05.3695
Transparenz bei den Krankenkassenreserven und bei Prämienerhöhungen
Bieri Peter · 1VP-M · Ständerat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion
Die Interpellantin hat die Gelegenheit zu erklären, ob sie von der schriftlichen Antwort des Bundesrates befriedigt ist oder ob sie eine Diskussion wünscht.
Fetz Anita · Mit-F · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion
Danke, Herr Vizepräsident.
Bieri Peter · 1VP-M · Ständerat · Zug · Christlichdemokratische Fraktion
Damit ist Diskussion gewünscht und auch beschlossen. (Heiterkeit)
Fetz Anita · Mit-F · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion
Ich wollte sagen, dass ich von der Antwort des Bundesrates zu drei Vierteln befriedigt bin und ihm dafür danken möchte, dass er mit der Antwort auf die Interpellation doch eine gewisse Transparenz in die Krankenkassenreserven gebracht hat. Ich glaube, dass die Zusammenstellung in dieser Antwort auch für die Öffentlichkeit sehr nützlich ist und bereits einen Teil der gewünschten Transparenz bringt.
Damit ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass nicht die Börsenbaisse die Prämienerhöhungen nach sich gezogen hat, wie in den letzten Jahren immer wieder zu hören war; ich bin insofern froh um diese Auflistung der Renditen der diversen Reserven. Gleichzeitig muss ich zwei Vorbehalte anbringen. Die Reserven der Kassen haben ja drei Funktionen: Sie dienen nicht nur als kurzfristiges Regulativ, sondern auch als mittelfristiges Regulativ für Jahre, in denen die Ausgaben höher sind als die Einnahmen, sowie für die Erwirtschaftung von Finanzerträgen, und das ist auch richtig so. Nun darf man aber von Sozialversicherungswerken erwarten, dass sie ihre Reserven mit gebührender Vorsicht festlegen und ihre Finanzanlagen mit gebührender Vorsicht tätigen. Hier schliessen meine beiden Vorbehalte an.
Zuerst zu den Finanzanlagen: Ein Problem der Darstellung ist ja, dass die Renditen - ich sage jetzt einmal - doppelt eingemittet sind. Es sind Durchschnittsrenditen: Erstens ist es der Durchschnitt der Werte über die ganze Schweiz, zweitens ist es der Durchschnitt aller Krankenkassen. Sie wissen ja, es gibt sehr viele Krankenkassen. Das Beunruhigende daran ist: Auch nach den beiden guten Börsenjahren 2001 und 2002 haben sie teilweise eine Rendite erreicht, die unter jener der Bundesobligationen liegt. Im Falle von 2004 - und das war ja ein sehr gutes Börsenjahr - lag sie gar um einen vollen Prozentpunkt tiefer. Das finde ich beunruhigend. Ich wünsche mir, dass der Bundesrat ein scharfes Auge darauf hat. Bei der Aufsicht herrscht ganz offensichtlich noch Handlungsbedarf. Ich erinnere hier an die Debatten über die Pensionskassenanlagen.
Gleichzeitig bin ich zuversichtlich, dass Sie, Herr Bundesrat Couchepin, Ihren scharfen Blick genau auf diesen Punkt richten werden und dass Sie dann auch entsprechend eingreifen können, wenn Sie mehr in die Tiefe geschaut, also nicht nur die Durchschnittswerte gesehen haben.
Mein zweiter Vorbehalt richtet sich gegen den Grundton der Antwort. Im Prinzip sagt der Bundesrat: Ja, bei den Reserven steht alles zum Besten; es hat immer alles schon zum Besten gestanden, und es wird immer alles zum Besten stehen. Das ist so ungefähr die Zusammenfassung. Wenn das stimmen würde, Herr Bundesrat Couchepin, dann hätten Sie Ende November anders gehandelt, als Sie gehandelt haben. Sie hätten keinen Anlass gehabt, die Kassen dazu anzuhalten, ihre Reserven in den einzelnen Kantonen anzugleichen. Insofern bin ich sehr befriedigt, dass die Interpellation schon das bewirkt hat.
Entscheidend ist für mich, dass die massgeblichen Einflussfaktoren für die Prämienfestsetzung - das ist ja der Kernpunkt, um den es mir geht - nicht nur die durchschnittlichen Kosten sowie die Kostenentwicklung in einer Prämienregion sind; es sind eben auch die Reservequoten und die Risikostruktur des Versicherers, wie der Bundesrat in seiner Antwort selber festhält. Das Schrauben an der Reservenquote dient eher der Kosmetik. Das ist klar. Anders ist es bei der Qualität der Reserven, wie Ihre Aufstellung zeigt. Worüber ich mich besonders gefreut habe, ist, dass der Bundesrat in seiner Antwort darauf hinweist, dass auch die Risikostruktur eine massgebliche Rolle spielt. Ich freue mich, dass der Bundesrat dies hier schwarz auf weiss schreibt, weil das für den neuen Risikoausgleich, den wir in der SGK beschliessen wollen und den wir in der nächsten Session dann dem Plenum vorlegen werden, doch auf Gutes hoffen lässt.
