sondern ist auch bereit, Frauen in Führungspositionen in der Bundesverwaltung nachhaltiger als bisher zu fördern. Er empfiehlt deshalb die vorliegende Motion zur Annahme.
In diesem Sinne bitte ich Sie, der Motion zuzustimmen und damit der erwähnten Initiative des Seco für mehr Frauen in Führungspositionen auch in der Bundesverwaltung Nachachtung zu verschaffen.
Schibli Ernst · Mit-M · Consiglio nazionale · Zurigo · Gruppo dell'Unione democratica di Centro
Mit ihrem Vorstoss versucht Frau Wyss, Illusionen zum Durchbruch zu verhelfen. Aber Illusionen sind wie Sterne: Man kann sich nach ihnen richten, doch erreichen kann man sie nie.
Gemeinsame Führungsverantwortung heisst, für alles Verantwortung tragen zu wollen, aber für nichts verantwortlich zu sein. Wenn zwei Menschen einen Betrieb, eine Abteilung oder sonst irgendetwas gemeinsam führen, dann braucht es für ein akzeptables Funktionieren klare Zuständigkeiten, Abgrenzungen und demzufolge Pflichtenhefte. Warum? Solange Menschen nicht geklont sind, haben sie immer wieder andere Ansichten und Meinungen, die sich in der Ausführung und der Zielsetzung nicht ergänzen, sondern widersprechen. Das führt zu Differenzen, die eine Weiterentwicklung einer Sache, ein Vertreten von gleichen oder ähnlichen Interessen verunmöglichen.
Der Bundesrat geht bereits in seiner Personalstrategie 2011-2015 für die Bundesverwaltung über das verantwortbare und vertretbare Mass hinaus. Menschen, die in einem Betrieb arbeiten und dabei auch Führungsverantwortung übernehmen, müssen bereit sein, dazu beizutragen, dass der Arbeitgeber vom effizienten Arbeiten, vom Pflichtbewusstsein und von der Leistungsbereitschaft seiner Angestellten profitieren kann. Der Staat kann daher nicht für alle persönlichen Bedürfnisse verantwortlich sein. Sonst werden die sich anhäufenden Kosten irgendwann aus dem Ruder laufen und nicht mehr bezahlbar sein. Jobsharing ist nicht der richtige Weg, um Frauen voranzubringen, sondern es braucht den Willen, am richtigen Ort eine ganze Arbeit für die Sache zu leisten. Dann, so meine ich, ist für die Frauen das Beste getan, damit sie auch in Zukunft ihre Position am richtigen Ort finden können.
Ich bitte Sie deshalb, die Motion Wyss Brigit abzulehnen.
Widmer-Schlumpf Eveline · VPBR-F · Consiglio federale · Grigioni
Der Bundesrat ist der Auffassung, dass Jobsharing, Teilzeit- und Telearbeit moderne und bewährte Arbeitsformen sind - nicht für alle Fälle, nicht in allen Bereichen, aber punktuell eingesetzt sehr wichtig und sehr richtig, und zwar für die Wirtschaft wie auch für die öffentliche Hand. Ein Muss sind auch Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Laufbahnentwicklung für Frauen und Männer, die Teilzeit arbeiten wollen. Dazu gehört auch die Überprüfung der Frage, in welchen Bereichen und in welchen Kaderpositionen Jobsharing möglich sein soll.
Wir befürworten - wir haben das in der Personalstrategie auch gezeigt - flexible Arbeitsformen, die den heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen Rechnung tragen. Wir sind nicht der Meinung, dass Jobsharing nicht der richtige Weg sei, um Frauen voranzubringen; wir sehen das in einem etwas grösseren Zusammenhang. Wir haben heute das Problem, dass wir immer weniger Kinder haben. Wir brauchen Kinder auch angesichts der demografischen Entwicklung. Wir haben immer mehr gut ausgebildete Frauen - auch Mädchen und junge Frauen an den Schulen, auch in handwerklichen Berufen und an den Universitäten. Wir sollen der gesellschaftlichen Realität Rechnung tragen, denn es hat keinen Sinn, an alten, liebgewordenen Mustern festzuhalten; die Situation ist, wie sie ist. Wir sollen auch dazu beitragen, dass Frauen und Männer in Teilzeitpositionen ihre Laufbahn machen können. Es ist in verschiedenen Bereichen durchaus möglich, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Es gibt auch Orte, wo das nicht möglich ist, aber ich denke, von allen verantwortlichen Führungspersonen ist so viel Flexibilität gefordert, dass sie sagen können sollten, in ihrem Bereich sei es möglich bzw. solle es möglich sein. In anderen Bereichen ist es vielleicht nicht möglich. Aber die Möglichkeit soll jedenfalls Männern und Frauen offenstehen.
Votazione
Abstimmung - Vote
Für Annahme der Motion ... 85 Stimmen
Dagegen ... 73 Stimmen