Insofern bin ich, wie gesagt, zu drei Vierteln befriedigt, aber zu einem Viertel nicht: Richten Sie Ihr scharfes Auge auf die Reserven, und schauen Sie bei der Aufsicht nochmals in die Tiefe, denn Durchschnittswerte sagen nicht alles.
Brändli Christoffel · 2VP-M · Ständerat · Graubünden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei
Ich möchte mich ausnahmsweise zu einem solchen Geschäft äussern. Frau Fetz hat nach der Verzinsung gefragt. Bei den Zahlen, die hier angegeben sind, handelt es sich um den Nettoertrag und um die Nettorendite. Nicht berücksichtigt sind nichtrealisierte Kapitalgewinne. Wenn der Wert im Laufe des Jahres zugenommen hat, dann ist das hier in diesen Prozentzahlen nicht inbegriffen. Ich kann Ihnen die Zahlen von ein paar Kassen geben. Sie liegen aufgrund der Börsenentwicklung etwas höher; das ist klar. Ich wollte dies hier einfach sagen, denn mit diesen Zahlen wird gegenwärtig in den Medien etwas eigenartig gespielt. Sie als Ökonomin verstehen, dass zwischen Performance und Nettorendite ein Unterschied besteht.
Couchepin Pascal · BR-M · Bundesrat · Wallis
Tout d'abord, je voudrais remercier Madame Fetz de se déclarer satisfaite aux trois quarts. Par les temps qui courent, c'est presque un acte de courage de la part d'un parlementaire que de se déclarer satisfait aux trois quarts à l'égard du Conseil fédéral. Je lui décerne donc une médaille d'honneur pour avoir osé le dire!
Le quart qui reste est constitué en partie par des choses qu'on a modifiées depuis le dépôt de son interpellation. Premier point: il est vrai que le ton est un peu défensif. On laisse entendre qu'il n'y a rien à améliorer, mais il y a certaines choses à améliorer, et on essaie de le faire. Il y a quand même une limite, c'est celle que le Tribunal fédéral des assurances a précisée lorsqu'il a dit que le secret des affaires vaut aussi pour les caisses d'assurance-maladie. Ce sont des organisations privées qui ont droit au secret des affaires, et il faut le respecter.
Deuxième point: c'est l'expérience que j'ai faite, récemment encore, avec un médecin pour lequel j'ai beaucoup d'estime et qui me disait: "Il n'y a pas de transparence dans les comptes des caisses d'assurance-maladie, et notamment pas en ce qui concerne les réserves et les provisions." Par hasard, j'avais avec moi les résultats de plusieurs sociétés dans un dossier qui m'avait été préparé. Je lui ai donné le dossier et l'ai prié de me dire ce qu'il ne comprenait pas. Il a ouvert le dossier et m'a dit qu'il ne comprenait rien aux comptes. Il a refermé le dossier, ce qui arrive assez souvent avec les médecins, qui ne comprennent que le chiffre final. Quinze jours plus tard, le même médecin écrivait une lettre dans un hebdomadaire romand en disant que les comptes n'étaient pas clairs et n'étaient pas transparents. Mais il m'avait dit lui-même qu'il ne comprenait rien aux comptes et qu'il n'avait pas l'intention de creuser cela.
Je crois qu'il y a une limite à la transparence: à force de rendre les choses transparentes, on multiplie tellement les informations que quelqu'un qui a une certaine expérience des comptes se demande pourquoi on publie autant de chiffres; ceux qui n'ont pas d'expérience des comptes se plaignent que cette abondance de chiffres cache quelque chose.
Alors on a progressé, notamment avec la décision du mois de novembre 2005: on a dit qu'il ne fallait plus uniquement que les réserves moyennes nationales soient conformes aux exigences légales, mais qu'il fallait aussi essayer d'avoir des réserves cantonales comprises entre plus ou moins 5 pour cent de la moyenne nationale, afin d'éviter que certains cantons n'assurent les réserves de l'ensemble des assureurs-maladie.
On va aussi répondre à cette question de la transparence dans le cadre du postulat Robbiani 05.3625, "Pour une meilleure information des assurés-maladie". On peut faire des progrès, mais on n'aura jamais une transparence totale, tout simplement parce que cela exige aussi des compétences en comptabilité: une capacité de comprendre les comptes et de les interpréter. Ceci n'est probablement pas à la portée de quelqu'un qui n'a pas l'habitude de traiter les comptes et qui, au contraire, se fait un point d'honneur de ne pas avoir une attitude de comptable à l'égard des réalités chiffrées et qui les repousse d'un geste de la main, comme l'a fait cet excellent médecin - que j'aime bien par ailleurs - qui a ensuite repris sa plume pour écrire qu'il n'y avait pas de transparence, après avoir déclaré lui-même ne pas être en mesure de comprendre les comptes!